Offener Brief an die Schulgemeinschaft des Wilhelmsgymnasiums am Tivoli

Fensterblick am Tivoli - 22. November 2015

1960er Wandel & Goltermann elektromechanischer Vier-Ton-Gong nach http://www.freesound.org/people/Hansl/sounds/203651/ Link für den Download des offenen Briefs an die Schulgemeinschaft des Wilhelmsgymnasiums als PDF-Datei Die Containerschule ist seit einem Vierteljahr neuer Nachbar der Wohngebäude am Eisbach und der LMU-Institute in der Oettingenstraße. Als Anwohner einer neuen Schule habe ich Verständnis, dass der Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Container nicht geräuschlos sein kann. Insgesamt möchte ich die Schülerschaft für das Verhalten in der neuen Umgebung nach meiner Wahrnehmung und nach Bestätigung durch Nachbarn loben. Manchmal wünsche ich mir aber etwas mehr Rücksicht. Die tiefe Lage des Außenbereichs und der Sichtschutz der Bäume lassen vermutlich keine Nachbarschaft in Hörweite annehmen. Einzelnen Schülern müsste man aber bewusst machen, dass sie mit Geschrei Nachbarn in Wohnungen und Arbeitsräumen stören. Dies wäre besonders an Nachmittagen notwendig. Ein erheblicher Eingriff in Leben und Freiheit der Nachbarn ist jedoch der Schulgong mit Außenlautsprechern.

Dieses akustische Signal beschallt durch vier Druckkammerlautsprecher nicht nur das Gelände um die Container, sondern die gesamte Umgebung. Bei einem ganztägigen Aufenthalt in der Wohnung zwingt mich die Schule von 8.05 Uhr bis 16.15 Uhr sechszehnmal den Gong zu hören. Ich werde durch dieses unerwünschte Geräusch bei geschlossenen Fenstern regelmäßig gestört. Das Überhören wie bei den gewohnten und ständig wechselnden Geräuschen des Straßen- und Trambahnverkehrs ist nicht möglich. Wahrscheinlich wird der Gong in den meisten Wohnungen über dem Eisbach und in Institutsräumen ebenfalls als störend wahrgenommen. Vier dieser Störungen erfolgen in der Zeit der Mittagsruhe in den Mietwohnungen.

Mit der Übertragung des Gongs durch Außenlautsprecher erzeugt die Schule einen unzulässigen oder nach den Umständen vermeidbaren Lärm, der rechtlich gesehen gegen die öffentliche Ordnung verstößt. Der Lärm durch den Gong im Freien ist wegen sicherlich vorhandener Lautsprecher in den Containern überflüssig. Außerdem ist die Sinnlosigkeit eindeutig, wenn sich kein Mitglied der Schulgemeinschaft im Freien aufhält. Dies trifft in der Regel dreizehnmal täglich zu.

Wenn Signale im Außenraum als unbedingt notwendig angesehen werden, würden optische niemanden stören. Genauso könnten Uhren im Freien die Schulgemeinschaft bei der Pünktlichkeit unterstützen. Die gegenwärtige Praxis des zweimaligen Gongs beim Unterrichtsbeginn am Morgen und nach den Pausen bringt zum Ausdruck, dass Schülern nicht zugetraut wird, sich ohne den ersten Gong selbständig und pünktlich in den Unterrichtsräumen einzufinden. Mit dem zweiten Gong unterstellt man Lehrkräften, dass sie nicht in der Lage sind, Unterricht pünktlich zu beginnen. Der erste Gong könnte durch Lichtsignale im Freien ersetzen werden. Der zweite Gong ist überflüssig, weil die Verantwortung für Anfang und Ende des Unterrichts ohnehin bei den Lehrkräften liegt. Deren Autorität und Pflichterfüllung werden bestimmt mehr beachtet als der Gong.

Ein Schulgong ist nach meiner Einschätzung ein pädagogisch rückständiges Ordnungs- und Disziplinierungsinstrument der Vergangenheit. Mittlerweile sollte sich Erziehung zur Selbstverantwortung überall durchsetzt haben. Im Internet finden sich zahlreiche Berichte über die Vorzüge der Abschaffung des Schulgongs im Innen- und im Außenbereich. Respekt, Selbständigkeit und Selbstverantwortung der Schüler werden gestärkt. Geschrei erzeugende Spannungszustände können vermindert werden. Dabei handelt es sich aber um eine innere Angelegenheit der Schule – genauso wie bei akustischen Signalen durch Lautsprecher innerhalb der Container.

Die Übertragung des Gongs mit Außenlautsprechern in die Umgebung ist nach meiner Wahrnehmung unbegründet, unsinnig und unrechtmäßig. Ich bitte die Schulgemeinschaft, den Gong mit Außenlautsprechern abzuschalten. Wohnen, Leben und Arbeiten der Nachbarn am Tivoli würden nicht mehr rücksichtslos und andauernd gestört werden. Verwirklichen Sie die Aussagen zum Schulprofil, die Sie in ihrem Internetangebot mitteilen, z. B. Verantwortungsbereitschaft und Selbständigkeit. Bitte tragen Sie zur Vermeidung von Lärm bei, der auf dem Containergelände entsteht und außerhalb stört.

Ich veröffentliche diese Bitte zunächst in meinem Internetangebot Tivolifoto.com, damit Schulgemeinschaft und Nachbarn am Tivoli zur Kenntnis nehmen können, dass ich den Gong außerhalb der Container in der Wohnung als unnötig störend wahrnehme.

München am 15. Dezember 2015
Mit freundlichen Grüßen
Josef Maria Wagner

Fensterblick am Tivoli - 15. Dezember 2015

Liebe Gäste, mit einem Klick können Sie sich vorspielen lassen, wie der Schulgong mit Außenlautsprechern sechzehnmal täglich in der Umgebung der Containerschule und somit in den Wohnungen der Nachbarn am Tivoli zu hören ist. Dabei ist dreizehnmal keine Person auf dem Gelände zu sehen.

Ich habe meine Bitte um Abschaltung der Lautsprecher im Freien der Schulgemeinschaft am 15. Dezember 2015 mit E-Mail an sekretariat@wig.musin.de mitgeteilt. Im Januar 2016 ertönte der Gong noch bei den vormittäglichen Pausen. Nach den Winterferien im Februar 2016 war kein Gong mehr zu hören.

Die Störungen beschränken sich jetzt auf Geschrei vor und nach dem Unterricht, während der zwei Vormittagspausen und der Nachmittagsbetreuung. Etliche Schüler werden oder fühlen sich offensichtlich nicht beaufsichtigt oder betreut, sonst würden sie nicht so kreischen und plärren. In Gegenwart von Lehrkräften würden Schüler wahrscheinlich keine Fäkalsprache und Schimpfwörter verwenden. Diese werden so lautstark geschrien, dass sie auf Straßen und in Wohnungen zu hören sind. Lehrkräfte lassen dies vermutlich zu, sind nicht anwesend oder können sich nicht durchsetzen. Das Geschrei der Schüler erfolgt ohne Grenzsetzung. Rücksichtnahme auf Nachbarn wird in dieser Containerschule offensichtlich weder gelehrt noch gelernt.

Seit 21. April 2016 stört die Containerschule die Nachbarn wieder sechsmal mit dem Gong: 9.50, 9.55, 11.25, 11.40, 11.45 und 12.30 Uhr. Dabei sind nur bei Beendigung der zwei Pausen Schüler außerhalb der Container anwesend – 10.50 Uhr und 11.40 Uhr. Ab dem 9. Mai ertönt der Gong auch wieder um 8.10 Uhr und 9.40 Uhr. 12.30 Uhr ist abgeschaltet. Beim jetzt wieder siebenfachen Gong sind fünfmal keine Personen im Freien anwesend.

Die Situation gegen Ende des Schuljahres 2015/16 wird in der folgenden Tivoligeschichte festgehalten: Gongpauker und Schreischratzen am Tivoli.

Wie es zur Containerschule gekommen ist, kann man hier nachlesen und anschauen: Skandal am Tivoli.

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