Altbayerische Onlineschau zwischen Gaudi und Grant

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Inhalt
Nach „das Letzte“ im Titel meines vorherigen Beitrags mit Geschichten aus dem Hofbräuhaus muss natürlich die Berichtigung mit „das Neuste“ folgen. Ansonsten glaubt noch jemand, dass ich nichts mehr schreibe. Wer sich kritisiert fühlt, dem wäre das vielleicht ganz recht. Wahre „Geschichten aus dem berühmtesten Wirtshaus der Welt“, dürfen der Öffentlichkeit aber nicht vorenthalten werden.
Ich behaupte sogar, dass es ein Glücksfall ist, wenn diese von einem Gast kommen und nicht im Werbesinn vom Betrieb, der das Letzte aus dem Hofbräuhaus herausholen will. Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, die Staatliche Brauerei Hofbräuhaus München und private Pächter betreiben schließlich einen gastronomischen Superlativ mit weltweiter Einmaligkeit.

Die Bruttoeinnahmen sollen möglichst so wie in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt werden. Zur Umsatzsteigerung dienten wirksame, öffentliche Aktionen, aber auch kleine Schmankerl wie Medienberichte und ein Buch. Die Werbetexterin und Autorin, Annette von Altenbockum, veröffentlichte 2008 im Prestel Verlag „Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze“. Dieses reich bebilderte, unterhaltsame und informative Werk wird im Internet antiquarisch und bei Amazon nur mehr gebraucht angeboten.
Danach gestaltete das Hofbräuhaus von Januar 2009 bis Februar 2017 einen Podcast mit 185 etwa zehnminütigen Folgen.
Podcasttitel: Geschichten aus dem berühmtesten Wirtshaus der Welt
Sprecher war Tobias Ranzinger, der Ansprechpartner für Medienanfragen im Hofbräuhaus, Fernsehmoderator und Journalist. Er nannte sich Stammgast Michl und interviewte verschiedene Gäste bei Stammtischgesprächen.
In der ersten Folge hörte man das Märchen von den einheimischen Gästen aus München mit 120 Stammtischen und über 3500 registrierten Stammgästen. Märchen beinhalten ja bekanntlich wunderbare Begebenheiten. Bei diesen Zahlen wurden aber offenbar alle seit vielen Jahren aufgelösten Tische und bereits verstorbenen Gäste mitgerechnet. Der Podcast-Anfang bezog sich auf den Musikantentreff mit Franziska Eimer, die letzte Folge auf Faschingsveranstaltungen mit André Hartmann als Herzog Kasimir von den Damischen Rittern.

Am jeweiligen Ende einer Podcast-Folge stellte der Michl eine leichte Frage zum Inhalt, die per E-Mail zu beantworten war. Unter den eingesandten Antworten wurden fünf Bierzeichen verlost. Alle Folgen konnte man im Internetangebot des Hofbräuhauses anhören und downloaden. Ich verfüge über den gesamten Podcast, verlinke ihn aber selbstverständlich nicht öffentlich. Die private Weitergabe wäre hingegen bei Anfragen möglich. Öffentlich sind die Folgen 132 bis 185 bei Listen Notes verlinkt.
Leider sind diese sachlichen und humorvoll präsentierten Geschichten im derzeitigen Internetangebot des Hofbräuhauses nicht mehr zu finden. Bei aller Werbeabsicht des Sprechers waren doch viele interessante Informationen beinhaltet. Beispielsweise erfuhr man in der ersten Folge, dass das Schild über dem Musikanteneck vom Bildhauer und Schauspieler Kurt Mergenthal stammt. Eine Seite mit den Themen, den Namen der Gesprächspartner und den 185 Links wäre kein besonderer technischer Aufwand.

Insgesamt entwickelte sich das Internet mit der Homepage des Hofbräuhauses, Wikipedia und den Suchmaschinen zur wichtigsten Informationsquelle. Derzeit bietet der Betrieb neben der Homepage kurze Beiträge mit Fotos bei Facebook und Instagram an. Sie werden vielfach gelikt, geteilt und mit spracharmen Kommentaren aus der ganzen Welt versehen – so wie es sich für eine internationale Berühmtheit gehört.

Die scheinbar werbewirksamen Artikel sind weniger arbeitsaufwendig und preiswerter als ein eigener Blog. Das Facebook-Angebot entspricht aber nicht der Einmaligkeit des berühmtesten Wirtshauses der Welt, weil es viele andere auch so machen. Außerdem muss man sich bei den Diensten anmelden und sich deren Geschäftsbedingungen mit Werbung und Zensur unterwerfen. Immerhin macht es das Hofbräuhaus geschickter als die anderen, hat aber auch durch Tradition, Berühmtheit und prominente Gäste die besseren Voraussetzungen.

Dann gibt es noch das kleine gallische Dorf mit dem Namen Tivolifoto München. Vermutlich befindet sich dort die weltweit größte Fotosammlung mit gelegentlich galligen, aber immer humorvoll gemeinten Texten über das Hofbräuhaus. Man erlebt das berühmteste Wirtshaus der Welt aus der Sicht eines Gastes mit bislang 284 Besuchen seit 2016. Die Onlineschau beinhaltet
Meist sind es nur übermütige, junge Männer: Einer aus dem Saufgelage fängt an, die anderen Burschen machen mit. Maßkrugklopferinnen erlebt man äußerst selten. Kinder lieben allerdings die Lärmerzeugung mit Gläsern, Krügen und Besteck, weil ihnen der Aufenthalt am Biertisch in der Regel langweilig ist. Sie können sich aber nicht wehren und müssen sich dem Zwang der Eltern fügen.
Werden solche Kinder erwachsen, genießen sie endlich die Freiheit des Lärmens. Dazu benutzt man gelegentlich die Fäuste oder Handflächen statt Maßkrüge. Klatschen ist ja eine gesellschaftliche Übereinkunft für den Beifall oder ein Beitrag zum Rhythmus der Musik. Man kann aber auch auf den Tisch hauen und damit andere Gäste belästigen. Das macht niemandem etwas aus, sonst wäre man doch nicht ins Hofbräuhaus gegangen. Außerdem kann der Rhythmus vernachlässigt werden.
Hauptsache: laut, die Aufmerksamkeit erzeugt, die Ruhe gestört

Für Verursacher der Klopfkunst ist das Maßkrugklopfen schließlich ein Grundrecht und eine Gaudi. Möglich ist einhändiges oder beidhändiges Klopfen mit und ohne Verwendung des Henkels. Die teilweise über hundertjährigen Tischplatten aus Holz sind in Verbindung mit dem Glas und Inhalt der Maßkrüge ein wohlklingender Klangkörper. Da kommt doch kein Schlagzeug hin. Nicht nur der Tisch, sondern die ganze Umgebung wird beschallt. Möglichst viele Gäste sollen sich doch am Klopfen erfreuen.

Besonders schön ist es, wenn gleich die ganze Tischgemeinschaft beim Klopfen mitmacht, z. B. sechs bis acht betrunkene Burschen an Wochenenden aus dem Landkreis und an Feiertagen aus Italien. Asiaten hört und sieht man selten beim Klopfen, weil sie sich wie alle vernünftigen Gäste auf Klatschen beschränken. Für Maßkrugklopfer sind passende Gesänge das höchste der Gefühle. Möglichst sollen es aber Texte sein, die nicht mit der Musik der Kapelle übereinstimmen, z. B. Sauflieder, Fußballgeplärre, Nazihymnen.
Verbotenes politisches und falsch verstandenes sportliches Maßkrugklopfen
Ich habe solche faschistischen Gesänge von Fans des Fußballklubs Lazio Rom am Montag, dem 4. März 2024, selbst erlebt. Der verwerfliche Hintergrund wurde mir aber erst durch Medienberichte bewusst. Typische Schreier und Klopfer sind nämlich mittlerweile gut getarnt und sehen nicht mehr wie Neonazis aus.

Vergleichbares gilt für die Football-Party der Tampa Bay Buccaneers und die Basketballfans von Partizan Belgrad im Hofbräuhaus. Wer den Saustall miterlebt hat, muss sich schämen für solche Geschäftsinteressen mit Sport-Chaoten. Das hat mehr mit Habgier als mit bayerischer Art und Gastfreundschaft im Wirtshaus zu tun.
Europäische Sportwettkämpfe in München sind verständlich. Es stellen sich aber einige Fragen.
Das ist politisches Maßkrugklopfen und verdrängt einheimische Gäste im staatlichen Hofbräuhaus. Geht es denn nur noch ums Geldverdienen oder soll der Freistaat Bayern mit dem staatlichen Wirtshaus ein Angebot für seine Bürger machen?
Maßkrugklopfen ist Gewaltausübung auf das gesamte Umfeld.
Neue Nazis geben sich inzwischen als gutbürgerliche Parteigänger, die äußerlich nicht mehr auffallen und wie im Dritten Reich in die Parlamente einziehen. Dort setzen sie dann das Klopfen mit polternden Reden, Schimpfkanonaden und Beleidigungen fort. Die akustische Gewalt des Klopfens im Wirtshaus wird mit Gewalt auf der Straße weitergeführt und endet im Krieg, wenn sie nicht bekämpft und verhindert wird.
Feind der Maßkrugklopfer im Hofbräuhaus ist der Sicherheitsdienst, der meist aber nur vor der Tür steht oder nur zögerlich einschreitet. Wenige, mutige Gäste trauen sich, dagegen zu protestieren. Bedienungspersonal und Oberkellner verhalten sich unterschiedlich, um nicht zu sagen diplomatisch. Schließlich haben diese missratenen Gäste eine gute Zeche gemacht und noch nicht bezahlt. Eine Person mit Gesamtverantwortung für das Gästewohl gibt es im Hofbräuhaus nicht. Das ist praktisch, weil niemand als zuständig gilt und die Schuld immer auf andere geschoben werden kann.
Störer sind leider nicht die Ausnahme in der Schwemme.
Neulich zeigte ich einem Maßkrugklopfer in der Nähe mimisch und gestisch mein Missfallen. Allerdings wurde er dadurch motiviert, noch mehr zu klopfen, zu pfeifen und zu schreien. Seine Tischgenossen machten es ihm nach. Die Störer waren in der gesamten hohen Schwemme zu hören. Weil das Personal nichts unternahm, bat ich unseren Kellner, für Ruhe zu sorgen. Er teilte dem Tisch meine Beschwerde mit, der Lärm ging aber weiter. Anscheinend machte es den Lärmverursachern noch mehr Spaß, weil sie wussten, dass ihre Provokation ankam.
Der störende Oberklopfer ließ mir vom Kellner eine Freibiermaß auf den Tisch stellen. Ich lehnte sie ab, zahlte und ging meine Wege. In jedem anderen Wirtshaus wären die Störer verwiesen worden und hätten aufbrechen müssen – nicht so im Hofbräuhaus. Andererseits sind Störer wichtige Gäste, damit man sich über sie aufregen kann. So ein Grant fördert dann den Bierumsatz – genauso wie das Prosit der Gemütlichkeit von der Blaskapelle.
Bergsteiger steigen auf Berge, Banksteiger auf Bänke.

Handelt es sich um Bierbänke, werden sie mit der Absicht des Jubelns, Klatschens oder Tanzens auf denselben erklommen. Jetzt hat die Schwemme des Hofbräuhauses keine Bierbänke mit einem Metallgestell, sondern Bänke mit Rückenlehen aus Holz. Hinaufsteigen ist möglich, Tanzen weniger. Meist reichen Klatschen und rhythmische Bewegungen auf der Bank aus. Banksteigen breitet sich blitzschnell wie eine Seuche aus: erst eine Person, dann die ganze Bank, die Nachbarbank und schließlich der ganze Raum.
Das erlebt man zumindest in Festzelten, wenn die lahme, alte Blasmusik vom Nachmittag zur flotten, jungen Partymusik am Abend wechselt. Gerne wird die Schwemme des Hofbräuhauses mit einem Bierzelt verwechselt. Das Banksteigen oder Banktanzen mit dem Beginn der Partymusik ist für junge Leute zur Pflicht geworden. Dabei machen auch Damen mit, die sich in der Schwemme eher zurückhalten und in der Minderheit sind. Vielleicht kapieren sie leichter als ihre männlichen Begleiter, dass sich solcher Unsinn im Wirtshaus trotz oder wegen der Blasmusik nicht gehört.
Leider versuchen Innenstadtwirte mit der sogenannten WirtshausWiesn, die Grenzen zwischen Festzelt und Wirtshaus zu verwischen. Das verstand man ein wenig während der pandemiebedingt ausgefallenen Oktoberfeste in den Jahren 2020 und 2021. Danach wurden diese habgierigen Übertreibungen beibehalten.

Außerhalb der WirtshausWiesn soll es im Hofbräuhaus auch schon Amazonengruppen mit Bankbesteigung gegeben haben. Diese erobern die Schwemme bevorzugt an Samstagen und tarnen sich beispielsweise als Ausflüge von Betrieben oder Abschiede von Junggesellinnen. Unbedingt wollen sie auf sich aufmerksam machen und genauso berühmt werden wie das Hofbräuhaus. Gemeinsam mit männlichen Feier-, Lärm- und Sauf-Chaoten bewirken sie, dass normale Gäste die Schwemme an Wochenenden, Feiertagen und zur Oktoberfestzeit meiden.
Die männlichen, weiblichen und diversen Bankbesteiger sind mit den Maßkrugklopfern verwandt oder haben zumindest eine Gesinnungsgemeinschaft, indem sie stören – allerdings nicht beim Geldverdienen. Bedienungspersonal und Oberkellner fühlen sich als nicht zuständig. Der Sicherheitsdienst steht vor der Tür. Gelegentlich holt er Bankbesteiger von den Bänken, was ihm aber sichtlich unangenehm ist. So wie das Bergsteigen ist das Banksteigen nicht ganz ungefährlich. Das Internet ist voll mit rechtlichen Beiträgen zum Bierbanktanz.
Kein Anspruch auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld beim Sturz von der Bank
Zur üblichen Feierlaune im Hofbräuhaus gehören das Mitsingen, Klatschen und Zuprosten. Bewegungsfreude bereitet die, leider nur selten gespielte, Auf und ab Polka, bei der Musiker und Gäste langsam aufstehen und sich dann wieder hinsetzen. Gefallen Musikstücke besonders gut, stehen Gäste vom Sitzplatz auf und Singen oder Klatschen mit. Das Maßkrug-Schwenken im Stehen gehört auch zur Lebensfreude. Mit dem Tanzen in der Schwemme wird es problematisch. Auf den Bänken wird es unterbunden, in den Gängen eher geduldet, wenn es nicht übertrieben wird oder zu sehr stört.

Dann gibt es noch Sonderformen des Banksteigens für den Gang zur Toilette oder zum Rauchen. Wegen der langen Bierbänke müssen Gäste häufig aufstehen, damit andere den Tisch verlassen können. Über diese Möglichkeit der kurzzeitigen Bewegung sollte man sich eigentlich freuen. Trotzdem fühlen sich manche gestört. Banksteiger wissen das und verlassen den Tisch mit schnellen Schritten auf der Bank, im Rücken der Sitzenden.
Sonderform: Sitzplätze mit Banksteigen verlassen
Meist rutschen diese ein wenig nach vorne und bieten ihre Schultern zum Abstützen an. Diese Vorgehensweise ereignet sich oft, wenn sich die Gäste kennen, eher jung sind und bereits einiges an Bier genossen haben. Ältere Herrschaften reagieren in der Regel ablehnend und stehen lieber auf, damit der Tisch verlassen werden kann.

Neben den Gefahren der Akrobatik des Banksteigens ergeben sich Probleme mit der Reinlichkeit der Sitzfläche. Wer die Bank mit Steigen verlässt, hat meist trockene Schuhsohlen. Dies ist nach der Rückkehr von den Toiletten vielfach nicht mehr der Fall. Dabei handelt es sich nicht nur um Wasser.
Aber was nimmt man für so einen Besuch oder ein Abenteuer im Hofbräuhaus schon alles in Kauf?
Problem: Sauberkeit der Sitzflächen
Schließlich erlebt man in der Schwemme das Zusammensein mit allen sozialen Schichten. Da kann es schon sein, dass Millionäre neben Bürgergeldempfängern sitzen. Ein Stammgast beschwerte sich bei einem solchen, als dieser hinter seinem Rücken über die Bank steigen wollte. Seine empörte Reaktion war der Hinweis, dass er eine Waschmaschine zu Hause habe. Was soll man darauf erwidern?
Ganz schlimm ist es, wenn sich jemand über Kinder beschwert, die auf Bänke steigen. Da gilt man sofort als kinderfeindlicher Unmensch, weil die Schuhsohlen von Kindern bekanntermaßen niemals schmutzig werden. Außerdem können die Kinder nichts für ihren Bewegungsdrang. Als erwachsener Tischnachbar hat man gefälligst Verständnis dafür aufzubringen.
Sonderform: Kinder mit Schuhen auf Bänken

Insgesamt ist das Banksteigen in der Schwemme des Hofbräuhauses gar nicht so häufig zu beobachten. Es gehört aber zu den Verhaltensweisen von Gästen, die den Ruf des berühmtesten Wirtshauses der Welt nicht fördern. Banksteiger haben eine falsche Vorstellung von Gaudi, Tradition und Gemütlichkeit in Altbayern. Fast könnte man meinen, dass es sich bei dieser Spezies um nationale oder internationale Preußen handelt.
In manchen Messezeiten herrscht bei einigen Kellnern im Hofbräuhaus Goldgräberstimmung. Entdecken sie messeverdächtige Gruppen, wollen sie diese unbedingt in Ihrem Servicebereich platzieren. Dabei könnte es ihnen doch egal sein, weil sie in der Regel nicht am Umsatz beteiligt sind. Das Trinkgeld macht sie aber gierig – so wie unseren Kellner, der eine vielversprechende Herrenrunde während der Entsorgermesse IFAT 2024 erblickte.
Er sprach sie an und lotste sie zum Nebentisch. Dort saß bereits ein älteres Paar bei zwei Getränken. Der Kellner nahm ihnen die Gläser weg und stellte sie auf unseren Tisch. Dann forderte er die beiden Gäste auf, sich mir gegenüber zu setzten. Ich protestierte, weil ich Stammtischgäste erwartete. Er ignorierte mich. Das Paar war verunsichert und setzte sich nicht, bis es freie Plätze an einem anderen Tisch wahrnahm. In der Zwischenzeit hatte die Herrenrunde auf Weisung des Kellners den Tisch des Paares eingenommen. Dem Kellner rief ich zu:
Die Gäste bestimmen den Tisch, nicht der Kellner.
Er erwiderte, das seien doch nur Touristen, die essen und schnell wieder gehen würden. Ich wiederholte meine Aussage, der Tischnachbar bestätigte sie. Nach einigen Minuten bat mich der umsetzende Kellner, nicht böse zu sein, und meinte, es tue ihm leid. Dann schrieb ich die Vorgänge in mein Notizbuch, gab ihm den Habgier-Titel und wünschte, dass er von den Herren möglichst wenig Trinkgeld bekommt. Auf meines würde er ohnehin verzichten müssen.
Die Herrenrunde bestellte nicht – wie vom Habgierkellner vermutet – acht Schweinshaxn und acht Maß, sondern nur jeweils eine Halbe Bier, die nach einer halben Stunde ausgetrunken war. Ebenfalls entgegen den Erwartungen brachen die anscheinend skandinavischen Messegäste sofort wieder auf. Einer bezahlte die Bierrunde mit der Karte und gab bestimmt kein Trinkgeld, weil das in Nordeuropa nicht üblich ist.
Das Umsetzen, Platzieren und das versuchte Fremdbesetzen eines Stammtisches haben dem Habgierkellner nur diese Geschichte eingebracht. Nachteilig wird das Verhalten des Kellners bestimmt nicht bewertet, weil solche Auffälligkeiten keine Ausnahmen sind. Im Gegenteil: Platzanweisung durch Personal wird immer beliebter und hat sich sogar zum eigenen Tätigkeitsfeld entwickelt, bei dem es um Begrüßung, Betreuung und Platzierung geht.
Diese Greeterinnen oder Greeter, für die es noch keine passende Tätigkeitsbezeichnung in unserer Sprache gibt, fragen aber die bereits am Tisch anwesenden Gäste, ob die Belegung der freien Plätze passend ist. Und ein Altbayer fragt sich, ob in bayerischen Wirtshäusern jeder amerikanische Schmarrn nachgemacht werden muss. Unsere Platzwahl ist traditionell frei. Wer schon am Tisch sitzt, muss aber gefragt werden und zugestimmt haben. Mit dem Platzieren wird die Freiheit beschränkt. Manche Betriebe bekommen den Hals nicht voll genug und haben die Nase hoch oben.
Ungefragtes Umsetzen von Gästen, um große Runden zu platzieren, ist habgierig.
Nach dem Aufbruch der Herrenrunde wollte sich eine sechsköpfige Gruppe mit Kindern aus Asien an den freien, nicht reservierten Tisch setzen. Der Habgierkellner vertrieb sie aber mit der Begründung, der Tisch sei ein Stammtisch. Die Gastlichkeit dieses Kellners war selbstverständlich nicht typisch für das Hofbräuhaus, München und Bayern.
Nachtrag zum Habgierkellner am 13.02.2025
Für das Hofbräuhaus empfiehlt es sich, den Kellner in Servicebereichen ohne Stammgäste einzusetzen. Im Gegensatz zu Touristen erkennen sie nämlich, wenn etwas nicht stimmt, können es bezeugen und lassen es sich nicht gefallen.
Nachtrag zum Habgierkellner am 22.05.2025
Ein Vorfall wurde auf Instagram viel diskutiert, das Video gelikt, kommentiert und geteilt, schließlich aber kommentarlos gelöscht. Die Kommentare zum Video auf Instagram waren nur teilweise sachlich und zutreffend.
Tivolifoto war selbstverständlich vor Ort und hatte eigene Wahrnehmungen.
Nachtrag zum Habgierkellner am 11.07.2025
Üblicherweise berichte ich nur selbst erlebte Ereignisse. Andere Stammgäste lesen meine Beiträge und senden mir Fotos. Mir ist noch nie eine solche Maß serviert worden. Theoretisch lässt die automatische Schankanlage das nicht zu.
Die seltene Spezies des Feldafingers hat sich wohl ins Hofbräuhaus verirrt.
Für zoologisch Interessierte gibt es eine Tivoligeschichte zum Feldafinger, der zur Gattung der Wolpertinger gehört.

Bei diesen unschuldigen, glücklichen Menschen ist es egal, ob sie männlich, weiblich oder divers sind. Sie befinden sich alle in einem berauschten Zustand ohne Alkohol oder stoffgebundene Suchtmittel. Fotografieren kann nämlich zu rauschartigen Erscheinungen führen.

Wer als Tourist das Hofbräuhaus besucht, tut sich schwer, seine fotografischen Fähigkeiten zu unterdrücken. Das gilt für alle fotografierenden Generationen und technischen Apparate. Schließlich wird man mit Fotos im Hofbräuhaus selbst so berühmt wie das weltbekannte Wirtshaus. Zumindest bekommen viele Gäste einen Fotorausch. Das habe ich mit meinem 2017er-Beitrag Hofbräuhaus im Fotorausch ausführlich nachgewiesen.
Touristen fotografieren Personen, Situationen, Speisen, Bier, Musikanten und Trachtler – also alles, was geliebt oder für typisch einheimisch und traditionell angesehen wird. Erwartungen an Deutschland, für das man München und Oberbayern hält, müssen erfüllt und festgehalten werden. Das Seppl-Klischee ist zu bedienen. Bewusste, sinnliche Wahrnehmungen sind nebensächlich, weil Hofbräuhaus-Fotos wichtiger als das Erleben sind. Folgendes gehört zu den wichtigsten Fotos.
Motive: ich mit Maßkrug, du mit Maßkrug, wir mit Maßkrügen
Ein Krug mit einem halben Liter Bier tut es zur Not auch. Das HB-Logo und die goldene Füllung des Krugs müssen zu sehen sein. An zweiter Stelle kommt die große Brezn. Hier haben aber die Preußen ein Problem. Frage: Warum essen die Preußen keine Brezn? Antwort: Weil sie den Knoten nicht aufbringen.

Das allerwichtigste Fotomotiv ist die Blaskapelle. Für solche Fotos unterbrechen Touristen ihre Prozession, auch wenn sie nur in der Schwemme durchmarschieren. Oft reicht nämlich die Zeit nicht, um in der größten bayerischen Touristenfalle zu bleiben. Dann gibt’s noch schnell ein Deckenfoto, und weiter geht’s zur nächsten typisch bayrischen oder scheinbar deutschen Attraktion. Vielleicht befindet man sich schon auf dem Weg zum Kini nach Neuschwanstein und bemerkt gar nicht, dass Bayern viel zu schön für Deutschland ist.
Wer Zeit zum Verweilen hat, bestellt sich eine Maß Bier und eine Schweinshaxn. So erfüllt man zumindest seine Pflicht als anständiger Tourist gemäß Reiseführer oder Tourist-App. Vor dem Essen und Trinken muss zur Steigerung des Fotorausches alles sorgfältig fotografiert werden. Danach kann man die Hälfte stehen lassen, weil das Bier zu viel ist und die Haxn nur aufgewärmt war.
Hauptsache: Alles ist fotografiert.
Das Bedienungspersonal ist beim Fotorausch behilflich, indem es bereitwillig Paare oder Gruppen mit mehreren Handys fotografiert. Außerdem lässt es sich pflichtgemäß selbst ablichten, weil das im Arbeitsvertrag steht.

Rechte an eigenen Bildern werden im Hofbräuhaus vernachlässigt, weil Fotografieren ein Gewohnheitsrecht für alle ist. Was sämtliche Fotorauschigen machen, kann nicht beschränkt werden, auch wenn man korrekterweise den Gastgeberbetrieb fragen müsste. Weil es aber im Hofbräuhaus keine Zuständigkeiten gibt, kann das entfallen. Solche traumhaften Verhältnisse für alle Arten von Fotorauschigen dürfen eigentlich gar nicht verraten werden.
Grundsatz: Wer ins Hofbräuhaus geht, fotografiert und wird fotografiert.

Die Ergebnisse dieser rechtlich fragwürdigen Foto-Aktivitäten gibt es übrigens bei Tivolifoto München im wahrscheinlich, weltweit größten Ausmaß. Hätte ich den Betrieb um Genehmigung gebeten, wäre sie mir vermutlich wegen Datenschutz, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechten versagt worden. Ohne diese bin ich aber zum Stammgast geworden und konnte mein Unwesen treiben. Leider wurden mir die Motive überdrüssig, weil sie über die Jahre gleichgeblieben sind.
Jetzt muss ich ein wenig ausholen. Natürlich hatten sich Bekanntenkreise, einheimische Gäste, Touristen, Musikanten und Personal seit meinen 2016er Besuchen im Hofbräuhaus verändert. Gleichgeblieben ist aber mein fotografischer Blick auf die Personen. Ich hatte so viel Menschen fotografiert, dass ich sie nicht mehr wahrnahm, sondern nur mehr die zugrundeliegenden Motive.
Bei mir bekannten Gästen fragte ich meist um die Fotoerlaubnis. Sie wurde mir immer gegeben, obwohl alle wussten, dass ich die Fotos im Internet herzeige. Ich empfand also keine Beschränkungen. Mein Fotoapparat war einfach auf dem Tisch, und ab und zu blitzte es. Alle vertrauten mir, dass ich kein nachteiliges Foto veröffentliche. Oft ging ich intuitiv vor, wenn mir etwas aufgefallen ist, z. B.
Waren mir die Gäste nicht bekannt oder als Touristen zu erkennen, teilte ich sie schnell nach dem äußeren Erscheinungsbild und meiner Vorstellung von den Herkunftsländern ein. Dabei ergaben sich auch personenbezogene Motive wie
Personal bat ich immer, ob es einverstanden ist, bei der Arbeit fotografiert zu werden. Niemand lehnte ab. Im Gegenteil: Die Angestellten hatten unterschrieben, sich von Touristen fotografieren zu lassen. Sie bekamen aber von sich selbst keine Bilder, um diese in ihrem Umfeld herzuzeigen. Ich stellte sie ihnen und der Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier waren die Motive beispielsweise:
Jetzt habe ich nur drei Kategorien mit jeweils drei Beispielen aufgezählt. In Wirklichkeit waren die Motive viel mehr und nicht immer zuzuordnen. Ich wollte lediglich mitteilen, dass die Fotos im Kopf entstanden sind. Meine Gedankenwelt hat sie verursacht und festgelegt. Dabei gibt es ein Denken ohne Sprache und ein sprachlich geprägtes Denken. Beides kann man mit Fotos ausdrücken, aber auch mit Worten, Sätzen und Texten. Was die größere Kunst ist, entscheidet jeder nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten.
Vor der Pandemie hatte ich mich der spielerischen Fotografie von Personen im Hofbräuhaus zugewandt, danach dem freien Schreiben über mein Erleben. Bislang entstanden 24 Geschichten aus dem Hofbräuhaus in vier Textbeiträgen mit jeweils einer halben Stunde Lesezeit. Wie kam es zu diesem Schreibrausch? Die Hauptgründe waren
Reden, Fotografieren und Lesen sind Silber. Schreiben ist Gold.
Mit dem Schreiben entstand ein Spiel zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und der Freiheit der Satire – anders gesagt: zwischen den Gefahren von falschen Behauptungen, Verleumdungen und Beleidigungen. Wer Texte veröffentlicht, setzt sich noch mehr der Kritik oder den Juristen aus als mit Fotos. Das Schreiben ist aber schwerer zu untersagen als das Fotografieren.
Warnung: Fotorausch mit Schreibrausch zu bekämpfen, ist gefährlich.
Neben juristischen Problemen können sich Gefahren der Verlagerung ergeben, weil nur das Rauschmittel ersetzt wird. Andererseits haben rauschartige Zustände beim Fotografieren und beim Schreiben durchaus erfreuliche, positive Seiten. Fotos und Texte kann man nämlich sowohl bei der Herstellung als auch beim Anschauen und Lesen genießen.
Motivation: Freude an Fotos und Texten
Als Autor dieses Beitrags bekenne ich mich zum Fotorausch und zum Schreibrausch. Mir ist bewusst, dass die Dosis das Gift macht. Zur Vermeidung eines Katers verzichte ich auf neue Fotos, verwende nur Archivbilder und höre jetzt mit dem Schreiben auf – allerdings nur mit dieser Geschichte. Dann geht’s wieder munter weiter mit dem Neusten aus dem Hofbräuhaus.
Irgendwie gehören die Kastlmenschen, auch Wischkastler oder Handyoten genannt, zu den Fotorauschigen dazu. Das betrifft aber nur einen Aspekt ihrer Betätigung im Hofbräuhaus: die Nutzung der Fotofunktionen im Smartphone. Ich bevorzuge den Begriff Kastlmensch, weil er von mir stammt und die Macht des Kastls über den gesamten Menschen umfasst.

Früher wurde die Macht vom Herzen und vom Hirn ausgeübt, heutzutage von einem Kastl. Kastlmenschen sind als evolutionäre Entwicklung und als Gegensatz zu Hirnmenschen anzusehen. So ganz widersprüchlich ist das aber nicht, weil der Mensch ja auch über ein Hirnkastl verfügt.
Dieses Wort ist jedoch so ungewöhnlich, dass es nicht zur deutschen Sprache gehört. Schließlich steht es nicht im Duden. Der kennt nur einen Hirnkasten mit der Bedeutung Gehirn. Laut Dict.cc, dem kostenlosen, multilingualen Online-Wörterbuch, lässt sich das Hirnkastl aber ins Englische übersetzen.
NOUN das Hirnkastl | die Hirnkastln
[humorous Austrian and Bavarian term for sb.’s brain]
Hirnkastl {n} [österr.] [bayer.] [ugs.] [hum.] [Kopf, Verstand]
Glaubt man diesem gescheiten Angebot aus Wien, gibt es die Hirnkastln nur in Österreich und Bayern. Die Preußen und der Rest der Welt scheinen also keines zu besitzen. Das wundert einen häufigen Gast im Hofbräuhaus nicht. Beobachtet er doch bei seinen Besuchen in der Schwemme ständig die Hirnlosigkeit von Gästen.

Zurück zum Wischkastl: Selbstverständlich habe ich auch ein solches. Ich bin aber kein Kastlmensch, der sich von diesem technischen Gerät knechten lässt. Im Hofbräuhaus verwende ich das Kastl nur, um Fotos aus meinem Internetangebot herzuzeigen oder einen Text lesen zu lassen. Handyvertrag habe ich keinen, weil das WLAN des Hofbräuhauses für meine Zwecke ausreicht.
Wenn ich außerhalb der Wohnung bin, will ich doch nicht durch telefonische oder schriftliche Mitteilungen belästigt werden. Ich möchte ja etwas erleben und meine Freiheit genießen. Zum Fotografieren befindet sich eine richtige Kamera in meiner Fototasche, als Merkhilfe ein Notizbuch, für den Maßkrug ein Deckel und für die Brotzeit ein Messer und die Würstl vom Markt. Menschen ohne Hirnkastl erkennt man auch daran, dass sie solche lebenswichtigen Sachen nicht dabeihaben – aber ein Wischkastl.
Kastlmenschen sind laut Wikipedia auch Handyoten, weil sie ständig und überall in maßloser Weise ihr Handy benutzen – auch am Wirtshaustisch im Hofbräuhaus.
Alles ist natürlich übertrieben dargestellt und ereignet sich nur ausnahmsweise. Die Liste bezieht sich allerdings nur auf den passiven Konsum. Das aktive Erstellen von SMS-, WhatsApp- und E-Mail-Nachrichten durch Tippen am Hofbräuhaustisch wird gar nicht erwähnt. Es hindert aber Gäste, sich an Gesprächen zu beteiligen und blockiert Kontaktangebote von anderen.
Außerdem nervt es, wenn man am Biertisch nicht mehr ratschen kann, ohne dass jemand die Äußerungen mit dem Handy überprüft. Schön war die Zeit, als man andere noch anführen konnte. Heute führt das Kastl die Leute an. Vorbei sind die Zeiten, als anführen noch auf den Arm nehmen oder einen Bären aufbinden bedeutete. Der moderne Kastlmensch überprüft den Wahrheitsgehalt von Aussagen am Biertisch bei Wikipedia und erhebt Einspruch. So eine Gaudi wie ohne Kastl ist nicht mehr möglich.
Gottseidank müssen die Kastlmenschen den Tisch und die Schwemme zum Telefonieren verlassen, weil die laute Musik der Blaskapelle und der Lärmpegel der Gäste die Verständigung verhindern. Insgesamt gilt es aber nicht mehr als unpassend, das Kastl am Wirtshaustisch zu nutzen.
Die Freiheit und das Hirnkastl sind doch nicht so wichtig!

Vor zehn Jahren erlebte ich sogar junge Leute, die alle ihre Handys auf dem Tisch zusammengelegt hatten, um absichtlich auf sie zu verzichten. Niemand konnte sich der Gemeinschaft verschließen. Solche altmodischen Übereinkünfte sind längst überwunden. Heute ist jeder ein stolzer Kastlmensch. Die Freiheit wird als das Recht angesehen, immer und überall Kontakte und Informationen mit dem Kastl zu nutzen. Das haben uns schließlich die Amerikaner und Asiaten vorgemacht.
Letztere gehen im Hofbräuhaus sogar so weit, dass sie während des Essens nicht auf das Kastl verzichten. Lieber lassen sie die Speisen kalt werden, als dem Handy zu entsagen. Oder irgendwie schaffen sie eine Form der Gleichzeitigkeit von Handynutzung und Nahrungsaufnahme. Ist ein Platz oder ein Tisch erst einmal erobert, verweigern sie den Kontakt untereinander und mit anderen. Sie widmen sich lieber dem Kastl.
Knechten und Mägden ist das Kastl wichtiger als das Menschsein.
Dabei ist Folgendes zu bedenken: Auch Hofbräuhausgäste gehören wie alle Menschen zu den Herdentieren. In der Gemeinschaft fühlt man die Sicherheit zum Überleben und möchte man dazugehören. Selbstverständlich lässt sich Gemeinschaft mit Telekommunikation unterstützen und herstellen. Tatsächlich erlebte Gemeinschaften an Tischen im Wirtshaus sind aber spannender, schöner und wichtiger als die Beschäftigung mit den Kastln.
Zu einem gemütlichen Hofbräuhausabend gehört natürlich auch ein komfortabler Nachhauseweg. Dazu eignet sich am besten ein Taxi in der Bräuhausstraße, unmittelbar neben dem berühmten Wirtshaus. Ich gönne mir diesen Luxus seit Jahren, weil ich in München ohne Auto lebe und als Student selbst Taxifahrer war. Freuden und Nöte dieser Tätigkeit sind mir somit als Fahrgast und Fahrer bekannt.
Beispielsweise freut sich jeder, wenn er endlich der Erste in der Warteschlange ist. Fahrgäste sind aber nicht verpflichtet, dieses Taxi zu nehmen. Die Fahrzeuge für die Personenbeförderung haben sich nämlich in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert. Aus komfortablen, großräumigen Limousinen sind Autos der Kompakt- oder Mittelklasse geworden. Kleine Busse bieten immer häufiger Beförderungsdienste an.
Wer aber größer als der Durchschnitt ist, wünscht sich eine bequeme Sitzmöglichkeit im Taxi. Dazu eignet sich nicht jedes Fahrzeugmodell. Außerdem gibt es Vorlieben für die einheimische Automobilwirtschaft und die möglichst geringe Verwendung von Kunststoffen. Das Sitzen, Ein- und Aussteigen für große Personen ist in Kleinbussen häufig nicht so bequem wie mit geräumigen Limousinen.
In der Taxischlange neben dem Hofbräuhaus sind meist viele Automodelle vertreten. Als regelmäßiger Gast habe ich über die Jahre Erfahrungen mit den meisten gesammelt und dabei eine einheimische Automarke bevorzugt. Diese findet sich aber immer weniger in den Taxiständen. Mercedes-Benz stellt nämlich die wohl beliebtesten, deutschen Taximodelle der E-Klasse nicht mehr als Taxi zur Verfügung. Tesla drängt auf den Taximarkt.
Mercedes gegen Tesla vor dem Hofbräuhaus
Einmal führten mich Taxi-Erlebnisse in der Bräuhausstraße zum Titel dieser Geschichte. Das erste Taxi am Stand war ein Tesla, der ja bekanntlich Imageprobleme hat. Wegen schlechter Erfahrungen mit dem Sitzen und der Ausstattung so eines Wagens ging ich zum Nächsten. Leider stand da nur ein kompakter Toyota. Diesen wollte ich den eher kleinwüchsigen, asiatischen Gästen nicht vorenthalten. An dritter Stelle befand sich endlich ein Mercedes.
Der Fahrer hatte aber die Unart, den Beifahrersitz mit Gegenständen und einer Jacke zu belegen. Er wolle mich zwingen, auf dem Rücksitz einzusteigen. Dazu berechtigt ist er, aber Fahrgäste haben die freie Wahl des Taxis, und ich lehne solche Zwänge ab. Diese Blockierung des weit vorgeschobenen Beifahrersitzes ist in der Hofbräuhausschlange immer häufiger wahrzunehmen und bleibt mir rätselhaft. Vielleicht sollen damit Ansteckende oder Betrunkene auf die Rückbank verbannt werden. Taxifahrer dürfen nämlich Fahrgäste nicht ablehnen und sind zur Beförderung verpflichtet.
Den Kleinbus als letzten Wagen wollte ich eigentlich möglichen Gästegruppen nicht wegnehmen. Vor dem ungemütlichen Einsteigen bemerkte ich aber einen weiteren Mercedes beim Anfahren des Standplatzes. Gleich fragte ich den Chauffeur, ob er mich als Letzter fährt. Verwundert verwies er mich auf die Reihenfolge der Schlange, stimmte aber zu und verstand meine Begründungen. Während der Fahrt viel mir der biblische Satz des Titels ein.
Diese Geschichte ereignete sich zwar außerhalb des Hofbräuhauses, gilt aber gelegentlich auch für den dortigen Service. Die Bibelaussage ist beispielsweise ein Trost, wenn man lange auf das Personal oder die Bestellung warten muss. Dann frage ich manchmal die Tischrunde:
Was das Beste im Hofbräuhaus? Antwort: die Taxis in der Bräuhausstraße.
Auf diese meine Antwort kommt niemand. Gerne stelle ich die Frage auch bei Regenwetter. Besorgt blicke ich dann durch die Fensterscheiben der Schwemme, um die Taxischilder auf der Straße leuchten zu sehen. Zweimal musste ich nämlich schon zu Fuß heimgehen: bei den Folgen des rassistischen Anschlags im Olympiaeinkaufszentrum 2016 und beim Schnee-Chaos im Dezember 2023. Beide Male hatten mich nicht nur die Taxis, sondern auch die Trambahnen in Stich gelassen.
Neulich verließ ich die Schwemme bei Regenwetter und war besorgt, weil kein Taxi dastand. Am Taxistand befanden sich mehrere Personen. Es waren aber keine wartenden Fahrgäste, sondern nur Raucher vom benachbarten Wirtshaus am Platzl. Auf einmal fuhr ein Wagen schnell den Standplatz an. Ich eilte zur Beifahrertür grüßte, fragte und setzte mich. Jetzt erst bemerkte ich wegen des großen Monitors, dass ich mich in einem Tesla befand. Als ich das Fahrtziel nannte, fragte der Fahrer, ob ich nicht so wie immer fahren wolle, weil er mich schon öfter heimgebracht hätte.
Ich freute mich, die Strecke nicht anweisen zu müssen. Er wusste den besten Weg und brauchte den wenig bekannten Straßennamen nicht in das Navigationsgerät einzugeben. Diese vermeintlich schlauen Geräte würden für meine Fahrt ohnehin nur einen Umweg anzeigen. Der Teslafahrer erklärte mir die Sitzverstellung und brachte mich wegen des Regens in die Sackgasse bis vor die Haustür. Dieses Mal rundete ich das Trinkgeld nicht auf den nächsten Fünfer, sondern Zehner auf. Meine Abneigung gegen Tesla werde ich überdenken.
Der Schmierfink vom Hofbräuhaus
Auffälligkeiten bei den Angeboten und beim Personal des Hofbräuhauses werden mit sachlichen und satirischen Mitteln beschrieben und kritisiert. Begründete Alternativen zeigen sich aus der Sicht eines regelmäßigen Gastes. Hinzu kommt eine Zusammenfassung aller Beiträge von Tivolifoto zum Hofbräuhaus mit verlinkten Titeln, Titelbildern und Sammlungen.
Aloisius hilft im Hofbräuhaus
Die Hilfen des Münchners im Himmel zeigen sich im Hofbräuhaus. Der Engel Aloisius erfreut Gäste und Personal, bewirkt aber auch Kritik. Ein Figuren-Set drückt frohlocken, zweifeln, schimpfen, überbringen und genießen aus. Es veranlasst zum Spielen und Schenken. Die Geschichten verstehen sich als Satire und Gaudi.
Bayern und Preißn im Hofbräuhaus
Ein Bayer ist man laut der Verfassung des Freistaats Bayern von 1946: „Die Staatsangehörigkeit wird erworben durch Geburt, Legitimation, Eheschließung und Einbürgerung.“ Preißn ist das bayerische Wort für Nord- oder Ostdeutsche und Menschen aus der allgemeinen, nicht bayerischen Fremde, z. B. Tourismusgäste oder Fachkräfte mit Migrationshintergrund, aber nur bei missfallendem Verhalten.
Das Neuste aus dem Hofbräuhaus
Mein Neustes ist zwar ein Superlativ, aber vieles versteht sich als nicht so neu, z. B. Maßkrugklopfer, Lärmstörer, Banksteiger, Habgierkellner, Fotorauschige, Schreibrausch und Kastlmenschen. Bislang hat jedoch niemand über solche Neuigkeiten geschrieben. Die Geschichten aus dem berühmt-berüchtigten Weltwirtshaus werden mit acht Episoden in der vierten Folge fortgesetzt.
Das Letzte aus dem Hofbräuhaus
Die dritte Folge der Geschichten aus dem Hofbräuhaus betrifft Aufgebote, Beiträge, Geheimnisse, Platzversitzer, Tischgemeinschaften, Sauereien, Schweinswürstl und Geschenke. So eine bunte Mischung kann nur unter der ernsthaften Bezeichnung „Das Letzte“ zusammengefasst werden. Am Anfang steht das letzte Aufgebot, das Ende fragt, ob es das Ganze wirklich braucht.
Von Hirschen und anderen im Hofbräuhaus
Alle sagen zwar Stammtisch zu ihm, wollen aber gar keinen solchen. Einen freien Platz will aber jeder. Das geht nur, wenn sich jemand darum kümmert. Wer das übernimmt, wird unfreiwillig zum Platzhirsch. Über ihn und andere sind einige neue Geschichten aus dem Hofbräuhaus entstanden, z. B. über Maßkrugwanderer, Oberschlaukellner, Trachtenpreißn und Mausdoudschmatza.
Woast as scho ausm Hofbräuhaus
Mit dieser Feststellung wird ein wenig über das Hofbräuhaus geratscht. D’Leut wern praktisch ausgricht und a weng auffegschossen. Der Beitrag hat neun Abteilungen der sachlichen, kritischen und heiteren Art. Hauptsächlich geht es um den Vergleich meines Erlebens in der Zeit vor und nach der Pandemie. Außerdem erfährt man, was ein Gifthaferl und ein Gscheidhaferl ist. Ich warne vor dem Umfang der Ratscherei, aber sie gehört einfach zum Wirtshaus dazu.