Offene Briefe an das Maximiliansgymnasium am Tivoli

Zweiter offener Brief an das Maximiliansgymnasium am 9. Dezember 2018

Danke für die Antwort vom 28. November 2018. Diese geht aber nicht auf den gegenwärtigen Gongmissbrauch um 9:40 Uhr, 9:55 Uhr und 10:00 Uhr sowie auf meine Argumente für die Bitte zur Abschaltung des Außengongs ein. Zudem wird offensichtlich die Erweiterung auf das zweite Pausenende mit 11:40 Uhr und 11:45 Uhr geplant. Wenigstens ist der Unsinn des Umgebungsgongs zu Pausenbeginn auf dem menschenleeren Schulgelände erkannt worden. Der erste Außengong zum Pausenende soll bleiben, erweist sich jedoch weiterhin als überflüssig, weil der Innengong auf dem gesamten Grundstück zu hören ist. Beim Außengong für die Unterrichtsanfänge nach den Pausen soll der Unsinn ohne Personen im Freien bestehen bleiben. Dadurch wird jedoch ein unpünktlicher Unterrichtsbeginn nicht verhindert.

Weiter liest man in der Antwort von einem unterstellten Gefühl der Störung und einer nicht unverhältnismäßig hohen Belastung durch den Gong. Tatsächlich nehme ich den Gong bei geschlossenen Fenstern am Schreibtisch wie einen Türgong oder im Bett wie einen Wecker wahr. Das ist nicht vergleichbar mit dem möglichen Überhören des Straßenverkehrs oder anderer Umgebungsgeräusche. Bei geöffnetem Fenster höre ich sogar den Innengong. Dieser wird also mit Sicherheit innerhalb des umzäunten Schulgeländes wahrgenommen. Die dort anwesenden Schüler beenden die Pausen, weil sie den Innengong hören. Außerdem gibt es Lehrkräfte für die Pausenaufsicht und für die notwendigen Anweisungen zur Pausenbeendigung nach dem ersten Gong, die befolgt werden müssen. Die Antwort beinhaltet keine Gründe für den Außengong, der die gesamte Umgebung außerhalb der Umzäunung beschallt.

Ein Problem der Schule sind offensichtlich Schüler, die das Grundstück in den Pausen verlassen. Die Aussage in der Antwort, dass sich während der Pausen nahezu alle Schüler auf dem Schulgelände befänden, trifft nicht zu. Ich kann das Verlassen und die Rückkehr vieler Schüler von meinem Schreibtisch aus sehen. Mit den Schulbussen hat dies nichts zu tun. Schüler gehen zum Unigelände, versammeln sich auf den Bürgersteigen und hören wegen der Entfernung und des Pausenlärms den Innengong nur mehr erschwert. Dieser Grund für den ansonsten überflüssigen Außengong entsteht durch Mängel bei der Erziehung zur Selbständigkeit und Pünktlichkeit. Die Schule hat somit ein pädagogisches Problem. Unterricht wird nicht, wie missverständlich angenommen, vom Gong oder von Schülern begonnen oder beendet, sondern von Lehrkräften. Diese müssen den pünktlichen Unterrichtsbeginn einfach durchsetzen und damit den Schülern die selbständige Pünktlichkeit und das Befolgen von Weisungen lehren. Anderes ist als Versagen der Lehrkräfte zu bewerten. Auf dem Unigelände sind aber auch Schüler wahrzunehmen, die trotz Außengong zum Pausenende die Rückkehr nicht antreten, sondern sich soviel Zeit lassen, dass sie unmöglich zum Unterrichtsbeginn anwesend sein können.

Weitergedacht bedeutet ein – nach der Antwort der Schulleitung – unpünktlicher Unterrichtbeginn, dass sich Nachbarn in der Wohnung durch den Außengong stören lassen sollen wegen Erziehungs- und Autoritätsmängel der Schule und somit wegen Unfähigkeit der Lehrkräfte. Nachbarn sollen also Gongstörungen dulden, weil Lehrkräfte Unpünktlichkeit nicht verhindern können oder Pünktlichkeit nicht durchsetzen können. Das Maximiliansgymnasium bringt diese Unglaublichkeit in der Antwort zum Ausdruck und teilt sie als Behördenschreiben sogar noch schriftlich der Öffentlichkeit mit. Der Außengong und die in der Antwort enthaltene Rechtfertigung beschädigen das Ansehen der Schule als Einrichtung für Wertevermittlung und Erziehung.

Lärm durch Signale im öffentlichen Raum ist sehr wohl unzulässig und rechtswidrig – noch dazu, wenn er überflüssig ist und mit pädagogischen Mitteln vermeidbar wäre. Eine übliche Gongpraxis im Außenbereich gibt es nicht, weil nicht alle Schulen dieselben Bedingungen haben. Bei Wohnungsnachbarn würden pflichtbewusste und rücksichtsvolle Schulen die Lautstärke auf das Schulgrundstück begrenzen und auf einen Umgebungsgong verzichten. Wenn Schüler am Tivoli die Schulanlage nicht verlassen würden, wäre der Innengong ausreichend. Die Verwendung des Außengongs ist rücksichtloses Verhalten von Schülern und Lehrern. Das Überhören des Pausenlärms in der Nachbarschaft wird verhindert. Dieses Gymnasium im Geist des Humanismus ist seit dem Ende der Herbstferien zu einem Vorbild für Rücksichtslosigkeit geworden.

Weiterhin bemerkenswert in der Antwort ist, dass Geschrei als unvermeidliche Lebensäußerung beim Zusammentreffen von Menschen gesehen wird. Das ist Negativwerbung für die Schule und ihre Lehrkräfte. Vernünftige und verantwortliche Eltern würden ihren Kindern in Wohngebieten nachmittägliches Geschrei, wie es von manchen Schülern am Tivoli zu hören ist, untersagen. Das Maximiliansgymnasium bittet aber um Verständnis für die Duldung. Gerne habe ich Verständnis für Lebensäußerungen im öffentlichen Raum und beim Zusammentreffen von Menschen, wenn sie begründet und sinnvoll sind. Vermeidbarer, störender Lärm und unsinniges Geschrei gehören dagegen nicht dazu.

Das aktuelle Programm der Münchner Volkshochschule beinhaltet neun Veranstaltungen in der Oettingenstraße, wobei drei bei jeweils fünf Terminen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag bis 21:00 Uhr beendet sind. Gegenwärtig erfolgt die wechselnde Beleuchtung aber nach 21:00 Uhr in der ganzen Woche und an den Wochenenden bis in die Morgenstunden. Lichtverschmutzung und Energieverschwendung sind offensichtlich beabsichtigt und werden von Zeitschaltuhren gesteuert, wie ich vom Schreibtisch aus feststellen muss. Die Technik der Containeranlage scheint von den derzeitigen Nutzern für eine angemessene Passung von Licht- und Lärmausscheidungen nicht beherrscht zu werden.

Ich bitte das Maximiliansgymnasium, der Öffentlichkeit und mir keine Ausreden und Unwahrheiten mitzuteilen. Abschließend wiederhole ich meine Bitte zur Abschaltung des überflüssigen, unsinnigen rechtswidrigen, die Schule beschämenden und die Nachbarn rücksichtslos störenden Außengongs, bevor ein anderes Vorgehen notwendig wird.

München, 9. Dezember 2018
Mit freundlichen Grüßen
Josef Maria Wagner


Antwort des Maximiliansgymnasiums am 28. November 2108

“Sehr geehrter Herr Wagner,

vielen Dank für Ihre Nachricht und die offene Mitteilung Ihres Anliegens. Wir bedauern sehr, dass Sie sich durch die Verwendung des Außengongs in den Pausen gestört fühlen.

Allerdings kann ich Ihnen leider nur mitteilen, dass die Verwendung eines Außengongs zur Beendigung von Pausen weder unzulässig noch rechtswidrig ist, sondern der üblichen Praxis an allen Schulen aller Schularten entspricht. Während der Pausen befinden sich nahezu alle Schüler auf dem Freigelände der Schule, von der Unterstufe bis zur Oberstufe. Pausen können ohne Außengong nur schwer so effektiv beendet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler wieder pünktlich im Unterricht sind. Eben dies hat die Erfahrung der Wochen vor den Herbstferien überdeutlich gezeigt. Da es sich nur um zwei Pausen und somit insgesamt um vier Gong-Signale handelt, davon jeweils zwei im Fünf-Minuten-Abstand (um 9.55, 10.00, 11.40 und 11.45 Uhr), erscheint die Belastung auch nicht unverhältnismäßig hoch.

Bei dem von Ihnen ferner beklagten „nachmittäglichen Geschrei“ handelt es sich vermutlich um die sogenannte „bewegte Pause“, während der sich die Kinder der Unterstufe zwischen dem anstrengenden Vormittagsunterricht und der Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag ein bisschen bewegen und so entspannen sollen. Ein wenig Lärm lässt sich da nicht ganz vermeiden.

Gerne werden wir aber Ihr Anliegen an die Aufsichten dieser Mittagspausen weitergeben mit der Bitte, darauf zu achten, dass sich der Lärm in möglichst engen Grenzen hält.

Die Beleuchtung am Abend schließlich erklärt sich aus der täglichen (Mo. bis Do.) abendlichen Belegung der Schule mit Kursen der Volkshochschule.

Schule ist eben ein öffentlicher Raum, an dem wie überall, wo viele Menschen zusammentreffen, sich gewisse Lebensäußerungen nicht ganz vermeiden lassen. Dafür bitte ich Sie um Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
[Name im Original mitgeteilt]
Studiendirektor
Stellvertretender Schulleiter
am Maximiliansgymnasium München”


Erster offener Brief am 14. November 2018

Als neuem Nachbarn in den Containern wünsche ich der Schule eine erfolgreiche Zeit am Tivoli. Nachdem die Anwohner in den Ferien den erneuten Lärm für den Erweiterungsbau ertragen mussten, will die Schule die Belastung für die Nachbarn sicherlich gering halten. Erfreulicherweise wurde zu Beginn des Schuljahres als Signalgerät nur den Innengong verwendet und auf den Außengong verzichtet. Dadurch und wegen der Erweiterungscontainer war bei manchen Wetterlagen sogar das Überhören des Pausenlärms möglich.

Nach den Herbstferien ertönte jedoch wieder ein Außengong, der in den Wohnungen über dem Eisbach und sicherlich auch in den Institutsgebäuden als unnötig störend wahrgenommen werden muss. Der Außengong erzeugt einen unzulässigen und nach den Umständen vermeidbaren Lärm, der rechtlich gesehen gegen die öffentliche Ordnung verstößt. Die neue Verwendung des Außengongs ist nicht nur unrechtmäßig, sondern auch unbegründet und sinnlos, wenn sich keine Schüler auf dem Freigelände der Schule befinden. Pausen können ohne Außengong beendet werden.

Volljährige Schüler außerhalb des Schulgeländes haben die anschließenden Anwesenheitspflichten selbständig einzuhalten. Das in den Wohnungen störende Signal wird sich wohl kaum an diese eigenverantwortliche Schülerschaft richten. Zudem haben Lehrkräfte Möglichkeiten, Pünktlichkeit bei erwachsenen Schülern ohne Gong durchzusetzen. Die erwachsene Schülerschaft will sich sicher nicht in das eingeschränkte Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein von Jugendlichen und Kindern zurückgongen lassen.

Somit sind pünktliche Pausenenden und Unterrichtsanfänge ohne den Außengong möglich – so wie vor den Herbstferien und jetzt bei der zweiten Pause. Ich bitte die Schule, den Außengong abzuschalten. Wohnen, Leben und Arbeiten der in den Wohnungen anwesenden Nachbarn würden nicht mehr rücksichtslos gestört werden.

Eine weitere Bitte ist die Vermeidung von Lärm, der auf dem Schulgelände entsteht und außerhalb ebenfalls stört. Dazu gehört besonders nachmittägliches Geschrei einzelner Schülerinnen und Schüler im Freien. Diese fühlen sich offenbar nicht beaufsichtigt und werden nicht zu angemessenem Verhalten angeleitet. Für Anwohner ergibt sich ebenfalls eine  unnötige Lärmbelästigung.

Meine dritte Bitte betrifft die Beleuchtung. Bei Dunkelheit erzeugt das menschenleere Containergelände Lichtverschmutzung und Energieverschwendung ohne erkennbaren Sinn. Dieses Licht ist genauso überflüssig wie Gong und Geschrei.

Ich richte meine Bitten zunächst mit E-Mail an die Schule. In meinem Internetangebot Tivolifoto.com können Schule und Nachbarn öffentlich zur Kenntnis nehmen, dass ich in der Wohnung besonders den Außengong als unnötig störend und nicht hinnehmbar wahrnehme.

München, 14. November 2018
Mit freundlichen Grüßen
Josef Maria Wagner