Zufälle und andere Fälle

Zufälle und andere Fälle

Ich erlebe keine dramatischen Geschichten, aber ein besonderes Vorkommnis muss ich hier mitteilen. Der Hintergrund der folgenden Geschichte ereignete sich wie ein verspäteter Aprilscherz am 2. April 2011. Mit dem Donau-Isar-Express wollte ich nach Moosburg fahren, um möglichst nahe gelegen am Isarkanal zum Tivoli zurückzuradeln. Während der Bahnfahrt vertiefte ich mich in die Zeitung und sah auf einmal den platten Vorderreifen an meinem Rad. Die Reparatur im fahrenden Zug wäre zu schwierig gewesen. Dann kam die Durchsage, dass der Zug ausnahmsweise gar nicht in Moosburg hält.

Mein Vorhaben war also nicht mehr möglich, trotzdem blieb ich ruhig und beschloss, in Freising auszusteigen, um dort meinen Reserveschlauch einzubauen. Dies gelang in der Mittagshitze mit viel Schweiß und den Papiertaschentüchern von zwei liebenswerten asiatischen Studentinnen. Danach radelte ich befreit über die Isar und kam an einem Fahrradgeschäft vorbei. Es freute mich, dass ich meinen Reserveschlauch gleich durch einen neuen ersetzen konnte. Der jugendliche Verkäufer gab dem ausgetauschten Schlauch einige kräftige Luftstöße, die ich vorher mit meiner kleinen Notpumpe nicht schaffte, und entließ mich mit einem neuen Reserveschlauch.

Meine Radlstrecke führt mich um den Flughafen nach Südosten. Ich ärgerte mich, dass der Wind nicht aus Nordwesten, sondern aus meiner Zielrichtung kam. Nach den Orten in der Umgebung des Flughafens gelangte ich endlich wieder in vertrautes Gebiet, z. B. Finsinger Alm und Poschinger Weiher. Zu Hause stellte ich fest, dass mir ein falscher Schlauch verkauft worden war. Ich plante, den Schlauch in einem bekannten Münchner Fahrradgeschäft umzutauschen. Dazu war eine Fahrt vom Tivoli durch den Englischen Garten zur Georgenstraße notwendig.

Nach dem Park radelte ich in die etwas enge und leicht ansteigende Veterinärstraße mit Kopfsteinpflaster. Plötzlich öffnet sich vor mir die Tür eines parkenden Autos. Zum Ausweichen war es zu spät, deshalb hielt ich mich an der Tür fest und stürzte mit leicht nachgebender Tür und fallendem Rad auf das Pflaster. Benommen stand ich auf, und eine junge Frau stieg aus dem Wagen. Sie faselte etwas von einem toten Winkel und mein Fahrrad hätte einen sehr breiten Lenker. Auf dem Rücksitz des Autos saß ein Kleinkind. Ich warf ihr vor, dass sie nicht aufgepasst hätte. Es schoss mir durch den Kopf, was alles hätte passieren können. Ich schüttelte mich mehrmals und stellte fest, dass ich außer dem Schrecken und einer leichten Schulterprellung keine Probleme hatte. Gleichzeitig kam mir der Gedanke, dass dies eine klassische Situation für einen Schaden ist, den man erst später wahrnimmt.

Meine zornig formulierte Bitte an die Frau, dass die Frau im Straßenverkehr ihr Hirn einschalten und genauer aufpassen soll. Da ich keine Verletzungen oder Defekte am Fahrrad bemerkte, fuhr ich etwas benommen und verärgert weiter. Am Unibrunnen stellte ich fest, dass mit dem Fahrrad etwas nicht stimmte. Ich hielt am Siegestor und erkannte einen Achter an der Hinterradfelge. Jetzt bekam ich einen Zorn über meine eigene Dummheit. Statt dass ich mir von der Frau die Personalien geben ließ, fuhr ich tapfer weiter gefahren, mit der Annahme, dass nichts passiert ist. Das Fahrradgeschäft in der Georgenstraße tauschte mir ohne Probleme und Rechnung den falschen Schlauch um. Ich erkundigte mich nach Reparaturmöglichkeiten für die Felge. Als Antwort nannte man mir freundlich, aber bestimmt den Zeitraum von drei Wochen und den Hinweis auf den nahen Fahrradladen Joe`s Garage am Elisabethplatz.

Voller Hoffnung trug ich dort die unglückliche Geschichte und mein Anliegen einer schnellen Reparatur vor. Der Fahrradmechaniker war ein verständnisvoller Zuhörer. Er erklärte mir, dass ich das Fahrrad am nächsten Morgen bringen und es am Nachmittag mit einer reparierten oder falls notwendig neuen Felge abholen kann. Dankbar trat ich den Heimweg an. Da fiel mir ein, dass es unsinnig ist, das Rad heimzufahren und am nächsten Tag wiederzubringen. Ich fuhr zurück und erklärte meine Eingebung. Der Mechaniker zeigte wieder großes Verständnis und berichtete mir das Geschäftsprinzip. Er nimmt nur Reparaturen an, die morgens gebracht und abends abgeholt werden, weil er keinen Parkplatz oder keine Abstellmöglichkeit hat. Das leuchtete mir ein.

Am nächsten Vormittag fand ich mich wieder in einer Schlange von bestimmt mehr als zehn reparaturbedürftigen Fahrrädern vor Joe`s Garage am Elisabethplatz. Ich harrte meinem Schicksal entgegen, als plötzlich Sonja Sonnenschein vor mir auftauchte, die ich schon zehn Jahre nicht mehr gesehen hatte. Sie war durch die Sonne geblendet, aber ich sprach sie an. Wir freuten uns über das zufällige Treffen, das wir dann auf einigen Umwegen mit einer Verabredung fortsetzten. Da ich schon einmal einen vergleichbaren Zufall mit ihr erlebt habe, verdächtige ich sie jetzt, dass sie den Platten im Donau-Isar-Express irgendwie herbeigeführt hat.

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