Wer ist der Aloisius?

Hinweise

Das Titelbild entspricht nicht den historischen Seiten im Simplizissimus, sondern den Ergebnissen meiner Bildbearbeitung. Ich beabsichtigte, es harmonisch in die weißen und blauen Farben von Tivolifoto einzufügen und anderen Beitragsbildern anzupassen. Die historischen Abbildungen sind im Kapitel Ludwig Thoma, 1911, verlinkt, sodass man die Frakturschrift in der Vergrößerung lesen kann.

Dieser Beitrag versteht sich als der dritte Teil meiner Aloisius-Trilogie. Braucht das heimatliche Thema weitere Teile, dann habe ich mich eben geirrt. Und das ist bei einer solchen fragwürdigen Angelegenheit wie diesem Schutzpatron leicht möglich. Es gilt nämlich nicht als gesichert, ob er wirklich hilft. Einige Wiederholungen in den drei Beiträgen habe ich beseitigt, andere waren aber unvermeidlich.

Die vorherigen Teile betrafen den Schutzpatron mit den Tivoligeschichten Aloisius hat geholfen und Aloisius hilft im Hofbräuhaus. Im dritten Beitrag stehen die textlichen, bildlichen und anderen Darstellungsformen mit ihren kritischen Inhalten im Mittelpunkt.

Dass ich in meinem Leben etwas über den Münchner im Himmel schreibe, war vor 2011, dem Entstehungsjahr meines Internetangebots, unvorstellbar. Erstens hielt ich ein solches Thema für viel zu spießig, abgedroschen und verstaubt. Zweitens wollte ich damals nur Fotos im Internet zeigen, weil mein Schreiben als mühsam, sprung- und fehlerhaft empfunden wurde. Jedenfalls ist mir das im schulischen und beruflichen Leben so vermittelt worden.

Gearbeitet hatte ich immer gerne. Einem fleißigen Arbeiter legt man aber oft Steine in den Weg, wenn er sich der Wahrheit verpflichtet fühlt und fragwürdige Autoritäten kritisiert. So war es zu gesundheitlichen Problemen gekommen.

Danach kam die große Freiheit mit dem Ruhestand. Das gefiel mir anfänglich, bis ich bemerkte, nichts zu tun und nichts zu kritisieren zu haben. So entstand Tivolifoto mit den ursprünglichen Themen Radeln und Fotografieren.

Das Entstehungsjahr war hundert Jahre nach der Geburt des Münchners im Himmel – natürlich ausgenommen seiner Vorgeschichten. 2011 war ich 57 Jahre alt und immer noch in einem Fortschrittsdenken verhaftet.

Heute beschäftige ich mich eher mit der Vergangenheit und den Traditionen, die gegenwärtig immer mehr gefährdet werden. Was mich zu neuem Granteln und zur Kritik oder dem Mich-Aufregen veranlasst.

Prinzregent Luitpold über dem Eingang in der hohen Schwemme
Prinzregent Luitpold über dem Eingang in der hohen Schwemme

Die Gefahren des Traditionsverlusts und Auswirkungen des Grant versuche ich am Beispiel der bayerischen Wirtshauskultur aufzuzeigen. Und schon sind wir beim berühmtesten Wirtshaus der Welt angelangt.

Das Hofbräuhaus hat Glück gehabt, von Ludwig Thoma erwähnt zu werden. Es hätte genauso ein anderes Wirtshaus treffen können, aber das Ziel war ein staatlicher Bierpalast im ausgehenden Deutschen Kaiserreich und im Königreich Bayern. Prinzregent Luitpold aus der Zeit des Gebäudeumbaus von 1897 wacht heute noch über dem Eingang.

Ludwig Thoma grantelte 1911 gegen Anton von Wehner, den Bayerischen Staatsminister des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten – nach aktuellem Verständnis ein Kultusminister, mit der Zuständigkeit für sprachliche Richtigkeit.

Meine Frage des Titels ist aus mehreren Gründen falsch und in der heutigen Zeit wegen fragwürdiger rechtlicher Vorgaben sogar nicht gestattet. Deshalb erkläre ich diesen Beitrag zur Satire und verlinke als Kritiker oder Grantler auf meinen Protest gegen die Beraubung der Freiheit für Bayern: Freiheit für Bayern – Manifest mit Volksmusik.

Ich stelle fest, dass wir niemals deutsche oder preußische Untertanen werden, auch wenn die CSU und ihre Koalitionäre noch so lange schlafen und das bayerische Staatsvolk mit dem Freiheitsabbau und dem Länderfinanzausgleich berauben lassen. Unsere Staatsregierung könnte den Unsinn doch ganz einfach nicht bezahlen, ist aber zu feige dazu.

Fragwürdigkeiten

Wortmarken

Nach dem „Engel Aloisius“ oder nur „Aloisius“ darf man überhaupt nicht fragen. Auf dieses Verbot weist die folgende Internetseite des Hauzenbergers Thomas Resch hin: http://www.engel-aloisius.de/. Dort wird ein neu gezeichneter Aloisius vorgestellt, der wenig mit dem in Bayern bekannten Himmelsengel von 1962 zu tun hat. Der Niederbayer hat ihn vom Grafiker Robert Rottensteiner zeichnen lassen und sich die Namensrechte gesichert. Zitat aus der Seite des stolzen Urheberrechtlers:

Eingetragene Wortmarke / Urheberrecht

  • „Engel Aloisius“ und „Aloisius“ sind eingetragene Wortmarken.
  • Das Logo ist eine eingetragene Wort- / Bildmarke.
  • Die Illustrationen unterliegen dem Urheberrecht (geistiges Eigentum ist geschützt).

Die unberechtigte Nutzung der Markennamen sowie der Illustrationen werden zivil- und strafrechtlich verfolgt!

Finde den Fehler! Immerhin ist der Schlusssatz grammatikalisch falsch. Die Abendzeitung vom 5. August 2008 berichtete über die Angelegenheit mit Befragung der Aloisius-Zeichner von 1962, dem Ehepaar Traudl und Walter Reiner aus Fischbachau.

Traudl war schockiert und bezeichnete den modernen Aloisius als grauenhaft und als ein „komisches Manschgerl aus der Unterwelt“. Sie empörte sich über den Hauzenberger, weil er den erfolgreichen Film und das Original schlechtmachte. Der Niederbayer rechtfertigte seinen Aloisius als eine moderne und liebenswerte Figur mit gewaltiger Zustimmung aus seinem Umfeld.

Walter Reiner hielt ihn für keinen Bayern, von dem sich die Staatsregierung etwas sagen ließe, und verstand nicht, dass man sich den einmaligen Namen vom Schöpfer Ludwig Tohma sichern lassen darf. Das Versäumnis, die Marke anzumelden, stellte der Niederbayer fest.

Am 14. Februar 2010 griff die TZ das Thema auf und schrieb über geplante neue Abenteuer. Nach meinem Kenntnisstand wurde der moderne Aloisius seitdem kaum kommerziell genutzt. Sich auf eine Wortmarke und das Urheberrecht zu berufen, halte ich für mehr als fragwürdig. Vermutlich geniert sich der Waidler nicht und hat das Recht auf seiner Seite.

Ich bedauere ihn, weil sich ein gescheiter Niederbayer doch etwas Neues für seine Urheberschaft einfallen lässt, statt Anderweitiges und Aufgewärmtes zu beanspruchen. Sind Pläne gescheitert, dann vermüllt man doch nicht das Internet. Die Eintagsfliege mit dem greislichen Aloisius ist im Internet vereinzelt zu sehen, ich biete aber keine Abbildung an. Man muss sich die Mühe machen, einen der folgenden Links aufzurufen:

Wer so dumm ist, sich so etwas dauerhaft unter die Haut stechen zu lassen, der hat es verdient. Dieser Aloisius-Skandal hat dem Verursacher immerhin eine fragwürdige Öffentlichkeitswirksamkeit eingebracht. Meine Titelfrage beantwortet er sicherlich nicht.

Urheberrechte

Bei einigen hier zitierten Texten und Bildern ist die Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers beendet, bei anderen nicht. Strenggenommen müsste ich für die Abbildungen des 1962er Aloisius die Rechte erbitten. Die Anschrift der Firma Reiner-Film ist aber im Internet nicht zu finden.

Außerdem habe ich keine gewerblichen Absichten mit diesem Beitrag. Im Gegenteil: Ganz Tivolifoto ist gemeinfrei, werbefrei und ohne Zählpixel der Verwertungsgesellschaft Wort. Das heutige Urheberrecht sehe ich als veraltet an, weil es sich nicht auf digitale und unkommerzielle Werke im Internet bezieht. Ich gebe Informationen unentgeltlich weiter, damit sie der Unterhaltung und vielleicht sogar ein wenig der Bildung dienen – für mich und die interessierte Öffentlichkeit. Dafür wende ich monatlich etwa 100 € auf, wobei die Kosten für fotografische und computertechnische Hard- und Software nicht eingeschlossen sind.

Lizenzgebühren für die Überlassung von Nutzungsrechten in einem solchen Zusammenhang wären für mich eine ungerechtfertigte Übertreibung. Die Nennung aller Urheber und Rechteinhaber der geistigen Werke im Beitrag halte ich für eine selbstverständliche Pflicht.

Der Aloisius mit der Latinisierung eines üblichen Vornamens versteht sich trotz der rechtlichen Anerkennung der Wortmarke als ein allgemeines bayerisches Kulturgut. Außerdem gibt es ja noch den Heiligen und die verschiedenen Quellwässer mit diesem Namen u. v. m.

Urheber von Texten und Abbildungen, die im Beitrag erwähnt werden, sind natürlich berechtigt, meine digitalen Eigentümer zu verwenden. Ich habe dazu die Seite Fotoverwendung formuliert und weise nochmals auf die Gemeinfreiheit von Tivolifoto hin.

Persönlichkeitsrechte

Die Titelfrage bezieht sich auf die Gegenwart. In unserer Zeit befindet sich der Aloisius im Hofbräuhaus und nicht im Himmel. Deshalb war er ein Engel in der Vergangenheit. Seine ursprüngliche Identität war Alois Hingerl, Dienstmann 172 am Münchner Hauptbahnhof. Dann kam der Engel Aloisius. Nach dem himmlischen Aufenthalt wurde er Gast im Hofbräuhaus. Gäste haben eine irdische Identität. Deshalb ist der Name Alois Hingerl naheliegend und nicht der latinisierte Engel Aloisius.

Den ausgeschriebenen Namen Alois Hingerl in öffentlichen Internettexten zu verwenden, ist aus Gründen des Datenschutzes nicht gestattet. Wer die öffentliche Namensnennung beabsichtigt, muss sich entscheiden, ob das öffentliche Interesse die Verletzung des Persönlichkeitsrechts zulässt. Man fragt sich:

  • Wann und wo leben wir eigentlich?
  • Gibt es die Freiheit der Meinung, Presse und Satire noch?

Kürzt man den Namen auf die Anfangsbuchstaben, entsteht ein Konflikt mit dem Verfassungsschutz. Mit A. H. wurde nämlich auch der bekannte Österreicher aus Braunau am Inn abgekürzt. In Bayern gilt aber die Ausrede, dass [àhà:] nur ein Erstaunen ausdrückt. Nach dem Begreifen des Problems folgt meist ein [àgä:].

Vor Verwechslungen schützt auch der ausgeschriebene Vorname. Alois H. wäre somit aus rechtlicher Sicht in der heutigen Zeit hinnehmbar. In der Presse wird jedenfalls so verfahren oder es folgt der Hinweis, dass der Name von der Redaktion geändert wurde.

Eine Titelfrage: Wer ist Alois H.?, weckt aber kein öffentliches Interesse. Fragt man, wer der Aloisius ist, weiß ganz Bayern Bescheid, dass es sich um den Münchner im Himmel handelt. Und der ist heute eben kein Engel, sondern ein Gast im Hofbräuhaus, der einen Auftrag vom lieben Gott hat.

Namensnennungen von in Bayern bekannten Personen des öffentlichen Lebens sind gestattet, im außerbayerischen Raum aber fragwürdig. Berücksichtigt man alle Aspekte, könnte seine persönliche Briefunterschrift wie nachfolgend lauten. Sie ist tatsächlich in einem Brief zu lesen, der bereits veröffentlicht ist.

wg. Datenschutz: A. H.
gspr. [àhà:] oder [àgä:]
s. Z. Münchner im Himmel
gez. Alois Hingerl
i. A. vom lieben Gott

Engel oder Mensch

Ich habe mich wirklich bemüht, den Alois H. im Hofbräuhaus zu suchen. Vorrangig zu finden war der unübersehbar gehängte Engel in Form eines Plastikmüll-Monsters. Alois Hingerl als Dienstmann muss sich hingegen im Aloisius-Stüberl auf dem Weg zur Küche, gegenüber dem Wolperdinger-Stammtisch, verstecken.

Um es nochmals klarzustellen: Den Aloisius hat es nur als Engel Aloisius im Himmel gegeben. Er war vor dem Tod der Dienstmann Alois Hingerl, deshalb muss er bei der Wiedergeburt eine menschliche Gestalt und Identität angenommen haben.

Der gehängte Engel war eine Schnapsidee im Bierpalast. Er passt überhaupt nicht zur historischen, denkmalwürdigen Deckenbemalung. Man kann den Aloisius noch so voluminös und monströs darstellen. In Wirklichkeit ist er im Hofbräuhaus kein Engel mehr, sondern ein Mensch und kein Monster. Gründe dafür gibt es tausende. Ich will mich aber nicht ständig wiederholen und fordere die Wegrichtung anstelle der Hinrichtung des Aloisius.

Ludwig Thoma (1867–1921) und Adolf Gondrell (1902–1954) haben zur irdischen Identität Folgendes geschrieben:

»Petrus«, sagte der liebe Gott, »mit dem können wir da heroben nichts anfangen, für den habe ich eine andere Aufgabe. Er muß meine göttlichen Ratschlüsse der bayrischen Regierung überbringen; da kommt er jede Woche ein paarmal nach München.«

Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluß für den Kultusminister Wehner zu besorgen und flog ab.

Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, wo er noch sitzt. Herr von Wehner wartet heute noch vergeblich auf die göttliche Eingebung.

Schlusszitat aus dem Originaltext
von Ludwig Thoma (1867–1921)
Der Münchner im Himmel, 1911

GOTT: »Petrus«, »mit dem können wir da heroben nichts anfangen, für den habe ich eine andere Aufgabe. Er muß meine göttlichen Ratschlüsse der bayrischen Regierung überbringen; da kommt er jede Woche ein paarmal nach München.«

ERZÄHLER: Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluss und flog ab. Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, und bestellte sich bei der Kellnerin, der Kati a Mass, und noch eine, und noch eine, und noch eine … und da sitzt er heut noch. … und so wartet die bayerische Staatsregierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen

Schlusszitat aus der Überarbeitung
durch Adolf Gondrell (1902–1954)
Der Münchner im Himmel (Jahrgang nicht bekannt)

Meine Meinung zum Aloisius-Skandal im Hofbräuhaus:

  • Die Aloisius-Geschichte ist heimatliches Kulturgut und entspricht bester bayerischer Tradition.
  • Die Zeichentrickfiguren und der Film sind zeitgemäß gelungen und besonders wertvoll.
  • Die Wandbemalung in der Nische des Münchner-im-Himmel-Stammtisches am Küchengang der Schwemme ist stilvoll gestaltet.
  • Die Haltung des Gehängten entspricht keiner Szene aus der heimatlichen Geschichte von Ludwig Thoma.
  • Das gehängte Monster verschandelt den Bierpalast – was nicht oft genug wiederholt werden kann.
  • Der überdimensionale Aloisius in der Schwemme ist ein überheblicher, aufdringlicher Preiß.
  • Das staatliche und historische Hofbräuhaus begibt sich mit dem Geisterbahn-Monster auf die Ebene von Bayernkitsch und Disneyland.
  • Hoffentlich wurde der Schmarrn nicht von Staatsdienern ausgedacht und mit Steuergeldern finanziert.
  • Das Hofbräuhaus-Monster ist noch greislicher als das Hauzenberger Manschgerl.

Jetzt starte ich einen weiteren Aufruf zur Wegrichtung der Hinrichtung. Findet sich denn kein Burschenverein, der den Gehängten mit einem Maibaum verwechselt und aus der Hinrichtung eine Wegrichtung macht? Weltweiter Ruhm wäre sicher. Bier zum Auslösen ist im Hofbräuhaus genug vorhanden. Am besten wäre aber die vollständige Entsorgung und die Beauftragung eines Schnitzerlehrlings aus Oberammergau mit einem Dienstmann, der sitzt oder hockt – wie es sich im Wirtshaus gehört.

Das Hofbräuhaus braucht keine überdimensionalen Figuren aus Kunststoff. Es ist ein traditioneller Bierpalast, kein Disneyland – ein ganzjährig geöffnetes Fest, kein übertriebenes Oktoberfest. Im Wirtshaus sind bayerische Traditionen zu bewahren und keine internationalen Partys für Touristen zu veranstalten – auch wenn die Staatliche Brauerei noch so sehr nach der ständigen Umsatzsteigerung giert.

Vermutlich gleicht das Monster einer Steuer: Einmal eingeführt, wird man sie nie mehr los. Dabei spielt es keine Rolle, wie sinnvoll oder unsinnig sie ist.

Aloisius und die Politik

Natürlich schimpfte der Parade-Grantler auf die Politik seiner Zeit. Ludwig Thoma war das Opfer etlicher politischer Wandlungen. Er entwickelt sich vom linksliberalen Kritiker zum antisemitischen Nationalisten.

Im Kommunalwahlkampf 1993 missbrauchte Peter Gauweiler von der CSU den Aloisius auf Wahlplakaten als himmlischen und populären Botschafter. Walter Reiner, der Zeichner, ging juristisch erfolgreich dagegen vor. Münchner Oberbürgermeister wurde Christian Ude von der SPD. Der Dienstmann mit der roten Kappe passte nicht so ganz zu einem Schwarzen.

Beide Farben sind gegenwärtig politisch von den neuen Nazis bedroht. Ich bin überzeugt, dass der Aloisius heute nur mit der Bayernpartei nicht granteln würde, weil die schon genug dazu gezwungen wird.

Heutzutage ist Kritik notwendiger denn je. Bayerische Eigenheiten und Traditionen sind zur Folklore geworden und werden touristisch vermarktet. Das bayerische Staatsvolk wird von Deutschland beraubt und bevormundet.

Die Eigenständigkeit vertritt nur die Bayernpartei. Nach einer Umfrage befürwortet ein Drittel der Bayern den Austritt aus dem deutschen Staaten- und Länderbund. Leider bekennt es sich bei Wahlen nicht dazu, wahrscheinlich wegen der vermeintlich verschenkten Stimme.

Der politische Aloisius wird sicher kein Wahlhelfer für die heutige Bayernpartei, er spricht jedoch den Patrioten aus der Seele. Parteipolitik passt hier nicht zum Thema, das ist mir aber wurscht. Granteln gehört zu Bayern wie die Bayernpartei.

Das Aloisius-Stüberl

Eigentlich ist das Stüberl im Hofbräuhaus nur ein abgetrennter Bereich mit zwei Tischen am östlichen Durchgang von der hohen Schwemme zur Küche.

Teile der Wandmalereien:

  • Dienstmann 172, Alois Hingerl
  • Kellnerin Kati
  • Stammtisch
  • drei Gästetische
  • zwei Musikanten
  • ein Dackel
  • viele Maßkrüge

Sicherlich befindet sich die Kati altersbedingt schon im Himmel. Heutige Kellnerinnen sehen anders aus und kennen den Aloisius nicht, weil sie größtenteils außerbayerische Hintergründe haben. Außerdem ist das heutige Servicepersonal überwiegend männlich.

Es fällt auf, dass die Damenwelt im Stüberl – entgegen den heutigen Verhältnissen – nur mit der Kellnerin und zwei Gästen vertreten ist. Man erkennt sie an den Haarknoten, die es mittlerweile aber auch bei Herren gibt.

Aus der Geschichte des Münchners im Himmel wird nur das Ende im Hofbräuhaus dargestellt – keine Engel und sonstigen Himmelsbewohner. Alle Personen gleichen in Farben, Formen und Stilen den Figuren des Zeichentrickfilms. Der Aloisius-Bereich fügt sich harmonisch in die Gesamtheit des Hofbräuhauses ein.

Die Wandmalereien stammen von Walter Reiner (1924–2016), einem der Schöpfer der 1962er Zeichentrickfigur. Im SZ-Nachruf auf ihn vom 14. Juli 2016 wird das Aloisius-Süberl als „Aloisius-Eckerl“ bezeichnet. Zum Entstehungsjahr habe ich dort, im Internet sowie bei den mir bekannten Gästen und Angestellten nichts erfahren.

Ähnliche Textfassungen

Das Grab des Herrn Schefbeck, Josef Ruederer

Der Beitrag wurde erstmalig 1909 in den Süddeutschen Monatsheften, Jahrgang 6, Heft 1, veröffentlicht. Andere Quellen verweisen auf 1911 mit dem Namen Schefbeck. Die Erstausgabe von 1912 enthielt aber den Namen Schafbeck. In der Einleitung zeigen sich Ähnlichkeiten zum Münchner im Himmel.

Ich bezeichne den Text nicht als Plagiat, sondern höchstens als Anregungen, weil die folgenden Handlungen nichts mehr mit dem Himmelsengel zu tun haben. Der Plagiatsvorhalt in der SZ vom 31.12.2011 durch die damalige Leiterin der Monacensia ist für mich nicht begründet. Möglich war auch, dass sich Ruederer von Thoma anregen ließ oder beide zur selben Zeit die gleichen Ideen hatten. Es gab kein wörtliches Abschreiben. Link zum gesamten Text: https://www.projekt-gutenberg.org/ruederer/grab/chap01.html

Viele historische Münchner Geschichten sind kostenfrei im Internet zu lesen. Es gibt aber auch Geschäftemacher, die sie als Nachdrucke für Geld anbieten. Im Folgenden sind einige Amazon-Links eingebettet, nicht um zum Kauf anzuregen, sondern nur wegen des Überblicks und der grafischen Illustration. Die teilweise überzogenen Preise sind unverständlich. Antiquarische Originale findet man einfach und preiswert im Internet.

„Der Herr Michael Karl Borromäus Schefbeck war gerade dreiundfünfzig Jahre, vier Monate und einen Tag alt, als ihn an einem schönen Oktobernachmittag ein Schlaganfall aus diesem Leben abrief. Mitten in voller Kraft und bei segensreicher Tätigkeit ereilte es ihn. Im Kaffeehaus, in Gesellschaft seiner drei besten Freunde, beim Tarock. Er hatte eine Zigarre im Munde, das schönste Herzsolo in der Hand, da plötzlich sah er, wie seine Spielgenossen leichenblaß wurden, wie sie ihn anstarrten, und wie sie die Karten wegwarfen. Er wollte noch schimpfen, weil ihn das schöne Spiel reute, da fiel ihm die Zigarre aus dem Munde, er wollte noch die Aß trumpfen, da machte er eine Bewegung nach rückwärts, er wollte sich noch dagegen stemmen, da fiel er unter den Tisch.

»Au weh! Sakra! Den hat’s!« So tönte es aufgeregt an sein Ohr. Und in das unverfälschte Münchnerisch der Freunde und Kaffeehausbesucher mischte sich aus den höheren Sphären das tadellose Hochdeutsch der singenden Engel und Cherubime.“

Der Postsekretär im Himmel, Ludwig Thoma

Diese und weitere Geschichten wurden erstmalig 1914 veröffentlicht, aber vermutlich früher geschrieben. Das Entstehungsjahr ist im Internet nicht zu erfahren. Der Text hat Parallelen zum Münchner im Himmel, wie den Schlaganfall, die Engel und andere Himmelsbewohner. Der Postsekretär ist jedoch aus einem Traum aufgewacht.

Für mich ist nicht klar, ob die Geschichte als Vorfassung, zur gleichen Zeit oder nach dem Münchner im Himmel entstanden ist. Der Dienstmann ist populärer als der Postsekretär geworden. Das rechtfertigt aber nicht, eine Vorfassung anzunehmen.

Link zum gesamten Text: https://www.projekt-gutenberg.org/thoma/muenchnr/mnch115.html

„Zwei Tage vor Mariä Lichtmeß wurde der Postsekretär Martin Angermayer zu München von einem echt bayerischen Schlaganfall derartig getroffen, daß er schon nach einer halben Stunde den Geist aufgab.“ …

„Da merkte er froh, daß er im Bräuhause eingeschlafen war und alles nur geträumt hatte, bis auf den Hinauswurf.
Der war erlebte Wirklichkeit.“

Ludwig Thoma, 1911

Die Einleitungen von Ruederer sowie von Thoma mit dem Postsekretär und dem Dienstmann weisen unzweifelhafte Ähnlichkeiten auf. Der Fortgang der Geschichten unterscheidet sich. Wörtlich übernommen wurde nichts. Die zugrundeliegenden Ideen waren somit eigenständig.

Link zum Original im Simplizissimus mit Liste der dortigen Vorgehensweisen: http://www.simplicissimus.info/index.php?id=5

  • Blättern
  • 1911 (Jg. 16)
  • Heft 54, S. 1.
  • Bilderbogen Nr. 1:
    Ein Münchner im Himmel,
    31.12.1912

„Alois Hingerl, Nr. 172, Dienstmann in München, besorgte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlage gerührt zu Boden fiel und starb.

Zwei Engel zogen ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er von St. Petrus aufgenommen wurde. Der Apostel gab ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt. Von acht Uhr früh bis zwölf Uhr mittags »frohlocken«, und von zwölf Uhr mittags bis acht Uhr abends »Hosianna singen«. – »Ja, wann kriagt ma nacha was z’trink’n?« fragte Alois. – »Sie werden Ihr Manna schon bekommen«, sagte Petrus.“

Simplizissimus-Bilderbogen von 1911: Der Münchner im Himmel, Jg. 16, H. 54, S. 1, Text von Ludwig Thoma, Zeichnungen von Olaf Gulbransson
Simplizissimus-Bilderbogen von 1911: Der Münchner im Himmel, Jg. 16, H. 54, S. 1, Text von Ludwig Thoma, Zeichnungen von Olaf Gulbransson
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Der Originaltext mit Abbildungen von 1911 und der ohne Zeichnungen von 1916 sind wenig bekannt. Letzterer befand sich ursprünglich in der Sammlung Das Aquarium, Humoresken. Die Überarbeitung mit den geringen Änderungen von Gondrell und der gesprochene Text im Jahr 1962 haben das Werk populär gemacht. Alles ist besonders lesens- und hörenswert, weil die bairische Sprache meisterlich verwendet wird.

Wer Schwierigkeiten mit dem Wortschatz hat, dem wird auf der Internetseite Programmwechsel geholfen. Fälschlicherweise bezeichnet man dort die bairische Sprache als Dialekt, wie es in den preußisch dominierten Teilen des deutschsprachigen Raums üblich ist. Bayern brauchen keine Übersetzung, der dortige Internet-Autor ist aber aus Düsseldorf. Von ihm stammt auch die Information, dass Thoma wegen des Schlusssatzes zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Wegen der vielen internationalen Touristen am Hofbräuhaustisch zeige ich hier die englischsprachige Übersetzung. Kurioserweise habe ich schon Komplimente für meinen gelungenen „Munich Man in Heaven“ bekommen, die ich aber an Google Translate weitergeben muss.

Die Verbindung von englischer Sprache mit bairischen Wortschatz ist amüsant zu lesen. Einige Wörter aus der Übersetzung habe ich mir eingeprägt, um sie bei Touristen zu verwenden: rejoce, doubt, protest, messages, enjoy. Manchmal gelingt es mir recht flüssig, die Geschichte auf Englisch zu erzählen.

Die folgenden, eingebetteten Amazon-Links für die kurze Geschichte in nachgedruckten Sammlungen stellen Überblicke und Illustrationen dar. Thomas’ Werke sind im Internet gemeinfrei zu lesen und in preiswerten antiquarischen Originalen zu finden.

Adolf Gondrell, 1962

Wann, wie und warum Adolf Gondrell (1902–1954) auf die Idee kam, den Münchner im Himmel zu überarbeiten und vorzutragen, ist für mich nicht erfahrbar.

Das Internet wird bei Suchergebnissen zu ihm vollgemüllt mit wenig informativer Werbung für Schallplatten. Deshalb beschränke ich mich hier auf den Link zu Wikipedia.

Der Vergleich der Schlussabschnitte von Thoma und Gondrell befindet sich bereits oben im Kapitel „Engel oder Mensch“. Die gesamte Transkription des von Gondrell vorgetragenen, überarbeiteten Thoma-Textes wird von Wolfgang Näser aus Marburg seit 2007 angeboten. Eine umfassende Gegenüberstellung des Originals und der Überarbeitung biete ich wegen der Geringfügigkeit nicht an.

Abbildungen

Olaf Gulbrasson, 1911

Die himmlische und menschliche Gestalt des Aloisius sind im Simplizissimus 1911 von Olaf Gulbrasson und 1921 von Karl Arnold dargestellt worden.

Gulbrasson (1873–1958) zeichnete einen behäbigen Münchner Dienstmann in Arbeitskleidung mit 14 Szenen, die sich an die Textvorlagen von Thoma halten. Die Schlussszene zeigt den im Hofbräuhaus sitzenden Münchner mit Engelsflügeln, einem Maßkrug und einem Brief auf dem Wirtshaustisch.

Für mich drückt die letzte Zeichnung aus:

„Hier bringt mich so schnell niemand und nichts weg.“

Karl Arnold, 1921

Der Münchner im Himmel bemerkt unter der Zeichnung von Karl Arnold (1883–1953):

„Wo’s – Berliner san aa da – und des will da Himmel sei‘?“

Mit dieser Frage hatte er die Berliner wohl mehr in der Hölle vermutet. Damit war er 1921 seiner Zeit weit voraus.

Der Münchner Engel trägt einen Hut mit Gamsbart. Er hat die Tabakspfeife und den Maßkrug mit Bier in den Händen. Zwei Berliner Himmelsbewohner trinken Hochprozentiges. Ein dünner Vergeistigter raucht eine Zigarette, trägt Handschuhe, ein Monokel und einen Zylinder. Der dicke Faulenzer lässt sich bedienen. Die Berliner sitzen auf Wolken, der Münchner schwebt, alle sind mit Nachthemden bekleidet. Drei nackte Putten sorgen für die Unterhaltung und den Genuss. Die Mondsichel schaut zu.

Mich erinnert das Ganze an meinen Beitrag Bayern und Preißn im Hofbräuhaus, die politischen Probleme und Katastrophen seit der deutschen Reichsgründung, 1870/71 und die gegenwärtige Ausbeutung des Freistaats Bayern mit dem Länderfinanzausgleich.

Adolf Gondrell, 1962

Die 1962er-Hülle für die posthume Veröffentlichung der Schallplatte von Adolf Gondrell (1902–1954) hat eine mir nicht bekannte Urheberschaft der Grafik, die in vielen Abwandlungen im Internet zu finden ist.

Der üppig gestaltete Münchner schaut sehr grantig. Die Haltung ist halbsitzend oder abgestützt auf einer Wolke liegend. Mit dem Stern in der Hand scheint er nicht zufrieden zu sein. Der kleine Engel mit der Harfe im Hintergrund interessiert ihn nicht.

Für mich beinhaltet die Grafik die Frage:

„Was soll ich mit diesen himmlischen Angelegenheiten anfangen?“

Zeichentrickfilm, Schallplatten, Hörspiel, Theaterspiel und Kinofilm

Die Filmemacher Traudl (* 1930) und Walter Reiner (1924–2016) wurden 1962 durch die Schallplatte von Adolf Gondrell (1902–1954) sowie durch alle vorherigen Texte und grafischen Vorlagen zu einem Zeichentrickfilm inspiriert. Auf der Tonspur verwendeten sie den Vortrag von Gondrell und die Musik von Karl von Feilitzsch.

Das Zeichner-Ehepaar und der Schauspieler haben wesentlich zur Popularität des Münchners im Himmel beigetragen. Details zum Film werden von IMDb und Filmportal.de angeboten. Die Arbeiten zum 15-Minuten-Film dauerten ein halbes Jahr.

Eine Radiosendung mit dem bereits 1954 verstorbenen Sprecher Gondrell regte die Zeichner 1962 zur Figur an. Die Gondrell-Version des Münchners im Himmel wurde im Cirkus Krone aufgezeichnet und übertragen. Maidi von Liebermann, die Lebensgefährtin Ludwig Thomas’, war von der Idee, den Aloisius zu zeichnen, begeistert und übertrug die Rechte.

Daraufhin suchte das Ehepaar nach urigen Typen unter den Gästen des Hofbräuhauses und zeichnete sie als Vorbilder für ihren Aloisius. Fündig wurden sie aber bei einem Platzanweiser in den Kammerspielen.

Der Kurzfilm wurde 1962 bei den Filmfestspielen in Berlin gezeigt und mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Das Bayerische Fernsehen übertrug ihn jährlich im Weihnachtsprogramm. Nachdem der BR den Film 1999 abgesetzt hatte, protestierte der Taufkirchner Kioskbetreiber Werner Beeck, ein gebürtiger Kieler, mit Unterschriftenlisten, Telefonaten und Schreiben. 2007 war sein Grant erfolgreich (SZ vom 31.12.2011, Seite R 4, Nr. 302).

Der Vortrag von Gondrell war passend und unverkennbar. Auf ihn folgten die Schallplattensprecher Fritz Strassner, Karl Peukert und Gustl Bayrhammer. 1979 veröffentlichte die Metronome Musik GmbH ein Hörspiel nach einer Fassung des Piper Verlags. Gustl Bayrhammer sprach Ludwig Thoma, den Erzähler. Das Hörspiel dauerte 3:42 Minuten und befand sich auf einer Schallplatte von Zebra-Metronome.

Theatertitel waren und sind „Der Münchner im Himmel und in der Hölle“ vom Bayerischen Volkskunsttheater in München und von der Loisachtaler Bauernbühne in Wolfratshausen. Das Reichenhaller Volkstheater spielte „Engel Aloisius – Schutzengel der Bayern – Zefix Halleluja“. Der Originaltitel wurde 1984 von der Bayerischen Volksbühne Watzmann e. V. aufgeführt. Man kann sich gut vorstellen, welche Leiden oder Freuden der Aloisius mitmachen musste und wie die aktuelle Politik kritisiert wird. Zahlreiche weitere Theaterprojekte bleiben hier vermutlich ungenannt, weil sie nicht im Internet zu finden sind.

Danach kamen die Digitalisierung, das Internet und YouTube. Der Münchner im Himmel erhielt Millionen von Aufrufen, mehrere Fassungen, zahlreiche Likes, Speicherungen, Teilungen, Verlinkungen, Einbettungen und Kommentare. Er wurde zum internationalen, frei verfügbaren bayerischen Kulturgut. Ich verlinke hier sogar die Version mit englischen Untertiteln, um die weltweite Verbreitung zu fördern.

Traudl Reiner begründete den Erfolg des Aloisius, dass er niemandem auf die Nerven geht und viele Leute zum Lachen bringt.

Das dachte sich offensichtlich auch David Dietl (1980*), der Sohn des berühmten Filmregisseurs Helmut Dietl (1944–2015). Er arbeitet an einer Neuverfilmung mit dem Kinostart im April 2026 und dem Arbeitstitel „Der Münchner“.

Nach einer SZ-Notiz und einem Merkur-Bericht wird die Hauptfigur Ludwig „Wiggerl“ Brunner genannt. Darsteller sind Maximilian Brückner, Hannah Herzsprung und Michaela May. Gedreht wird auf dem Viktualienmarkt, der die Geheimhaltung des Vorhabens verhindert und als Filmkulisse eigentlich schon ausgedient hat.

Szene aus dem Zeichentrickfilm
Szene aus dem Zeichentrickfilm
Traudl und Walter Reiner im Münchner Merkur am 20.01.2012
Traudl und Walter Reiner im Münchner Merkur am 20.01.2012
Adolf Gondrell – Ein Münchner im Himmel – Untertitel BR 2014
Adolf Gondrell – Ein Münchner im Himmel – Untertitel in englischer Sprache

Ich frage mich, ob das Filmprojekt verkennt, dass es in München kaum mehr einheimische, ortskundige Taxifahrer gibt und der Viktualienmarkt nur mehr von Touristen und Partyvolk nicht besucht, sondern heimgesucht wird. Außerdem soll das Hofbräuhaus vom Film verschont bleiben, obwohl Aloisius es nicht verlassen will.

Eine weitere Fragwürdigkeit der aktuellen Darstellungsformen betrifft aber das berühmte Wirtshaus. Dort stelle ich nämlich fest, dass nicht einmal das Personal den Münchner im Himmel kennt. Angestellte arbeiten ständig neben ihm oder unter ihm, wissen aber nichts über ihn. Dem Betrieb ist das vermutlich egal.

Touristen fragen mich, was das an der Decke aufgehängte Plastikmüll-Monster neben dem Tisch 35 überhaupt bedeutet. Ich zeige Ihnen das Video mit englischen Untertiteln oder erzähle eine Kurzfassung in deutscher oder englischer Sprache. Meist verstehen sie den Humor und die Hintergründigkeit der Inhalte nicht. Derblecken, Grant, Satire und Kritik waren niemals nur typisch münchnerisch oder bayerisch, sondern sind weltweit üblich. Leider werden die Freiheiten dazu nicht überall verstanden und gestattet.

Weiterentwicklung der Darstellungsformen

An die Entwicklungen denkt man zunächst nicht, aber seit 1962 sind Darstellungsformen von Geschichten und Handlungen entstanden, die in der Vergangenheit nicht möglich waren.

Am Anfang war das Wort. Wer kennt diesen Satz nicht? Dann kam der Satz und mit ihm der Text. Die Prähistoriker werden einwenden, dass die Abbildungen mit den Höhlenzeichnungen vorher waren und nicht zwingend menschliche Artikulation, Stimmgebung und Atmung erforderten. Das gleicht der Problematik des Ursprungs von Henne und Ei, die nicht zu lösen ist.

Menschliche Sprachzeichen haben lautliche und grafische Formen angenommen. Gegenwärtig entwickeln sie sich mit den Emoticons im Internet zurück zu den Hieroglyphen. Begleitend kam die Abbildung.

Jetzt genehmige ich mir Ausflüge über den Unterschied von Inhalt und Zeichen sowie Forminhalt und Formstruktur. Er hat mich mein Berufsleben lang begleitet, interessierte aber niemanden, weil er vielfach nicht verstanden wurde. Vielleicht gelingt es mir mit dem Aloisius. Der Inhalt ist über die vielen Jahre gleichgeblieben, die Erscheinungsformen haben sich geändert, wie die folgenden Beispiele zeigen.

  • Text
  • Zeichnung
  • Zeichnungsfolge
  • Zeichentrickfilm
  • Schallplatte
  • Tonträger
  • Hörspiel
  • Tasse
  • T-Shirt
  • Mütze
  • Buchumschlag
  • Oktoberfestplakat
  • Graffito
  • Tattoo
  • Button
  • Figuren-Set
  • Bierdeckel
  • Bierfilzl
  • Schlüsselanhänger
  • Facebook-Gruppe
  • Kinofilm
  • HB-Festzeltfigur
  • Hofbräuhaus-Wandmalerei
  • Hofbräuhaus-Deckenmonster
  • Hofbräuhaus-Bierzeichen

Die Suchmaschinen im Internet bieten alles in gegliederter Weise an. Der Inhalt bleibt immer gleich, nur die Zeichen und Zeichenfolgen oder Strukturen ändern sich. Aus wissenschaftlicher Sicht geht es um die Bereiche Semantik, Grammatik, Psycholinguistik, Phonetik und Semiotik. Ich hatte den Vorzug, diese Fachgebiete einblickend zu studieren.

Für den beruflichen Erfolg waren die Kenntnisse eher nachteilig, weil sie wenig verstanden und angewendet werden. Opportunismus und Machtstrukturen bewirken bei Verantwortlichen andere Vorgehensweisen. Fachleute werden etwa von Weiterentwicklungen ausgeschlossen und nicht mit ihrem Wissen einbezogen.

Manchmal sind sie sogar froh darüber, weil sie keine Fehlentwicklungen zu vertreten haben. Verständlicherweise entwickeln sie sich aber zu Kritikern und Grantlern. So erklären sich der große Umfang meiner Ausführungen und die thematischen Abweichungen mit persönlichen Hintergründen.

Bei den Produkten zum Aloisius stehen kommerzielle Aspekte im Vordergrund. In der Vergangenheit ging es mehr um den Inhalt. Gegenwärtig zeigen sich viele fragwürdige und überflüssige Formen und Produkte. Der gleichbleibende Inhalt des heimatlichen Grantelns gipfelt in Formen der Körperverletzung.

Weniger spektakulär als die Tätowierungen sind die Kunststofffiguren der Firma Sparfroh. Wegen des Urheberrechts trägt jede Figur auf der Rückseite das Copyright-Zeichen und den Namen Reiner-Film in Großbuchstaben – die vier Engel auf der Rückseite des himmlischen Nachthemds, der irdische Genießer auf dem Hintern der Hose.

Die Grantler-Namen haben sie von mir bekommen. Im Beipackzettel wird vor den verschluckbaren Kleinteilen für Kinder unter drei Jahren gewarnt. Es handelt sich nur um Dekorationsartikel, die sich für Kinder und Junggebliebene jeden Alters eignen. Natürlich können sie zum Plastikmüll und Umweltproblem werden.

Der Münchner im Himmel wird mit dem Figuren-Set glaubwürdig, attraktiv und treffend dargestellt. Wer sich die Figuren ausgedacht hat, verdient großen Respekt für die vielen gelungenen Details.

Gelegentlich verschenke ich die Aloisius-Figuren privat und als Souvenir im Hofbräuhaus. Das Figuren-Set wird von Amazon für 15,57 € und von der Firma Sparfroh für 9,99 € angeboten. Die Motivauswahl der Figuren entspricht den folgenden Aktivitäten des Aloisius: frohlocken, zweifeln, protestieren, überbringen und genießen, die alle zum Granteln gehören.

Biete ich an, eine Figur auszuwählen, wird zuerst der Genießer oder Frohlocker genommen. Auf dem Tisch lösen die Figuren viel Freude aus und regen zum Spielen an. Mehr dazu findet sich bei Psychologie des Aloisius und Das Aloisius-Spiel.

Vermutlich werden die Figuren von der Firma für Kunststofferzeugnisse Alfred Fischer aus Lautertal bei Coburg, einem Spezialisten für Sonderanfertigungen, Schlüsselanhänger, Spardosen und Glücksbringer. Die Firma Sparfoh bezeichnet sich ebenfalls als Hersteller. Wie eine solche Figur für zwei Euro pro Stück herzustellen ist und wirtschaftlich verkauft werden kann, ist für mich rätselhaft. Trotz moderner Maschinen sind Handarbeiten erforderlich.

Verständlicher, aber unverschämt ist der Bavariashop, weil er fünf Aloisiusfiguren beim Hersteller Sparfroh für 9,99 € oder billiger kauft. Dann wird ein billiger Schlüsselanhänger in die Dienstmütze geschraubt und ein Exemplar für 9,99 € verkauft. Ist der Aloisius auf einen hölzernen Bierdeckel geklebt, kostet er 14,99 €.

Jetzt verrate ich ein Geheimnis: Die Figuren haben mein Interesse für den Aloisius ausgelöst, obwohl ich ihn schon seit der Kindheit gekannt hatte. Das Plastikmüll-Monster im Hofbräuhaus hat es eher verhindert.

Alosius-Set der Firma Sparfroh
Alosius-Set der Firma Sparfroh

Wiedergeburt

Mit Wiedergeburt und Reinkarnation beschäftigen sich die bedeutendsten Denker der Menschheit. Sich in die Themen einzulesen, wäre zeitaufwendig und vermutlich erkenntnislos. Für mich tauchen die Inhalte der Aloisius-Geschichte einfach immer wieder in neuen Formen und schon vor Ludwig Thoma auf. Sachverhalte und Ideen können doch auch wiedergeboren werden.

Beispiele für die Wiedergeburt

  • Personifizierung der Himmelsbewohner
  • Latinisierung von Namen
  • Übertragung von irdischen Genüssen und Freuden auf das Jenseits
  • Vorstellungen über das Leben nach dem Tod
  • Frohlocken mit Begeisterung
  • Verwendung von bairischen Schimpfwörtern
  • Granteln mit Zweifeln und Protest
  • Indirekte, satirische Beschwerden über Politiker
  • originelle, humorvolle Zeitkritik
  • Vergebliche Botschaften an Regierungen
  • Zeit im Wirtshaus versitzen
  • Speis und Trank genießen

Auf meinem Schreibtisch befinden sich zwei Stapel mit Klarsichthüllen: einer für aktuelle Schriftstücke und einer für gesammelte, bevor ich sie in Ordner ablege. Bei den Sammlungen sehe ich gelegentlich nach, ob sie zu verkleinern sind. Dabei fand ich eine Seite aus der SZ von 2011, dem hundertjährigen Erscheinen des Münchners im Himmel.

Michael Morosov verfasste am 31. Dezember 2011/1. Januar 2012 auf Seite R4/Süddeutsche Zeitung Nr. 302 den Beitrag mit dem Titel „Die göttliche Eingebung“ und dem Untertitel: „Vor 100 Jahren erschien Ludwig Thomas ‚Der Münchner im Himmel‘ im ‚Simplizissimus‘ – doch erst Adolf Gondrell machte den Engel richtig populär“.

Ich erkannte, dass der Aloisius ständig wiedergeboren wird. Adolf Gondrell hat den Aloisius textlich auferstehen lassen, machte ihn regional bekannt und verstarb 1954. Acht Jahre später hörte Walter Reiner Gondrells Interpretation im Radio und dachte sich, dass sie filmisch gut umzusetzen ist. Zusammen mit seiner Ehefrau Traudl schuf er die Zeichentrickfigur. Sie haben den Aloisius bildlich wiederbelebt.

Vom selben Autor auf der gleichen SZ-Seite befand sich der Artikel: „Hingerls Adoptiveltern – Traudl und Walter Reiner schufen die Zeichentrickfigur“. Beide Beiträge belegen für mich die Wiedergeburt des Aloisius.

Ich kann mich zwar nicht mit den schöpferischen Kräften von Thoma, Gondrell und den Reiners messen, es ist mir jedoch 2025 wichtig, meinen Beitrag zur Wiedergeburt im Internet zu leisten. Als lesender und schreibender Altbayer kommt man nicht zwangsläufig auf den Hund, aber auf den Aloisius. Verkörpert er doch wie kein anderer das bayerische Gemüt mit dem Grant. Sich aufzuregen gehört in Bayern zur Lebensart. Und wo kann man sich besser aufregen als im Hofbräuhaus? Die Freuden des dortigen Aufregens brauche ich hier nicht zu wiederholen, sondern einfach nur zu verlinken.

Weitere Belege der Wiedergeburt sind zahlreiche Theateraufführungen, Faschingskostüme und Derbleck-Reden, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Auch die Kunststofffiguren der Firma Sparfroh gehören dazu.

Tivolifoto lässt den Aloisius im Internet auferstehen und gibt ihm aktuelle digitale Inhalte. So wie der Münchner im Himmel eine vielfache Wiederholung ist, sehe ich mich jetzt doch veranlasst, die folgenden Abschnitte aus dem Beitrag Aloisius hilft im Hofbräuhaus zu wiederholen. Der selbsterlaubte Grund ist die Titelfrage.

Irgendwo muss er ja noch sitzen, der Aloisius im Hofbräuhaus. Das erhängte Pappmaché-Monster mit der Anmutungsqualität einer Geisterbahnfigur ist doch kein würdiger Repräsentant. Ein solcher muss aber bestimmt in der Schwemme hocken. Manchmal hocke ich in der Schwemme und denke an ihn. Das Schlusszitat aus der Überarbeitung des Textes von Ludwig Thoma (1867–1921) durch Adolf Gondrell (1902–1954) kommt mir in den Sinn.

„Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluss und flog ab. Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, und bestellte sich bei der Kellnerin, der Kati a Mass, und noch eine, und noch eine, und noch eine … und da sitzt er heut noch. … und so wartet die bayerische Staatsregierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen.“

Auch ich bestelle mir „a Mass, und noch eine, und noch eine, und noch eine …“. Insgesamt trinke ich aber nur zwei Maß: die erste und die letzte. Danach gibt es vielleicht und ausnahmsweise noch eine Schnittmaß. Im Himmel war ich auch schon, aber in einem irdischen, Ratschlüsse habe ich viele, die ich sogar aufschreibe, und die bayerische Staatsregierung wartet immer noch auf göttliche Eingebungen.

Kann es nicht sein, dass ich …

Jetzt höre ich aber auf, sonst erklärt mich noch ein Psychiater für verrückt und ich lande in der Anstalt. Aber dasitzen im Hofbräuhaus tut der Aloisius noch immer. Andere Umstände der Geschichte treffen auch zu.

Die Wahrnehmung von Wirklichkeit steht immer an der Stufe zur Fantasie. Da kommt man schon auf eigenartige Gedanken. Vielleicht gibt es die Wiedergeburt wirklich.

Andererseits können Erfindungen von Autoren nicht wiedergeboren werden. So etwas nennt man eher Abschreiben oder Plagiat. Das wiederum soll bei regierenden Politikern beliebt sein. Ich bin froh, meine Aloisius-Geschichten tatsächlich erlebt zu haben.

Bei aller Verehrung und Liebe zum Aloisius darf nicht vergessen werden, dass er eigentlich ein Gschroamei ist. So schlimm kann es doch im Himmel nicht sein.

Der Rote-Radler-Engel hat natürlich viele Gemeinsamkeiten mit den gegenwärtig extremen politischen Schreihälsen und Kriegstreibern. Das einvernehmliche Ende wird aber durch die Lebensfreude und das Bier im Hofbräuhaus bestimmt.

Bayerische Grantler

Keine Wiederholung, sondern eine Zusammenfassung des Grant bietet Thomas Grasberger mit Beispielen aus der gesamten bayerischen Kultur-, Literatur- und Politikgeschichte an. Der Autor entwickelte sich mit seinen Veröffentlichungen zum Grant (2012), Stenz (2013) und Flins (2015) zu einem besonders lesenswerten bayerischen Schriftsteller.

Grasberger bezeichnete Thoma als wortgewaltigen Zeitkritiker und bayerischen Linksliberalen, der freche Bücher schrieb. Als Simplicissimus-Autor und Rechtsanwalt lästerte er „über Gott und die Welt, über Scheinmoral und falsche Autoritäten“. Er war gegen die herrschende Obrigkeit des Kaiserreichs eingestellt.

Dann wurde er ein Opfer der radikalen politischen Veränderungen, indem er sich vom linksliberalen Kritiker zum antisemitischen Nationalisten entwickelte. Vermutlich war er nur wegen seines frühen Todes kein Parteimitglied.Bei Grasberger finden sich zahlreiche bayerische Grant-Profis zu allen Grant-Feldern und Grant-Zeiten, auf die ich hier nur verweisen kann, z. B. den Großmeister Valentin.

Fragt man sich, wer der Aloisius heutzutage in Bayern am besten verkörpert, sind die Darstellungsformen zu berücksichtigen und Personen auszuschließen, die von der CSU, dem BR oder der Brauerei auf einem Berg benannt werden. Die Kabarett- und Comedy-Sendungen des BR sind an Peinlichkeiten nicht zu überbieten und belegen den Unsinn der Zwangsgebühren.

Der gegenwärtige Großmeister auf vielen Feldern ist freilich der Polt. Leider hat die Zwangsanstalt BR mit ihren üppigen Gehältern und Pensionen viele hoffnungsvolle Grantler verdorben. Da lobe ich mir die unangepassten, wilden Rebellen wie Söllner und Ringsgwandl.

Thomas Grasberger, Grant

Rezension bei Tivolifoto auf der Seite Bavarica:

Thomas Grasberger – Grant – der Blues des Südens 

Als Vorstadt-Grantler muss man diese Einführung in die Grantologie kennen. Es ist schade, dass der Autor in seinem Internetangebot keine Kommentar-Funktion anbietet. Wo soll man ihn denn dann angranteln? Man kann sich über dieses hervorragende Werk nicht einmal gescheit aufregen!

Insgesamt ist zu bedauern, dass derzeit das Schreiben gegenüber anderen Formen der Darstellung und Medienangeboten weniger geschätzt wird. Die Beherrschung des Lesens und der geschriebenen Sprache befindet sich auf dem Rückzug.

Über Bücher grantele ich auch gerne. Bei Grasbergers Grant habe ich bemängelt, dass man sich nicht einmal gescheit aufregen kann. Mein Grant beinhaltet immer Respekt vor der Leistung des Schreibens und Dank für die Freuden des Lesens.

Kritik an Ludwig Thoma

Leben, Werk und Kritik sind im Internet umfassend dokumentiert. Als Kritikpunkte werden Antisemitismus, völkischer Nationalismus, Ablehnung der Demokratie und Polemik genannt. Bereits zu Lebzeiten wurden Thomas’ Werke kritisiert. Ich habe mich in einen Teil davon eingelesen, aber keine auffälligen politischen Haltungen entdeckt, dafür eine große Heimatliebe.

Aloisius ist der berühmteste Grantler Bayerns. Die Lausbubengeschichten werden heute noch als sehr humorvoll empfunden. Für manche passt Ludwig Thoma nicht mehr in unsere Zeit. Die Haltung von Dieter Reiter, dem derzeitigen Münchner Oberbürgermeister, gefällt mir. Mit ihm wird es nämlich keine Umbenennungen mit dem Namen des beliebten, berühmten Heimatschriftstellers geben.

Lebenswege und Veröffentlichungen sind immer nur aus der Zeit heraus verständlich. Jemanden in seiner Gesamtheit nachträglich zu verurteilen, ist fragwürdig. Heutige Satiren werden vielleicht künftig negativ gesehen. Problematische Aspekte von Personen und Werken sind zu berücksichtigen. Der gesamte Mensch und der Aloisius dürfen deshalb nicht verteufelt werden.

Sicherlich könnte man den Aloisius auf Religions- und Staatskritik reduzieren. Damit würde man ihm jedoch nicht umfassend gerecht. Ludwig Thoma gehört zu Altbayern,
wie der Teufel zum Weihwasser. Gegenteile brauchen sich. Alle Menschen sind keine Engel, benötigen aber Schutzengel. So, das war mein Senf dazu. Ich wollte die Kritik nicht verschweigen.

Mein Grant

Ich verstehe mich mit meiner altbayerischen Onlineschau neben der Darstellung von traditionellen Eigenheiten auch als Teilzeitgrantler, der verschiedentlich zur Kritik gezwungen wird. Beim Schreiben sehe ich mich aber nicht als umfassend recherchierenden Schriftsteller, sondern nur als unangepassten Autor eines freien Internetangebots, der sich hauptsächlich im direkten Erleben und im Netz informiert.

Jedes Leben ist Anpassung,
man darf sich aber nicht
an jeden Schmarrn anpassen.

Meine Grantfelder beschränken sich auf Münchner Biergärten, Wirtshäuser und die Skandale vor der Haustür am Münchner Tivoli. Der schon etwas vergilbte, 114-jährige Aloisius ist eine Ausnahme. Seine Botschaften sind allerdings aktueller denn je. Er bleibt ein patriotischer Grantler, den Bayern dringend braucht. Sonst schwimmen der Freistaat und das bayerische Volk mit seinen drei Stämmen trotz der Verfassung von 1949 den deutschen Bach hinunter. Das kann doch nicht im himmlischen Interesse sein.

Neben Wirtshäusern und Biergärten ist die Politik das größte Grant-Feld. Wo kämen wir denn hin, wenn wir nicht auf die Politiker schimpfen würden? Ich habe das bereits in einem umfangreichen Betrag betrieben, den ich weiterentwickle. Damit man die Tivoligeschichte Freiheit für Bayern besser ertragen kann, habe ich sie mit Volksmusik aufgelockert. Mein Ausflug in den politischen Grant hat nur persönliche Züge ohne umfassenden Sachverstand.

In der Anfangszeit von Tivolifoto bildete ich mir ein, ein Münchner Stenz, Grantler und Django aus der Vorstadt zu sein. Heute lache ich darüber, weil auf die Tivoligeschichten bereits Rechtsanwälte, Polizei und Behörden aufmerksam geworden sind. Legt man sich mit denen an, braucht man etwas Spielgeld. Sparsamkeit darf aber die Wahrheit nicht verhindern.

Meine ersten Grantler-Versuche waren harmlos gegenüber der Chronik des Tivoliskandal mit den dazugehörigen Beiträgen. Dieser Skandal wurde allerdings nicht von mir, sondern von der Stadtpolitik mit Lügen und von der Stadtverwaltung mit zweifelhaften Genehmigungen verursacht.

Grant-Beitrag: Politisches Manifest, 2017
Grant-Satire: Die Umweltsau vom Tivoli, 2023

Dann kritisierte ich den nahen Biergarten am Chinesischen Turm wegen Traditionsverlust und den fragwürdigen Gastgarten beim Imbissstand auf dem Viktualienmarkt wegen Schankbetrugs. Die Preißn-Hoibe vom Donisl und das touristische Hofbräuhaus folgten. Heute biete ich die folgenden Übersichten meines Münchner Grant eines niederbayerischen Wahlmünchners an. Bemerke ich Habgier, Betrug, falsche Anpassungen und Traditionsverlust, dann muss ich aktiv werden.

Stenz-, Grantler- und Django-Geschichten, 2014
Link: Heiter bis bockig, Tivoligeschichten 2016

Beantwortung der Titelfrage

Leider ist es mir nicht gelungen, die Titelfrage ausreichend zu beantworten. Einen gegenwärtigen Hofbräuhausgast mit Aloisius-Qualitäten habe ich bis auf meine bescheidenen schriftlichen Grant-Versuche nicht gefunden. Ich weiß aber, dass ich nicht der wiedergeborene Münchner im Himmel bin.

Deshalb muss ich meine Suche in der Vergangenheit fortsetzen. Was liegt näher, als ein solches Vorhaben mit „Die Münchner im Himmel“ zu benennen? Ich zweifle aber jetzt schon, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen habe. Eine Tetralogie ist eher ungewöhnlich.

Aloisius-Geschichten bei Tivolifoto

Das Aloisius-SpielDas Aloisius-Spiel
Hintergründe, Erfahrungen, Varianten und Bedingungen zum Aloisius-Spiel im Hofbräuhaus werden mit Beispielen und Fotos vorgestellt. Es gilt, die fünf Figuren gemäß der Geschichte des Münchners im Himmel anzuordnen. Dabei erlebt man Geselligkeit, bayerischen Humor und Gemeinschaft mit Touristen im Wirtshaus.

Aloisius hat geholfenAloisius hat geholfen
Der Titel verweist auf die Volksfrömmigkeit in Altbayern. In zahlreichen Kapellen und Kirchen finden sich Votivtafeln mit Inschriften, dass ein Heiliger geholfen hat. Natürlich kann ich den Aloisius nicht heiligsprechen, außerdem gibt es schon einen Heiligen mit diesem Namen. Mein Aloisius hat trotzdem geholfen.

Aloisius hilft im HofbräuhausAloisius hilft im Hofbräuhaus
Die Hilfen des Münchners im Himmel zeigen sich im Hofbräuhaus. Der Engel Aloisius erfreut Gäste und Personal, bewirkt aber auch Kritik. Ein Figuren-Set drückt frohlocken, zweifeln, schimpfen, überbringen und genießen aus. Es veranlasst zum Spielen und Schenken. Die Geschichten verstehen sich als Satire und Gaudi.

Wer ist der Aloisius?Wer ist der Aloisius?
Natürlich ist er vergilbt, weil er schon 114 Jahre auf dem Buckel hat. Seine Botschaft ist allerdings aktueller denn je. Er bleibt ein patriotischer Münchner Grantler, den Bayern dringend braucht. Sonst schwimmen der Freistaat und das bayerische Volk mit seinen drei Stämmen trotz der Verfassung von 1949 den deutschen Bach hinunter. Das kann doch nicht im himmlischen Interesse sein.

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