Musik- und Fotospiel auf der Oidn Wiesn

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Eine erste Erkenntnis ist sehr einfach. Ich empfinde Personen und Situationen als attraktive Motive. Das reicht mir aber nicht. Dann kommt das Instrument ins Spiel. Material, Farbe und Form haben unterschiedliche Anmutungsqualitäten. Dazu begeben sich Glanz, Spiegelungen und Lichtreflexe bei Metallinstrumenten sowie alle Möglichkeiten bei Klangkörpern aus Holz und natürlich die Gesamtsituation. Außerdem erlaubt das Fotografieren an den Musikbühnen der Oidn Wiesn eine besondere Nähe zu den Musikanten. Deshalb kann man als Fotograf mit den Schärfepunkten spielen. Manchmal liegen sie auf dem Mund, dann wieder auf der Hand oder direkt auf dem Instrument. Wichtig für den Gesamteindruck ist auch das Zusammenwirken von Vordergrund und Hintergrund.

Dies alles sind Vorgehensweisen, die für mich beim Fotografieren intuitiv ablaufen. Da ich in kurzer Zeit viele Bilder aufnehme, denke ich nicht lange nach, sondern weiß, dass meine spätere Auswahl am Bildschirm genauso wichtig ist. Zusätzliche Gestaltungselemente sind dann der Schnitt und die Anordnung in Doppelseiten des Fotobuchs. Wahrscheinlich sind meine Methoden einzigartig unter den Amateurfotografen, die ihre Bilder im Internet zeigen. Das ist aber noch kein Qualitätsmerkmal. Ich habe mich einfach so entwickelt und möchte nicht stehen bleiben, sondern weiterhin etwas Neues machen.

Genauso wie Musikanten etwas zum Ausdruck bringen, möchte ich Bilder zum Sprechen gestalten. Das geht über den Anspruch von Ansichten und Blicken hinaus. Der dokumentarische Aspekt soll nicht mehr im Vordergrund stehen – auch nicht die individuelle Sichtweise meiner persönlichen Blicke. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass dies immer bestehen bleibt. Meine Absicht ist, mit dem neuen Beitrag so etwas herzuzeigen wie die eigene Kraft und Wirkung der Bilder. Vielleicht ist es eine Illusion, aber ich probiere es einfach und fange an. Dabei dürfen wichtige Programmpunkte durchaus fehlen, z. B. die Münchner Oktoberfestmusikanten oder die Landlergschwister. Außerdem wird das Zusammenwirken mit dem Publikum nicht berücksichtigt, z. B. Ankündigung, Prositgesänge, Tanz und Applaus. Emotionale Momente wie Gestalten von Gemeinschaft sind nur schwer zu fotografieren, mit Freude und Genuss sieht es besser aus.

Bei früherer Fotoauswahl habe ich gelegentlich mit Ausschlussverfahren gearbeitet. Das heißt, alle Fotos werden auf dem Rechner in einen zweiten Ordner kopiert und ich lösche, was mir weniger zum Herzeigen zusagt. Dies hat den Nachteil, dass später auffallende Wirkungen und Beziehungen nur eingeschränkt möglich sind. Ein Auswahlverfahren ist besser geeignet. Ich will aber davon loskommen Programmpunkte zu dokumentieren. Eine aufbauende, gliedernde Anordnung ist trotzdem notwendig. Dazu beginne ich mit den kleineren Gruppen im Museumszelt, wechsle zum Festzelt Tradition mit den großen Musikvereinen oder Stadtkapellen und ende mit dem Festzelt Herzkasperl. Die Fotostrecke zeigt damit auch den Wechsel von der traditionellen zur neuen Volksmusik. Dabei hat die Kleidung der Musikanten andere Stilelemente. Die Instrumente sind nicht nur neu und glänzend, sondern auch alt und matt. Nationalistische und militärische Musiktradition verschwinden oder werden volkstümlich gesehen. Ich verwende diesen Begriff bewusst, obwohl er missverstanden werden kann. Den Anglizismus folkloristisch halte ich trotz seiner Modernität für unpassend.

Zeitgemäß, modern und gelegentlich auch fragwürdig ist die elektronische Verstärkung von Musikinstrumenten. Derartiges Musikspiel ist manchmal wegen Mikrofonen, Kabeln und Ständern sowie unruhigen Hintergründen nur eingeschränkt schön zu fotografieren. Trotz dieser Probleme geht aber von manchen Instrumenten und Musikanten eine Bildwirkung aus, welche die Musik fast hören lässt. Gut erkennen kann man auch, wie bestimmte Personen einfach fast nur zum jeweiligen Instrument passen. Dann erlebe ich aber wieder die Überraschung, dass eine Geigerin am nächsten Tag mit der Tuba woanders mitspielt. Passungen und Ungewöhnlichkeiten sind Möglichkeiten des Fotospiels so wie Wiederholungen, Steigerungen, Gegensätze, Spiegelungen, Blickwinkel, Auswahl und Anordnung, Vordergrund und Hintergrund, Gesamt- und Detailansicht. Die Methoden des Fotospiels sind so vielfältig, dass sie Handlungsfolgen von Videos übertreffen können.

Sagt mir doch vor Jahren ein beschränkter Zeitgenosse, dass Videos den Fotos ganz klar überlegen seien. Ich habe dies als untrügliches Zeichen bewertet, dass bewusstes Schauen sich genauso auf dem Rückzug befindet wie Lesen. Die aktuelle Smartphone-Nutzung unterstreicht dies. Viele Leute fotografieren erstmal und verzichten auf das Hinschauen. Wer bei meinem Ohne-Worte-Fotospiel genau hinschaut, entdeckt beispielsweise das Gesicht auf dem Titelbild, die schönen Trompetenbeine oder die sieben gespiegelten Erntekronen. Ich wünsche gute Unterhaltung mit meinen fotografischen Spielereien von der Oidn Wiesn 2015.

Musikkapelle St. Georg Mehring-Raitenhaslach

Jochberg Musikanten

Jochberg Musikanten

Hopfenblech

Hopfenblech

Landsberger Tanzlmusikanten

Landsberger Tanzlmusikanten

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Penzberger Magistratsmusik

Penzberger Magistratsmusik

Pipinsrieder Musikanten

Pipinsrieder Musikanten

Pipinsrieder Musikanten

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Pipinsrieder Musikanten

Pipinsrieder Musikanten

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Schöffeldinger Musikanten

Schöffeldinger Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Reisbacher Musikanten

Musikkapelle Schleching

Musikkapelle Schleching

Stadtkapelle Bobing

Stadtkapelle Bobing

Spielmannszug Bad Wiessee

Spielmannszug Bad Wiessee

Spielmannszug Bad Wiessee

Spielmannszug Bad Wiessee

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Stadtkapelle Bobing

Stadtkapelle Bobing

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Neukirchner Blasmusik

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Oberallgäuer Tanzgeiger

Oberallgäuer Tanzgeiger

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There are 6 comments

  1. meinesichtderwelt

    Lieber Josef, ich war auch im letzten Jahr begeistert, mag dein neues Projekt aber richtig gerne. Ich mag, wie du das Instrument angeschnitten hast, spüre förmlich den Ton herauskommen … Schön. Ganz liebe Grüße von Doris

    1. Josef

      Liebe Doris, das Anschneiden eines Gesichts oder Instruments ist immer ein Wagnis. Man gibt dem Ausdruck eine Form. Wenn Du meinst, herauskommende Töne zu spüren, dann fühle ich mich mit dem Fotospiel bestens verstanden. Für diese Mitteilung danke ich Dir sehr und grüße herzlich vom Tivoli, Josef

  2. ute42

    Es macht einfach Spaß, deine Aufnahmen anzuschauen – das Glänzen der Instrumente, die Spiegelungen darin, die Mimik der Musikanten und für mich als Realistin sogar gestochen scharfe Uhrzeiten auf den Armbanduhren 🙂
    Wirklich schöne Impressionen.

    1. Josef

      Liebe Ute, wenn Du Spaß beim Anschauen hast, dann bist Du schon keine Realistin mehr. Dafür spricht auch die Wahrnehmung von Glanz, Spiegelung und Mimik. Vielen Dank für Deine lobende Bewertung und herzliche Grüße aus München, Josef

  3. ladyfromhamburg

    Lieber Josef,
    es ist sehr spannend, sich nach deiner Einführung – jetzt mit Kenntnis der Ansprüche, die du dir selbst gesetzt hast und auch mit mehr Information beispielsweise zur Abfolge – alle deine Aufnahmen in Ruhe nach und nach anzusehen. Es bestätigt absolut die Umsetzung deiner Absichten!
    Mir gefallen zum einen die Aufnahmen sehr gut, in denen einzelne Musiker hautnah mit ihrem Instrument zu sehen sind, mit ihm verschmelzen. Und andererseits zieht es meinen Blick an, wenn im Vordergrund ein Instrument deutlich/scharf wieder gegeben ist, sich dieses Instrument im Hintergrund mehrfach wiederholt, aber mit zunehmendem Tiefe (Entfernung) immer verschwommener wird. Genauso reizvoll sind die von dir vorher auch erwähnten Spiegelungen im Metallglanz der Blasinstrumente, Detailaufnahmen oder die Konzentration, teilweise auch Hingabe einzelner Musiker an ihr Instrument.
    Dir ist es definitiv gelungen, dich von bloßer Dokumentation abzusetzen, Josef! Es hat mir so sehr gut gefallen!

    Liebe Grüße aus dem momentan sehr nebligen Norden!
    Michèle

    1. Josef

      Liebe Michèle, vielen Dank für die Bestätigung der Umsetzung meiner Absichten mit dem Fotospiel. Die dokumentarische Vorgehensweise ist immer berechtigt. Mit diesem Beitrag wollte ich einfach ein wenig spielen. Dass es Dir gefällt, freut mich sehr. Für die Zukunft werde ich wohl beide Aspekte je nach inhaltlichem Zusammenhang berücksichtigen. Die Freiheit, mit der ich Beiträge gestalten kann, ist für mich ein Genuss. Musikanten und Instrumente zu fotografieren hat Eigenheiten. Wenn Du Verschmelzung und Hingabe wahrnimmst, dann habe ich beim Fotografieren und Herzeigen vermutlich etwas richtig gemacht. Mein nächstes Thema ist der Volkstanz. Ich bin schon gespannt, wie sich das entwickelt. Für diesen Beitrag bin ich heute ganztägig am Computer geblieben, obwohl wir im Süden derzeit sonniges Herbstwetter haben. Es bleibt aber die ganze Woche so. Ich grüße herzlich in den hoffentlich bald auch wieder sonnigen Norden, Josef

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