Über Tivoligeschichten

Aktualisiert am 8. Dezember 2017

Weil ich in München am Tivoli wohne, nenne ich mein Internetangebot Tivolifoto. Wenn ich Geschichten schreibe, dann heißen sie für mich natürlich Tivoligeschichten, obwohl diese mit dem Tivoli in München vielleicht wenig zu tun haben. Die Geschichten sind aber wahr oder haben einen Wahrheitsgehalt. Manchmal entstehen sie am Computerschreibtisch, gelegentlich aber auch am Wirtshaus-, Gastgarten- oder Biergartentisch in meinem Notizbuch. Diese Aussage ist natürlich Schmarrn. Es ist viel dramatischer. Die Erlebnisse zu den Geschichten sind in meinem Kopf. Sie lassen mich nicht mehr los, bis ich sie aufgeschrieben habe. Danach bekomme ich aber gelegentlich ein Problem. Bei manchen Sätzen, Satzteilen, Satzfolgen oder Übergängen bemerke ich nachträglich, dass sie umständlich konstruiert wirken können. Ursachen sind vielleicht die vielfältigen Möglichkeiten der Veränderung oder Erweiterung von Texten am Bildschirm. Diese Selbsterkenntnis soll vermitteln, dass ich daran arbeite.

Hätte mir jemand im Verlauf meines Berufslebens gesagt, dass ich irgendwann freiwillig Geschichten verfassen werde, dann hätte ich den betreffenden Verstand infrage gestellt. Für mich ist das Schreiben schon immer eine Anstrengung gewesen, die man im Verlauf der kindlichen oder jugendlichen Schulzeit ausgetrieben bekommt. Meine Aufsätze sind grundsätzlich dunkelrot und mit entsprechenden Noten zurückgekommen. Ich habe dies als Schicksal hingenommen, weil mir die Ursachen nicht verständlich gemacht worden sind. So geht es wahrscheinlich immer noch vielen Schülern.

Nach erfolgreicher, akademischer Bildung kommt man im beruflichen Leben nicht mehr um sprachliche Richtigkeit herum. Deshalb musste ich mir aneignen, was die schulische Bildung nicht vermocht hatte. Texte mit beruflicher Sachlichkeit haben aber eigene Bedingungen, Notwendigkeiten oder Zwänge. Private Geschichten gibt jeder gerne in Gesprächen wieder. Der Schritt, meine Tivoligeschichten aufzuschreiben, entwickelte sich mit dem Fotoangebot im Internet. Ich erkannte, dass mir das Herzeigen von Fotos zu wenig ist. Texte zu den Zusammenhängen und Hintergründen wurden mir wichtig. Dabei bemerkte ich, dass ich vieles erlebe, das mit Fotos nicht mitgeteilt werden kann.

Mein schriftliches Mitteilungsbedürfnis hat aber vielfältige Ursachen. Ich erlebe weibliche und männliche Gesprächsteilnehmer häufig als Ratschn und Schmatza – in der Extremform als Totschwätzer oder als Mausdoutschmatza, bei deren Tod man s`Mei extra daschlong muss. Dann entwickle ich eine Neigung zur Zurückhaltung. Nichtssagende Geschwätzigkeit ist für mich Zeitdiebstahl. Alle kennen das, wenn sie beispielsweise Erlebtes als Wiederholung oder die Handlung von Romanen und Spielfilmen erzählt bekommen. Höflichkeit in Gesprächen gebietet, diese Form der Machtausübung teilweise zuzulassen. Bei Geschriebenem hat ein Leser die Freiheit des Abbruchs. Mit dem Schreiben kann man Bemerkenswertes, Kritik oder Humor mitteilen, ohne Zwang auszuüben. Zudem bekomme ich als Schreibender durch die Mitteilung an Lesende die Möglichkeit der Entlastung. In Partnerschaften wird dies oft mündlich betrieben. Ich mache dies einfach schriftlich, weil ich alleinstehend bin. Aus diesen vielfältigen Gründen musste ich anfangen, Erlebtes in Tivoligeschichten festzuhalten.

Im Lauf der Zeit entwickelte ich ein Ordnungssystem für die Texte. Mit dem Bereich Aus der  Vorstadt sind Beiträge zum örtlichen Bezug vor der Haustür, im Wohnviertel gemeint. Beim Stenz und Grantler kann ich alles zusammenfassen, was mir gefällt oder missfällt. Django ist eine Kunstfigur, die sich über jede Systematik hinwegsetzen darf. Bei der Zuordnung von Geschichten gibt es natürlich Überschneidungen. Gelegentlich fasse ich Texte zu einem privaten Buchbeitrag zusammen. Meine Fotobücher sind für mich bislang aber die normale Entwicklung.

Bei den Tivoligeschichten möchte ich, dass niemand zum Lesen am Bildschirm gezwungen wird. Wer sich dafür interessiert, soll auch die Möglichkeit haben, vom Papier zu lesen. Deshalb biete ich neue Geschichten zum PDF-Download und zum Ausdruck an. Beim Formatieren versuche ich, mich mit Spaltensatz und Schriftgröße auf ein oder zwei DIN-A4-Seiten zu beschränken. Der Anspruch, Geschichten und Texte mit geringem Umfang zu verfassen, ist häufig schwieriger als das Gegenteil. Außerdem bewirken lange Texte eine größere Anstrengung oder vielleicht sogar eine Ablehnung beim Leser. Wie beim Schreiben haben viele Menschen durch die schulische Bildung eine Abneigung gegenüber dem Lesen entwickelt.

In meiner Fototasche befinden sich immer einige Tivoligeschichten als gedruckte PDF-Texte. Diese verschenke ich gerne, wenn sich ein natürlicher inhaltlicher Bezug in Gesprächen ergibt. Meist werden die Geschichten dann nicht in der Tischgesellschaft gelesen, sondern auf dem Heimweg in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Wohnung. Immer bekomme ich eine positive Rückmeldung beim Wiedersehen, die Bitte nach neuen Geschichten und die Ermunterung weiterzumachen.

Ich weiß nicht wohin mein Weg geht. Das ist auch gar nicht so wichtig. Wenn es mich drückt, schreibe ich eine Geschichte oder arbeite an einem Fotobuch. Beides macht Sinn für mich und gehört zusammen. So kann ich beispielsweise Humor mehr mit Texten vermitteln, Schönheit aber eher mit Bildern. Manchmal ist es aber auch ganz anders. Außerdem möchte ich mich bewusst von Dampfplauderern abgrenzen, die sich nur im gesprochenen Wort festlegen. Wörter und Bilder gehören für unterhaltsame und nachvollziehbare Aussagen zusammen. Ich wünsche gute Unterhaltung mit meinen Tivoligeschichten.