Bayern und Preißn im Hofbräuhaus

Bayern und Preißn im Hofbräuhaus
Ob die linken Gäste Preißn sind, ist fraglich. Bei den rechten sind die Bayern eindeutig zu erkennen. Lebensfreude im Hofbräuhaus sieht man bei allen Vieren.

Begriffsbestimmung

Bayer ist man laut der Verfassung des Freistaats Bayern von 1946: „Die Staatsangehörigkeit wird erworben durch Geburt, Legitimation, Eheschließung und Einbürgerung.“ Preißn ist das bayerische Wort für Nord- oder Ostdeutsche und Menschen aus der allgemeinen, nicht bayerischen Fremde, z. B. Tourismusgäste oder Fachkräfte mit Migrationshintergrund, aber nur bei missfallendem Verhalten.

Die Personenbezeichnung Preiß kann scherzhaft bis abwertend gemeint sein. Preiß wird man nicht durch Geburt, sondern durch unangenehmes, auffälliges und ungefälliges Verhalten, gelegentlich auch durch mangelnde Bildung, Falschheit und Dummheit und sicherlich durch Machtansprüche, Rechthaberei und Überheblichkeit.

Inwiefern Bayern Preißn sein können, ist hier nicht umfassend zu klären. Regionale Feinheiten von Altbayern, Franken und Schwaben werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Insgesamt sind nicht Stammeszugehörigkeiten entscheidend, sondern Persönlichkeitsmerkmale. Das trifft selbstverständlich auch auf Gäste und Personal im Hofbräuhaus zu.

Als Saupreißn bezeichnen Bayern nur Personen, wenn sie dazu genötigt werden. Jetzt bemühe ich nicht den japanischen Saupreißn vom Viktualienmarkt, der von der Standlfrau beschimpft wird, weil er Obst anfasst und nichts kauft. Ich verweise kurz auf den bayerischen und den preußischen Löwen vor der Feldherrnhalle und berichte dann eigene Erfahrungen.

Bayerischer und preußischer Löwe vor der Feldherrnhalle in München
Welcher ist der preußische und der bayerische Löwe vor der Feldherrnhalle in München?
Wie und warum werden die Löwen zu Bayern und Preußen zugeordnet? Der Mausklick oder Fingertipp auf die Frage beantwortet sie.

Wenn ich mit Begleitung vor der Feldherrnhalle stehe, stelle ich die Frage, welcher der bayerische und welcher der preußische Löwe ist. Meist wird sehr schnell gelacht und geraten, dass der mit dem offenen Maul der preußische ist. Sogar bei Wikipedia erfährt man, dass dies „eine humorige Anspielung auf die angebliche Gesprächigkeit der Norddeutschen“ ist. Dann informiere ich, dass die Löwen von dem Bildhauer und Professor Wilhelm von Rümann geschaffen und in seinem Todesjahr 1906 aufgestellt wurden. Aber jetzt kommt das eigentliche Kuriosum: Was macht es für einen Sinn, dass auf der linken Seite ein Löwe mit offenem und auf der rechten Seite ein Löwe mit geschlossenem Maul dargestellt ist. Die Stadtanlage bietet eine Antwort. Auf der linken Seite ist das Graggenauviertel mit der Königlichen Residenz, also der Staat. Da muss man das Maul aufreißen. Auf der rechten Seite ist das Kreuzviertel mit dem Liebfrauendom und dem Erzbischöflichen Ordinariat, also die Kirche. Da muss man den Mund halten, was leider viel zu oft gemacht wurde.

Zitat aus Münchner Kuriosa, Tivolifoto 2011

Gibt man in eine Internet-Suchmaschine Preißn oder Saupreiß ein, wird eine Informationsfülle angeboten, die mehr oder weniger geistreich oder humorvoll ist. Empfehlenswert und niveauvoll ist der Preißn-Artikel bei Wikipedia. So gescheit wie dort bin ich aber nicht und will ich auch nicht werden. Ich schreibe lediglich über mein persönliches Erleben im Hofbräuhaus.

Dabei ist es für mich hilfreich, die Menschen in gut und weniger gut einzuteilen. Zur Vereinfachung verwende ich die Begriffe Bayer und Preiß. Letzterer ist in diesem Beitrag keinesfalls diskriminierend oder rassistisch gemeint. Ich halte Preißn zugute, dass sie oft nur verdächtigt werden, solche zu sein. Leicht zu erkennen sind sie aber, wenn einer in der Schwemme des Hofbräuhauses wieder schreit, als ob er lebendig am Spieß gebraten wird. Dann bemerke ich:

Iaz hams wida an Preißn gschlacht.
Wer Preißnfleisch mog, soi kema de Dog.

Das Geschrei in der Schwemme des Hofbräuhauses ist eine häufig zu erlebende, preißische Unart, die bei Gästen vorwiegend aus Südeuropa und dem angloamerikanischen Raum zu erleben ist. Hervorzuheben sind US-Amerikaner, die das Schreien durch ihren gegenwärtigen Präsidenten, den Schreihals Trump, legitimiert sehen. Mit dem Biergenuss hat das Schreien wenig zu tun, weil es bei Bier trinkenden Bayern nicht wahrzunehmen ist.

Am Ende dieser Begriffsbestimmung danke ich dem Ideengeber für den Titel dieses Beitrags. Lange habe ich überlegt, wie ich alle Teile zusammenfassen kann. Dann hat mir einer der bekanntesten, beliebtesten, humorvollsten bayerischen Schriftsteller mit seinem Titel Von Bayern, Preußen und anderen Viechern mit zwei Haxen geholfen.

Ludwig Thoma
1867–1921

Allerdings habe ich seine Preußen-Geschichten bisher nicht gelesen. Deshalb konnte ich nichts abschreiben oder wiederholen. Die Gäste und das Personal des Hofbräuhauses haben mir aber genug aktuellen Stoff für meine eigenen Geschichten zum Thema geliefert. Dafür danke ich allen.

Tivolifoto beinhaltet bereits einige Geschichten über die Liebe von Bayern zu Preißn.

Hoidaus! Die letzte Geschichte ist bisher nicht veröffentlicht worden. Das hole ich gleich nach. Sie betrifft allerdings nicht direkt das Hofbräuhaus, sondern die Taxis in der Bräuhausstraße neben dem Gebäude. Vorher muss ich aber meine beliebte Gaudi-Frage loswerden:

Was ist das Beste am Hofbräuhaus?

Meist werde ich ratlos angeschaut. Dann gebe ich eine Hilfestellung, dass ich nicht im Hofbräuhaus, sondern am Hofbräuhaus gesagt habe. Niemand ist bisher auf meine Antwort gekommen.

Wer hier klickt oder tippt, erfährt meine mehr oder weniger sinnvolle Auflösung. Ich bitte aber darum, sich vorher selbst Gedanken zu machen.

Die Taxis in der Bräuhausstraße

Vielleicht überrascht meine Antwort, aber ich habe in der Regel einen unterhaltsamen Abend erlebt, freue mich auf die Ruhe in der Wohnung und den erholsamen Schlaf. Ohne ein Taxi hätte ich einen Fußweg von 30 Minuten oder müsste ein- bis zweimal auf eine Trambahn warten. Das würde mit den Fahrten auch eine halbe Stunde dauern. Deshalb ist zu der späten Stunde ein Taxi für mich das Beste am Hofbräuhaus. Damit bin ich in fünf Minuten daheim.

Taxi-Dieb-Preiß

Vor einigen Jahren wollte ich nach einem Hofbräuhaus-Abend zum Taxistand in der Bräuhausstraße neben dem Hofbräuhaus gehen. Der Stand war aber leer. deshalb wartete ich am Hofbräuhaus-Eck und winkte einem heranfahrenden, freien Taxi. Als es hielt, griff ich zur Beifahrertür.

Dasselbe versuchte jemand, der sich hinter mir genähert hatte. Er blieb allerdings erfolglos. Standhaft erklärte ich, der Erste zu sein. Da empörte sich das sich vordrängen wollende, wichtige Männchen: „Haben Sie telefoniert?“ In seinem Gefolge kamen einige weitere Anzug- und Krawattenträger dazu. Ich nahm aber geschwind den Beifahrersitz im Taxi ein und schimpfte mit den Worten:

Iaz schleichst di aba glei, du Saupreiß, du damischa.

Der Preiß hatte noch versucht, nach der Rücksitztür zu greifen, aber das nunmehr besetzte Taxi fuhr schon los. Zurückblickend nahm ich einen Mann wahr, der aussah wie Wolfgang Kubicki. Vermutlich waren er und seine Bande aus dem benachbarten noblen Schubeck-Restaurant gekommen. Ihr Erscheinungsbild hatte nämlich nicht zur Schwemme im Hofbräuhaus gepasst.

Natürlich war das Taxi nicht bestellt gewesen, sonst hätte es nicht direkt bei mir angehalten. Außerdem hätte mich der Fahrer gefragt, ob ich angerufen hätte. Der Preiß wollte sich vordrängen und mir den Wagen mit einer Lüge wegnehmen. Am Platzl ist eine Bestellung nicht sinnvoll, weil der Taxistand in der Bräuhausstraße gut frequentiert und besonders beim Schankschluss voll besetzt ist.

Was aus dem Alfons und dem Wolfgang geworden ist, war damals nicht zu ahnen. Geblieben sind mir meine Erinnerung und die Erkenntnis:

Politiker haben Gemeinsamkeiten
mit Lügnern, Betrügern, Dieben und Räubern.

Vermutlich wollte ein liberaler FDP-Politiker mir nicht die komplette Freiheit nehmen, aber mir zumindest ein Taxi stehlen.

Mein Schicksal

Das Schicksal hat mich zum Stammgast im Hofbräuhaus gemacht. Ich gebe zu, dass es schlimmere Schicksale gibt. Manchmal habe ich aber schon mit dem schweren Los eines regelmäßigen Gastes zu kämpfen. Andererseits frage ich mich, wo ich denn sonst hingehen soll. In meinem Vorstadtbereich, dem nördlichen Lehel, ist das gastronomische Angebot für Einheimische geschrumpft und auf Ausheimische begrenzt, z. B. auf griechisch, italienisch, serbisch, afghanisch und preußisch zugezogene. Und wenn ich schon mit der Trambahn in die Innenstadt fahren muss, dann bevorzuge ich doch gleich ein Angebot mit musikalischer Unterhaltung.

Dabei befinde ich mich nicht in einem heimatlichen, bayerischen Wirtshaus, sondern in einer Hochburg des internationalen Tourismus, die sich selbst als das weltweit berühmteste Wirtshaus bezeichnet. Natürlich habe ich mein Glück auch in anderen Häusern versucht, aber dem schweren Schicksal musste ich mich beugen – allein schon wegen meiner fotografischen Interessen.

Sie führten mich schon ab dem Jahr 2000 ins Hofbräuhaus. Damals entstand ein Fotoalbum mit 500 Bildern. Schnell erkannte ich nämlich, dass im Hofbräuhaus alle zu jeder Zeit alles fotografieren dürfen. Ich hatte sogar einen offiziellen Vorgänger, der Sofortbilder an Touristen verkaufte. Die Digitalfotografie war noch in den Anfängen, und Foto-Handys gab es bislang nicht. Ich wurde zwar wegen der vielen Fotos und der Digitalkamera als lächerlich angesehen, war aber der Zeit voraus.

Hoffotograf mit Sofortbildkamera im Hofbräuhaus 2001
Hoffotograf mit Sofortbildkamera im Hofbräuhaus 2001

Überhaupt werde ich bedauert und immer noch belächelt, wenn ich mitteile, Stammgast im Hofbräuhaus zu sein. Man verweist sofort auf das übliche, weitverbreitete Vorurteil, dass nur Touristen ins Hofbräuhaus gehen. Hätte mir, als Wahlmünchner seit 1976, jemand vorausgesagt, dass ich einmal Stammgast im Hofbräuhaus werde, hätte ich den betreffenden Verstand infrage gestellt.

Heute besuche ich zweimal in der Woche den Tisch 35 in der hohen Schwemme für freie Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten. Manchmal zweifle ich an der Sinnhaftigkeit, habe schon die Abwesenheit ausprobiert und bin reumütig zurückgekommen. Mittlerweile habe ich eingesehen, dort hinzugehören, auch wenn ich mir gelegentlich wie der letzte Mohikaner vorkomme. An dem Tisch hat sich ein großer Bekanntenkreis entwickelt, der ständig schrumpft und wieder wächst. Sollte ich wirklich der letzte Münchner am Tisch werden, füge ich mich dem Schicksal – allein schon wegen der Musik.

Die ständige musikalische Unterhaltung ist weltweit einmalig und hervorragend. Was hauptsächlich dem großen Kreis der Obermüller Musikanten zu verdanken ist. Leider kennen die Münchner die Musik im Hofbräuhaus viel zu wenig.

Wer sich für meine bislang elf Fotobücher interessiert, kann alle über den Menüpunkt Hofbräuhaus in der Kopfzeile oder bei Mobilgeräten in der Seitenleiste aufrufen. Selbstverständlich ist es auch möglich, für die Ansicht der Fotobücher auf die Titelbilder zu klicken oder zu tippen.

Hofbräuhaus Fotobücher

10 Jahre Stammtisch für Junge Musikanten im Hofbräuhaus
10 Jahre Stammtisch für Junge Musikanten
Wirtshausmusikanten im Hofbräuhaus II
Wirtshausmusikantenim Hofbräuhaus II
Wirtshausmusikanten im Hofbräuhaus I
Wirtshausmusikanten im Hofbräuhaus I
Musikantentreff im Hofbräuhaus
Musikantentreff im Hofbräuhaus
Zuageh duads wia im Hofbräuhaus
Zuageh duads wia im Hofbräuhaus
Feian in da Schwemm
Feian in da Schwemm
De Miaschbegga keman oda Speck mit am Lanz
De Miaschbegga keman oda Speck mit am Lanz
Hofbräuhaus im Fotorausch
Hofbräuhaus im Fotorausch
Zamkemma in da Schwemm
Zamkemma in da Schwemm
Weltweit daheim im Hofbräuhaus
Weltweit daheim im Hofbräuhaus

Das schwere Los hat mich vom Bildersammler zum Schreiberling bestimmt. Bislang sind zehn Fotobücher und zehn Geschichtensammlungen zum Hofbräuhaus entstanden, die alle im Menü der Kopfzeile von Tivolifoto verlinkt sind. Bei der Anzahl von Fotos und Fotoalben habe ich den Überblick verloren. Einige der Geschichten betreffen die Gäste und das Personal. Ich fasse sie hier kurz zusammen, damit man eine Vorstellung davon bekommt, was im Hofbräuhaus zu erleben ist. Alle Links öffnen sich in einem neuen Tab. Die hier beinhalteten Geschichten sind in der Übersicht am Anfang des Beitrags zusammengefasst.

Hofbräuhaus Geschichten

Das Neuste aus dem Hofbräuhaus
Das Neuste aus dem Hofbräuhaus
Das Letzte aus dem Hofbräuhaus
Das Letzte aus dem Hofbräuhaus
Von Hirschen und anderen im Hofbräuhaus
Von Hirschen und anderen im Hofbräuhaus
Woast as scho ausm Hofbräuhaus
Woast as scho ausm Hofbräuhaus

Ich kann nichts dafür. Mein Schicksal hat mich zum inoffiziellen Hofbräuhaus-Fotografen gemacht. Weil mir die sich wiederholenden Motive zu langweilig wurden, begann ich Geschichten zu schreiben.

Das Fotografieren hätte man mir untersagen können, mein Schreiben muss das Hofbräuhaus jedoch aushalten, wenn ich keinen Anlass für ein Lokalverbot biete. Meine Aufrufzahlen, die vielen Kommentare und mein Umfeld teilen mir mit, dass ich die Schreiberei einigermaßen passabel mache. Hauptsache, die Besucher und ich haben eine Freude damit. Im Wirtshaus muss man bei der Wahrheit bleiben, aber humorvolle Übertreibungen gehören zu einer gelungenen Unterhaltung.

Mein Schicksal ist je nach Sichtweise Glück oder Pech für das Hofbräuhaus. Jedenfalls habe ich über meine Geschichten noch keine Beschwerden bekommen. Über jede sachliche und humorvolle Kritik würde ich mich freuen.

Weltwirtshaus

Die gastronomischen Vorzüge halten sich in Grenzen, wie überall in touristischen Betrieben. Große Ausnahme ist das wohlschmeckende Bier. Wie sie das machen, ist mir ein Rätsel, aber das Hofbräu-Bier schmeckt im Hofbräuhaus besser als in anderen Häusern der Brauerei. Über das Speiseangebot möchte ich lieber dezent schweigen. Jedenfalls macht man sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Das gilt auch für das Personal. Jetzt ist es verständlich, dass die Bediensteten in einem so großen, weltberühmten Tourismusbetrieb aus aller Welt kommen. Da gibt es unterschiedliche Gepflogenheiten, was unter dem Dienen zu verstehen ist. Manchmal wird es sogar mit dem Herrschen verwechselt. Die Ursachen sind vielfältig. Sie begründen sich in der Persönlichkeit, aber auch in der Herkunft.

Vorneweg danke ich dem Personal des Hofbräuhauses
für seine freundlichen und hervorragenden Dienste.

Als weltoffener Gast respektiert man natürlich den Migrationshintergrund oder die Herkunft und freut sich über die Vielfalt des Personals und der Gäste. Gelegentlich wird einem das Kraut ausgeschüttet. Das ist besonders ärgerlich, weil das Sauerkraut im Hofbräuhaus ausgesprochen wohlschmeckend ist – um nicht zu sagen lecker.

Dieses Unwort verbietet sich in Bayern schon deshalb, weil es laut Goethes Götz von Berlichingen für eine solche Tätigkeit am Hinterteil vorgesehen ist. Vergleichbare Ausdrücke für Gäste oder Angestellte im Hofbräuhaus würden mir aber niemals über die Lippen kommen. Zugeben muss ich jedoch, dass sich ein In-den-Sinn-Kommen manchmal nicht vermeiden lässt. Dazu bin ich zu sehr in der heimatlich-bairischen Sprache mit ihren kraftvollen Ausdrücken verhaftet.

Lieber halte ich mir unter dem Tisch mit der linken Hand den rechten Zeigefinger oder den rechten Mittelfinger fest, damit keiner selbstständig anfängt, jemandem den Vogel oder Schlimmeres zu zeigen.

Ganz anders verhält es sich mit den Kellnerinnen im Hofbräuhaus. Sie haben zwar mit Bayern und Preißn wenig zu tun, gehören unbedingt zu den Bayern, belegen die Bezeichnung Weltwirtshaus und sind besonders attraktiv. Wenn ich jetzt Fotos von Kellnerinnen auswähle, begebe ich mich auf ein gefährliches Pflaster. Eigentlich möchte ich gerne alle zeigen, aber 2025 habe ich bislang nach dreijähriger Fotopause im Hofbräuhaus nur vier Kellnerinnen fotografiert. Ich danke ihnen, weil sie mein Interesse für die Motive wieder geweckt haben und mit den Fotos einverstanden waren.

Der Vergleich mit den Kellnerinnen von 1921 ist eine kleine Gaudi, die ich mir erlaube. Mehr Fotos vom Personal im Hofbräuhaus gibt es mit den Fotoalben im Beitrag Festgäste und Personal.

Kellnerinnen im Hofbräuhaus 1921 und 2025

Kellnerinnen im Hofbräuhaus 1921
Kellnerinnen im Hofbräuhaus 1921

Der auffällige Kellner

Bei den Preißn fangen wir mit einem Kellner an, der mir schon einmal wegen seiner ungeschickten Habgier aufgefallen ist. Manchmal wird er in Servicebereichen mit Stammgästen eingeteilt. Solche speziellen Gäste haben für das Hofbräuhaus den Nachteil, dass sie sich nicht nur einmalig, sondern mehrfach in den heiligen Hallen aufhalten. Im Gegensatz zu Touristen erkennen sie nämlich, wenn etwas nicht stimmt, können es bezeugen und lassen es sich nicht gefallen. Um es kurz zu machen: Mir ist Folgendes aufgefallen.

  • Drei Maßkrüge waren mit deutlich weniger als einem Liter Bier gefüllt.
  • Bei zwei von drei Maßen am Tisch fiel der Schaum in kurzer Zeit vollständig zusammen.
  • Stammgäste wurden wegen des Kontakts mit jungen Touristinnen vernachlässigt.
  • Eindeutige Bestellungen wurden mehrfach falsch ausgeführt.
  • Auf der Rechnung wurden 21,60 € für zwei Maß zu viel verlangt. Sofort, ohne zu überlegen oder zu rechnen, wurde die richtige Gesamtsumme genannt, sodass die vorsätzliche Betrugsabsicht eindeutig war.

Den ganzen Abend verfügt der gastronomische Großfürst über eine engagierte Servilität mit einem eingebauten asiatischen Dauerlächeln. Für das Hofbräuhaus empfiehlt es sich, den Kellner in Servicebereichen ohne Stammgäste einzusetzen, weil oder damit sie wiederkommen. Vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag. Wegen seiner Auffälligkeiten ist er als hinterindischer Preiß zu verdächtigen.

Insgesamt erlebe ich das Servicepersonal im Hofbräuhaus mit einem großen Entgegenkommen. Ausnahmsweise ist wegen einiger giftiger Schwammerl nicht die ganze Suppe verdorben.

Der verdrehte Kellner

Stammgäste haben neben dem häufigen Aufenthalt den weiteren Nachteil, dass sie die Preise von Speisen und Getränken kennen. Bevor ich bezahle, überschlage ich die Preise im Kopf, runde meist schon mit einem angemessenen Trinkgeld auf und teile meine Absicht dem Kellner mit.

Häufig kommen Rückfragen, was ich denn bestellt habe. Sie sind mir unverständlich, weil jede Bestellung elektronisch gespeichert worden ist, aber ich antworte. Dann kommt der Kellner mit einer Rechnung, oder wenn wir uns kennen, nennt er mir die Summe. Ich verstehe, wenn neue Kellner gelegentlich bei einigen Speisen in der Speisekarte nachschauen. Gerne wiederhole ich meine Angaben im deutschen Lautstandard, wenn jemand die bairische Aussprache nicht versteht.

Gelegentlich verblüffe ich einen Kellner mit den von mir vorbereiteten Scheinen und Münzen für den Gesamtbetrag und das Trinkgeld. Fast immer herrscht dann schweigendes Einvernehmen.

Beim Bezahlvorgang ist es vollkommen absurd, wenn Kellner Handys oder Taschenrechner benutzen, um die Gesamtsumme zu berechnen. Mathematik wird weltweit unterrichtet. Wer damit Probleme hat, sollte geeigneteren Tätigkeiten als den Aufgaben von Kellnern nachgehen.

Manchmal täuscht man sich mit freundlichen und fleißigen Kellnern, wenn es ums Bezahlen geht. Die Täuschung wird als Versehen getarnt, der Vorsatz ist aber für regelmäßige Gäste leicht zu erkennen.

So war ich mit dem Service zufrieden, berechnete im Kopf die Summe von 45 €, bereitete einen 50-€-Schein vor und bat den Kellner, zu zahlen. Er ging zur Kasse, kam zurück und verlangte 54 €. Verblüfft erklärte ich, dass das nicht stimmen kann. Er antwortete, die Rechnung zu holen.

Warum er sie vorher nicht mitgebracht hatte, war mir sofort klar, weil natürlich 45 daraufstanden. Der Kellner meinte, das habe er doch gesagt. Mein Tischnachbar und ich widersprachen: Er habe 54 € verlangt, was er leugnete. Um es kurz zu machen: Ich gab ihm den 50-€-Schein und erklärte, dass ich ihm jetzt 5 € Trinkgeld gebe, er soll aber nie wieder versuchen, einen Stammgast hereinzulegen.

So eine absichtliche Verdrehung ist ein beliebter Bezahltrick. Es gab für den Kellner keinen Grund, mir die Rechnung nicht sofort zu bringen, außer dem vorsätzlichen Betrug. Wegen seines Namens, der auf der Rechnung stand, ist er zu verdächtigen, ein afghanischer oder ein iranischer Preiß zu sein, ansonsten ist er ein guter Kellner. Meine Handlungsweise wird ihm im Umgang mit Stammgästen eine Lehre sein. Leider wären andere Gäste auf den als Versehen getarnten Trick hereingefallen.

Dazusetzen

Gelegentlich frage ich mich, ob wiederkommende Gäste im Hofbräuhaus überhaupt erwünscht sind – noch dazu, wenn es sich um Personen handelt, die mit der altbayerischen Wirtshauskultur vertraut sind und auf deren Einhaltung bestehen. Dazu gehören die langen Tische und das Dazusetzen, wobei die bereits Anwesenden darüber bestimmen, wer und wie viele Personen sich dazusetzen. Es ist denkbar einfach und wird in allen Sprachen der Welt allein schon durch Mimik, Gestik und Situation verstanden.

Bei freien Plätzen grüßt man die bereits anwesenden Gäste und fragt, ob frei ist.

Zugegeben, manchen Gästen fällt eine solche Selbstständigkeit aus persönlichen oder kulturellen Gründen schwer. Sie wollen platziert werden, so wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt sind. Dazu hat das Hofbräuhaus vor einiger Zeit eigene Grüß-Gott-Tanten angestellt, die wieder verschwunden sind. Vermutlich hat jemand den Schmarrn und das rausgeschmissene Geld kapiert.

Touristen kommen doch wegen der anderen Kultur und wollen nicht dieselben Verhältnisse wie in ihrer Heimat erleben. Man muss doch nicht den Unsinn der anderen Innenstadtwirte und der internationalen Gleichmacherei nachahmen. Die freie Platzwahl wird hingegen nicht von allen Gästen gewünscht. Sie fragen lieber das Personal nach Plätzen. Erfahrene Kellnerinnen und Kellner sind gerne behilflich, indem sie die bereits anwesenden Gäste fragen, ob das Dazusetzen möglich ist. Verständnisvoll stimmt man gerne zu, wenn keine weiteren Bekannten erwartet werden.

Die Gäste bestimmen das Dazusetzen.

Meist ist schnell ein einvernehmliches Zusammenspiel aller Beteiligten möglich. Zunehmend gibt es Bedienungspersonal, das Dienen mit Herrschen verwechselt. Solche unkultivierten, rücksichtslosen und unverschämten Bediensteten vergeben freie Plätze, ohne die bereits Anwesenden zu fragen. Ihre Motive sind häufig die Gier nach Trinkgeld.

Oberkellner

Die den Kellnern vorgesetzten Oberkellner haben im Hofbräuhaus, so wie die meisten Bediensteten, einen Migrationshintergrund. Sie dürfen keinesfalls als Preißn oder schon gar nicht als Saupreißn bezeichnet werden. Nicht einmal der Verdacht ist gerechtfertigt, weil es sich um Oberkellner handelt. In der Regel kommen sie von anderen Gaststätten, sind vom Kellner aufgestiegen und streben vielleicht nach Höherem.

Der Aufstieg im Hofbräuhaus ist ebenfalls möglich, kann jedoch zur Einbildung führen, besonders über den Kellnern zu stehen und wie beim Schafkopfspiel, als Ober die Unter zu stechen. Manche Oberkellner meinen, dass sie auch besonders über den Gästen stehen.

Dieser Meinung war sogar der herrschende, statt dienende Staatsdiener, Franz Josef Strauß. Nachdem er 1975 erkannt hatte, dass ein Bayer nicht Bundeskanzler der Preißn werden kann, sagte er: „Es ist mir egal, wer unter mir Bundeskanzler wird.“

Wirtshausgäste genießen das Gastrecht und dürfen denken: „Egal, wer unter mir Ober ist.“ Gute Oberkellner würden niemals zu verstehen geben: „Egal, wer unter mir Gast ist.“ Sie sind vielmehr verpflichtet, Wirten und Gästen zu dienen.

Arbeitsscheuer, asozialer und aggressiver Bürgergeld Empfänger
Arbeitsscheuer, asozialer und aggressiver Bürgergeld Empfänger

Manchmal müssen sie hingegen über Gäste bestimmen, z. B. wenn diese einem verträglichen Verhalten abgeneigt sind. In der Regel helfen Oberkellner also bei der Bekämpfung von unangenehmen, auffälligen Preißn. Die Wirksamkeit ihrer Rauswurf-Drohungen ist gering. Einmal musste ich wegen eines asozialen, besoffenen und aggressiven Gastes vorzeitig den Tisch und das Haus verlassen, was der herbeigerufene Ober nicht verhindert hatte. Ich warne mit einer Zeichnung vor diesem Verbrecherpreißn. Mit seinem ebenfalls arbeitsscheuen Weib treibt er besonders am Freitag sein Unwesen in der Schwemme. Leider sind Gäste auch solchen Erfahrungen im Hofbräuhaus ausgesetzt.

Insgesamt schreiten die Oberkellner besonnen durch die heiligen Hallen des Hofbräuhauses, grüßen ihnen bekannte Gesichter und geben ihre Anweisungen an die untergebenen Kellner. In Einzelfällen sind sie geistig so angestrengt, dass sie zu grüßen vergessen und bei regelmäßigen Gästen nach dem Erkennen sofort in eine andere Richtung schauen.

Solches Missachten oder Geringschätzen sind wegen der hohen Verantwortung verständlich. Ihre Aufgaben erledigen sie ansonsten ruhig, besonnen und pflichtbewusst. Bei der Freundlichkeit haben einige einen Fortbildungsbedarf. Auch für Oberkellner gilt:

Ein ungenießbarer Schwammerl
verdirbt nicht die ganze Suppe.

Stammgäste nehmen vieles wahr, das einmaligen Gästen verborgen bleibt. Sie freuen sich, weil sie in der Regel vom Personal freundlich begrüßt werden. Man kennt sich ja über Jahre hinweg vom Sehen, auch wenn keine persönlichen Kontakte bestehen. Manchmal kommt es zu einer gewissen Verbrüderung, Verschwesterung oder Solidarisierung zwischen Gästen und Bediensteten.

Erfahrenes Personal braucht keine Vorgesetzten oder Aufseher,
weil es Angelegenheiten mit Gästen selbst regelt.

Oberkellner zeigen meist eine sachliche Distanziertheit. Sie zu kritisieren kann problematisch werden, weil sie in Ermangelung eines anwesenden, mitarbeitenden Wirts das Hausrecht ausüben. Ihr letztes Argument ist die Drohung, dass man sogar als Stammgast keinen Platz mehr im Hofbräuhaus bekommt.

Jetzt ist das mit den Plätzen und dem Platzieren so eine Sache. Vor Corona wurde es grundsätzlich den an den Tischen anwesenden Gästen überlassen, wer sich dazusetzendurfte. Das entsprach der guten altbayerischen Wirtshaustradition. Natürlich fragten Bedienstete die Gäste, ob freie Plätze vergeben werden können, aber immer wurde Einvernehmen im Gespräch hergestellt. Nach Corona kam und kommt es zu großen Veränderungen beim Personal und dem Streben nach mehr Umsatz oder Trinkgeld, das teilweise zu wenig sinnvollen Auswirkungen führt.

Vertreibung von Stammgästen

Unsinn am Unsinnigen Donnerstag

Wer glaubt, dass bei so einem reißerischen Titel die Bayern von den Preußen vertrieben werden, den muss ich gleich enttäuschen. In der folgenden Geschichte kommen zwar Bedienstete des Hofbräuhauses mit Migrationshintergrund vor, sie dürfen aber, wie schon erwähnt, nicht als Preißn verdächtigt werden.

Ein Unsinn veranlasste mich am Unsinnigen Donnerstag 2025 zu dieser Geschichte aus dem Hofbräuhaus. Wir saßen zu sechst an einem Acht-Personen-Tisch. Als vier Gäste aufbrachen, besprachen wir als die zwei Verbliebenen, dass wir zwei bis drei weitere Gäste dazusetzen lassen, weil wir fünf Freunde erst zu einem späteren Zeitpunkt erwarteten. Es galt nämlich, zwei kürzliche Geburtstage im Bekanntenkreis angemessen zu würdigen. Leider fragte niemand nach den freien Plätzen. Andere Tische waren ebenfalls nur wenig besetzt.

Plötzlich platzierte uns ein Oberkellner, ohne zu grüßen oder zu fragen, fünf Gäste an den Tisch. Im Gespräch vertieft, wurden wir überrumpelt und konnten erst reagieren, als sie schon saßen. Wir waren vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich protestierte, dass die Tischgäste die Plätze bestimmen und wir weitere Plätze benötigen. Der Oberkellner wandte sich aber rasch mit einer verneinenden Geste und ohne eine Begründung ab. Die Fünf hatten ebenfalls nicht gegrüßt und saßen schon stumm wie die Fische. Mein neuer, direkter Banknachbar zeigte mir die abweisende Schulter.

Jetzt blieb uns nur zu hoffen, dass die fünf englischsprachigen Preußen bald wieder aufbrechen würden. Die Verteidigung unserer Tischhälften wurde notwendig, weil wir wussten, dass in ein paar Minuten ein Bekannter sicher kommenwürde. Als er und ein weiterer Stammgast eintrafen, war das Personenverhältnis am Tisch fünf zu vier. Gott sei Dank trat die feindliche Übermacht nach einer Stunde den Rückzug an. Unser Tisch wurde, wie üblich an diesem Wochentag, wieder zum Stammtisch mit voller Besetzung von Stammgästen. Der herrschende Oberbedienstete ließ sich nicht mehr blicken.

Er war schon einige Male unangenehm aufgefallen, weil er anderen bereits anwesenden Stammgästen ein Reservierungsschild auf den Tisch stellte. Was einer Aufforderung zum baldigen Aufbruch oder zum Wechseln des gewohnten Tisches gleichkam.

Verständnisfragen

Der Oberkellner weiß genau, dass viele Stammgäste die für das Hofbräuhaus erfreuliche Eigenschaft haben, sich zu vermehren, viel zu konsumieren und bis zum Musikschluss zu bleiben. Mit der vorsätzlichen und für mich nicht gerechtfertigten Machtdemonstration gegenüber Einheimischen schadet er dem eigenen Betrieb. Das Hofbräuhaus wirbt doch sogar mit den Stammgästen.

Aus seiner Sicht verstehe ich ihn ja. Er will mit vollem Einsatz dem Umsatz des Hofbräuhauses dienen. Schließlich ist er schon hausintern vom Kellner zum Oberkellner aufgestiegen. Vielleicht beabsichtigt er mehr. Fast meint man, er hat etwas gegen Münchner Gäste. Dabei wird vergessen, dass die überwiegende Zahl der Stammgäste traditionsbewusste Bayern und Münchner sind oder sich zumindest als solche verstehen.

Es ist doch allgemein verständlich, dass es an einem Wirtshaustisch mehr gibt als reserviert und nicht reserviert. Ein Tisch ist eine Gemeinschaft, die sich natürlich und von innen gesteuert verändert, nicht von außen aufgezwungen. Wir lassen doch gerne jemanden dazusetzen. Das ist aber nicht möglich, wenn jemand in kurzer Zeit erwartet wird.

Würde ein Bediensteter Preußen vertreiben, wäre das eine lässliche Sünde. Wegen der versuchten Vertreibung von Bayern droht wenigstens das Fegefeuer, wenn nicht gar tieferes.

Wiederholter Unsinn

In der folgenden Geschichte ruft ein unselbstständiger, hilfsbedürftiger Kellner den Ober, der mit Rauswurf droht.

Zwei Wochen später wollte ein Kellner vier Asiaten zu uns vier anwesenden Stammgästen am Tisch platzieren. Ich bat ihn, einen anderen Tisch auszuwählen, weil wir noch zwei Stammgäste erwarteten und in seinem Servicebereich viele andere Plätze frei waren. Er entsprach meiner Bitte und platzierte die Asiaten an einem anderen Tisch.

Danach beschwerte sich der Kellner offensichtlich beim Oberkellner. Der kam und fragte, warum wir niemanden dazusetzen lassen. Ich begründete meine Bitte nochmals und wies darauf hin, dass wir uns über zwei neue Gäste freuen, aber zwei weitere Stammgäste erwarten, die bald kommen.

Der Oberkellner zeigte keine Einsicht und erklärte, dass wir künftig keinen Platz mehr bekommen, wenn wir niemanden dazusetzen lassen, weil wir nicht reserviert hatten. Es entstand eine Diskussion, ob es überhaupt möglich ist, ein Stammgast mit Platzanspruch zu sein, ohne eine Reservierung.

Insgesamt zeigt sich, dass es im beschränkten Weltbild des Obers nur Reserviert und Nicht-Reserviert gibt. Über alles andere sollen nicht die Gäste, sondern die Kellner und Oberkellner verfügen. Das widerspricht jeglicher Wirtshaustradition. Andere Oberkellner bitten und fragen nach den Plätzen. Sie wechseln sogar Reservierungs-Schilder an andere Tische, wenn Stammgäste ohne Reservierung kommen. Das ist Gastfreundschaft mit sinnvollen Dienstleistungen. Der Unsinn des Herrschen-Wollens hat in einem freundlichen Wirtshaus nichts verloren.

In der Diskussion mit dem Oberkellner bezeichnete jemand bedauerlicherweise die abgewiesenen Asiaten als Schlitzaugen, die für das Hofbräuhaus mehr zählen als jahrzehntelange Stammgäste. Berechtigterweise hielt ihm der Oberkellner Rassismus vor. Als der erste von uns erwartete Stammgast kam und die Musikkapelle loslegte, endete das überflüssige, ergebnislose Gespräch. Der Oberkellner zog sich zurück.

Kurze Zeit später stellte der Kellner kommentarlos ein Reserviert-Schild auf unseren Tisch. Ein weiterer Stammgast traf ein. Jetzt waren wir zu sechst und erwarteten niemanden mehr. Als zwei Touristen fragten, ob sie sich an die zwei freien Plätze dazusetzen können, stimmten wir zu. Der Kellner schritt aber ein und verwies sie an einen anderen Tisch, ohne uns über seine Gründe zu informieren.

Der Vorgang wiederholte sich mit zwei weiteren Personen, die wir bereits am Tisch Platz nehmen ließen. Ich bat die Gäste um Entschuldigung und informierte den Kellner nochmals, dass wir nur zwei weitere Stammgäste erwartet hatten und die Plätze frei sind. Er antwortete nur, dass er die Anweisung vom Oberkellner bekommen hatte, dass sich niemand dazusetzen darf. Das selbstständige Denken war ihm offensichtlich nicht möglich oder untersagt worden.

Wer die unsinnigen, aber vom Personal beabsichtigten Vorkommnisse liest, macht sich eigene, freie Gedanken. Wenn sie böse gemeint sind, kann ich nichts dafür. Ich vermeide es, abwertende Personenbezeichnungen und Beleidigungen nur anzudeuten. Deshalb gilt für mich mit bayerischem Wohlwollen:

Kellner und Oberkellner sind sicherlich keine Preißn,
wenn sie mit Lokalverbot argumentieren und drohen.

Gemütliche, dem Gästewohl dienende Bayern waren sie jedoch auch nicht. Beide haben sich die Ehre nicht verdient, hier als Preißn gewürdigt zu werden. Weil sich der Kellner geschäftig abwandte und sich der Oberkellner nicht mehr sehen ließ, gab es keine weiteren Diskussionen. Unser Tisch schrumpfte im Verlauf des Abends. Niemand setzte sich mehr dazu.

Üblicherweise fragt das Personal
die anwesenden Gäste vor dem Platzieren neuer.

Ein Grund war bestimmt, dass solches Personal die regelmäßigen Gäste zugunsten von einmaligen Anwesenden vertreibt. Sollte sich solcher Unsinn wiederholen, bitte ich die Leitung des Hofbräuhauses um Klärung und Anweisung für das Personal. Man wird doch so viel Hirn haben, Stammgäste nicht zu vertreiben.

Himmlische Bewertungen

Als unser Tisch am Unsinnigen Donnerstag noch fast voll besetzt war, bemerkte ich aus Gaudi in der Runde: Das Hofbräuhaus soll doch warten, bis die wenigen Stammgäste, die noch in der Schwemme verblieben sind, von selbst sterben. Die versuchte oder angedrohte Vertreibung von Stammgästen war unbegründet und überflüssig.

Auch das platzierende Personal wird nicht ewig leben. Ob wir es im Himmel wiedertreffen, ist fraglich. Stammgäste haben nämlich den Engel Aloisius an ihrer Seite und damit einen guten Draht zu Petrus und dem lieben Gott. Die Schwemme des Hofbräuhauses wird immer mehr zu einem fragwürdig werdenden, vertreibenden Paradies.

Dabei ist die Schandtat noch gar nicht berücksichtigt, dass die Geisterbahnfigur in der Schwemme unangemessen hingerichtet, genauer gesagt gehängt worden ist. In der humorvollen Geschichte von Ludwig Thoma geht er nämlich ins Hofbräuhaus und sitzt. Geschwebt ist er nur beim Halleluja-Singen im Himmel. Der kunstvoll bemalte Schwemme-Himmel wird als ein schützenswertes Denkmal wahrgenommen, ist aber durch das aufgehängte Pappmachee-Monster verschandelt worden.

Die beiden schon beschriebenen Versuche, noch kommende Stammgäste von ihrem gewohnten Tisch fernzuhalten und stattdessen einmalige Gäste dort zu platzieren, erfolgten trotz anderer freier Plätze in der Nähe. Damit wurde Ludwig Thoma bestätigt, dass die bayerische Regierung und damit das Hofbräuhaus als staatliche Einrichtung vergeblich auf die göttlichen Eingebungen warten.

»Petrus«, sagte der liebe Gott, »mit dem können wir da heroben nichts anfangen, für den habe ich eine andere Aufgabe. Er muß meine göttlichen Ratschlüsse der bayrischen Regierung überbringen; da kommt er jede Woche ein paarmal nach München.«

Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluß für den Kultusminister Wehner zu besorgen und flog ab.

Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, wo er noch sitzt. Herr von Wehner wartet heute noch vergeblich auf die göttliche Eingebung.

Schlusszitat aus dem Originaltext
von Ludwig Thoma (1867–1921)
Der Münchner im Himmel, 1911

GOTT: »Petrus«, »mit dem können wir da heroben nichts anfangen, für den habe ich eine andere Aufgabe. Er muß meine göttlichen Ratschlüsse der bayrischen Regierung überbringen; da kommt er jede Woche ein paarmal nach München.«

ERZÄHLER: Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluss und flog ab. Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, und bestellte sich bei der Kellnerin, der Kati a Mass, und noch eine, und noch eine, und noch eine … und da sitzt er heut noch. … und so wartet die bayerische Staatsregierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen

Schlusszitat aus der Überarbeitung
durch Adolf Gondrell (1902–1954)
Der Münchner im Himmel (Jahrgang nicht bekannt)

Wahrscheinlich hat das Hofbräuhaus den Aloisius nur deshalb aufgehängt, damit er den Touristen keinen freien Platz wegnimmt. In Stoßzeiten ist nämlich jeder Platz in der Schwemme Gold wert. Stammgäste, die den ganzen Abend einen Platz belegen, schädigen doch das Geschäft, obwohl sie viel konsumieren. Da müssen doch die Bediensteten ein Machtwort gegen solche Gäste aussprechen.

Wo kommen wir denn hin,
wenn die Gäste ihren Platz selbst bestimmen?
Das ist doch Anarchie!
Ohne preußische Obrigkeit geht’s doch nicht!

Andererseits gilt: Touristen freuen sich über Einheimische und kommen sogar ihretwegen. Das Hofbräuhaus kann Stammgästen sicherlich zutrauen, dass sie nicht ungerechtfertigt mehrere Plätze über längere Zeiträume freihalten.

Mit der unsinnigen Reserviererei in der Schwemme werden oft ganze Tische über Stunden blockiert. Das ist eine tatsächliche Umsatzeinbuße, über die sich niemand aufregt. Es muss doch möglich sein, wenn ein regelmäßiger, bekannter Gast zwei Spezln erwartet, dass er zwei Plätze kurzfristig freihält. Zur altbayerischen Wirtshauskultur gehört, dass die Gäste am Tisch das Dazusetzen bestimmen, nicht ein Kellner oder ein Oberkellner.

Das Hofbräuhaus will doch nicht
gänzlich zum Preißn-Wirtshaus verkommen.

Ich pflege einen freundlichen und sachlichen Umgang mit Kellnern, ohne sie zu beleidigen oder ungerechtfertigt zu beschuldigen. Meine veröffentlichten Service-Wahrnehmungen im Hofbräuhaus können immer von anderen Gästen bezeugt werden. Ein wenig Satire müssen Kellner und Oberkellner schon aushalten. So viel Humor werden sie doch wohl haben.

Ludwig Thoma musste für den letzten zitierten Satz im Obrigkeitsstaat des auslaufenden preußisch-deutschen Kaiserreichs und des bayerischen Königreichs eine Geldstrafe bezahlen. In der heutigen Demokratie wird eine solche Kritik als harmlos und humorvoll verstanden. Bestimmt freut sich das Hofbräuhaus über eine humorvolle, sachliche und begründete Kritik, die nebenbei zu seinem Ruhm beiträgt.

Fragwürdiges Reservieren

Natürlich könnten wir als wohlbekannte, regelmäßige Gäste unseren Tisch reservieren. Unser Stammtisch hat aber die Besonderheit der großen Freiheit. Jeder kommt und geht, wann er will. Die Personenzahl ist immer unterschiedlich. Meist brauchen wir im Verlauf des Abends den ganzen Tisch. Gerne geben wir Plätze frei, weil uns andere Gäste in der Regel bereichern.

Hinweisen von Kellnern und Oberkellnern, dass wir doch reservieren sollen, entgegne ich immer, dass sich unser gewohnheitsmäßiges Zusammensitzen am immer gleichen Tisch schon von selbst regelt. Außerdem wäre das Reservieren einer Person für acht Plätze, die erst allmählich besetzt werden, fragwürdig und sogar lächerlich. Ich scheue mich vor der Verpflichtung, zweimal in der Woche ins Hofbräuhaus gehen zu müssen. Freiwillig bin ich aber gerne dort.

Erfreulich und lobenswert verhalten sich Oberkellner, wenn sie ein Reservierungsschild an meinen zwei Stammtischtagen von unserem Tisch auf einen anderen versetzen. Andererseits wissen sie, um welche Wochentage es sich handelt, und könnten das vorher schon erledigen. Diese Kenntnis hat auch das Reservierungsbüro. Wenn neues, anmaßendes und unwissendes Personal auf allen Ebenen der Hierarchie die Wünsche der Stammgäste nicht berücksichtigt, vertreibt es sie.

Einmalige Gästegruppen mit kurzem Aufenthalt sind mit anderen Tischen genauso zufrieden. Einheimische Stammgäste werden aber mit der Reservierung ihres gewohnten Tisches verärgert. Dabei ist es egal, ob es sich um Gäste mit persönlichen Beziehungen zu Betriebsangehörigen oder um Teilnehmer von Brauereiführungen handelt. Vor Corona gehörte der Tisch 35 – vorher Tisch 49 – immer den Münchnern. Danach gab man diesen Grundsatz zum Leidwesen von einheimischen Gästen auf.

Ich beobachte das Reservieren in der Schwemme nahe am Hauptgang mit gemischten Gefühlen. Viele Touristen freuen sich, einen freien Tisch entdeckt zu haben, werden aber frustriert, wenn sie das Reservierungsschild entdecken. Oft nehmen sogar Familien oder Gruppen Platz und werden dann vom Kellner vertrieben. Diese Verärgerung könnte man vermeiden, wenn die Tische am Hauptgang grundsätzlich nicht reserviert werden. In anderen Bereichen gibt es meist genügend freie Tische.

https://www.hofbraeuhaus.de/reservieren:
„Im Erdgeschoss, in der Schwemme und im Wirtsgarten, haben wir 1.500 Plätze.
Es gibt freie Platzwahl an unseren großen 10er-Tischen!“

Häufig bleiben Reservierungsgäste ohne Absage aus. Das bewirkt neben platzsuchenden, frustrierten oder verärgerten Gästen auch verlorene Einnahmen für das Haus und die Kellner. Im Internetangebot des Hofbräuhauses wird mitgeteilt, dass Reservierungen in der Schwemme nicht möglich sind, und auf das Bräustüberl verwiesen, das allerdings nicht immer öffnet. Verständlich ist, dass Reservierungen in der Schwemme als Ausnahmen zugelassen werden. Sie schaffen aber etliche Probleme.

Fragwürdiges Reservieren
mit Vortäuschen, Umsetzen und Platzieren

Besonders fragwürdig sind Scheinreservierungen. Kellner stellen Reserviert-Schilder auf, weil sie sich als überlastet empfinden, und vertreiben Platzsuchende mit dem Hinweis auf andere Bereiche in der Schwemme. Das erfolgt auch ohne Schilder, z. B., wenn sie den Tisch erst abräumen müssen und später freigeben wollen. In allen Fällen werden Gäste frustriert. Sie ärgern sich vor allem, wenn sie sich in die Nähe setzen und feststellen, dass der Tisch an andere Gäste mit oder ohne Platzierung vergeben wird. Abgewiesene Gäste fühlen sich belogen und vertrieben.

Ebenfalls bedenklich ist die Vertreibung oder Umsetzung von nur wenigen Gästen an einem ansonsten freien Tisch, damit Kellner große Gruppen platzieren können. Das widerspricht der vom Hofbräuhaus im Internet mitgeteilten freien Platzwahl und erfolgt meist nur im Blick auf das Trinkgeld. Es kann aber auch schiefgehen, wie das verlinkte Beispiel des Habgierkellners zeigt.

Vertreibt ein Kellner neue Gäste an einem halb besetzten Tisch, mit der Begründung, überlastet zu sein, nimmt er den anwesenden Gästen eine Kontaktmöglichkeit weg. Werden Schichten von 11:00 Uhr bis 23:00 Uhr übernommen, ist eine Ermüdung verständlich. Sie darf aber nicht zulasten der Gäste und der Servicequalität gehen.

Service

Insgesamt ist der Hofbräuhausservice besser als sein Ruf. Wenn ich einige Serviceerlebnisse kritisiere, sind sie Ausnahmen, nicht die Regel. Auch kritische Rezensionen bei Google sind eher selten. Dabei ist allerdings zu bedenken: Sucht sich ein Tourist ein Reiseziel aus, bewertet er es überwiegend positiv, weil die Reise viel gekostet hat. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich geirrt hat oder enttäuscht ist. Hinzu kommt der Biergenuss, der das Erleben angenehmer macht als andere Getränke. Außerdem ist man ja selbst eine Legende, wenn man das legendäre Hofbräuhaus besucht.

Als regelmäßiger Gast will ich nicht über die häufig zu lesende Servicewüste klagen. Meist werde ich gut bedient, beobachte aber einiges, das sich in einem gästefreundlichen Betrieb einfach nicht gehört. Insgesamt ist das Personal freundlich gestimmt. Häufig kommt es sogar zu einer Solidarisierung der Bediensteten mit den regelmäßigen Gästen. Man versteht sich auch in der Ablehnung von unangenehmem Gästeverhalten. Die Arbeitsbelastung findet Anerkennung. Bei erkennbaren Sorgen oder Müdigkeit wird aufmunternd zugesprochen. Es entsteht eine verständliche Gemeinschaft von Kellnern und Stammgästen.

Trotzdem weise ich beispielhaft auf die folgenden Auffälligkeiten im Service des Hofbräuhauses hin. Sie sind ebenfalls in vielen anderen Betrieben der Münchner Altstadtgastronomie zu beobachten. Das entschuldigt jedoch das Hofbräuhaus nicht. Als staatliche Einrichtung sollte es Vorbild für private Betreiber sein.

  • Kein Grüßen, Bitten und Danken
  • Keine guten Wünsche zum Essen und Trinken
  • In-die Hand-Servieren, statt Gläser, Krüge und Teller auf dem Tisch abzustellen
  • Gebrachte Speisen und Getränke nicht vor dem Gast abstellen, sondern so, dass er es heranschieben muss
  • Gäste ignorieren, statt zu grüßen und auf das Gleich-Kommen hinzuweisen
  • Keine Bierfilzl, außer bei Stammgästen

Ich verstehe die Gastronomie nur als Gast und kenne die Betriebsabläufe hinter den Kulissen nicht. In meinen Augen wäre die Anleitung, Beobachtung und Fortbildung in den Bereichen Höflichkeit, Freundlichkeit, Servieren eine Aufgabe für die dem Bedienungspersonal Vorgesetzten, z. B. für Oberkellner, Serviceleiter und Wirte. Stattdessen beschränken sie sich auf vertragliche Regelungen, Einteilung von Stationen und Dienstzeiten.

Football-Partys

München gibt sich als weltoffen und veranstaltet Spiele der Profiliga im American Football für Mannschaften und ihre mitgereisten Fans. Innenstadtgaststätten werden zu Orten für NFL-Fan-Events erklärt, z. B. das Hofbräuhaus 2024 für Tampa Bay Buccaneers und 2025 für New York Giants.

Auf der Internetseite https://www.touchdownmunich.com ist zu lesen: „Die Giants übernehmen während des Game-Wochenendes das legendäre Hofbräuhaus und laden alle Giants-Fans zum Mitfeiern ein.“ Verständlicherweise beteiligte sich das Hofbräuhaus und schmückte die Schwemme mit Plakaten für die Giants.

Als regelmäßiger Gast wunderte ich mich über den Papiermüll an den Wänden des historischen Bierpalasts, ging zum gewohnten Tisch 35 und traf dort bereits fünf Stammtischgeschwister. Sie klagten, dass der Tisch reserviert sei. Als ich überlegte, den Oberkellner zu bitten, einen anderen Tisch zu reservieren, tauchte er schon auf. Er ließ niemanden zu Wort kommen, sondern befahl uns mit preußischem Ton, den Tisch zu verlassen, sonst lässt er ihn vom Sicherheitsdienst räumen. Selbstverständlich gehorchten wir untertänigst einem solchen Obrigkeitsbefehl und flüchteten.

Hätte er uns um Verständnis gebeten, dass Filmaufnahmen am Tisch geplant sind und es eine Ausnahme wäre, oder hätte er gar einen anderen Tisch für uns besorgt, wären wir gerne geblieben. Beim Eintreffen der Football-Helden oder schon vorher wären wir gerne umgezogen. Mit dieser unfreundlichen Vertreibung beendete ich den nicht einmal richtig angefangenen Abend im Hofbräuhaus. Die Grobheiten dieser Sportart waren anscheinend ansteckend.

Als Oberkellner darf der schneidige Oberbefehlshaber sicher nicht verdächtigt werden, ein bayerischer Preiß zu sein. Schließlich hat er nur die Interessen seines Arbeitgebers mit Nachdruck verteidigt. Das könnte man hingegen auch mit Freundlichkeit, Verständnis und Kompromissen.

Auch für das Personal im Hofbräuhaus gilt:
Der Ton macht die Musik.

Das Hofbräuhaus wurde für mich zum Habgierhaus, das grün-rote München wegen der Förderung des Flugverkehrs zum Klimakiller und die Amerikaner zu dem, was wir derzeit mit ihrem Präsidenten erleben – zu amerikanischen Preißn.

Party in der Schwemme

Die Szenen in der Schwemme sind an Lächerlichkeit nicht zu überbieten, wenn junge Männer sich mit Maßkrügen in der Hand im Stehen auf den Gängen unterhalten, als ob sie in einem Pub stünden. Es bilden sich Gruppen, wobei die Mitglieder ständig wechseln. Frauen kommen hinzu.

Auf den Tischen daneben sind Plätze frei. Kellner schimpfen, weil sie nur erschwert bedienen können. Oberkellner und Sicherheitsdienst unternehmen nichts. Der Beobachter fragt sich, ob er sich noch in einem bayerischen Wirtshaus befindet. Das Herumstehen mit Small Talk und der ständige Wechsel der Gesprächskreise widersprechen der einheimischen Wirtshauskultur, werden aber im Hofbräuhaus geduldet.

Liebe Party-Preißn und Hofbräuhaus-Verantwortliche:
Der Herrgott hat die Menschen die Tische erfinden lassen,
damit sie die Maßkrüge darauf abstellen.

Das selbst ernannte, berühmteste Wirtshaus der Welt wird nicht zum bayerischen Kulturbotschafter, sondern passt sich der angloamerikanischen Kultur an. Aus Wirtshauskultur wird Pubkultur oder Barkultur.

Bar- und Pubkultur, statt bayerischer Wirtshauskultur

Es beweist sich die Tourismus-Aussage von Hans Magnus Enzensberger aus den endenden Fünfzigerjahren:

„Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet.“

Da stehen oder laufen sie herum und gackern wie die Hühner, statt sich hinzuhocken, wie es sich in Bayern gehört, um gemütlich miteinander zu ratschen. Sie zerstören mit ihren Flugreisen die Umwelt und demonstrieren für den Klimaschutz. Man fragt sich, warum junge Leute um die Welt fliegen, statt in ihrer Heimat lebenswerte Verhältnisse zu schaffen. Ich war auch einmal jung, aber ich habe mit dem Fahrrad und Zelt Europa bereist. Das war grüner als die heutigen Grünen mit ihrem idiotischen multikulturellen, klimaverseuchten Schmarrn.

Wir sind Bayern! Deshalb kommen die internationalen Gäste zu uns.

Und wir sind aus Habgiergründen so dumm, zu versuchen, uns den Touristen anzupassen, statt umgekehrt. Das wird sich rächen. Das Staatliche Hofbräuhaus ist mit fragwürdigem Kitsch und internationalen Events auf dem besten Weg, die bayerische Wirtshauskultur zu zerstören, z. B. das Aloisius-Monster und die Football-Events in der Schwemme.

Sogar das Mobiliar in den Nebenräumen der Schwemme musste sich anpassen. Statt einer vernünftigen Wirtshausbestuhlung gibt es Hocker und Hochtische. Einem traditionellen Bayern würde es niemals einfallen, dort Platz zu nehmen, aber große Touristengruppen und Schulklassen sind platzsparend unterzubringen. Und was erleben sie dann? Sicher nicht bayerische Wirtshauskultur, wegen der sie gekommen sind. Kann mir bitte jemand erklären, wozu die Hochtische und Hochstühle in der Gassenschänke gut sind?

Wenn gegenwärtig im Januar und Februar das Bräustüberl im ersten Stock wegen zu geringer Gästezahlen geschlossen bleibt, finden die Musikantentreffen am ersten und dritten Montag im Monat in den Brauerstuben hinter der niederen Schwemme statt. Im länglichen Raum werden drei Tischreihen angeboten. Die Fensterseite hat Quertische mit Bänken, die Mittelreihe eine lange Hochtischreihe mit Bänken ohne Lehnen und die Wandseite Quertische mit Bänken mit Lehnen.

Diese Innenausstattung ist für Veranstaltungen ungeeignet, weil die Vorder- und Rückseite nur für wenige Gäste einsehbar sind und jeweils eine Gästehälfte mit dem Rücken zu einer Seite sitzt. Die Mittelreihe bleibt meist leer. Die Sicht wird nämlich durch zwei Säulen behindert. Das Sitzen auf den hohen Bänken ist ungemütlich und unbequem. Die Hochtische haben nur eine schmale Fläche. Der Vorteil ist nur, dass möglichst viele Plätze angeboten werden.

Die Habgier-Show und die ebensolche Party mit den entsprechenden Events müssen aber weitergehen, bis niemand mehr kommt. Dann sind die heutigen Verantwortlichen nicht mehr am Leben und haben ihren Reibach gemacht. An die Zukunft denkt niemand. Die Corona-Pandemie war der beste Beweis für die Gratwanderung im Hinblick auf das Ausbleiben von Gästen. Wird die bayerische Wirtshauskultur ausverkauft, suchen sich Touristen andere Ziele, weil sie dieselben Verhältnisse wie zu Hause vorfinden.

Die kulturelle Anpassung des Hofbräuhauses
an den internationalen Tourismus
wird zu seinem Totengräber.

Kulturbotschafter und Gästebetreuer

Bei den bisherigen Hofbräuhaus-Geschichten sind die Bayern gegenüber den Preißn etwas zu kurz gekommen. Das verlangt nach einem Ausgleich. Wenn ich mich am Hofbräuhaustisch bei Touristen als einheimischer Bayer und Münchner zu erkennen gebe, erlebe ich meist eine Freude. Oft bin ich schon auf eine Maß Bier eingeladen worden, versuche aber, einen Ausgleich mit Biermünzen zur Erinnerung oder mit anderen Geschenken herzustellen.

Bei touristischen Gästen am Tisch, die sich wie Preißn verhalten, werde ich eher zurückhaltend und vergesse meine Englisch-Kenntnisse. Bemerke ich, dass grundlegende menschliche Verhaltensweisen eingehalten werden, z. B. Grüßen, Kontaktangebote und ein paar Worte in der bairischen Sprache, dann fällt mir mein Schulenglisch wieder ein.

Die meisten Touristen wissen nichts über das Hofbräuhaus und seine Geschichte. Sie kommen wegen der Berühmtheit und weil es zu einem Münchenbesuch dazugehört. Bemerke ich ein tiefergehendes Interesse, erkläre ich gerne die Geschichte des Hauses und die politischen Hintergründe aus der herzoglichen Gründung, der Kurfürstenzeit und dem Königreich Bayern.

Vor Corona waren solche Informationen auf der Speisekarte zu lesen, so wie es in vielen bekannten, historischen Wirtshäusern üblich ist. Das wurde aber im Hofbräuhaus eingespart. Heute soll man sich mit dem Handy im Internet informieren, was allerdings im Hausangebot besonders dürftig ausfällt. Bei Wikipedia wird man zum Hofbräuhaus am Platzl und zum Staatlichen Hofbräuhaus besser bedient als auf den hauseigenen Seiten. Eigentlich sollte das umgekehrt sein. Die Brauerei Staatliches Hofbräuhaus und die beauftragten Pächter des Hofbräuhauses interessieren sich offensichtlich nicht dafür, weil es ihnen vermutlich nur um den Umsatz geht.

Was bietet das Original-Hofbräuhaus an,
um die Gäste über eigene Geschichte und
die Münchner Bierkultur zu informieren?

Das Servicepersonal, die Oberkellner und die wenigen verbliebenen einheimischen Gäste kennen die geschichtlichen Hintergründe und die tatsächlichen aktuellen Gegebenheiten des Betriebs in der Regel nicht. Deshalb eignen sich nur einige Stammgäste, um über Gegenwart und Geschichte zu informieren. Das Tischgespräch bietet die beste Möglichkeit des kulturellen Austausches.

Stammgäste werden zu Kulturbotschaftern und Gästebetreuern.

Das schützt sie nicht vor Drohungen der Vertreibung aus dem Habgier-Palast. Kritiker sind unangenehm, haben aber die wichtige Aufgabe, für positive Weiterentwicklungen zu sorgen. Meine Internetseiten zum Hofbräuhaus werden international häufig aufgerufen. Vielleicht werden sie wegen der umfangreichen Texte nur wenig gelesen.

Trotzdem sehe ich mich geeignet und verpflichtet, über mein Denken und Erleben im Hofbräuhaus öffentlich zu schreiben. Meine Verantwortung ist die Repräsentation der altbayerischen Wirtshauskultur und der Münchner Bierkultur. Das halte ich für wichtiger als die durchaus respektablen Angebote im Souvenirshop des Hofbräuhauses.

Stammgäste sind nicht nur Kulturbotschafter, sondern bieten auch andere Dienste an. Tischrunden wollen nämlich Handyfotos von ihrer Tischgemeinschaft machen. Damit niemand ausgeschlossen ist, fotografiert ein Kellner oder Stammgast. Schwieriger wird es allerdings mit der Beratung über die Speisenauswahl. Wird man gefragt, hält man sich besser zurück, weil die Qualitätsstreuung groß ist.

Drei Geschenke

Geschenk: Aloisius-Figuren

Nicht einmal das Personal kennt die Geschichte vom Münchner im Himmel. Touristen fragen mich, was das Pappmaschee-Monster neben dem Tisch 35 überhaupt bedeutet. Ich zeige Ihnen das Video mit englischen Untertiteln oder erzähle eine Kurzfassung in deutscher oder englischer Sprache. Gelegentlich verschenke ich Aloisius-Figuren als Souvenir. Das Figuren-Set wird von Amazon für 15,57 € und von der Firma Sparfroh für 9,99 € angeboten.

Platzierung und Abbildung der Aloisiusfiguren im Computer-Stüberl von Tivolifoto
Platzierung und Abbildung der Aloisiusfiguren im Computer-Stüberl von Tivolifoto – Hintergrund: Monitorfuß am Schreibtisch

Die Motivauswahl der Figuren entspricht den folgenden Eigenschaften des Aloisius:

  • Genießer
  • Protestler
  • Botschafter
  • Zweifler
  • Frohlocker

Der Münchner im Himmel wird mit dem Figuren-Set glaubwürdig, attraktiv und treffend wiedergegeben. Wer sich die Figuren ausgedacht hat, verdient großen Respekt für die vielen gelungenen Details.

Wie eine solche Figur für zwei Euro pro Stück herzustellen ist und wirtschaftlich verkauft werden kann, bleibt für mich rätselhaft.

Geschenk: Münzen als Bierzeichen im Wert von einer Maß

Mein zweites Souvenir-Geschenk ist teurer als eine Plastikfigur, weil es dem Gegenwert von einer Maß Bier entspricht. Das Hofbräuhaus hat nämlich eine eigene Währung, die vom Bayerischen Hauptmünzamt, dem mit mehr als 850 Jahren ältesten Münchner Unternehmen, hergestellt wird. Mit eigenen Münzen bezahlten Bedienstete am ab 1589 herzoglichen, ab 1623 kurfürstlichen und schließlich ab 1806 königlichen Hof ihr Bier. Im staatlichen Hofbräuhaus wird diese Tradition ab 1919 bis heute fortgeführt.

Die Münzen sind keinen Kursschwankungen oder Bierpreiserhöhungen ausgesetzt und entsprechen immer einer Maß Bier. Jährlich wird eine neue Edition mit eigenen Hofbräuhaus-Motiven aufgelegt – 2025 das Obermüller-Musikanten-Motiv.

Beim Kauf von zehn Biermünzen bekommt man die elfte geschenkt. Dieser zehnprozentige Preisvorteil wird von Stammgästen gerne beansprucht. Er ist vermutlich weltweit einmalig.

Geschenk: Einladung zur Maß oder Schnittmaß

Das dritte Geschenk ist mir wegen seiner Einfachheit beim Schreiben anfänglich gar nicht eingefallen: die Einladung zu einer Maß oder Hoibe Bier. Gerne bestelle ich die Schnittmaß. Das ist ein halber Liter Bier, der mit viel Schaum in einen Maßkrug gezapft wird – eine Sensation zum Genießen und Fotografieren, nicht nur für Touristinnen. Als Damenbier unterscheidet sie sich vom preißischen Kinderbier mit den 0,2-Liter-Flöten.

Schon oft habe ich Touristen an den Tisch gebeten und ihnen das Gespräch angeboten. Das kann auch schiefgehen und jemand äußert ein preißisches „no contact“.

In der Regel wird meine Einladung aber gerne angenommen, z. B. mit den folgenden Möglichkeiten, die sich in vielen Varianten ergeben können.

Die Schnittmaß ist ein halber Liter Bier, der mit viel Schaum in einen Maßkrug gezapft wird.
Die Schnittmaß ist ein halber Liter Bier, der mit viel Schaum in einen Maßkrug gezapft wird.

Zwei junge Asiatinnen zeigen sich anfänglich sehr zurückhaltend, tauen aber nach dem Anstoßen mit Gläsern und Krügen sowie nach ein paar Worten mit mimischer und gestischer Unterstützung auf. Dann frage ich, ob ich sie zu einem Bier einladen darf. Sie zieren sich, sind jedoch neugierig und beratschlagend.

Ich bitte den Kellner, zwei Schnittmaß zu bringen, und das Eis ist endgültig gebrochen. Es wird gestaunt und fotografiert. Die jungen Damen haben die größte Freude mit den Maßkrügen und dem aufgeschäumten halben Liter Bier. Ständig wird angestoßen und eine besonders lebensfreudige Tischgemeinschaft entsteht. Einen wertvollen Beitrag leisten die Musikanten. Es werden Informationen zur jeweiligen Herkunft und den Namen ausgetauscht, wobei ich betone, kein Deutscher, sondern ein Bayer zu sein.

Zwischendurch erzähle ich, als alter, einsamer und kinderloser Mann in München zu leben, und erkläre sie für den heutigen Abend zu meinen Kindern. Dabei weise ich auf die gesundheitsfördernde, medizinische Wirkung des Nahrungsmittels Biers hin. Meist wird viel zugeprostet, gelacht und fotografiert. Gerne übergebe ich die Visitenkarte von Tivolifoto und lade die Gäste ein, mein Internetangebot zu besuchen und mir eine E-Mail mit den Fotos zu schicken.

Nehmen die jungen Leute dann sogar die Einladung zu einer zweiten Runde an, warne ich vor den Gefahren von zu viel Alkohol und weise darauf hin, dass sie nicht austrinken müssen. Brav trinken sie aber alles und machen sich danach beschwingt auf den Heimweg. Sie hatten eine Riesenfreude im Hofbräuhaus, die sie ihr Leben lang nicht vergessen werden.

Junge und alte Leserinnen und Leser bitte ich um Verständnis, dass sich die Gaudi im Beispiel auf junge asiatische Touristinnen bezieht. Selbstverständlich ist sie auch mit Damen und Herren jeglichen Alters und jeglicher Herkunft möglich. Liegt hingegen preißisches Verhalten vor, sind solche lebensfrohen Tischgemeinschaften eher unwahrscheinlich.

Im Hofbräuhaus gehört es sich einfach, eine Maß Bier zu trinken. Für Herren ist das meist selbstverständlich. Den Damen muss man für so eine Bestellung Glück wünschen. Das Handyfoto belegt einen besonders unterhaltsamen Abend mit zwei Städtereisenden, dem Volkstanz-Toni und mir. Wir hatten eine unvergessliche Gaudi, die anfänglich gar nicht zu erwarten war. Vielen Dank an die beiden für den Abend und das Foto.

Einstellung von Krista und Renate: Im Hofbräuhaus ist eine Maß die Pflicht.

Stammtisch-Hymne

Mit dem Mitsingen in der Schemme ist das so eine Sache. Jeder kann es, aber die wenigsten trauen sich – mich eingeschlossen. Erfreuliche Ausnahmen sind der Radl-Woife und der Speck-Erwin. Bei ihnen gilt der Spruch: Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.

Das bestätigt auch unsere hessische Stammtisch-Lady. Im Hofbräuhaus das bekannte Lied von dem Preißn Wilhelm Gabriel mitzusingen, ist natürlich trivial. Da muss es doch was anderes geben, bevor Dem Land Tirol die Treue mitgesungen wird. Meine Idee ist:

Das Original mit deutschen und englischen Untertiteln

Es muss ein Sonntag g’wesen sein
Text: Fred Rauch, Melodie: Toni Sulzböck

Es muss ein Sonntag g′wesen sein
Ein Tag voll hellem Sonnenschein
Es war ein Glückstag ganz gewiss
Wie unser Bayernland enstanden Is‘
Es war ein Glückstag ganz gewiss
Wie unser Bayernland enstanden Is′

Die Zugspitz und der Wendelstein
Wo könnt‘ es sonst noch schöner sein?
Mein Lied klingt aus der Felsenwand
Zum Lobe dir, mein Bayernland

Es muss ein Sonntag g’wesen sein
Ein Tag voll hellem Sonnenschein
Es war ein Glückstag ganz gewiss
Wie unser Bayernland enstanden Is′
Es war ein Glückstag ganz gewiss
Wie unser Bayernland enstanden Is′

Die Isar schlingt ihr grünes Band
Durch dieses schöne, stolze Land
Die Gipfel weiß, der Himmel blau
Es lach mein Herz, wohin ich schau

Es muss ein Sonntag g’wesen sein
Ein Tag voll hellem Sonnenschein
Es war ein Glückstag ganz gewiss
Wie unser Bayernland enstanden Is′
Es war ein Glückstag ganz gewiss
Wie unser Bayernland enstanden Is‘

Das Loblied auf das schöne Bayernland lässt eine alte Volksweise vermuten. Der Text stammt aber von dem Österreicher Fred Rauch. Leider ist das schlagerhafte Musikstück vielfach verschandelt worden, z. B. Biermösl Blosn, Ringlstetter, Nockherberg-Singspiel. Der Kraudn Sepp hat sich an das Original gehalten und es zu einem seiner Lieblingslieder gemacht. Für mich hatte es schon immer Ohrwurm-Qualitäten. Ich kannte nur die Interpretation vom Kraudn Sepp im Internet. Dann erlebte ich das geschätzte Lied beim Februar-Stammtisch für Junge Musikanten 2025 im Hofbräuhaus. Etwa zwanzig Musikanten haben es mit voller Inbrunst gesungen und gespielt. Das Publikum sang mit und war begeistert.

Kraudn Sepp – Es muss ein Sonntag g’wesen sein

Das erzählte ich Iris Gallecker, der Trompeterin von den Obermüller Musikanten. Sie besorgte sich die Noten. Ich druckte den Text aus und schnitt ihn auf handliche Papierstreifen zum Verteilen zu. Die erste Probe mit Trompete und Stammtisch-Gesang war vielversprechend.

Danach erfüllte auch der Obermüller Max, der Leiter der Blaskapelle Obermüller, mit den anwesenden Musikanten meinen Musikwunsch.

Beim nächsten Vortrag der Obermüller Musikanten und dem gemeinsamen Singen erklärte der Volkstanz-Toni das Lied zur Stammtisch-Hymne. Ich füge mich diesem schweren Schicksal und muss jetzt immer mitsingen, was ich eigentlich gerne mache.

Bayernhymne

Nationale Hymnen im Hofbräuhaus zu spielen oder zu singen wird als fragwürdig oder gar als nationalistisch empfunden. Bayern hingegen wollen und brauchen keine Überhöhung der eigenen Nation oder Kultur über andere Staaten.

Diese Denkweise widerspricht der freiheitlichen und friedlichen Volksseele. Bei uns gelten Toleranz, Respekt und Partnerschaft mit der Liberalitas Bavariae.

Liberalitas Bavariae
stäht vua oim fia Wejdoffnheit,
Toleranz und Großherzigkeit,
fian Ausdruck
Lem und lem lossn.

In der Vergangenheit
haben die Preußen das
Deutschland über alles
erfunden, gelebt
und verloren.

Gegenwärtig sind die Amerikaner mehrheitlich so dumm, mit ihrem America first
den Niedergang der Preußen nachzumachen.

Für mich wird die Nationalhymne des Freistaats Bayern viel zu wenig gespielt und leider von der CSU missbraucht. Ich würde die Bayernhymne (Link zum Text) gerne am Ende der abendlichen Unterhaltung der Musikkapellen im Hofbräuhaus hören. Stattdessen wird oft ein deutsches Soldatenlied gespielt, bei dem eine Laterne vor der Kaserne steht. Außerdem verstehe ich nicht, warum traditionelle Bayern ständig dem Land Tirol die Treue halten wollen. Vielleicht gilt die Heimatliebe in Bayern als altmodisch. Sie ist aber wichtiger denn je und kann den internationalen Gästen im Hofbräuhaus nicht oft genug präsentiert werden. Touristen wollen das.

Nationalhymne des Freistaats Bayern – Text von Michael Öchsner, 1860 –Melodie von Konrad Max Kunz

Möglicherweise kommen die Obermüller Musikanten sogar auf die Idee, beim Musikschluss unsere Stammtisch-Hymne zu spielen. Das wäre doch eine sinnvolle Abwechslung.

Nebenbei bemerkt: Selbstverständlich weiß ich, dass Max Obermüller, der Kapellenchef, hier mitliest, weil er mit seiner E-Mail-Adresse im Verteiler des Newsletters von Tivolifoto einverstanden war.

Stimmen der Berge – Es muss ein Sonntag g’wesen sein (offizielles Video)

Information des Bayerischen Landtags zur Bayernhymne: https://www.bayern.landtag.de/parlament/staatssymbole/bayernhymne/

Informationen der wichtigen Heimatseite: Du Land der Bayern https://du-land-der.bayern/die-bayernhymne-gott-mit-dir-du-land-der-bayern/.

Mit göttlichem Rat hat sogar Papst Benedikt nicht deutsche Erde, sondern Heimaterde gesungen.

Bayernhymne mit Text – Papst Benedikt in München

Stammtisch-Banner

Ich will in der Schwemme des Hofbräuhauses nicht als Deutscher angesehen werden. Wer glaubt, das gelingt am besten mit Trachtenkleidung, der irrt. Damit statten sich manche Preißn schon am Münchner Hauptbahnhof aus. Nachgemachte Trachtenpreißn besuchen die Schwemme und werden sogar zu regelmäßigen Gästen.

An anderen Tischen sind die Tschüßler mit ihren seltsamen Verhaltensweisen aber besser aufgehoben als bei uns. Da wird nämlich die bairische Sprache gesprochen – oder wenigstens das, was in München davon übrig geblieben ist. Natürlich verwenden wir auch die deutsche Sprache. Schließlich sind traditionelle Bayern zweisprachig.

Unser Tisch wird einmal im Monat von Gästen aus dem Allgäu besucht, die an der Wand einen überdimensionierten Stammtisch-Ausleger mit 64 Kilogramm Gewicht anbringen ließen. Wir fragten uns, wie wir ausdrücken können, dass wir nichts mit dem Federvieh zu tun haben. Jemand schlug vor, es bei unserer Anwesenheit mit einer Bayernfahne zu verhüllen. Bei der Internetsuche nach einer solchen entdeckte ich die Firma Fahnen Kössinger aus der Oberpfalz.

Der Aufwand, jedes Mal die Fahne zu hissen, wäre erheblich. Vielleicht würde sich sogar jemand aufregen. Deshalb entschied ich mich für ein Tischbanner mit den bayerischen Rauten, das ich bei künftigen Besuchen mitnehmen werde. Es wird also demnächst eine Fahnenweihe geben. Gegen Stammtisch-Schilder oder Banner auf dem Tisch ist sicherlich nichts einzuwenden. Damit wird u. a. ausgedrückt, dass Bayern am Tisch sitzen, die bei freien Plätzen das Dazusetzen von Bayern anbieten. Internationale Gäste sind natürlich genauso willkommen, sollten aber wenigstens über hiesige Formen des Umgangs verfügen, z. B. Grüßen, Fragen, Kontaktangebot.

Wirtshaus-Politik

Politik hat mit dem Wirtshaus vordergründig nichts zu tun. Wirtshauspolitik wird sogar oft belächelt. Das Hofbräuhaus gehört als staatliche Einrichtung dem Freistaat Bayern und repräsentiert bayerische Lebensart, Kultur und Tradition. Gegenwärtig wird es aber vielfach als touristische Geldverdienmaschine missbraucht.

Unsere Tischgemeinschaft in der Schwemme spricht wenig über Politik. Wir sind drei bekennende Wähler der Bayernpartei, ein bayerisch-monarchistischer Historiker, zahlreiche Altbayern, ein Österreicher und sogar ein paar Preißn, die wegen ihrer Bayernliebe – um nicht Bayerntümelei zu schreiben – kommen. Hofbräuhaus-Preißn sind willkommen. Man fragt sich, ob die deutschen und internationalen Gäste nicht lieber in ihrer Heimat Verhältnisse wie in Bayern schaffen sollen.

In München herrscht Wohnungsnot, die es ohne den Zuzug von zahlungskräftigen Preißn nicht geben würde. Einheimische werden von preißischen Preistreibern vertrieben. Wohnen in München wird zum Luxus. Artikel 8 der Bayerischen Verfassung beinhaltet: „Alle deutschen Staatsangehörigen, die in Bayern ihren Wohnsitz haben, besitzen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten wie die bayerischen Staatsangehörigen.“ Man könnte sich denken: „Aber zum Staatsvolk gehören sie nicht.“ Bei dem Thema Einbürgerung geht es in der Regel nur um Migration und nur nach Deutschland, nicht nach Bayern.

Jetzt gibt es Werbung in eigener Sache. Falsch!
Mittlerweile werden alle Bayern von einer Bundesregierung geknechtet, die das Volk der Bayern mit seinen drei Stämmen belügt, betrügt und abkassiert. Bayerische Interessen werden unterdrückt. Gründe dafür waren die politischen Verhältnisse im ausgehenden 19. Jahrhundert und sind die gegenwärtige bayerische Staatsregierung mit Parteien, die sich bevormunden lassen.

Freiheit für Bayern – Link zum politischen Manifest
Freiheit für Bayern – Link zum politischen Manifest

Die Bindung an Deutschland hat Bayern zwei Weltkriege eingebracht und gefährdet unsere Heimat gegenwärtig mit der Drohung des Dritten und eines Bürgerkriegs. Natürlich gibt es in Bayern auch Kriegstreiber – sogar in der Regierung. Überwiegend verstehen sich Bayern aber als friedliebend, heimatverbunden und traditionell.

Bayern ist seit mehr als elfhundert Jahren ein Staat. Nach Umfragen befürwortet ein Drittel des bayerischen Staatsvolks die Eigenstaatlichkeit. Wir brauchen keinen Protest im Sinne von Alternativen für Deutschland, sondern im Sinne der Freiheit für Bayern. Diese Bezeichnung meines verlinkten Beitrags ist keine leere Floskel, sondern mein politisches Manifest, das ich bei Tivolifoto präsentiere.

Bayern wird vor allem mit dem veralteten Länderfinanzausgleich ausgebeutet. Die Berlin-Bande beraubt das Volk mit einem unvorstellbaren Schuldenberg, ohne dass eine militärische Bedrohung oder andere Notwendigkeiten bestehen. Die Schulden werden mit Lügen von Kriegstreibern begründet. Der Aufstieg der neuen Nazis wird gefördert. Altparteien schaufeln sich ihr Grab. Bayern muss sich aus dem Bund mit Deutschland lösen, sonst geht es mit der Bundesrepublik in eine neue Katastrophe.

Tarnfarben deutscher Panzer vor den friedlichen, bayerischen Rauten
Tarnfarben deutscher Panzer vor den friedlichen, bayerischen Rauten

2025 ist das neue, sogenannte Sondervermögen ein Betrug an den Staatsbürgern, weil verantwortungslose Politiker sie übermäßig verschulden. Deutsche und bayerische Schulden-Preißn verraten die Bayern.

Diese politischen Aspekte haben scheinbar nichts mit Bayern und Preißn im Hofbräuhaus zu tun, aber mit der obigen Begriffsbestimmung in gut und weniger gut. Von solchen menschlichen Bewertungen ist niemand frei. Und das wird man doch wohl noch schreiben dürfen, obwohl alle Menschen gleich sind. Sie sind vor dem Gesetz und mit den Rechten gleich, nicht im Charakter. Bayern und Preißn können gleiche Charaktereigenschaften haben, es gibt jedoch Ausnahmen – wie uns die Geschichte lehrt.

Foto-Beispiele mit Preißn im Hofbräuhaus

In meinem Fotoarchiv befinden sich zahlreiche weitere Beispiele. Hier zeige ich nur Touristen. Die Auswahl ist keinesfalls repräsentativ für das Hofbräuhaus. Einheimische Bayern erfüllen ebenfalls solche Kategorien, deren Art und Anzahl sich vielfach steigern ließen. Alle Fotos öffnen sich mit Mausklick oder Fingertipp.

Hofbräuhaus Preißn

Weitere Geschichten aus dem Hofbräuhaus

Der Schmierfink vom HofbräuhausDer Schmierfink vom Hofbräuhaus
Auffälligkeiten bei den Angeboten und beim Personal des Hofbräuhauses werden mit sachlichen und satirischen Mitteln beschrieben und kritisiert. Begründete Alternativen zeigen sich aus der Sicht eines regelmäßigen Gastes. Hinzu kommt eine Zusammenfassung aller Beiträge von Tivolifoto zum Hofbräuhaus mit verlinkten Titeln, Titelbildern und Sammlungen.

Aloisius hilft im HofbräuhausAloisius hilft im Hofbräuhaus
Die Hilfen des Münchners im Himmel zeigen sich im Hofbräuhaus. Der Engel Aloisius erfreut Gäste und Personal, bewirkt aber auch Kritik. Ein Figuren-Set drückt frohlocken, zweifeln, schimpfen, überbringen und genießen aus. Es veranlasst zum Spielen und Schenken. Die Geschichten verstehen sich als Satire und Gaudi.

Bayern und Preißn im HofbräuhausBayern und Preißn im Hofbräuhaus
Ein Bayer ist man laut der Verfassung des Freistaats Bayern von 1946: „Die Staatsangehörigkeit wird erworben durch Geburt, Legitimation, Eheschließung und Einbürgerung.“ Preißn ist das bayerische Wort für Nord- oder Ostdeutsche und Menschen aus der allgemeinen, nicht bayerischen Fremde, z. B. Tourismusgäste oder Fachkräfte mit Migrationshintergrund, aber nur bei missfallendem Verhalten.

Das Neuste aus dem HofbräuhausDas Neuste aus dem Hofbräuhaus
Mein Neustes ist zwar ein Superlativ, aber vieles versteht sich als nicht so neu, z. B. Maßkrugklopfer, Lärmstörer, Banksteiger, Habgierkellner, Fotorauschige, Schreibrausch und Kastlmenschen. Bislang hat jedoch niemand über solche Neuigkeiten geschrieben. Die Geschichten aus dem berühmt-berüchtigten Weltwirtshaus werden mit acht Episoden in der vierten Folge fortgesetzt.

Das Letzte aus dem HofbräuhausDas Letzte aus dem Hofbräuhaus
Die dritte Folge der Geschichten aus dem Hofbräuhaus betrifft Aufgebote, Beiträge, Geheimnisse, Platzversitzer, Tischgemeinschaften, Sauereien, Schweinswürstl und Geschenke. So eine bunte Mischung kann nur unter der ernsthaften Bezeichnung „Das Letzte“ zusammengefasst werden. Am Anfang steht das letzte Aufgebot, das Ende fragt, ob es das Ganze wirklich braucht.

Von Hirschen und anderen im HofbräuhausVon Hirschen und anderen im Hofbräuhaus
Alle sagen zwar Stammtisch zu ihm, wollen aber gar keinen solchen. Einen freien Platz will aber jeder. Das geht nur, wenn sich jemand darum kümmert. Wer das übernimmt, wird unfreiwillig zum Platzhirsch. Über ihn und andere sind einige neue Geschichten aus dem Hofbräuhaus entstanden, z. B. über Maßkrugwanderer, Oberschlaukellner, Trachtenpreißn und Mausdoudschmatza.

Die Verpreußung vom WirtshausWoast as scho ausm Hofbräuhaus
Mit dieser Feststellung wird ein wenig über das Hofbräuhaus geratscht. D’Leut wern praktisch ausgricht und a weng auffegschossen. Der Beitrag hat neun Abteilungen der sachlichen, kritischen und heiteren Art. Hauptsächlich geht es um den Vergleich meines Erlebens in der Zeit vor und nach der Pandemie. Außerdem erfährt man, was ein Gifthaferl und ein Gscheidhaferl ist. Ich warne vor dem Umfang der Ratscherei, aber sie gehört einfach zum Wirtshaus dazu.

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