Nur ein Weiher

Der Weiher befindet sich zwischen den Gebäuden Am Tucherpark 1 und Sederanger 6 im Münchner Tucherpark. Mit vorliegendem Beitrag befördere ich dieses Gewässer, das in Süddeutschland umgangssprachlich Weiher genannt wird, zu einem hochsprachlichen Teich und verleihe ihm die Würde eines Ziergartenteichs. Wahrscheinlich gibt es ihn seit 1969, als nach der Stilllegung und dem Abriss der Tivoli-Kunstmühle die gesamte Anlage des heutigen Tucherparks errichtet wurde. Vermutlich ist er nur das unbedeutende und getarnte Dach einer Tiefgarage. Es muss aber Menschen geben, die das Leben am und im Teich steuern und pflegen. Ich kenne sie nicht und habe dort außer einigen Gartenfreunden, korrekt gekleideten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der HypoVereinsbank sowie teilweise vermummten arabischen Hotelgästen aus dem nahen Hilton noch niemand gesehen.

Seit Jahren fotografiere ich diese Anlage mit Blumen, Sträuchern, Bäumen, beobachte ich die Tierwelt mit Enten, Fröschen, Fischen, Eichhörnchen und benutze diesen Platz, um mein Fahrrad zu putzen. Anfang 2011 erfand ich Tivolifoto München und stellte mir die Frage, wo denn dieser Tivoli in München heute genau sein könnte. Es müsste sich um einen besonders schönen Ort handeln, weil mit Tivoli bekanntermaßen weltweit schöne Orte bezeichnet werden. Der historische Tivoli in München ist aber derzeit ein geteerter Parkplatz, die Schönheit der nahe gelegenen, sehr gepflegten Tennisplätze wird individuell unterschiedlich wahrgenommen, und die Tivolistraße ist eher langweilig. Der Tivoli-Pavillon und das Tivoli-Kraftwerk befinden sich in der Hirschau. Ich fand eine mögliche Antwort mit diesem Weiher auf dem Dach einer Tiefgarage im Tucherpark. Die Anlage wurde nach Hans Christoph Freiherr von Tucher (1904–1968) benannt, der ab 1959 Sprecher des Vorstands der damaligen Bayerischen Vereinsbank war.

Vor einigen Jahren gab ich dem Münchner Autor Hans Pfitzinger (1945–2010) einen Datenträger zur Ansicht meiner Fotos von der Wohnumgebung. Er bedauerte, dass er den Weiher nicht kannte, obwohl er in der nahen Montgelasstraße wohnte. Wir tauschten uns über die genaue Lage aus. Der Teich hätte hervorragend in seine liebens- und lesenswerten „Stille Winkel in München“ gepasst.

Kürzlich erzählte ich Otto, dem 90jährigen Tennisspieler am Tivoli, dass ich einen Beitrag über meinen Entenweiher, wie ich ihn nenne, plane. Er lachte und erwiderte, dass er diese Idee schon vor vielen Jahren mit einem Film verwirklichte. Mit Ausnahme dieser beiden Personen sprach ich noch mit niemand über das nahe gelegene, kleine Gewässer.

Einmal beschwerte sich ein übereifriger Pförtner der HypoVereinsbank-Tiefgarage, dass ich am Weiher mein Fahrrad putze. Er faselte etwas von Ölrückständen und Umweltschutz. Ich wies ihn darauf hin, dass ich nur ein trockenes Tuch ohne Putzmittel verwende. Die Raben an den Abfallkörben im Tucherpark, die Enten am Weiher sowie einige hirn- und rücksichtslose Personen verursachen tatsächliche Verschmutzungen.

Für diesen Beitrag zum Weiher steht mir etwa die vierfache Menge meiner hier ausgewählten 110 Fotos auf der Festplatte zur Verfügung. Zuerst dachte ich, dass ich für die Formulierung des Begleittextes ein Schreiben mit Fragen an die HypoVereinsbank München verfassen müsste. Dies würde aber meinem bisherigen Prinzip widersprechen, Texte nur mit meiner Wahrnehmung sowie mit Hilfe des Internets und des eigenen Bücherregals zu erstellen. So bleiben dem Leser dieser Zeilen Fakten und Daten über den Weiher erspart. Ebenfalls mit wenigen Ausnahmen nicht berücksichtigt sind viele Fotos von Tieren, die in dem Artikel Wilde Tiere am Tivoli zu sehen sind.

In der Anfangszeit meiner Digitalfotografie von 1998 bis 2004 machte ich Bilder meist nur im Blick auf das Sammeln. Ab 2004 entdeckte ich mit neuer Technik sowie interessanten München- und Entenmotiven die Schönheit dieses Mediums. Teilweise verdanke ich dem Weiher meinen Blick dafür. Dieses Jahr war der Beginn der bezahlbaren digitalen Spiegelreflexfotografie mit Wechselobjektiven. Ich bekam mit der technischen Weiterentwicklung eine neue Motivation zum Fotografieren. Anfänglich begeisterte mich besonders die Abbildung von entfernten Motiven, z. B. der Blick auf Details von Münchner Bauwerken und Denkmälern, auf Pflanzen wie Seerosen sowie in die Augen von Tieren wie Enten an meinem Weiher.

Vermutlich gibt es mehrere Gartenfreunde, die sich im Besitz dieses Weihers wähnen. Ich vergönne es ihnen und überlasse auch der HypoVereinsbank großzügig den Unterhalt der Anlage. Mir bleibt das Schauen, Fotografieren und Genießen. Damit bin ich zufrieden und teile gerne. Sogar der Ziergartenteich gliedert sich in zwei Teile, wobei der Weg dazwischen über eine Brücke führt. Am Wasser befinden sich drei Skulpturen von mir unbekannten Künstlern und fünf angerostete Sitzbänke. Interessieren würden mich genaue Angaben zum Weiher schon, aber vielleicht findet sich eine Person bei UniCredit, die ihr Wissen über den Teich in einem Kommentar zu diesem Artikel bei Tivolifoto schreibt. Jetzt bleibt mir nur noch als Schlussbemerkung die Äußerung des Wunsches, dass es mir gelingen möge mein Fahrrad öfter zu putzen.

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Blick nach Norden auf das Gebäude Sederanger 6 – der Englische Garten ist westlich

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Im Osten liegt das Hilton Munich Park und im Süden das Gebäude Am Tucherpark 1

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Landung von Außerirdischen an meinem Entenweiher

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Nur ein Weiher oder das Dach einer Tiefgarage im Tucherpark München

There are 8 comments

  1. ute42

    Gerade stöbere ich in deinen diversen Seiten und komme gar nicht mehr davon los. Dieser kleine Weiher z.B. ist zum Verlieben. Ein Weiher, den sicher kein Tourist besucht. Wunderschön, deine Detailaufnahmen.
    Ich hoffe, du putzt nach wie vor dein Fahrrad dort 🙂

    1. Josef

      Liebe Ute, jetzt verrate ich Dir ein Geheimnis. Mein Fahrrad wird gar nicht mehr schmutzig. Das ist doch Ansichtssache. Ein kräftiger Regen beim Cagey-Strings-Konzert letzten Freitag am Aumeister hat es fast rein gewaschen. Oder besser gesagt, es ist höchste Zeit, dass ich wieder einmal putze. Am Weiher habe ich heuer schon über 100 Fotos gemacht. Wahrscheinlich gibt es aber wegen des geringen Interesses keinen neuen Beitrag. Das ist auch besser so, weil dieser wunderschöne Ort nur 400 Meter vom weltbekannten Biergarten am Chinesischen Turm mit Platz für 8000 Gäste entfernt ist. Es freut mich sehr, dass Du den von mir so benannten Tivoliweiher hier entdeckt hast. Herzliche Grüße aus München, Josef

  2. Josef

    Tante Wikipedia sagt, dass es sich bei den Skulpturen um folgende Werke handelt:
    – „Junge mit Schwan“, stillgelegter Brunnen 1953 von Lothar Dietz
    – „Windhunde“, 1897 von Galliard-Sansonetti

  3. Susi Eisbach

    Das Fotobüchlein über den Entenweiher ist ein kleines Kunstwerk – die wunderschönen Seerosen – die schwebende Kröte – der gefräßige Goldfisch – das trinkende Eichhörnchen – die Rohrkolben – die Wildrosen – und, und, und zum Schluss noch das gelandete Raumschiff – vielen Dank dafür. Ich kann die Stimmung z. B. an einem heißen Sommertag richtig nachempfinden.

    1. Toni Tivoli

      Hallo S.E. Bleib cool! Es ist doch alles halb so wild. Wenn Du den Weiher am heutigen Januartag sehen könntest, würdest Du sofort die Flucht ergreifen. T.T.

      1. Susi Eisbach

        Hallo Toni, ich hab` ihn eben gesehen. Josef M. Wagner zeigt Dir sicher auch die Bilder von heute mit Schneegestöber, wenn Du Ihn darum bittest. Gruß Susi

  4. Elisabet Ludwig

    Sicherlich gibt es kaum irgendwo so schöne Bildstudien von diesem Weiher, der wie mir eine Mitabeiterin der Hypobank mitteilte, zur Erholung der Mitarbeiter und -innen selbiger angelegt wurde. Allerdings konnte sie mir auch nicht berichten, wer der Künstler der Skulpturen ist. Die Bilder von den Wasserpflanzen erinnern mich persönlich an meine hanseatische Heimat, wo ich oft am Weiher war, Seerosen, Schilfrohr betrachtete und verbotener Weise auch angelte. Tja, wir waren sehr jung und Kinder mit viel Flausen im Kopf. Schön nun Fotos zu betrachten, die alte Erinnerungen hervorrufen. Danke Elisabet L.

    1. Josef

      Liebe Elisabet, herzlichen Dank für den freundlichen, lobenden und lebendigen Kommentar. Den Druckauftrag für das Fotobuch habe ich heute abgesendet. Ich würde mich freuen, wenn ich Dir ein Buch für Deine Kindheitserinnerungen schenken darf. Liebe Grüße Josef

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