Gongpauker und Schreischratzen am Tivoli

Link für den freien Download des Artikels als PDF-DateiBereits um 7.50 Uhr teilt sich die ausgelagerte Schülerschaft am Tivoli in zwei Gruppen, wobei man in der Nachbarschaft nur die Schreischratzen wahrnimmt. Die Mehrheit der Schüler begibt sich ruhig und zügig zur Vorbereitung auf den Unterricht in die Klassenzimmer. Außerhalb der Container treiben aber Schreischratzen ihr Unwesen solange, bis der erste Gong um 8.05 Uhr ertönt. Dann wird es wieder ruhig am Tivoli, bis Gongpauker und richtige Lehrkräfte den Unterricht um 8.10 Uhr mit einem erneuten Außengong beginnen. Gongpauker unterscheiden sich vom gesamten Lehrkörper, indem sie auf den Gong bestehen. Die Mehrheit der Lehrer hat vermutlich längst erkannt, dass der morgendliche Außengong kontraproduktiv ist und einer pädagogischen Nutzung der Zeit vor dem Unterricht widerspricht. Wahrscheinlich ist deshalb der Außengong vor und zum Unterrichtsbeginn bereits wiederholt abgeschaltet worden.

Eines Morgens wache ich aber wieder auf, nachdem mich das Blechmonster mehrfach um diese Zeit in Ruhe gelassen hat. Die Containerschule gongt wieder. Im Schlaf habe ich die Schreischratzen überhört. Das ist beim Gong nicht möglich gewesen. Anfangs denke ich noch an einen bösen Traum. Nachdem es fünf Minuten am Tivoli wieder ruhig gewesen ist, ertönt jedoch der zweite Gong. Anscheinend haben sich die Gongpauker erneut durchgesetzt. Der schreifreudige, unselbständige Auslagerungsgymnasiast am Tivoli hat seinen überlebenswichtigen Außengong zurückbekommen. Die sogenannte Bildungseinrichtung bildet sich wieder ein, zum Gongen im Freien berechtigt zu sein, obwohl sich um 8.10 Uhr kein Mitglied der Schulgemeinschaft dort aufhält. Sollte wirklich noch eine verspätete Person eintreffen, dann würde sie mit Gong auch nicht schneller oder pünktlicher sein als ohne Gong. Vorteil des Gongs ist aber, dass den Nachbarn nach fünf Minuten der Stille unüberhörbar der Anfang der sogenannten Bildung durch Gongpauker mitgeteilt wird. Für echte Pädagogen haben dagegen Erziehung und Bildung bereits vor einer Viertelstunde begonnen.

Zum Beginn des Schuljahres 2015/16 haben die Gongpauker von 8.05 Uhr bis um 16.15 Uhr sechzehnmal ihr Unwesen getrieben. Dadurch ist es zu meinem offenen Brief an die Schulgemeinschaft mit der Bitte, die Lautsprecher im Freien abzuschalten, gekommen. Ich habe einen Brief des Schuleiters und als Geschenk eine Schulchronik erhalten, die ein „Trostpflaster“ für meine „erlittene akustische Pein“ sein sollte. Im Januar 2016 ertönte der Gong noch bei den vormittäglichen Pausen. Nach den Winterferien im Februar 2016 war kein Gong mehr zu hören. Seit Ende April 2016 stört die Containerschule die Nachbarn wieder meist sechs- bis achtmal mit dem Außengong. Dabei sind Schüler nur bei Beendigung der zwei Pausen außerhalb der Container anwesend. Es folgt ein Zeitraum mit mehrfach wechselnder Gongerei, deren Ursachen und Anlässe für Nachbarn nicht verständlich gewesen sind.

Der häufige Wechsel zeigt aber ein Erproben und vermutlich auch eine Uneinigkeit innerhalb des Lehrkörpers und der Schülerschaft. Gongpauker fordern wahrscheinlich möglichst viel Gong, genauso wie Schreischratzen Anfang und Ende des Geschreis durch den Gong gerechtfertigt sehen wollen. Die gonglose Zeit muss wohl zu einer Verrohung der Sitten und zum Verlust der schulischen Ordnung geführt haben, weil Gongpunker und Schreischratzen nicht mit der neuen Freiheit, Verantwortung und Selbständigkeit umgehen konnten. Außerdem bin ich überzeugt, dass eine gongende und schreiende Minderheit die selbstverantwortliche und schweigende Mehrheit der Schulgemeinschaft terrorisiert. Diese hat durch Verringerung und Abschaltung erkannt, dass der Gong im Freien überflüssig ist und die Nachbarschaft stört. Bei wetterbedingten Pausen innerhalb der Container nimmt man die Absurdität des Außengongs besonders wahr.

Nachbarn könnten bei Fortsetzung der Störungen den Rechtsweg gehen. Gongpauker haben aber wahrscheinlich schon mit winkeladvoktischer Rechtsverdrehung im Schulreferat eine Möglichkeit gefunden, dass eine Schule im Freien aus organisatorischen und pädagogischen Gründen soviel gongen darf, wie sie für nötig hält. Mit fragwürdigen Methoden ist es ja überhaupt erst zur Containerschule am Tivoli gekommen. Nachdem meine sachlich begründete Bitte zur Abschaltung des unsinnigen Außengongs am Tivoli nur teilweise erfolgreich gewesen ist, bleiben die Möglichkeiten, bei der Stadtverwaltung eine Lärmschutzwand zu beantragen oder der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass sich Gongpauker und Schreischratzen am Tivoli mit lästigem und ärgerlichem Lärm trotzdem strafbar und zudem lächerlich machen.

Man darf eine lärmende und störende Bildungseinrichtung natürlich nicht als dumm, blöd oder idiotisch bezeichnen, außer mit dem Spruch Gymnasium bavarium macht saudumm. Dann ist es nämlich Kunst und Freiheit der Satire – auch wenn man Zitate nicht aus dem Zusammenhang reißen und verallgemeinern soll. Der Außengong des Blechmonsters ist aber so unsinnig wie die Sirenen von Polizei, Feuerwehr und Notdiensten, wenn sie Leberkassemmeln in der nächsten Metzgerei holen.

Diese wichtigen Berufe dürfen natürlich nicht herabgesetzt werden. Der Begriff Pauker wird aber umgangssprachlich abwertend für Lehrer verwendet – also Personen, die im Unterricht lautstarke Schläge auf das Gesäß der Schüler ausgeteilt haben. Pauker als Kurzversion für Arschpauker ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Heute dürfen Pauker keine Schülerärsche mehr züchtigen, deshalb schlagen sie anscheinend den Gong. Schratzen ist ein bayerisches Wort für lästige und ungezogene Kinder. Am Tivoli gibt es derzeit etliche davon. Deren Geschrei wird vermutlich durch Folter der Gongpauker verursacht – also Gongpauker foltern Schreischratzen. Dabei wissen die Schreischratzen mit dem Gong, dass sie zum Plärren anfangen dürfen oder aufhören müssen.

Es bildet sich eine Schicksalsgemeinschaft der selbst empfundenen Minderwertigkeit. Dieser ausgeprägte Minderwertigkeitskomplex treibt die Gongpauker an, kommende Ereignisse wie Pausen- und Unterrichtsbeginn lautstark auf einem Gelände anzukündigen, das menschenleer ist. Das geminderte Selbstwertgefühl der Gongpauker wird dadurch gestärkt, dass diese Signale in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen der Umgebung wahrgenommen werden. Solche Selbstbefriedigung und Stärkung der Gongpauker führen zu scheinpädagogischen Höhenflügen, die das Wegfallen der Züchtigung verschmerzen lassen. Zudem hat der bekannte Professor aus Wien festgestellt, dass Gong und Geschrei im Freien in engem Zusammenhang mit Störungen bei Beziehungen und Sexualität stehen.

Rücksicht ist für den lautstarken, gebieterischen Gongpauker ein Fremdwort. Es ist ihm egal, ob durch den Gong ein Baby aufwacht und zu schreien anfängt, ob eine Seniorin nach durchwachter Nacht beim Vormittagsschlaf gestört wird oder ob ein kranker Nachbar bei der Wiedererlangung der Arbeitskräfte behindert wird. Vormittagsschlaf ist derzeit am Tivoli außer im Unterricht der Gongpauker nur mehr eingeschränkt möglich. Neben der Förderung der Unselbständigkeit durch Gongpauker ist die Duldung der Rücksichtslosigkeit von Schreischratzen zum Wesensmerkmal der Containerschule geworden. Mit dem Grundsatz: wer schreit hat recht, übertönen die Schreihälse ihre Mitschüler. Gongpauker und Schreischratzen sind mit ihrem lauten Machtanspruch die neuen Herrscher am Tivoli. Majestätisch erhaben und idiotisch schikanös ertönt der Gong im Freien, ohne dass Personen sich dort aufhalten. Er zerreißt die menschenleere Stille so, als ob das grausame Blechmonster etwas dagegen hat, dass es am Tivoli verhältnismäßig ruhig ist.

Die Ursachen dieser Verhaltensstörung bei Gongpaukern und Schreischratzen sind teilweise verständlich. Pauker leiden unter Versagensangst und Autoritätsverlust, Schratzen unter Erziehungsmangel und hormonbedingten Veränderungen. Außerdem ist befreiendes Pausengeschrei nach mehrstündigem Aufenthalt in den Blechkisten begreiflich. Der alleinige Anblick des Blechmonsters kann mit der Beleidigung für die Augen Anlass zu aggressivem Geschrei sein. Schreischratzen werden in ihrem Verhalten bestärkt, wenn übermütiges Plärren in der Gemeinschaft gestattet ist und folgenlos bleibt. Geschrei kann natürlich einfach mit dem Alter der Kinder erklärt werden. Es stellt sich aber die Frage, wie aus schreienden Kindern umgängliche, ruhige Jugendliche und Erwachsene werden. Ist dies ein Ziel, das sich von selbst einstellt oder durch geplantes Vorgehen erreicht wird? Muss man für schreiende Kinder Verständnis haben oder etwas dagegen tun? Die Antwort ist einfach: Leben ist Anpassung, die gelernt und gelehrt werden muss. Man darf sich nur nicht an jeden Schmarrn anpassen, wozu Gong und Geschrei im Freien zweifellos gehören.

Der geräuschvolle Aufenthalt von Schülern außerhalb der Container ist vor dem Unterrichtsbeginn, bei den zwei Vormittagspausen, bei den Wegen von und zu den Schulbussen sowie in Zeiten der Nachmittagsbetreuung wahrnehmbar. Die Geräuschkulisse beinhaltet häufig Namen und Schimpfwörter. Glaubt man den Zurufen von Schreischratzen, dann scheint es an der Containerschule beispielsweise Penner, Wichser und Arschlöcher zu geben, die sich ficken sollen. Wer das nicht glaubt, braucht sich nur zur richtigen Zeit auf einen der umliegenden Gehsteige begeben. Ich höre solche Ausdrücke bei bestimmten Wetterlagen sogar mit geschlossenen Fenstern in der Wohnung.

Wer dies offensichtlich nicht wahrnimmt, sind aufsichtspflichtige Lehrkräfte. Oder hören und schauen die Gongpauker einfach nur weg? Finden Aufsicht und Betreuung im Freien überhaupt statt? Es ist zu bezweifeln, weil sich Kinder und Jugendliche in Anwesenheit von respektierten Erwachsenen nicht so verhalten würden. Aufsicht und Betreuung bedeuten, Fehlverhalten zu untersagen und zu angemessenen Verhaltensweisen anzuleiten. Beides ist im Außenbereich der Container nicht wahrnehmbar. Rücksichtnahme und Respekt sind Inhalte und Ziele, die im Unterricht der Containerschule vermutlich weder gelehrt noch gelernt werden. Bei der Nachmittagsbetreuung sind bewegungsfreudige Spiele im Freien sicherlich zu befürworten. Zum Problem werden aber einzelne Schreihälse, die in der Umgebung und in den Wohnungen stören. Die Mehrheit der Schüler gehört jedoch nicht zu den Schreischratzen.

Bei der gesamten Betrachtung dürfen die natürlichen Feinde der Gongpauker und Schreischratzen nicht vergessen werden. Es gibt also nicht nur störende und gestörte Schüler und Lehrer am Tivoli, sondern auch eine vermutete Mehrheit von selbständigen, rücksichtsvollen und pflichtbewussten Personen. Gongenden Pauker und schreienden Schratzen sind sicherlich auch eine Belästigung für vernünftige Schülerinnen und Schüler sowie für verantwortungsbewusste Lehrkräfte, die ihre Ziele mit Vertrauen in die Selbständigkeit der Kinder und Jugendlichen erreichen. Die unsoziale Machtausübung durch Gong und Geschrei im Freien wird sicherlich von einer schweigenden und verständnisvollen Mehrheit abgelehnt. Die Problemlösung wäre einfach: Gongpauker verzichten auf den Außengong und geben – so wie echte Pädagogen – den Schreischratzen Verhaltensrichtlinien für verträgliche Gemeinschaft und Nachbarschaft. Dann wäre die gespaltene Schulgemeinschaft wiedervereint. Die Containerschule würde zumindest als geachtetes Übel am Tivoli ertragen werden.

Mein Brief an die Schule ist hier verlinkt: Offener Brief an die Schulgemeinschaft des Wilhelmsgymnasiums am Tivoli.

Wie es zur Containerschule gekommen ist, kann man hier nachlesen und anschauen: Skandal am Tivoli.

There is one comment

  1. Josef

    Wenn bei manchen Menschen ein Wurm in ein Ohr kriecht, warum kommt der dann auf der anderen Seite nicht mehr raus? Antwort: Weil ihn in der Mitte der Vogel gefressen hat.
    Seit 19. Januar 2017 gongt das Blechmonster wieder um 8.10 Uhr. Weil ich meine Arbeiten für Tivolifoto gerne nachts erledige, schlafe ich um diese morgendliche Zeit. Der Gong hatte mich bislang im Schuljahr erst zur Pause um 9.40 Uhr geweckt. Ich musste die Störung hinnehmen, weil bei dem dann ertönenden, unüberhörbaren Geschrei das Weiterschlafen ohnehin nicht mehr möglich gewesen wäre. 8.10 Uhr ist mir aber zu früh. Ich gehe ans Fenster, öffne es und stelle fest, dass um die Blechcontainer niemand zu sehen und zu hören ist. Spontan muss ich mir wegen der ebenfalls unsichtbaren und für den frühen Gong verantwortlichen Person mit zwei Zeigefingern an die Stirn tippen. Vermutlich habe ich damit den Straftatbestand der Beleidigung nach § 185 StGB erfüllt. Reumütig bitte ich darum, hierfür bestraft zu werden, damit öffentliches Interesse zu diesen rücksichtslosen und unsinnigen Störungen entsteht.

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