Um es vorwegzunehmen – ich bin niederbayerischer Münchner und gehe gern sowie seit einem Jahr regelmäßig ins Hofbräuhaus. Mein dortiges Erleben ist aber nicht umfassend, weil ich dieses berühmteste Wirtshaus der Welt fast nur aus der Perspektive der Tische vor der Musikantenbühne in der hohen Schwemme und erst zu den Auftritten ab 18.00 Uhr kenne. Die Besuche erfolgen meist an einem der vier Wochentage mit Gastkapellen aus Altbayern, Schwaben und Tirol. Dabei kann man Höhepunkte der traditionellen Blasmusik erleben, welche gegenwärtig meine bevorzugten Fotomotive sind. Blasmusik vor der Bühne ist jedoch mit Lautheit verbunden und kann gemütliche Wirtshausgespräche und persönliche Unterhaltungen einschränken. Aus diesem Grund besuchen manche Stammgäste und Münchner vielleicht eher andere Bereiche des Hofbräuhauses, z. B. das sogenannte Salettl, einen Anbau an die niedere Schwemme, den Biergarten oder das Bräustüberl im ersten Stock. Veranstaltungsteilnehmer, große Gesellschaften oder Reisegruppen nutzen das Münchner Zimmer, das Erkerzimmer oder den Festsaal im zweiten Stock. Die hohe Schwemme ist jedoch das Herzstück des Hofbräuhauses und zeigt sich manchmal wegen der vielen Menschen und des hohen Geräuschpegels als etwas gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz zum Oktoberfest gibt es hier jedoch keine Bierleichen oder sonstige Auswüchse. Bei Hochbetrieb darf man als Gast gelegentlich nicht von schnellem Service und Gemütlichkeit ausgehen. Ich habe aber Verständnis, dass Kleinigkeiten so wie überall manchmal nicht so gut passen.
Wenn es das Hofbräuhaus nicht geben würde, dann wäre es sicherlich bald erfunden, weil ein weltweiter Bedarf durch die vielen internationalen Besucher gegeben ist. Man trifft aber auch Einheimische, die Wert auf Geselligkeit, Tradition, Heimat und Bier legen. Das wollen die weltweiten Gäste ebenfalls. Der Titel meines Beitrags mit der Verbindung weltweit daheim soll diese Gemeinsamkeit ausdrücken. Die Jugend der Welt mit all ihren Altersgruppen trifft auf traditionelle, altbayerische Volkskultur. Das Hofbräuhaus wird für die ganze Welt zum Teil der Heimat – Weltheimat Hofbräuhaus. Die mittlerweile etwa ein Dutzend Kopien belegen das Bedürfnis nach Hofbräuhaus in München und in der jeweiligen Weltstadt. Eine Weltmehrheit hat München, Oktoberfest und Hofbräuhaus längst zur Wunschheimat erklärt. Hier werden touristische Grundbedürfnisse wie Geselligkeit, deftiges Essen, genüssliches Biertrinken und stimmungsvolle Volksmusik in traditioneller, volkstümlicher und internationaler Gemeinschaft erfüllt.
Die ganze Welt ist im Hofbräuhaus nicht nur als Gast, sondern daheim – zumindest der Teil der Welt, welcher frei, aufgeklärt und revolutionsgestärkt keine Probleme mit Bier, Schweinefleisch und weiblicher Kleidung hat. Die meist jungen Gäste bringen ein Stück ihrer Heimat mit, weil sie als Paare, Familien oder Gruppen reisen – so wie hiesige, oft junge Leute, die in Gemeinschaften mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Umland kommen.
Eine Hälfte der Hofbräuhausgäste sind internationale und nationale Touristen. Die zweite Hälfte bilden Tagestouristen aus ganz Bayern und Münchner. In vergangenen Zeiten ist das Hofbräuhaus vielleicht als Treffpunkt von mehr oder weniger trinkfesten und gereiften Herren bevorurteilt worden. Heute trifft man die Jugend der Welt mit den schönsten jungen Frauen jeglichen Alters.
An den bevorzugten Tischen und zu den Zeiten meiner üblichen Besuche erlebe ich fast immer eine angenehme, kontaktfreudige und unterhaltsame Mischung von Gästen sowie eine meist nie abbrechende Prozession mit Menschen aus allen Erdteilen. Bei Anwesenheit von Musikanten in Tracht und besonders beim Musikspiel bleibt die Prozession für eine Fotoandacht wie vor einem Altar stehen. Die Pilger begeben sich dann in die niedere Schwemme, zum Biergarten, in den zweiten Stock zum Festsaal, zum hinteren Ausgang oder zurück in die hohe Schwemme, zum Haupteingang hinaus auf das Platzl und die Orlandostraße. Wer jedoch meist durch Dazusetzen Platz genommen hat, kann aus einem traditionellen, wohlschmeckenden und für Münchner Verhältnisse preiswerten Speisenangebot wählen. Beim Trinken ist natürlich das hervorragende Hofbräu-Bier Pflicht.
Informationen zum Hofbräuhaus gibt es zahlreich im Internet. Ich kann mit meiner kommentierten Fotostrecke nur begrenzte und persönliche Eindrücke vermitteln. Leider ist das eigene Internetangebot des Hofbräuhauses inhaltlich und formal nicht mehr zeitgemäß, z. B. wenig Informationen, viel zu kleine Fotos, keine laufende Aktualisierung, fehlerhafte oder fehlende Veranstaltungshinweise, keine Gesamtsuche, kein Newsletter, kein Gästebereich. Moderne Techniken wie Nutzung von hohen Auflösungen und von responsivem Webdesign finden keine Anwendung. Die gelungenen Audio-Podcasts wären doppelt so gut, wenn sie als Videos angeboten würden. Heute will man doch Moderator und Gesprächspartner sehen. Die übliche Unsitte, aktuelle Informationen nicht im eigenen Internetangebot, sondern bei diesem scheinsozialen Netzwerk mitzuteilen, wird leider auch vom Hofbräuhaus betrieben.
Die hohe Schwemme im Hofbräuhaus ist wohl einer der meistfotografierten Räume weltweit. Viele Gäste nehmen sich die Freiheit, dort alles und jederzeit zu fotografieren. Die Fotos werden umgehend in Netzwerke oder auf Smartphones in der ganzen Welt gesandt. Meine Fotostrecke und die private, nicht-kommerzielle Veröffentlichung sollen zum Ausdruck bringen, dass das Hofbräuhaus wesentlich mehr ist als ein Touristenziel. Man kann dem Hofbräuhaus nur wünschen, dass es nicht so wie das Oktoberfest am eigenen Erfolg stirbt. Dort musste für Einheimische, Tradition und Gemütlichkeit mit der Oidn Wiesn eine abgegrenzte Veranstaltung geschaffen werden.


Der Niederbayerische Musikantenstammtisch erobert das musikantenfreundliche Wirtshaus und besetzt die Bühne.

Vorher gibt es aber Gesänge der bereits anwesenden Verbündeten am Musikanten-Tisch in der niederen Schwemme.

Zwischendurch werden geheime Botschaften für die Revolution zur Freiheit der Niederbayern weitergegeben.

Wer es nicht glaubt, dass das Original Hofbräuhaus gelegentlich ein Tanzlokal ist, wird hier eines Besseren belehrt.

In der dunklen Jahreszeit vor Weihnachten und ein wenig in anderer Besetzung zieht der Niederbayerische Musikantenstammtisch wieder durch die Schwemme und spielt am Tisch bei Gästen aus der Heimat.
Gespielt wird meist im Stehen und ohne Noten – eine hervorragende körperliche und geistige Leistung der Musikanten.
Besonderheit und Eigenheit in der Schwemme des Hofbräuhauses ist das Posieren und Fotografieren vor der Musikbühne.



Schweinshaxn mit Knödel und Maßkrüge – also Pflichten bei Speis und Trank – müssen natürlich auch fotografiert werden.





Auch an den Tischen zeigen sich Gäste freundlich zu fotografischen Absichten und nehmen entsprechende Posituren ein.

Herzliche Grüße an Michael Menzel und seine Freunde von den Oberkammlacher Dorfmusikanten aus dem Schwabenland.
Fotografieren, Löffeln, Schnupfen und Zaubern – bei Gabi am Tisch vor der Musikbühne gibt es viel zu erleben.
Gelegentlich muss Onkel Schorsch von den Wolnzachern von der Löffel-Gabi mit dem Löffel gefüttert werden.

Löffel-Gabi, Truderinger-Rudi und Andre Bandel sind Stammgäste, die sich gerne in der Schwemme fotografieren lassen.

Bücken für Bedürfnisse von Fotografierenden oder Filmenden wird für manche zur lächerlichen Pflicht vor der Musikbühne.

Man kann alles übertreiben – auch das Fotografieren mit der Selfie-Stange oder dem sogenannten Deppenzepter.

Weil nichts anderes zu erfahren war, geht die Deckenbemalung in der hohen Schwemme sicher zurück auf Alois Hingerl, den Münchner im Himmel, der göttliche Eingebungen und Ratschläge für die Bayerische Staatsregierung zurückhält.

Viele Gäste freuen sich, dass sie ohne Tischdecke und Reservierungsschild an traditionellen Stammtischen sitzen können.

Jeden ersten Montag im Monat lädt Franziska Eimer zum offenen Musikantentreff im Hofbräuhaus-Bräustüberl ein. Bei diesen originellen und gut besuchten Veranstaltungen sitzt man einfach mit oder neben den Musikanten am Tisch.

Das Hofbräuhaus-Bräustüberl ist Treffpunkt und Stammtisch für junge Musikanten, Sänger und Gruppen unter 25 Jahren an jedem dritten Montag im Monat. Carmen E. Kühnl vom Verein für Volkslied und Volksmusik organisiert und moderiert.

Im Festsaal hilft die Wolnzacher Tanzlmusi aus, weil sich ein Programmpunkt verspätet hat. Pannen sind überall möglich.
Herzliche Grüße an mein besonderes Volksmusikmotiv, die Wolnzacher Tanzlmusi mit Johanna und Hans Schwarzhuber
Weiter geht es mit den Wolnzachern in etwas anderer Besetzung mit einem Prosit der Gemütlichkeit in der Schwemme.

Weil es dann gar so warm geworden ist, spielt die Wolnzacher Tanzlmusi auch im idyllischen Hofbräuhaus-Biergarten.

Wegen Hitze bevorzugt die Schladl-Musi gleich den Biergarten und kommt erst später auf die Bühne in der Schwemme.
Musikanten halten zusammen. Hier stärkt sich die Dettendorfer Musi vor dem Auftritt mit einem Prosit für den Fotografen.


Wenn die Möckenloher Blechmusik durch die Schwemme marschiert, dann sind beste Klänge und Stimmung garantiert.

Junggesellenabschiede mit Weibchen oder Männchen sind meist fragwürdige, eher ordinäre und oft unerwünschte Angelegenheiten, die manchmal an Samstagen auch Schwemme und Musikbühne des Hofbräuhauses heimsuchen.
Eine besonders originelle, sehr gefällige und hocherwünschte Veranstaltung ist die Vorstadthochzeit anno 1905.
Das Platzl wird zum Ort des Schauens und Staunens über die Ankunft der Gäste des berühmten Künstlerfests im Festsaal.
Seine Majestät gibt sich, der Dame und den Hochzeitagästen die Ehre. Honoratioren mit ihren Gemahlinnen treffen ein.
Willi aus der Au hat sich zu den Brautjungfern auf den Balkon geschmuggelt. Ein Gendarm konnte den Vorfall aber klären.
Münchner Künstler parodieren eine spektakuläre Hochzeitsgesellschaft mit dem Glasscherbenviertel-Adel der Vorstadt.
2016 marschiert Barbara Preis als Hochzeitsladerin mit der aktiven Gesellschaft auf dem Festsaalweg durch die Schwemme.
Herzliche Vorstadtgrüße aus der München-, Bayern- und Weltheimat Hofbräuhaus

Boarische Tradition und das ganz spezielle, uns eigene Lebensgefühl – und dazu die Impressionen von Menschen aus aller Welt – das ist ganz großartig von dir eingefangen und zusammengestellt, lieber Josef… Die Vorstadthochzeit möchte ich mir seit ewigen Zeiten schon einmal anschauen… Und ich muss gestehen, dass ich seit zweiunddreißig Jahren in München lebe, und noch nie im Hofbräuhaus gewesen bin. 😉
Dann wird es aber Zeit, liebe Margot! Manche werden es vielleicht nicht glauben, aber man kann dort beste und unverfälschte bayerische Tradition in weltweiter Gemeinschaft erleben. Deine Bewertung des Beitrags freut mich sehr, weil sie von einer Kennerin unserer Heimat und einer freiheitsliebenden Weltbürgerin stammt. Vielen Dank und herzliche Grüße, Josef
So lerne ich über dich das Hofbräuhaus doch noch kennen. Mich hat es nie hingezogen. Trotzdem hast du stimmungsvolle Bilder mitgebracht. “Castle Heidelbörg and Munic Hofbrauhaus” sind ja Pflicht für jeden Amerikaner und jeden Japaner 🙂 Dann fällt mir noch der Bayer dazu ein, der einen Gast aus dem fernen Osten “Saupreiß-japanischer” nannte 🙂 Aber Spaß beiseite, vielleicht sollte ich beim nächsten Münchenbesuch doch mal kurz reinschauen.
Liebe Ute, das mit den weltweiten Saupreißn wollen wir lieber vernachlässigen. Außerdem wird dieses Zitat einer Standlfrau auf dem Viktualienmarkt nachgesagt. Es freut mich, dass Du bei den Bildern Stimmung wahrgenommen hast. Solltest Du wirklich beim nächsten Münchenbesuch das Hofbräuhaus egal ob kurz oder lang kennenlernen wollen, dann sind Du und Deine Begleitung selbstverständlich meine Gäste. Herzliche Grüße, Josef
Danke lieber Josef. Vielleicht schaffen wir es ja noch vor der kalten Jahreszeit wieder mal nach München zu fahren.