Wunder aus dem Hofbräuhaus

Dekoratives Schild mit der Aufschrift 'Wunder aus dem Hofbräuhaus' und einem Engel, vor einem kunstvoll gestalteten Hintergrund.

Entstehung des Titels

Auf Ausverkauf und Untergang kann nur der Tod folgen. „Wirtshaussterben im Hofbräuhaus“ wäre ein angemessener Titel für diese logische Folge gewesen. So leicht stirbt es sich aber nicht. Außerdem gibt es das Überleben und die Auferstehung. Und schon sind wir bei den Wundern, die allerdings mehrere Aspekte haben.

  • Jemand bewirkt Wunderbares.
  • Etwas Wunderbares ereignet sich.
  • Jemand wundert sich über etwas.

Die meisten Wunder befinden sich in der Bibel. Dann folgen die Heiligengeschichten. Auch den Engeln werden Wunder nachgesagt. Sofort fällt einem der Engel Aloisius, der Münchner im Himmel, ein, den sie im Hofbräuhaus aufgehängt haben, obwohl er dort seit 1911 als Dienstmann Alois Hingerl sitzt.

Es ist ein Wunder, dass noch niemand für diese Hinrichtung eingesperrt worden ist. Oder doch? Wer befindet sich im Gefängnis? Wie heißt er, sie oder es? Die Antwort ist sehr einfach: Habgier. Menschen wurden aus dem alttestamentarischen Paradies vertrieben und beschäftigen sich nicht mit der neutestamentarischen, wunderbaren Brotvermehrung, sondern mit der wundersamen Geldvermehrung.

Eine ertragreiche Möglichkeit hierzu bietet das Bewirten im Hofbräuhaus. Wirt sein heißt aber nicht nur, den Betrieb zu bewirtschaften, sondern auch, Gäste zu bewirten. Wer einen Bereich vernachlässigt, hat seinen Beruf verfehlt und wird scheitern.

Meine Beiträge zum Ausverkauf und Untergang belegen die Vertreibung aus dem Paradies. Ich will aber nicht unfair sein und nur kritisieren. Deshalb formuliere ich mit diesem Beitrag einige erfreuliche Wunder aus dem Hofbräuhaus, die mich immer wieder zu neuen Besuchen veranlassen. Am meisten freuen mich natürlich die großartigen Leistungen des gesamten Personals und der Musikanten, für die ich danke.

Zuerst denke ich bei Wunder an Religiöses oder Unglaubliches. Dann fängt gleich die Musik in meinem Hirnkastl zu klingen an: „Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein und „Ja, ist es denn ein Wunder?“ von Nina Hagen. Dann schreibe ich alles auf, was mich zurzeit im Hofbräuhaus erfreulich wundert und fragwürdig verwundert.

Dabei kommt es zu Wiederholungen innerhalb der Beitragsteile und mit den vorangegangenen Beiträgen zum Hofbräuhaus. Behauptet jemand, der schreibt immer den gleichen Schmarrn, stimme ich zu, weil man vieles nicht oft genug wiederholen kann.

Entstehung des Titelbilds

Wie stellt man Wunder aus dem Hofbräuhaus visuell für ein Titelbild dar? Anfänglich wollte ich einen Heiligenschein mit Bildbearbeitung um das Gebäude herstellen, bin aber wegen meiner geringen Fähigkeiten gescheitert. Dann sah ich meine Fotos aus dem Innenleben des Bierpalasts durch und blieb bei dem Stammtischschild der Allgeier hängen.

Jetzt geschah das erste Wunder. Mir fiel auf, was ich schon immer wusste: Die Bezeichnung „Allgeier“ für diesen traditionellen Münchner Tisch passt nicht. Da muss „Wunder aus dem Hofbräuhaus“ stehen.

Das zweite Wunder war mein Ausflug in die künstliche Intelligenz, der sich aber gelohnt hat.

Über den wunderbaren Ausleger der Allgeier kann man sich streiten. Wir Münchner nehmen ihn gar nicht wahr. Er befindet sich aber an prominenter Stelle über unseren Köpfen am Tisch 35.

Mich hat er veranlasst, am Tisch ein Rautenbanner aufzustellen. Damit wird ausgedrückt, dass hier die letzten Bayern im Hofbräuhaus sitzen. Das ist natürlich Schmarrn, trifft aber an Wochentagen häufig zu.

Ein Grund ist die Übermacht der guten Hauskapelle, die leider keine einheimischen Gäste anzieht. Den meisten touristischen Gästen im Hofbräuhaus ist es egal, welche Kapelle spielt. Hauptsache, ihr Klischee von Deutschland, das sie fälschlicherweise in Bayern vermuten, wird erfüllt.

Wunder aus dem Hofbräuhaus
Original und Bildbearbeitung
Wunder aus dem Hofbräuhaus
KI und Bildbearbeitung

Bildbearbeitung

  • Beschnitt auf 4:3
  • Perspektivenkorrektur
  • Änderung von Text und Hintergrund im Schild
  • automatischer Weißabgleich auf 5000 K,
  • intelligente Fotokorrektur mit Steigerung der Helligkeit
  • Größenänderung von 8448 × 6336 auf 1600 × 1200 Pixel

KI und Bildbearbeitung

  • KI-Auftrag: Das Bild soll wie ein Heiligenbild aussehen. Das Schild soll erstrahlen.
  • KI-Ausführung: Ich habe das Bild erneut wie ein Heiligenbild inszeniert und das Schild stärker zum Strahlen gebracht – im Vivid‑Stil.
  • Bildbearbeitung: Steigerung der Helligkeit und der Sättigung.

Alternative Titelbilder mit Bildbearbeitung und KI

Wunder aus dem Hofbräuhaus
  • Bildbearbeitung wie beim Titelbild
  • Löschen der Bezeichnung „Allgeier“
  • Einfügen des Titels „Wunder aus dem Hofbräuhaus“ in einer Handschrift
  • KI-Auftrag: Das Bild soll wie ein Heiligenbild aussehen. Das Schild soll erstrahlen.
  • KI-Ausführung: Ich habe das Bild wie ein Heiligenbild gestaltet und das Schild leuchtend.
  • Bemerkenswert: Die KI interpretiert den Engel Aloisius als richtigen Engel.
  • Bildbearbeitung wie beim Titelbild ohne Änderung der Schrift auf dem Schild
  • KI-Auftrag: Das Bild soll wie ein Heiligenbild aussehen. Das Schild soll erstrahlen und senkrecht ausgerichtet werden.
  • KI-Ausführung: Ich habe das Bild als Heiligenbild gestaltet, das Schild strahlend hervorgehoben und senkrecht ausgerichtet – im Vivid‑Stil.
  • Bemerkenswert: Die KI liest die Gaudi-Aufschrift „Allgeier“ und ergänzt den heiligen Gallus, den Schutzpatron des Allgäus.

Die wundersame Prozession

Noch gilt das Hofbräuhaus nicht als Wallfahrtsort, aber die täglichen vielfachen Prozessionen durch die Schwemme lassen vermuten, dass sich der Vatikan bald meldet. Die Gläubigen betreten die heiligen Hallen und bleiben zunächst am Eingang stehen, damit sich ein Stau bildet, der sich langsam gemeinsam weiterbewegt. Vor der Musikkapelle stoppt die Prozession für eine kurze fotografische Andacht. Dann verschwindet sie in den Tiefen der niederen Schwemme.

Schon sind wir beim ersten Wunder. Die Prozession der Gläubigen kommt nicht mehr zurück. Es ergeben sich zwei wundersame Fragen:

  • Wo bleiben die Gläubigen?
  • Woran glauben die Touristen?

Die erste Frage ist einfach zu beantworten. Viele Pilger suchen sich Plätze in der niederen Schwemme, in der Brauerstube, im Salettl oder im Biergarten. Der Durchgang zur Toilette, zum hinteren Treppenhaus oder zum Notausgang kann vernachlässigt werden. Es ist allerdings möglich, dass Teile der Prozession über das Salettl oder den Biergarten zurückgehen. Jedenfalls kehrt die Masse der Gläubigen nicht mehr zurück.

Deshalb fällt mir immer nach der ersten Maß Bier ein, dass die Erde doch eine Scheibe ist. Hinter der niederen Schwemme muss sich der Scheibenrand befinden und die Pilger fallen hinunter oder hinauf. So genau kenne ich mich mit dem Weltraum nicht aus. Ich würde die niedere Schwemme nie betreten, aber das Personal kennt offensichtlich die Gefahren und kommt im Gegensatz zur Prozession zurück. Diese befindet sich im freien Fall auf dem Weg zur Hölle oder zum Himmel.

Vielleicht ist das der Grund, warum man den Engel Aloisius in der hohen Schwemme aufgehängt hat – entweder zur Warnung vor der Unterwelt oder zur Einladung ins Paradies. Andere Anlässe sind mir nicht verständlich, weil der Aloisius im Hofbräuhaus kein Engel, sondern der wiedergeborene Dienstmann Alois Hingerl ist.

Man kann das nicht oft genug schreiben. Das Beitragsbild veranschaulicht die Schande. Außerdem zeigt die Geisterbahnfigur keine der Tätigkeiten, die der Engel oder der Münchner in der Originalgeschichte betrieben haben, und sie passt nicht zur Deckenbemalung der heiligen Halle.

Das dämliche Monster schwebt einfach nur nichtssagend über den Köpfen der Gläubigen und bestätigt meine Theorie, dass es eine der vielen Schnapsideen des Betriebs war, es zu erhängen. Nicht einmal das Personal kennt es und weiß nicht, warum es aufgehängt wurde. Nur die Tätigkeit als Prozessionsbegleitung ergibt einen Sinn.

Mit der zweiten Frage bekommt man Schwierigkeiten, weil die Pilger aus aller Welt natürlich verschiedenen Religionen angehören. Das bayerische Verständnis von Himmel und Hölle wird also nicht weltweit geteilt. Der Himmel kann sich deshalb auf die ewigen Jagdgründe der Indianer oder die Jungfrauen der Moslembrüder für die Märtyrer im Heiligen Krieg beziehen. Bei uns haben die Engel kein Geschlecht, wie der Aloisius beweist. Nur die Heiligen im Himmel sind noch nicht gegendert. Außerdem ist unser Himmel weiß-blau und noch nicht grün-rot.

Mit Sicherheit weiß ich, dass die Gläubigen im Hofbräuhaus an den heiligen Tourismus glauben. Verspricht er uns doch, ein besserer Mensch als die Daheimgebliebenen zu sein. Auf die Frage nach der Herkunft wollen Touristen oft wissen, ob ich ihre Heimat schon bereist habe. Ich verneine, weil es dort so hässlich sein muss, dass alle zu uns kommen. Dann schwärmen sie von den Vorzügen, vor denen sie geflohen und meist geflogen sind. Da soll man die Welt verstehen!

Flugreisen sind für mich ein großer Irrweg der westlichen Welt, weil keine schrittweise Annäherung und kein interkultureller Austausch stattfindet – genauso wenig wie bei der Migration. Menschen benötigen kulturelle Identität, lernen aber als Touristen nichts von anderen Kulturen.

Ich bleibe in München und im Hofbräuhaus, auch wenn sich der Betrieb größte Mühe gibt, die Einheimischen zu vertreiben. Er beschneidet den Volksfestcharakter mit Kantinenessen, Breznmadl-Vertreibungen und einer übermächtigen Hauskapelle, um nur einiges zu nennen. Das bekommen die Touristen aber nicht mit, weil sie denken, das gehört sich so im gelobten Deutschland.

Sich in Bayern zu befinden, wissen die wenigsten. Deshalb stelle ich am Münchner Tisch immer das Bayern-Banner auf. Seit der bäuerlich-dörflichen Kindheit weiß ich nämlich, dass bei Prozessionen mit Fahnen geschmückt wird. Zum Glauben der Touristen gehört auch, dass sie im Hofbräuhaus Land und Leute kennenlernen. In Wirklichkeit erleben sie nur andere Touristen und einen Tourismusbetrieb. Meine Fahne drückt aus, dass am Tisch die letzten Bayern oder Münchner im Hofbräuhaus sitzen, weil der gegenwärtige Gaststättenbetrieb die anderen schon vertrieben hat.

Die Auffahrtswunder

Christi Himmelfahrt passte mir hervorragend für einen Besuch in der Schwemme. Das dachten sich offensichtlich sehr viele Gläubige. Die Prozession war nämlich im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Draußen gab es viel frische Luft mit einer für den Biergarten unsicheren Wetterlage. Drinnen konnte man kaum atmen, wegen der vielen Menschen.

Ein Bekannter, den ich schon lange nicht mehr getroffen hatte, wunderte sich über mein Kommen, hatte aber noch Platz. Es war die letzte freie Sitzgelegenheit am Tisch, der sich vor nicht abgeräumtem Geschirr mit Essensresten und Besteck, leeren Gläsern und Krügen bog. Mir gegenüber saßen zwei junge Herren mit südlichem Erscheinungsbild und eine gut aussehende junge Dame. Wie üblich waren sie nur mit den Handys beschäftigt, was bei mir eine Abneigung bewirkte.

Die zweite Tischhälfte belegten vier Mittelalter-Herren mit halb vollen Bierkrügen. Sie machten in der Tischmitte Platz und begannen mit dem Schafkopfspielen. Das geschah aber mit einer solchen Lautstärke, dass ich mich aufregte. In bester Aloisius-Manier beschimpfte ich die Spieler des Glaubens, allein auf der Welt zu sein. Trotzdem hauten sie die Karten auf den Tisch, klopften mit dem Kartenstapel beim Mischen und kommentierten lautstark ihr Glück oder Pech.

Das verstärkte natürlich meinen Protest. Mein Sitznachbar gab sich besonders Mühe, mich zu ärgern. Offensichtlich gefiel ihm das bayerische Schimpfen. Mein Zorn steigerte sich, weil ich lange Zeit kein Bier bekam. Ich erklärte der Runde, auch Schafkopf zu spielen und zu wissen, dass es ohne Lärm möglich ist. Sie waren einsichtig. Es dauerte nicht lange, bis sie zahlten und den Tisch trotz der halb vollen Krüge und des baldigen Musikbeginns verließen.

Zwischendurch besserte sich meine Stimmung, weil das Bier kam und mich viele Bekannte mit Handschlag begrüßten, z. B. Stammtischgäste der Loisachthaler und der Allgeier. Sogar die nette, neue Kellnerin vom letzten Besuch und der immer freundliche Oberkellner begrüßten mich. Wir tauschen einige Worte über den Hochbetrieb am Feiertag.

Die vorbeiziehende Prozession nahm für das Personal bedenkliche Ausmaße an. Zum ersten Mal erlebte ich in der Schwemme die neuartige Tätigkeit des Prozessions-Beschleunigers. Mit ausgebreiteten Armen wiesen zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Gläubigen an, ihren Weg fortzusetzen und nicht vor der Musikbühne stehenzubleiben. Mindestens ein Foto von den heiligen Musikanten musste aber in das Wischkastl.

Auf die mittlerweile freie zweite Tischhälfte setzten sich ein Touristenpaar, ohne zu grüßen und zu fragen. Wegen der Überfüllung ließ ich dieses preußische Fehlverhalten zu und widmete mich meinen gegenübersitzenden drei Nachbarn. Sie fragten mich, was meine Fahne auf dem Tisch mit den zwei Figuren bedeutet. Ich erklärte ihnen wie üblich: Das Rautenbanner verweist auf die seltene Anwesenheit eines Bayerns in der Schwemme, das Münchner Kindl ist ein Symbol für die Stadt und der Aloisius vertritt das Hofbräuhaus.

Es folgte ein gelungenes Aloisius-Spiel mit dem seit vier Jahren in München wohnenden Paar aus Kolumbien und dem Begleiter aus ihrer Heimat. Zur Belohnung der Mitwirkung und als Souvenir schenkte ich der jungen Dame einen Schlüsselanhänger mit dem Münchner Kindl. Zwischendurch fotografierte sie die Figuren. Ich übergab meine Visitenkarte, und sie versprach mir, die Bilder an meine E-Mail-Adresse zu schicken. Ich bemerkte noch, dass dies oft zugesagt, aber meist nicht eingehalten wird.

Der Nachmittag begann sich erfreulich zu entwickeln. Das Essen und Trinken schmeckten. Die Tischgesellschaft veränderte sich. Ich befürchtete schon, einen Abend zu erleben, an dem ich mich über nichts aufregen kann – nicht einmal über den Service.

Das Unglück begann, als sich an der oberen Tischhälfte ein weiteres Paar aus Köln dazusetzte. Ich bemerkte den niederen Bildungsstand, die großen Machtansprüche, die lautstarke Geschwätzigkeit und den übertrieben gespielten Frohsinn. Verwundert fragte mich eine Kölnerin, ob die Schwemme im Hofbräuhaus einmal eine Kirche gewesen war. Weitere derart geistreiche Gesprächsattacken versuchte ich abzuwehren.

Wer mich kennt, weiß, dass mir die Zurückhaltung dabei nur schwer gelingt. Die beiden besseren Hälften der zwei Kölner Paare wandten sich deshalb mehr den männlichen Gästen am nächsten Tisch in der Reihe zu.

Dort waren sie so erfolgreich, dass plötzlich drei Personen zu unserem Tisch herüberwechseln wollten. Meine Kölner Sitznachbarin auf der Bank rutschte mit ihrem Hinterteil zu mir und wollte mich wegschieben. Sie hatte aber nicht mit meiner bayerischen Standhaftigkeit und dem darauf schlagartig folgenden lautstarken Protest gerechnet. Den Wortlaut kann ich hier aus Sittlichkeitsgründen nicht wiedergeben. Jedenfalls war die Wirkung so gewaltig, dass sich das Weib mit ihrem Gesäß wieder in ihre Tischhälfte zurückzog und die zusätzliche Tischbesetzung unterblieb.

Ich bezeichnete die obere Tischhälfte als preußische Platzversitzer. Die Schimpfkanonade dauerte so lange, bis die dicke Luft verraucht war. Schließlich verließen meine Sitznachbarin und ihr Begleiter das Schlachtfeld. Leider bekam der übertrieben peinliche, rheinische Frohsinn erneut weibliche Verstärkung, aber nur am gegenüberliegenden Tischende. Die primitiven Damen stellten jedoch keine weiteren Platzansprüche und ließen uns in Ruhe.

Selbst wurden sie auch ruhiger, weil sie etwas versteckt kleine Schnapsflaschen leerten. Es dauerte noch einige Zeit, bis alle Preußen verschwunden waren. Zurückgeblieben waren die Flaschen als Müll, den der Kellner nicht abräumte, und der schlechte Eindruck, den die dekadenten Baller-Weiber hinterließen. Sie hielten, wie so viele Preußen, das Hofbräuhaus für Karneval und Ballermann, wo man die Sau rauslassen kann. Sämtliche Vorurteile und Klischees wurden bestätigt.

Endlich konnte ich die freien Plätze drei jungen Damen anbieten. Diese waren auf Platzsuche, und ich freute mich schon auf ein neues Aloisius-Spiel. Vorschnell und mit der wiedergekehrten guten Laune lud ich die jungen Gäste auf drei Schnittmaß ein. Aber nur eine nahm an. Die Zweite lehnte ab und beeinflusste die Dritte. Mein Traum vom Aloisius-Spiel war geplatzt. Das Fass mit widerspenstigen Damen, um nicht abwertend mit blöden Weibern zu schreiben, war voll. Ich wandte mich wieder meiner Tischhälfte zu.

Und was passierte bei den Dreien? Ein Wunder! Sie fingen an, Karten zu spielen. Das ist ja wohl das Dümmste, was man an einem Feiertag im Hofbräuhaus am besten Tisch neben der Musikbühne und mit dem herrlichen Panoramablick machen kann. Sie weigerten sich aber offensichtlich, ihre Umgebung wahrzunehmen, und bauten sich ihre eigene Kartenwelt auf.

So viele Wunder an einem einzigen Hofbräuhausbesuch waren für mich zu viel. Ich brach den Abend eine Stunde vor dem Musikschluss ab. Das nächste Wunder stand aber schon vor dem Hofbräuhaus an erster Stelle in der Taxischlange. Es war der griechische Fahrer, der mich immer mit „mein Freund“ anspricht. Ich verdanke ihm viele unterhaltsame Fahrten, wobei er einmal sogar darauf bestand, mir eine zu schenken. Ich belohnte ihn dafür mit mehreren Münchner Kindl für seine Kinder. Unser häufiges Zusammentreffen als Fahrer und Fahrgast war noch nicht genug Wunder.

Ein Mann sitzt an einem Tisch mit einer großen Bierkrug und schaut lächelnd. Vor ihm stehen mehrere kleine Figuren in traditionellen bayerischen Kostümen, daneben eine kleine Fahne im bayerischen Rautenmuster.
Handyfoto von meiner neuen Freundin Lizeth aus Kolumbien

In der Wohnung sah ich am Bildschirm, dass mir die Kolumbianerin eine E-Mail mit Fotos geschickt hatte. Der Betreff war „Die neue kolumbianische Freunden“, der Text: „Vielen Dank für solche tolle Geschichte!!“ Liebe Lizeth, ich danke Dir für die Überraschung und das Wunder. Am nächsten Morgen ließ ich den Abend vor meinen inneren Augen Revue passieren. Gerne hätte ich jemandem alles erzählt. Um die Auffahrtswunder zu vollenden, schrieb ich sie auf, damit sie weltweit zu lesen sind. Ist das nicht auch ein Wunder?

Das Bierpreis-Wunder

Seit Ende Februar 2026 verlangt das Hofbräuhaus mit 5,80 € für die Halbe und 11,60 € einen hohen Bierpreis für die Maß, der sich nicht im unteren Münchner Bereich, sondern im oberen befindet. Die Erhöhung betrug 80 Cent oder sieben Prozent. Angesichts des Steuergeschenks mit der verminderten Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent glich die hohe Preissteigerung einer Verhöhnung der Gäste.

Andere Innenstadtwirte senkten 2026 den Bierpreis oder hielten ihn gleich. Der Hofbräuhaus-Betrieb hat das Augenmaß verloren. Man fragt sich: Ist er wirklich in wirtschaftlicher Not, die eine solche Unverschämtheit erfordert, oder hat jemand vor, sich zu bereichern? Trifft die erste Frage zu, dann hat nach meiner Meinung der Betrieb versagt und sollte verändert werden. Ist Habgier im Spiel, versagt die Aufsicht des Freistaats im Bereich der staatlichen Brauerei Hofbräu als Wirtschaftsunternehmen des Finanzministeriums.

Der dortige Direktor wechselte zur Jahreswende 2025/26. Der neue Chef, Dr. Jörg Lehmann, bezeichnete sich selbst beim Maibockanstich 2026 als norddeutsche Fachkraft mit preußischer Herkunft. Es darf vermutet werden, dass sich in der Angelegenheit zwei Betriebswirte gut verstanden haben.

Die Opfer waren und sind die Gäste. Der neue Direktor schien aber Skrupel vor der Ausbeutung und dem Zorn der Stammgäste zu haben. Er nahm sie anlässlich seiner Amtseinführung von der Erhöhung aus. Deshalb gibt es künftig beim Kauf von Bierzeichen nicht mehr elf Stück für den Preis von zehn Maß, sondern zwölf. Damit werden das Bier, andere Getränke und die Speisen für Stammgäste mit Biermünzen sogar etwas günstiger als vorher.

Seitdem gilt: Wer im Hofbräuhaus mit Biermünzen bezahlt, hat den sensationellen Preisvorteil von 20 Prozent. Für den Kauf der Münzen ist aber eine Stammgastkarte erforderlich, deren Nummer registriert wird, um Missbräuche zu verhindern.

Stammgäste stellte man nämlich unter den Pauschalverdacht, mit Biermünzen zu betrügen, indem sie Touristen anbieten, an ihrer Stelle mit Münzen zu bezahlen, aber von ihnen die tatsächlichen Preise einfordern. Wurde dies tatsächlich so betrieben, dann war die Umsatzeinbuße in Einzelfällen bestimmt nicht nennenswert. Das Servicepersonal verfügt über weit größere Möglichkeiten, den Betrieb zu schädigen, als Stammgäste mit Bierzeichen.

Vor der Bierpreiserhöhung benötigte man als den Oberkellnern bekannter regelmäßiger Gast keine Karte für den Münzenkauf. Ich kaufte sie mir, um sie an besonders freundliche und freigiebige Touristen als Souvenir zu verschenken.

Das wird künftig nicht mehr möglich sein, weil für mich eine Stammgastkarte nicht infragekommt. Von diesem Betrieb nehme ich keine Geschenke an, zahle lieber die hohen Preise und behalte die Freiheit, Würde, Selbstachtung und Kritik. Ich lasse mich nicht kaufen.

Der Brauereidirektor hat mit der wunderbaren Münzvermehrung einen Protest der Stammgäste verhindert und ihr Stillschweigen erkauft. Wer mit Münzen bezahlt, lässt sich kaufen und unterstützt die Ausbeutung der Touristen. Zu den Opfern gehören aber auch die wenigen Münchner und Bayern, die das Hofbräuhaus gelegentlich noch besuchen. Sie kommen ohnehin meist nur, wenn sie Verwandtenbesuche haben, denen sie eine örtliche und weltberühmte Sehenswürdigkeit zeigen wollen.

Die gesamte Angelegenheit ereignet sich in einem Wirtschaftsunternehmen des Freistaats Bayern und ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten. Das Geschäftsprinzip ist:

Touristen ausnehmen und Einheimische vertreiben

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht handelt es sich aber um geschickte Vorgehensweisen zur wundersamen Geldvermehrung. Dem neuen staatlichen Brauereidirektor ist viel Erfolg zum Wohl – für wen wohl? – zu wünschen. Als Staatsdiener handelt er selbstverständlich in den Diensten und zum Wohl des bayerischen Volkes. Prost, Schwoam mas obi oda hau mas zam?

Gott sei Dank verfügt der Freistaat Bayern noch über so viel Freiheit, dass man solche fragwürdigen Wunder aufschreiben und veröffentlichen darf. Einheimische Bayern lieben allerdings richtige Wunder und brauchen keine preußischen Bierpreis-Wunder.

Die sensationellen Wundertüten vom Hofbräuhaus

Vergangenheit mit Breznmadl – RIP

Nach der grausamen Beseitigung der Breznmadl im Rahmen des Breznskandals wird das Hofbräuhaus um eine weltweit einmalige Kuriosität bereichert. Es gibt seine ruchlosen Taten der Lächerlichkeit preis. Die Brezn werden auf der Speisekarte angeboten, aber vom Bedienungspersonal nur noch in Papiertüten serviert. Der Betrieb degradiert die Hofbräuhaus-Kellner von stolzen Maßkrugträgern zu demütigen Tütenschleppern.

Jedes bayerische Volksfest hat Breznmadl, das staatliche bayerische Original-Hofbräuhaus schafft sie zum Wohl der Tüten oder der Betriebswirte ab. Traditionen werden beerdigt, Papierabfälle produziert. Kellner zwingt man zu neuen Aufgaben, obwohl sie dagegen sind.

Die Brezntüten sind wie die Wundertüten meiner Kindheit, aber offen und ohne Wunder. Kinder haben Tüten aufgeblasen und damit geknallt. Sie wurden zu Knalltüten und zu Gedankenverknüpfungen für Knallköpfe. Unter dieser in Bayern unüblichen Bezeichnung versteht man Personen mit Verstandesaussetzern, wie durch einen lauten Knall, der kopflose, unüberlegte Handlungen bewirkt. So jemanden nimmt man als ungeschickt, einfältig oder wenig intelligent wahr.

Im Gegensatz dazu wird das Hofbräuhaus von Geistesgrößen um eine Sensation bereichert.

Die Brotkörbe waren gestern.
Den Papiertüten gehört die Zukunft.

Niemand wundert sich über den Inhalt oder über die Fragwürdigkeit der Papierverwendung und Abfallerzeugung.

Die Touristen freuen sich über die großen Tüten für die Riesenbrezn. Sind sie doch leicht transportierbar und können sie doch als Souvenir mit vertrocknetem Inhalt den staunenden Daheimgebliebenen präsentiert werden? Sogar Breznreste werden nicht mehr entsorgt, sondern mitgenommen.

Dass man auch mit Tüten und Resten einen Saustall auf dem Tisch veranstalten kann, ist zu vernachlässigen.

Anfänglich gab es nur Tüten für die Riesenbrezn, die kleinen Brezn servierte man in Brotkörben. Der Erfolg der Tüten war aber so groß, dass sie auch bei den kleinen Brezn eingeführt wurden.

Ein in der Speisekarte angebotener Brotkorb steht nicht mehr als Krob auf dem Tisch. Die Brezn, das Bierstangerl und die vier Pfennigmuckerl befinden sich in einer Tüte. Gespannt bin ich, wann weitere Speisenangebote folgen. Der logische Schritt bei den Speisen wären die Papierteller. An das Plastik für Besteck und Becher wage ich noch nicht zu denken. Plastik-Einmal-Maßkrüge würden die Sensation der Tüten übertreffen.

Auf die Papiertüten sind schon Maßkrüge gedruckt. Sie präsentieren sich stolz mit dem HB-Logo und dem abgebildeten Tüteninhalt, damit sein Wunder nicht geheim bleibt.

Was bislang fehlt, sind Gefahrenhinweise auf die Folgen des Knallens oder das Verbot des Aufblasens und Knallens. Es gibt schon Gäste, die sich Brezn nur deshalb bestellen, um mit den Tüten zu knallen. Das sind dann richtige Knallköpfe.

Tüten tragende Kellner für Sammelbestellungen von Riesenbrezn werden ebenfalls gesichtet. Stolz tragen sie große Tütenstapel mit Riesenbrezn durch die Schwemme. Da fragt man sich, was wohl mit mehreren kleinen Brezn passiert.

Die Antwort ist einfach. Wenn zwei Tischgäste zwei kleine Brezn bestellen, bekommen sie tatsächlich zwei Tüten. Da lässt sich der Betrieb nicht lumpen. Schließlich will man auch im Bereich der Intelligenz weltweit führend bleiben.

Die beiden Tüten sehen allerdings nach einer mehrfachen Nutzung aus. An einer sind sogar Reste eines vorherigen Quittungszettels mit einer Büroklammer befestigt. Man überlegt, ob sie aus einem Tischabfall gefischt worden ist.

Brotkörbe werden noch für die Bereitstellung von Besteck verwendet, obwohl es eingetütet wirtschaftlicher wäre. Bedenkt man die Pfützenkellner, wäre die Sauerei auf den Hofbräuhaus-Holztischen mit Papiertüten für das Besteck perfekt. Vielleicht könnte aber das Papier die Pfützen aufsaugen, die das Bedienungspersonal diskret übersieht.

Die folgende Abbildung ist leider mit einer Tischdecke privilegiert. Man erkennt die Hässlichkeit der vermutlich mehrfach verwendeten Tüte mit dem aufgetuckerten und abgerissenen Rechnungszettel.

Irgendwas scheint mit den Original-Hofbräuhaus-Brezntüten faul zu sein. Die mehrfache Verwendung würde jeglicher Hygiene in der Gastronomie widersprechen. Der abgerissene Rechnungszettel weist auf Betrug oder dessen Verhinderung hin. Im Gegensatz zu den vorherigen Breznmadl und Brotkörben werden keine Servietten zu den Brezn angeboten.

Mehrere Brezn für Stammtische oder Reservierungen wurden vor der Tütenwende auf Breznständern angeboten. Nachdem die Brot- oder Breznkörbe beseitigt worden waren, wurden die Brezen auf den Ständern auch eingetütet. Wie durch ein Wunder zeigen sie sich nur mehr verhüllt.

An Feiertagen bekommen die im Hofbräuhaus hergestellten und eingetüteten Brezn eine Spagatschleife und die Tüten den Aufdruck ihrer handwerklichen Herkunft.

Mit den Brezntüten, Wundertüten oder Knalltüten bestätigt das Hofbräuhaus wieder einmal, seinem globalen Berühmtheitsanspruch gerecht zu werden.

Dümmer geht’s immer!

Natürlich gibt es im Hofbräuhaus keine Dummheit, sondern nur andere, wundersame Formen der Intelligenz. Ebensowenig wird in der Werbung gelogen. Man verwendet nur alternative Wahrheiten oder Fakten. In diesem Sinne bietet das Hofbräuhaus ein Facebook-Video an, bei dem der Eindruck entsteht, die Brezn würden handwerklich vor Ort im Hofbräuhaus selbst hergestellt: https://www.facebook.com/reel/985840830848477.

Eine Reihe von Merkmalen belegen aber, dass es sich bei den Hofbräuhaus-Brezn um Industrie-Rohlinge handelt. Die tiefgekühlten Teiglinge sind roh gegart, vorgegart oder fertig gelaugt. Sie werden aufgetaut, selbst gelaugt und bestreut, oder kommen fertig gelaugt vom Tiefkühler in den Ofen. Es handelt sich somit nicht um Handwerksware, sondern um Industrieprodukte.

Wer anderes behauptet oder mit einem Video vortäuscht, hat selbstverständlich recht. Die Werbung erlaubt oder verzeiht alles. Nach meinen Informationen werden die Hofbräuhaus-Brezn in einem bekannten Münchner Industriebetrieb für Backwaren hergestellt.

Die Vorhaltungen der Dummheit und der Lüge in diesem wundersamen Beitragsteil beziehen sich nicht auf bestimmte Personen, sondern stellen satirische Übertreibungen zu den Sachverhalten dar. In meinen Augen haben die Brezntüten im Hofbräuhaus Auszeichnungen mit Innovations-, Ökonomie- und Umweltpreisen in der Gastronomie verdient. Schließlich vermeidet man Plastik und spart Personal.

Mit den Tüten beendet das Hofbräuhaus nur die Servier-Tradition der Brotkörbe. Diese Abschaffung steht aber in einer Reihe von Veränderungen von langjährigen Traditionen, die zum Erfolg und zur Berühmtheit beigetragen hatten, z. B.

  • Küche im Haus
  • preiswerte Mittagsgerichte
  • Speisen und Getränke am unteren Ende der Innenstadt-Preise
  • Gästebetreuung eines anwesenden Wirts
  • viele Gastkapellen auch an Wochentagen
  • einheimische Gäste nicht nur an Stammtischen
  • Tanznachmittag für Senioren
  • gemeinsames Ganserlessen an Kirchweih
  • ständig zwei Breznmadl
  • frische Handwerksbrezn
  • servierte Brotkörbe
  • vermutlich die Biermünzen

Man stellt fest: Die vielen für Einheimische und Touristen negativen Veränderungen haben Methode und dienen der preußischen Habgier. Was die Eltern für Bayern und die Welt aufgebaut haben, wird von den Kindern zerstört.

Das Hofbräuhaus schafft sich ab.

Das Bad Aloisius

Mein Aloisius-Spiel wird immer beliebter. Die Vermarktung des Aloisius macht aber vor nichts halt. Selbstverständlich gibt es eine Aloisius-Quelle, einen Aloisius-Apfel und viele mehr. Was gefehlt hat, war das Aloisius-Bad. Aber wo badet der Aloisius? Nachdem er das Hofbräuhaus seit 1911 nicht verlassen hat, kommt nur das Hofbräuhaus infrage. Jetzt bekommt man schon eine Vorstellung davon, worin der Aloisius badet. Gäste in diesem Noch-Wirtshaus dürfen sich als Kurgäste in einer Heilanstalt fühlen. Das Hofbräuhaus darf sich nach der folgenden Geschichte als Bad Aloisius oder Aloisius-Bad bezeichnen.

Nur die Lebensmittel beziehen sich auf den Münchner im Himmel, die Bildungseinrichtungen nicht, aber das Bad wiederum doch.

Neulich hatte ich mit Stefan einen wunderschönen Abend im Hofbräuhaus verbracht. Selbst waren wir gar nicht so lustig, aber drei junge Damen halfen uns bei der Gaudi. Es begann ganz harmlos. Stefan hat zu mir gesagt, dass er ohne Ankündigung kommen würde. Ich hatte nicht mit ihm gerechnet. Sogar Wolfgang hatte sich wegen einer Geburtstagsfeier abwesend erklärt. Tapfer ging ich trotzdem in die Schwemme und dachte mir: Wenn kein Bekannter kommt, werde ich beim Wolpertinger-Stammtisch Asyl beantragen. Tatsächlich blieb ich alleine.

Ich ergab mich meiner schicksalhaften Einsamkeit unter tausend Touristen und bemerkte keine Kontaktbereitschaft bei den Tischgästen. Mir bekannte Kellner grüßten mich freundlich, ein Oberkellner gab mir sogar die Hand. Das macht er übrigens immer. Für mich ist er ein Engel des Hofbräuhauses, wobei ich über das Gegenteil schon geschrieben habe.

Auf einmal setzte sich Stefan doch an den Tisch. Wir unterhielten uns prächtig, weil sich unsere persönlichen Umstände glücklich entwickelt hatten. Dann gesellten sich Carsten und Tatjana mit redseligen Verhaltensweisen zu uns. Selbstverständlich bissen wir in den süßsauren Apfel der Sprechdurchfälle (bildungssprachlich: Logorrhö) und harrten der weiteren Entwicklung. Bald waren wir aber wieder unter uns am Tischende.

Eigentlich haben Stefan und ich uns immer viel mitzuteilen. Leider wurden wir von einem unzumutbaren Trompeter der Hauskapelle wegen seiner Lautstärke ständig gestört. Im erschwert möglichen Gespräch bewegten sich meine Augen ständig auf die vorbeiströmende Touristen-Prozession. Immer habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn beim Reden nicht durchwegs anschaue, sondern meine Blicke schweifen lasse.

Ich suchte nämlich nach geeigneten Kandidatinnen für das Aloisius-Spiel. Dafür kommen nicht alle Hofbräuhaus-Gäste infrage, sondern nur diejenigen, die ich mir glücksspielhaft einbilde. Lange blieb ich erfolglos, wie meistens. Dann erbarmten sich aber zwei junge Touristinnen auf mein Angebot hin, sich zu uns zu setzen. Sie waren zum Tischgespräch bereit, und wir tauschten die üblichen Vorgehensweisen dafür aus. Eine weitere junge Dame kam hinzu.

Der Abend schritt fort. Die drei Damen hatten gegessen. Der Tisch war für meine kleine Gaudi abgeräumt. Ich bat Stefan, die Aloisius-Geschichte auf Englisch zu erzählen. Er ratterte sie mit dem Verweis auf das an die Decke gehängte Ungetüm herunter.

Jetzt kam mein Auftritt. Ich erklärte, ein großer Zauberer zu sein und die ganze Geschichte in den Händen zu halten. Das Herauspurzeln der fünf Figuren löste wie üblich großes Erstaunen aus. Sofort begannen die Damen, sie aufzustellen. Stefan bat um die nach seiner Erzählung richtige Reihenfolge, die anfänglich nicht gelang. Ich hielt ihnen mangelnde Aufmerksamkeit vor, hatte aber nicht mit den Hilfen von Stefan und der Geistesgegenwart meiner Nachbarin gerechnet.

Üblicherweise koste ich das Unvermögen der richtigen Reihenfolge aus, aber Maria Huerta aus Mexiko fand dank Stefans Hilfen bald die Lösung. Ich erzählte den geschichtlichen Hintergrund des Aloisius und verwies darauf, dass seine Identität im Hofbräuhaus noch nicht geklärt worden ist. Er sitzt nämlich in der Schwemme seit der Geschichte von Ludwig Thoma aus dem Jahr 1911 und trinkt eine Maß nach der anderen. Niemand weiß, wer er ist.

Die gescheite Maria hatte mich sofort verdächtigt. Ich stritt ab, und die Gaudi begann. Stefan bestellte drei Schnittmaß, die Kapelle kam aus der Pause zurück. Wir prosteten mit den Damen und stellten uns vor. Ich bat um ihre Namen in meinem Notizbuch, um den Abend in meinem Internetangebot zu dokumentieren.

Meine zweite Bitte galt den Fotos, die sie in der Zwischenzeit von unserer Tischgemeinschaft und den Aloisius-Figuren gemacht hatten. Dazu verteilte ich die Visitenkarte von Tivolifoto mit meiner E-Mail-Adresse. Die drei Damen versprachen hoch und heilig, mir die Bilder zu schicken.

Die Stimmung bewegte sich auf den Höhepunkt zu. In der Zwischenzeit hatte ich die Figuren an die drei Damen verschenkt – auch das hatte Stefan im Vorfeld bereits verraten. Wie üblich wählte Maria als Gewinnerin des Spiels den Genießer aus.

Und dann passierte etwas Unglaubliches. Maria spielte ständig mit ihren zwei Figuren und wollte eine am Rand des Maßkrugs befestigen. Dabei versenkte sie ihren Aloisius im Bier. Das gemeinsame Gelächter war überwältigend, die Figur schnell gerettet – ein unvergesslicher Abend im Hofbräuhaus.

Aloisius am Maßkrugrand entwickelt sich vom Hofbräu-Bier-Genießer zum wundersamen Münchner Bier-Schwimmer.

Am nächsten Morgen freute ich mich über die Erinnerung. Bemerkenswert fand ich die Vermutung von Maria, dass ich der Aloisius sei. Für künftige Aloisius-Spiele kam mir in den Sinn, einen Nachweis darüber herzustellen und mitzunehmen.

Weiter erkannte ich, trotz des dortigen Wirtshaussterbens, immer noch gerne ins Hofbräuhaus zu gehen. Solche Erlebnisse mit Touristen bestärken mich dabei.

Ober(st) vertreibt Einheimische

Gruppenweise junge Leute aus München und der Umgebung sind im Hofbräuhaus eine Seltenheit geworden. Das war nicht immer so. Mitte April ist aber noch die volksfestlose Zeit, in der junge Gäste aus dem Münchner Umland die Schwemme besuchen. Kommen sie aus dem Oberland, sind sie immer mehr in der traditionellen heimatlichen Tracht gekleidet. Solche Gruppen stellen eine Augenweide für die Touristen und damit einen Gewinn für das Geschäft im Hofbräuhaus dar.

Es stellt sich aber die Frage, ob die Geschäftsführung des privaten Gaststättenbetriebs überhaupt an solchen Gästen interessiert ist. Unter der Woche kommen sie ohnehin nicht, und an Samstagen ist die Schwemme voll besetzt. Dafür sorgen schon die ganzen Fußballfans und Tagestouristen. Deswegen meide auch ich den Besuch, obwohl an Samstagen meist zwei hervorragende Auswärts-Kapellen spielen.

Die Bezeichnung „auswärts“ steht für die mittlerweile in der Schwemme seltenen, einheimischen Musikgruppen aus Altbayern. Die Hauskapelle hat die Auftritte an sich gezogen, und der Betrieb bietet den Gästen nicht mehr die Vielfalt der heimatlichen Musikkultur an.

Ein Nebeneffekt war, dass sie Auswärts-Kapellen Gäste aus ihrem Umfeld mitbrachten. Aber auch die interessieren das Hofbräuhaus nicht. Es sind ja genügend Touristen da.

Trachtenvereine haben größtenteils eigene Wirtshäuser als Treffpunkte für Jung und Alt. Junge Leute wollen aber auch Abwechslung und Übertreibung. Mehrere Haltungen sind bei der Planung von Wochenendaktivitäten möglich:

  • „Fahr‘ma nach Minga und ins Hofbräuhaus zum Preißn-Schaugn,“
  • „Zu de Preißn in Minga und im Hofbräuhaus wolln ma ned fahrn.“

Beides ist verständlich und trifft vermutlich vielfach zu. Das Hofbräuhaus kann sich also glücklich schätzen und stolz darauf sein, wenn junge Leute in originalen Trachten aus dem Oberland kommen. Geben sie noch dazu ihre Volkstänze spontan zum Besten, dann ist der bayerische Himmel auf Erden entstanden. Selbstverständlich wird der Servicebetrieb nicht behindert. Platz zum Tanzen ist vorhanden.

Und was macht der Oberst? Wie schon so oft beobachtet, verbietet er den jungen Leuten das Tanzen, obwohl es offensichtlich nur ihn gestört hat. Er hat seine Aufgabe als Spaßverderber und Gaudikiller zur vollen Zufriedenheit aller Nicht-Anwesenden mit besonders lobenswertem Einsatz erfüllt. Es ist ein Wunder, dass ihm noch nicht die Auszeichnung „Oberster Gästevertreiber vom Hofbräuhaus“ verliehen worden ist.

Braucht man den Oberst, ist er nicht anwesend, z. B. bei den Baller-Weibern im Rahmen eines Junggesellenabschieds.
Manche Gäste bräuchten ebenfalls einen obersten Gästevertreiber wegen fragwürdiger und übertriebener Verhaltensweisen.
Niemanden stört der Tanz von Trachtenpaaren, weil er einfach zum traditionellen Heimaterleben und Festbetrieb dazugehört.
Einzelne Tanzpaare sind schön anzuschauen und bereichern den Volksfestcharakter in der Schwemme.

Das Bezahlen-Wunder

Will man im Hofbräuhaus bezahlen, bekommt man häufig nicht einfach eine Rechnung, sondern das Servicepersonal fragt, was man bestellt und verzehrt hat. Verständlich ist, dass sich Kellner nicht alle Bestellungen und gebrachten Speisen und Getränke merken können. Unverständlich erscheint allerdings, dass sie nicht für einen Gast elektronisch festgehalten werden.

Eine Ursache liegt in den langen Tischen. Unerfahrenes, oft neues Personal tippt nur die Tischnummer ein. Folglich weiß es nicht genau, wer was konsumiert hat. Notgedrungen müssen die Gäste gefragt werden. Leider ist es dann nicht möglich, einem Gast seine Rechnung zu übergeben, weil nur die Tischbestellung elektronisch eingegeben worden ist.

Verlangt man eine Rechnung, muss der Oberkellner die Tischbestellung stornieren, damit eine Einzelrechnung erstellt und übergeben werden kann. Das ist mir passiert, weil ich betrügerische Absichten in einem vorausgegangenen Bestell- und Bezahlvorgang vermutet hatte und deshalb eine Einzelrechnung verlangte. Es erfolgt aber auch in großem Stil bei Reservierungen von mehreren Tischen.

Der Gipfel der Servicewüste ist freilich, wenn ein reservierender Gast einen Fehlbetrag zahlen soll, weil nur der ganze Tisch im Kassensystem erfasst war. Eine Servicekraft drohte sogar mit der Polizei und einer Anzeige, wenn nicht alles bezahlt wird. Vermutlich hatte sich der Oberkellner geweigert, den Tischbetrag zu stornieren, und die Kellnerin musste den Restbetrag übernehmen. Dafür war sie aber selbst verantwortlich.

Übrigens handelte es sich beim Oberkellner um den Oberst. Diese wahre Service-Geschichte begann damit, dass er und das Reservierungsbüro nicht in der Lage waren, einen langjährigen Tisch den richtigen Personen für die seit vielen Jahren übliche Reservierung zuzuweisen.

Daraufhin entschuldigte er sich und stellte eine andere, besonders lange Tischreihe zur Verfügung. Diese wurde allerdings nicht gänzlich benötigt, sodass sich neue Gäste dazusetzen. Sie brachen aber bald auf und bezahlten offenbar nicht alles, was der Kellnerin entging.

Bei der Schlussabrechnung ergab sich ein Fehlbetrag im mittleren zweistelligen Bereich. Die Kellnerin verlangte das Geld zunächst von den noch anwesenden Tischgästen und dann von der reservierenden Person. Die geforderte Bezahlung wurde natürlich verweigert und löste Empörung wegen der Unverschämtheit gegenüber den langjährigen Gästen aus.

Hinzu kam, dass die Gäste nicht am Tisch bezahlen konnten, sondern zur Kasse gehen mussten, damit bereits Bezahltes aus der Gesamtrechnung gestrichen werden konnte.

Außerdem wurden statt der bestellten Getränke andere serviert. Gerne nahm man aber zweimal ein Radler statt zwei Bieren, um nicht noch länger warten zu müssen.

Bei einem Gast beschwerte sich die Kellnerin über das ihrer Meinung nach zu geringe Trinkgeld. Er begründete seine nur fünf Prozent mit dem langen Warten. Die Beschwerde der Kellnerin bewirkte wiederum Empörung wegen ihrer Unverschämtheit.

Zur Ehrenrettung des Servicepersonals im Hofbräuhaus bemerke ich, ein solches Verhalten bei meinen zwei wöchentlichen Besuchen seit vielen Jahren noch nie erlebt zu haben. Wenn Gäste zu lange auf eine Bestellung warten müssen, hat entweder das Personal oder dessen Einteilung versagt.

Womit die Problematik wieder beim Oberst liegt. Mit solcher Unfähigkeit vertreibt er langjährige Gäste, wird aber trotz seines Alters weiterbeschäftigt und nimmt Jüngeren eine Stelle weg. Ein kluger, umsichtiger und nicht obrigkeitshöriger Oberkellner weiß doch, wer wo sitzt, und korrigiert mögliche Irrtümer bei Reservierungen im Vorfeld.

Dem Betrieb selbst ist die mangelnde Anleitung und Auswahl des Personals vorzuhalten. Wenn Stammgäste von Anfängern im Hofbräuhaus bedient werden, ergeben sich Risiken, die Touristen nicht bemerken – genauso wie die Dienste einer solchen Kellnerin und eines solchen Oberkellners.

Noch riskanter ist es allerdings, wenn der Schmierfink vom Hofbräuhaus anwesend ist. Die Stammgäste tragen es ihm nämlich zu und er veröffentlicht alles. Der Betrieb kann sich wegen der einheimischen Zeugen nicht rechtfertigen. Die Vertreibung der Stammgäste wäre eine Lösung und wird offensichtlich im Hofbräuhaus schon betrieben.

Mir wird viel über das Hofbräuhaus mit oder ohne Absichten zugetragen. Ich schreibe nicht alles auf, aber eine riesige Kleinigkeit muss ich diesem Wunder hinzufügen.

Der Oberst beklagte sich über Gäste, die glauben und sich so benehmen, als ob das Hofbräuhaus ihnen gehöre. Stammgäste, regelmäßige und einmalige Gäste rufen ihm zu:

Das Hofbräuhaus gehört den bayerischen Gästen.

Es ist staatliches Eigentum und wird im Auftrag des bayerischen Volkes betrieben. Brauereidirektoren, Wirte und Angestellte haben dem Volk zu dienen. Herrschen können sie nur über privates Eigentum, und dem muss man sogar dienen, um es zu behalten. Wer diese Grundsätze missachtet, ist fehl am Platz oder Platzl.

Die wundersame Partysierung der Musik

Dieses Wunder ist so schleichend und gemein, dass das zugehörige Wort in der deutschen Sprache nicht existiert, aber jeder weiß, was gemeint ist. Auf dem Oktoberfest hat der Schmarrn auch mit ein paar deutschen Schlagern und internationalen Werken angefangen. Langsam und schleichend wurde die traditionelle Blasmusik in den Bierzelten verdrängt, bis die Gäste nur mehr Partymusik verlangten. Bestes Beispiel war die Vertreibung der Kapelle Josef Menzl im Bräurosl-Festzelt.

Heute muss die veranstaltende Stadtverwaltung den Wirten vorschreiben, dass mindestens bis Mittag und in den frühen Nachmittag hinein heimatliche Blasmusik gespielt wird. Dann beginnt der schrittweise Übergang zum Partyschmarrn. Am Nachmittag und spätestens ab 18:00 Uhr bieten die Festkapellen nur mehr modernere Stimmungslieder und Partymusik an.

So tief sind Hofbräuhaus-Musikanten zwar bisher nicht gesunken, aber die Anfänge sind wahrzunehmen. Man fragt sich, was etwa Tulpen aus Amsterdam, Ice Cream oder das italienische Schusterlied mit dem Hofbräuhaus zu tun haben. Verständlicherweise gefällt „O sole mio“. Es ist international bekannt und bewirkt großen Applaus, aber der Spielort Hofbräuhaus verliert seine landestypische Eigenheit.

Wenn nur zum Gefallen von Touristen gespielt wird, geht die heimatliche Identität verloren. Die Reiseziele werden beliebig austauschbar. Man braucht nicht mehr nach München und ins Hofbräuhaus zu gehen oder zu fliegen, sondern gleich auf den Ballermann. „Schatzi schenk mir ein Foto“ ist einer der bekanntesten Ballermann- und Partyschlager-Hits und war schon in der Schwemme zu hören.

Das Repertoire der Hauskapelle wird wegen der Austauschbarkeit der Musikanten und wegen des Spiels ohne Noten nicht erweitert. Es werden keine neuen Stücke einstudiert. Einige bekannte Münchner und bayerische Titel sind nicht zu hören, z. B. das Isarmärchen oder „’s boarische Bier“. Gastkapellen bieten solche heimatlichen Volkslieder an, obwohl sie für Blaskapellen eher ungewöhnlich sind.

Gastmusikanten zeigen, dass man mit heimatlichen Werken, ohne internationale Stimmungs- und Schlagermusik, das Publikum begeistern kann. Die Hauskapelle entwickelt sich nach meiner Meinung und Wahrnehmung inhaltlich nicht weiter, spielt aber die Klassiker der Blasmusik hervorragend und ohne Noten.

Oberkrainer-Musik im Biergarten

Eine formale Weiterentwicklung findet gelegentlich statt: die Übertreibung der Lautstärke und der Geschwindigkeit. Nach der Wahrnehmung von etlichen regelmäßigen Gästen ist das Problem im Spiel eines antreibenden, lauten Trompeters begründet. Allerdings ergibt sich teilweise Gästezuspruch. Gespräche werden hingegen erheblich eingeschränkt oder verhindert. Das Hörvermögen wird geschädigt.

Weist man den Verursacher nicht in Schranken, steigert er vermutlich die Lautstärke und das Tempo weiter. Das wäre auch eine Art, Gäste zu belästigen und zu vertreiben. Gegen einzelne akzentuierte Schlusstöne ist ja nichts einzuwenden, aber ständige Übertreibungen stören.

Der Musikant ist Mitglied der Hauskapelle, spielt aber mit einer eigenen Kapelle Oberkrainer Musik. Erwischen internationale Gäste so einen slowenischen Hofbräuhaus-Abend, haben sie Pech gehabt. Es wird nämlich keine traditionelle, heimatlich bayerische Blasmusik angeboten, sondern sudslawischer, scheinbar volkstümlicher Kommerz.

Die Unterhaltungsindustrie hat den Oberkrämer-Stil erfunden. Das Hofbräuhaus wird zum volksdümmlichen Musikantenstadl ohne echte überlieferte, regional passende Volksmusik. Der Stil gehört zwar zur alpenländischen Volksmusik, aber nicht in Richtung Böhmen.

Die Oberkrainer Musik erfordert hohes spielerisches Können, passt jedoch für einen gesamten Abend nicht ins Hofbräuhaus oder in ein altbayerisches Wirtshaus. Gäste wollen bayerische Musik und keinen slowenischen Abend mit Neigungen zu volkstümlichen Schlagerklängen.

An einem solchen Abend gibt es in der Schwemme viele Pausen und eine übertriebene elektronische Verstärkung. Blasmusikklassiker und konzertante Angebote sind nicht zu hören. Bei den Stücken ist eine ständige Wiederholung wahrzunehmen. Man glaubt, immer dasselbe zu hören.

Durch die hohe Lautstärke, die ständigen Wiederholungen und die kommerzielle Unterhaltung werden traditionsbewusste Gäste belästigt, und die Schwemme wird leergespielt.

Oberkrainer Musik gehört nicht
zur Bayerisch-Böhmischen Blasmusik.

Hätte ich gewusst, was gespielt wird, wäre mir der Oberkrainer Abend erspart geblieben. Aus dem Hofbräuhaus-Internet-Programm, war aber nur die Hauskapelle ersichtlich. Das Programm ist übrigens mit dem WLAN des Hofbräuhauses bei etlichen Handys nicht abrufbar. Es zeigt sich nur der Hinweis auf eine unsichere Verbindung.

Häufig weicht die tatsächliche Abendkapelle vom veröffentlichten Programm ab. Bei der Auswahl der Kapellen und der Musikanten kann sich das Hofbräuhaus erheblich verbessern und die monatlichen Programme wie vor Corona anbieten.

Zwischendurch stelle ich fest: Meine Meinungen und Wahrnehmungen haben nur einen persönlichen, keinen allgemeinen Anspruch. Jeder Gast hat andere musikalische Vorlieben, Vorkenntnisse und Ideale. Spielen viele Musikanten in wechselnden Zusammenstellungen, erkennen regelmäßige Gäste ideale Besetzungen für einzelne Instrumente und diskutieren sie mit verschiedenen Meinungen in den Tischgesprächen. Bei bestimmten Formationen bemerkt man eine besondere Passung mit gefälligem Repertoire.

Die Notwendigkeit meiner Kritik ist bedauerlich, weil ich die mir bekannten Mitglieder der Hausapelle schätze. Sachliche Kritik und Lösungsvorschläge sind aber hilfreich, sonst ist Folgendes zu befürchten:

Die Hauskapelle macht sich überflüssig,
ist zu ersetzen und zu erpressen.

Was passiert, wenn der Touristenstrom ausbleibt, der Privatbetrieb abgelöst oder gar das Hofbräuhaus privatisiert wird? Die ersten Schritte mit Traditionsbrüchen sind bereits gemacht. Gespannt bin ich, wann die Hauskapelle durch einen Blasmusik-DJ abgelöst wird. Anfänge sind schon mit der Reduzierung der Musikantenzahl im Januar 2026 versucht worden.

Bei den gegenwärtigen Preissteigerungen und Servicekürzungen ist zu befürchten, dass der Betrieb die absurde Möglichkeit mit DJs oder Alleinunterhaltern aufgreift, so wie mit der Abschaffung der Breznmadl. Das Einsparpotenzial beträgt vermutlich bis zu eine Million Euro jährlich. Die Betriebswirte würden mit dem Münchner im Himmel frohlocken.

Das Hofbräuhaus gehört als Wirtschaftsunternehmen des Freistaats Bayern zum Finanz- und Heimatministerium und wird von einem privaten Gaststättenbetrieb bewirtschaftet. Beide lassen die schleichende Partysierung zu und fördern sie sogar aus Umsatzgründen. Damit schaden sie in Wirklichkeit der heimatlichen Musik- und Wirtshauskultur.

Der Betrieb und die übermächtige Hauskapelle dulden nur mehr wöchentlich drei Gastkapellen, wobei nur eine an den überfüllten Abenden der Samstage spielt. Vor Corona waren es sechs Kapellen aus Bayern und Tirol. Gespielt wurde Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend sowie an den Mittagen von Freitag bis Sonntag.

Den Touristen fällt das nicht auf, aber den regelmäßigen Gästen aus München und Bayern. Sie vermissen diese Termine der Gastkapellen und werden unter anderem wegen der zurückgehenden heimatlichen Angebote immer weniger – um nicht zu schreiben: Sie werden vertrieben. So bin ich auch an den Samstagabenden vertrieben worden, obwohl sie die einzigen Abende mit einer Gastkapelle sind.

Die Gründe waren aber nicht die Musikanten, sondern die Überfüllung mit den unvermeidlichen Fußball-Grölern, Masskrug-Klopfern und weiteren Gäste-Übeln. Die Hauskapelle weiß, warum sie den Samstagabend meidet, belegt aber alle anderen Abende mit wenigen, meist feiertäglichen Ausnahmen.

Mir ist bewusst, dass ich mit der Musikkritik immer wieder dasselbe schreibe, aber man kann diesen Heimatverrat den Verantwortlichen nicht oft genug vorhalten. Vielleicht kapieren es die Schreibtischtäter in den Behörden und die Schein- oder Betriebswirte im heimischen Fernsehsessel endlich.

Regelmäßigen Gästen fehlt noch ein weiteres Problem der formalen Weiterentwicklung auf: die Untertreibung. Selbstverständlich ist die Musik der Hauskapelle hervorragend und wunderbar, aber nur, wenn sie spielt. Schleichend verbreiten sich manchmal Viren, mit den Namen Antriebslosigkeit und Erschöpfung. Es ist ja auch kein Wunder, wenn man immer dasselbe spielt. Das Wunder geht sogar so weit, dass Gäste anfangen, Videos der Pausen aufzunehmen und bei Facebook zu posten, z. B. https://www.facebook.com/reel/28069927832607509.

Die wunderbare Vorbeugung oder Lösung dieser Problematik heißt ganz einfach wieder ein monatlich festes Programm mit sechs Gastkapellen wie vor Corona. Diese freuen sich auf einen Auftritt im Hofbräuhaus und sind motiviert für begeisterndes Musizieren. Einzelnen Mitgliedern der Hauskapelle merkt man hingegen immer öfter an, dass sie nur wegen des Geldes spielen.

Mehr Gastkapellen würden die musikalische Vielfalt stärken, einheimische Gäste mitbringen und alle Regionen Bayerns vertreten, wie es sich für ein Wirtschaftsunternehmen des Freistaats Bayern gehört.

Verwunderlich ist neben der schleichenden Anpassung der Hauskapelle an Stimmungs- und Schlagermusik das Verbot der Bayernhymne am Musikschluss. Statt einer würdigen bayerischen Beendigung präsentiert die Hauskapelle das deutsche Soldatenlied „Lili Marleen“. Den bayerischen Patrioten graust’s.

Ende des Hofbräuhaus-Abends mit Lily Marleen. und der besten Trompeterin

Bei den Ausführungen zur Hauskapelle ist fairerweise dazuzuschreiben, dass in der Regel heimatliche und konzertante Stücke mit hervorragender Interpretation angeboten werden. Internationale Stimmungsmusik und Schlager sind noch Ausnahmen.

Auch bei der Anstrengungs- und Spielbereitschaft sind wie so oft nur einige schwarze Schafe zu kritisieren. Die Mehrheit spielt engagiert und großartig, aber mit den Übertreibungen eines Trompeters. Außerdem sind unterschiedliche Befindlichkeiten, Stimmungen und Bedingungen wie Hitze, Kälte und wechselhafte Publikumsresonanz zu berücksichtigen. Wiederholungsermüdungen mit vielen Pausen werden mit mehr Gastkapellen vermieden.

Den Vogel hat das Hofbräuhaus freilich mit dem sogenannten Heidifest für einen Primitivsender im Fernsehen abgeschossen. Da fällt mir nur eine Textzeile von Udo Lindenberg aus dem Jahr 1983 ein:

„All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen.
Dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen.“

Gemeint war der Republikpalast in der DDR. Der staatliche bayerische Bierpalast Hofbräuhaus in München ist auf dem besten preußisch-sozialistischen Weg der Ausbeutung, Bevormundung und Gleichmacherei.

Gute Nacht, schönes Bayernland!

Ned gschimpft is globt gnua

Wer das Bisherige gelesen hat, bemerkt, dass man im Hofbräuhaus vor lauter Wunder aus dem Staunen und Sich-Wundern nicht mehr herauskommt. Man fragt sich, warum der Autor überhaupt ins Hofbräuhaus geht, wenn er doch so viel schimpft. Die Antwort ist ganz einfach: Ich schimpfe nicht, sondern verstehe mich als Grantler.

Dabei handelt es sich um eine altbayerische und münchnerische Tradition. Meine Grundstimmung ist aber nicht mürrisch, sondern heiter. Ich genieße es, zu granteln. Kann man sich über etwas nicht aufregen, dann taugt es nichts. Ein Grantler geht gerne dorthin, wo er granteln kann.

Was habe ich schon über das Essen im Hofbräuhaus geschimpft! Nichts wurde ausgelassen. Sogar meine bevorzugten Gerichte bezeichnete ich abfällig, z. B. die Sauerei mit den Schweinswürstl. Jetzt wird es Zeit für ein Lob. Ich genieße die Gulaschsuppe. Sie hat viele Fleisch- und Kartoffelstücke, ist würzig im Geschmack und verhältnismäßig preiswert.

Bei der Pfannkuchensuppe handelt es sich um eine schmackhafte Rinderbrühe mit reichlich, lockeren Streifen und viel Gemüseeinlage. Leider werden beide Suppen nur mit einem auf dem Unterteller beigelegten Löffel und ohne eine Serviette serviert. Jedes Mal entstehen die Kosten eines Papiertaschentuchs, das den Luxuspreis von 7,50 € zusätzlich steigert. Schmeckt mir etwas, nehme ich die Preise der gehobenen Gastronomie aber gerne in Kauf. Die Touristen bemerken ohnehin nicht, welche Luxusgerichte sie verspeisen.

Bevor ich über das Speisenangebot im Hofbräuhaus ins Schwärmen komme, verweise ich lieber auf den Untergangs-Beitrag mit dem Teil Angebote und Preise. Dort gibt es so klangvolle Gerichte wie den Münchner Würstlwucher und die Currywurst mit Pommes. Schon hat mich der Grantler wieder erwischt: Das traditionelle, originale, bayerische Hofbräuhaus wird zur preußischen Pommesbude.

Zu den Speisen-Wundern kommen die Servieren-Wunder hinzu. Eines von ihnen habe ich bereits gebührend gewürdigt: den Pfützenkellner. Das ist aber bei Weitem nicht alles Wundersame im Rahmen der Servierkünste. Man erlebt:

  • Wegschau-Kellner
  • Daneben-Abstell-Kellner
  • In-die-Hand-Servieren-Kellner
  • Nicht-Abräum-Kellner
  • Tritschl-Kellner
  • Platzier-Kellner

Eine neue Spezies erobert das Hofbräuhaus: die Warme-Maßkrug-Kellner. Sie bemerken ihre Missetaten, weil sie die Maßkrüge an den warmen Henkeln anfassen, scheinen das aber für typisch bayerisch zu halten. Andere sind Heiße-Teller-Kellner und warnen wenigstens beim In-die-Hand-Servieren. Einige schocken ihre Opfer aber zu deren Verwunderung.

Der wundersamste von allen zwingt seine Gäste, das Essen für die Kartenzahlung am Stationstisch zu unterbrechen, weil sein Dienst beendet ist.

Jetzt höre ich aber auf, über die Wunder-Kellner vom Hofbräuhaus zu schreiben. Ich mag sie nämlich ganz gerne. Noch lieber sind mir die freundlichen Kellnerinnen und natürlich die wunderbaren Oberkellner, mit der verständlichen Ausnahme vom Oberst. Hervorzuheben ist ein Oberkellner, der die ihm bekannten regelmäßigen Gäste immer mit einem Handschlag begrüßt. Ich danke für diese Freundlichkeit und wünsche großen Erfolg auf dem beruflichen Weg.

Besonders danke ich den Oberkellnern, die den Münchner Tisch 35 für regelmäßige Münchner Gäste von Reservierungsschildern freimachen und einmaligen Gästen andere Tische zuweisen. Regelmäßige Gäste bekommen so ihren gewohnten Platz ohne eine unbayerische Reservierung. Im Rahmen der bayerischen Wirtshauskultur gilt das Dazusetzen, aber nur, wenn man grüßt und fragt. Das einfache, ungefragte Dazuhocken in der Hofbräuhaus-Internet-Werbung kann nur einem Preußen-Hirn entsprungen sein.

Am wichtigsten im Hofbräuhaus sind natürlich die wunderbaren Gäste. Dazu erzähle ich eine kurze Geschichte: Die jungen Frauen und ich hatten ausgetrunken. Mein Paprika-Speck war von den Tischnachbarn aufgegessen worden. Das Brotzeitbrettl, das Bayernbanner und der Maßkrugdeckel waren schon in der Fototasche verstaut. Die vier Tischnachbarn hatten sich bereits verabschiedet. Dann erklärte mir der Kellner bei der Rechnung, dass eine Maß Bier schon von den Tischnachbarn bezahlt worden war. Ich freute mich, konnte mich aber leider nicht mehr bedanken. Mit diesem Beitrag hole ich den Dank nach.

Die Gründe für meine vielen Hofbräuhaus-Besuche sind schnell erklärt. Ich schätze die mir bekannten, ohne Verabredung anwesenden Gäste, freue mich über neue, die vielleicht wiederkommen, und über alle, die nicht mehr kommen, weil sie bestimmt etwas Besseres gefunden haben. Weiter genieße ich die musikalische Unterhaltung und lasse mir das hervorragende Hofbräu-Bier schmecken. Die Tischgesellschaft mit Touristen gefällt mir. Das Granteln, Fotografieren und Schreiben sind gar nicht so wichtig.

Den Schluss meiner Wunder bildet das Wunder vom Luxus-Häusl. Nach dem Häusl-Skandal überrascht das Hofbräuhaus mit einem luxuriösen Häusl-Palast, der sicherlich nicht vom vorübergehenden, knickrigen und habgierigen Betrieb, sondern von den Volksvertretern des Freistaats Bayern im Blick auf die Zukunft finanziert worden ist. Allen Beteiligten rufe ich zu:

Es kann nur besser werden. Vielen Dank!

2 Kommentare

  1. Lieber Sepp,
    vielen Dank für den Text, der mir aus der Seele spricht.
    Ja, das Hofbräuhaus könnte ein Paradies sein, wenn man es vernünftig führen würde. Wo bleibt da der Freistaat Bayern, der sich sonst so viel auf sich selber einbildet. Als Eigentümer könnte er das Lokal geradezu zu einem gesuchten Konzertboden für Blasmusik-Kapellen aus ganz Bayern machen.
    Vor Jahren saß ich einmal an einem Tisch mit Blasmusik-Liebhabern aus Italien und aus Frankreich. Die sind – erklärtermaßen – eigens wegen der Musik-Kapellen ins Hofbräuhaus gegangen. Nicht unbedingt wegen des Biers… Und heute? Nur noch die Hauskapelle – was für eine verschenkte Chance!
    Lieber Sepp, Du beschreibst das HB-Trauerspiel so treffend, dass es fast schon wieder schön ist. Großes Kompliment an den Chronisten des Niedergangs!
    Herzliche Grüße
    vom Franz,
    der leider vor lauter Golfspielen viel zu selten ins HB kommt, um Dich zu trösten.

    • Lieber Franz,
      vielen Dank, dass Du meine sachliche, konstruktive und teilweise satirische Kritik bestätigst. Dem Hofbräuhaus und der Hauskapelle ist natürlich zugutezuhalten, dass sie immer noch ein vermutlich weltweit einmaliges Blasmusikangebot betreiben – allerdings mit mangelnder Vielfalt. Ich wünsche mir als „Chronist des Niedergangs“, zum Aufschwung beizutragen. Dir wünsche ich mehr Besuche im Hofbräuhaus, um unsere gemeinsamen Anliegen zu fördern.
      Herzliche Grüße
      Sepp

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