9. Brunnenfest auf dem Viktualienmarkt

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause fand das Brunnenfest am Freitag, 5. August 2022, endlich wieder statt. Man erwartete wie üblich fünf blumengeschmückte Brunnen mit Moderatoren und einem Programm von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr. In den Jahren davor wurden etwa 30 Programmpunkte mit bis zu 180 Mitwirkenden angeboten.

Schon immer war es ein großes, unverständliches Geheimnis, wer wann an welchem Brunnen auftrat. Vermutlich sollten Gäste nach dem Zufallsprinzip unterhalten werden. Mitwirkende, Moderatoren oder Brunnenpaten durften das Programm nicht weitergeben, was heutzutage mit einem Handyfoto leicht möglich wäre.

Vielleicht ist das liebe Geld der Hintergrund für die Geheimniskrämerei. Oder geht es um musikalische Aufführungsrechte und Haftungsfragen? 2016 sollten die Organisatoren mit ihrem Privatvermögen haften und einen Sicherheitsdienst verpflichten, deshalb ließen sie das Fest sogar ausfallen. Außerdem soll großer Unmut unter den Mitwirkenden entstanden sein, als die Stadtverwaltung begann, das Brunnenfest finanziell zu fördern.

2022 verkündete die Rathaus-Umschau mit bestem Genderwahn: „Beim Brunnenfest am Viktualienmarkt präsentieren am Freitag, 5. August, ab 12 Uhr Volkssänger*innen, Volksschauspieler*innen, Kabarettist*innen und Kostümgruppen traditionelle Münchner Unterhaltungskunst. Sie treten an drei Bühnenstandorten auf: Karl-Valentin-Brunnen (beim Café Nymphenburg), Liesl-Karlstadt-Brunnen (am Biergarten) und Elise-Aulinger-Brunnen (bei der Heilig-Geist-Kirche). Insgesamt spielen über 60 namhafte Künstler*innen ohne Gage, darunter die Couplet-AG, Roland Hefter, Drent und Herent, De Gschubstn, Tobi Boek und Tobias Probst. Jürgen Kirner übernimmt die künstlerische Leitung der Veranstaltung.“

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Natürlich musste ich mich vor Ort überzeugen, wie sich das Brunnenfest beim neunten Mal entwickelte. Leider blieb von der vorherigen Angebotsvielfalt nur mehr ein Drittel übrig: Etwa ein Dutzend Programmpunkte mit 60 Personen an nur drei blumengeschmückten Brunnen bei einer Stunde späterem Beginn. Das ausgewachsene Brunnenfest war zu einem Brunnenfesterl verkümmert.

Dafür wurde der Marktbetrieb weniger beeinträchtigt. Am Ida-Schumacher-Brunnen konnte der Passantenstrom endlich wieder fließen. Der kleine Ochsenbrater war den umsatzmindernden Festbetrieb beim Roider Jackl los. Viele bisherige Künstler wurden entweder nicht eingeladen, wollten oder konnten nicht teilnehmen.

Wer wird wohl für die Schrumpfung verantwortlich sein? Infrage kommen beispielsweise Corona, Sicherheit, Geld, Stadtverwaltung oder Organisation. Die Rolle von Jürgen Kirner als künstlerischer Leiter ist nur schwer auszumachen. Jedenfalls bemühte er sich nach Kräften auf die kulturtragende Wirkung von „Unserem BR“ hinzuweisen. Man könnte fast formulieren: „BR-Brettl-Spitzen übernehmen Mini-Brunnenfest“.

Das wäre auch in Ordnung, weil es den Gästen gefiel und viele sich in bester Laune mit Gesang und Applaus beteiligten. Veranstaltungen zu „Unserem-BR“-Brettl-Spitzen und zur neuen Schönheitskönigin im Hofbräuhaus wurden ausgiebig beworben. Dann wird es schon das Geld geben, auf das dieselben Künstler wie beim Ohne-Gage-Brunnenfesterl verzichtet haben.

Wenn es ums Geld geht, muss der Kartoffelbrunnen erwähnt werden. Dort spielten fünf nicht zum Brunnenfest eingeladene Musikanten ebenfalls unbezahlt. Vermutlich haben sie aber gesammelt. Moderator war jedenfalls Josef Zapf, der sich offensichtlich immer noch ärgerte, weil ich über die Preißn-Hoibe in der Münchner Traditionsgaststätte Donisl und den Schankbetrug im Festzelt Zur Schönheitskönigin auf der Oidn Wiesn geschrieben habe.

Als er mich sah, hielt er den Anwesenden einen Vortrag, dass Fotografen nichts von Musik verstehen würden. Nach dem Protest der umstehenden Handy-Fraktion beschränkte er sich auf professionelle Fotografen, obwohl ich kein solcher bin. Er zeigte aber auf mich, nannte meinen Namen und begründete mein angebliches musikalisches Unverständnis mit dem Schreiben gegen schlechtes Einschenken – was überhaupt nichts miteinander zu tun hat.

Die Gäste protestierten erneut, dass ich doch Recht hätte. Etwas kleinlaut kam dann der Unsinn, dass ich mich sogar über schlecht eingeschenktes Freibier beschweren würde. Beim nächsten Musikstück mussten sich die Musikanten umdrehen und den Anwesenden ihre Rückansicht zeigen. Der Provokateur wackelte kräftig mit dem Hintern. Die gesamte Aktion war offensichtlich mit der Gruppe abgesprochen, weil einer zwischendurch fragte, ob ich derjenige sei.

Wahrscheinlich hatten die Musikanten meinen Beitrag über Die Preißn-Hoibe vom Donisl gar nicht gelesen, sollten mich aber trotzdem wie vereinbart schmähen. Dabei ist allgemein bekannt, dass Zapf selbst als stadtbekannte Freibierlätschn gilt, die als Musikant Pausen bevorzugt. Außerdem können die Anwesenden nichts dafür, dass man ihn als Veranstaltungstechniker in München nicht mehr brauchen konnte und er sich derzeit irgendwo im Schwäbischen als Hausmeister herumärgern muss.

Jedenfalls war die Belästigung von Münchner Festgästen mit seinem Frust so überflüssig wie ein Kropf. Noch dazu blamierte sich der Arschwackler selbst vor den Gästen. Er beschämte mit seinem Rede- und Hinternvortrag die richtigen Brunnenfestkünstler und den Donisl. Dortige Bierangebote und Schankmoral gehen ihn doch überhaupt nichts an. Oder bekommt er dort vielleicht Freibier als selbsternannter Preißn-Hoibe-Rächer vom Donisl?

Andererseits muss für die missglückte Aktion gedankt werden, weil sie den vernünftigen Anliegen gegen die Preißn-Hoibe und den Schankbetrug gedient hat. Lieber wäre mir allerdings eine gscheide Gaudi oder etwas Sachliches gewesen. Dazu ist der Arschwackel-Sepp vom Kartoffelbrunnen aber nicht in der Lage, wie sein Kommentar zur Preißn-Hoibe bereits gezeigt hat.

Eigentlich würden freie, spontane und freche Musikbeiträge der Volkssängertradition und einem lustigen Markttreiben entsprechen. Dieser nicht vorgesehene Auftritt wurde jedoch von einem städtischen Verantwortlichen kritisch beäugt und zurecht nachgefragt. Daraufhin logen die Musikanten von der Zapf-Arschwackel-Combo, dass sie nur für einen späteren Auftritt an den genehmigten Brunnen üben würden.

Wenn sich Musikanten bei einer Veranstaltung ohne Einladung aufdrängen, dann ist das vielleicht fragwürdig und ordnungswidrig, kann aber im Rahmen der Kunstfreiheit verstanden werden. Eine weitere Rechtfertigung ergibt sich durch die Freiheiten aus dem Lebenswerk der beim Brunnenfest geehrten Künstler. Probleme kann hingegen das heutige Denken zu Sicherheit, Ordnung, Verantwortung und Haftung bewirken. Immerhin muss Straßenmusik von der Stadt erlaubt und geregelt werden, damit keine Belästigung entsteht.

So ergaben sich 2022 wieder Aspekte und Nebenhandlungen mit dem möglichen Titel „Skandal am Brunnenfest“, wobei der größte Skandal natürlich die Hitze ohne den vorhergesagten Regen war. Dafür oder dagegen wurden erstmalig drei große Bühnenschirme aufgestellt, die allerdings das Zuschauen und etliche Fotomotive beeinträchtigten.

Meine fotografischen Schwerpunkte waren die großartigen Auftritte der Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung e. V. und der schöne Blumenschmuck von immerhin drei Brunnenheiligen. Leider konnte ich etliche Mitwirkende in diesem Beitrag wegen des geheimen Programms nicht benennen. Sie werden aber sicher bald in „Unserem-BR“-Fernsehen zu sehen sein.

Als Höhepunkt empfand ich das Spiel mit den kleinen Kuhglocken von Veronika Moll und ihrer Begleiterin. „Solang der alte Peter“ auf dem Markt unter der Peterskirche erklingen zu lassen, war traumhaft, wunderbar und himmlisch gleichermaßen – also bestes München.

Insgesamt fiel das 9. Brunnenfest auf dem Viktualienmarkt 2022 etwas mager aus – so wie meine kleine Fotostrecke und das entsprechende Fotobuch. Entscheidend ist aber nicht die Größe des Fests, sondern die nach wie vor hohe künstlerische Qualität in Verbindung mit münchnerischer Lebensfreude bei allen Beteiligten. Hoffentlich war die Schlankheitskur des Brunnenfests 2022 kein Anzeichen für weitere Beschränkungen oder sogar ein Ableben. Ich danke allen Mitwirkenden und wünsche gute Unterhaltung mit 81 Fotos.

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9. Brunnenfest auf dem Viktualienmarkt 2022
Jürgen Kirner, Tobi Boeck, Tobi Probst, Fabian Neulinger
Liesl-Karlstadt-Brunnen
Liesl-Karlstadt-Brunnen
Karl-Valentin-Brunnen
Karl-Valentin-Brunnen
Karl-Valentin-Brunnen
Karl-Valentin-Brunnen
Elise-Aulinger-Brunnen
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Veronika Moll
Veronika Moll
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Solang der alte Peter mit kleinen Kuhglocken
Solang der alte Peter mit kleinen Kuhglocken
Solang der alte Peter mit kleinen Kuhglocken
Solang der alte Peter mit kleinen Kuhglocken
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Gaugruppe des Trachtengaus München und Umgebung
Kirta Blosn
Kirta Blosn
Ammersee Quintett
Ammersee Quintett
9. Brunnenfest auf dem Viktualienmarkt 2022
9. Brunnenfest auf dem Viktualienmarkt 2022
De Gschubstn
De Gschubstn
Josef Zapg. der Preißn-Hoibe-Rächer vom Donisl oder Arschwackel-Sepp vom Kartoffelbrunnen und seine Musikantenknechte

Nebengeräusche beim Brunnenfest: Der Preißn-Hoibe-Rächer vom Donisl oder Arschwackel-Sepp vom Kartoffelbrunnen mit seinen Musikantenknechten

Karl-Valentin-Brunnen, Liesl-Karlstadt-Brunnen, Elise-Aulinger-Brunnen

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