Geschichte des Tivoli in München

Gartenwirtschaft Zum Tivoli in München um 1830
Gartenwirtschaft Zum Tivoli in München um 1830

Vorbemerkungen

Die biedermeierliche Biergartenszene im Beitragsbild ist eine anonyme Lithografie um 1830 in meiner digitalen Bearbeitung. Wahrscheinlich handelt es sich beim Original um die älteste Darstellung eines Biergartens in München. Kennt jemand frühere Bilder mit dem Hauptmotiv Gartenwirtschaft in München, bitte ich um Mitteilung.

Theodor Dombart (1884–1969) weist in der posthumen Veröffentlichung Der Englische Garten zu München, 1972, S. 195 auf 1830 als ungefähres Entstehungsjahr des Bildes hin. Dombarts Werk entwickelte sich mit Inhalten, die vermutlich auf 1933 zurückgehen.

Der Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München bietet das digitalisierte, öffentlich zugängliche und uneingeschränkt nutzbare Original der Abbildung zum Download an. Das in der Abbildung rechte Gebäude von 1812 zeigt die frühere Gaststätte Zum Tivoli (1827–1923).

Historische Abbildungen, Karten und Pläne sind im vorliegenden Beitrag enthalten und verlinkt. Ausführungen zur heutigen Lage der Grundstücke mit der Ortsbezeichnung Tivoli in München findet man auf der Seite Lage des Tivoli in München. Die Literatur zum Inhalt ist auf der Seite Tivolibücher zusammengestellt. Der gesamte Beitrag berichtet nicht nur sachlich, sondern enthält auch persönliche Bewertungen.

Anfänge von 1724 bis 1838

Vor der Anlage des Volksparks war der südlich gelegene königliche Holzgarten ein Teilgebiet der Stadt, das erst 1897 als Hirschanger benannt wurde. Das nördliche, kurfürstliche Jagdrevier Hirschau gehörte zum Dorf Schwabing und unterlag der Dachauer Gerichtsbarkeit. Die Grenze bildete der Burgfriedenweg mit der Burgfriedensäule Nummer 13, der Jahreszahl 1724 und dem eingemeißelten Münchner Kindl. Nach einer Verschiebung wurde die Nummer 13 auf 12 geändert. Noch heute kann man die Bearbeitung deutlich erkennen. Von den 24 Burgfriedensäulen sind vier im Original erhalten.

Tivoli in München wurde 1808 erstmalig in einem provisorischen Kataster des früheren Dorfes und heutigen Stadtteils Schwabing erwähnt. Der Name kam von der italienischen Stadt Tivoli in der Nähe von Rom, die im 19. Jahrhundert als Bezeichnung für Vergnügungsparks verwendet wurde. Das Münchner Gelände mit dem späteren Ortsnamen Tivoli war eine Sumpf- und Auenwildnis sowie ein Wildwasserbett mit Kies- und Sandbänken, Altwässern und Gebüschen. Bäche durchzogen dieses Hochwassergebiet westlich der Isar. Damals sollten solche unproduktiven Flächen für Wasserkraft, Land- und Forstwirtschaft beseitigt werden, gegenwärtig wären sie wertvolle Biotope. Große Wiesen im späteren Englischen Garten waren bereits landwirtschaftlich genutzt worden.

Burgfrieden von München bis 1854
Burgfrieden von München bis 1854

Die Originalsäule mit der Nummer 13 befindet sich etwa 150 Meter südwestlich des Monopteros. Sie ist ein 2,50 Meter hoher Tuffsteinpfeiler mit Sockel, Gesims und Oberteil. Vorn erkennt man das Stadtwappen, hinten die bayerischen Rauten. 1728 wurde die Säule aufgestellt und 1981 restauriert. Im Osten ist die nächste Säule nicht erhalten. Sie stand zwischen dem früheren Hammerschmiedbach und Eisbach, ungefähr am Anfang der heutigen Paradiesstraße.

Das Gelände südlich der Linie Burgfriedenweg und Paradiesstraße lag ab 1724 im Zuständigkeitsbereich der städtischen Gerichtsbarkeit. Dies wird als Eingemeindung des Lehels nach München im Sinne einer ersten Vorstadt bezeichnet. Analog zu anderen Vorstädten wollte die Verwaltung den Stadtteil 1812 mit Sankt Anna Vorstadt benennen. Das setzte sich in der Bevölkerung aber nicht durch.

Auf dem nördlichen Gebietsteil wurde die kurfürstliche Jagd betrieben. Der Forstmeister hatte seinen Dienstsitz im Lehel und ab 1810 im Aumeister. Die Bezeichnung Hirschau ergab sich aus dem früheren Wildreichtum der Isarauen im Norden von München. Der südliche Teil des heutigen Englischen Gartens war stark besucht. Wiesen wurden landwirtschaftlich genutzt. Große Teile der nördlich gelegenen Hirschau hatten den Charakter eines ruhigen, stadtnahen Waldes. Tivoli, Hirschau und Kleinhesselohe, die früher kleine Hesellohe hieß, waren Ortsbezeichnungen im Dorf Schwabing, im ehemaligen Jagdrevier und im späteren Englischen Garten. Schwabing wurde 1886 zur Stadt erhoben und 1890 nach München eingemeindet.

Burgfriedensäule Nummer 13
Burgfriedensäule Nummer 13
Steinerne Bank von 1838
Steinerne Bank von 1838

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Isar im Münchner Stadtgebiet ein wilder Gebirgsfluss mit vielen Wasserarmen, Inseln und Sümpfen. Die Steinerne Bank von 1838 belegt die damalige Situation. Als halbrunde Ruhebank liegt sie etwa 150 Meter nordöstlich des Monopteros und entstand nach einem Entwurf von Leo von Klenze.

Eine Inschrift weist auf die ursprünglichen Gegebenheiten hin: „Hier wo ihr wallet da war sonst Wald nur und Sumpf.“ Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts gestaltete die kurfürstliche Verwaltung das Ödland oder die Auenlandschaft zum Landschaftspark nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten. Aus den Ödgründen der Isarauen wurde der Volkspark Englischer Garten.

Hier wo ihr wallet da war sonst Wald nur und Sumpf
Inschrift auf der Steinernen Bank: Hier wo ihr wallet da war sonst Wald nur und Sumpf
Simon Warnberger, 1795, „Am Apollotempel“
Simon Warnberger, 1795, „Am Apollotempel“

Vor der Steinbank befand sich an ihrer Stelle im Hirschangerwald ein hölzerner Apollotempel, der 1789 nach Plänen des Ingenieurs Johann Baptist Lechner (1758–1809) errichtet wurde. Simon Warnberger (1769–1847) schuf 1795 die Abbildung „Am Apollotempel“. Die Proportionen des Bauwerks hatten dem Hofgartenintendanten Friedrich Ludwig Sckell (1750–1823) nicht gefallen. Wegen der Holzausführung wurde der Rundtempel in den 1830er Jahren baufällig. 1838 riss man ihn ab. Auf den Fundamenten entstand die heutige Steinerne Bank.

Der Maler, Kupferstecher, Lithograph und Illustrator Simon Gassner (1755–1830) zeigte den von den zwei Armen des Entenvolierebachs umflossenen Apollotempel um 1790. Eine weitere Abbildung von Gassner befindet sich im Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek und neun Zeichnungen von Johann Georg von Dillis in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

Ebenfalls 1838 errichtete man in der Nähe den neuen steinernen Monopteros auf einem 15 Meter hohen Backsteinfundament, das von einem aufgeschütteten Hügel umgeben ist.

Simon Gassner: Die Gegend des dorischen Tempels im Theodorspark zu München
Simon Gassner: Die Gegend des dorischen Tempels im Theodorspark zu München

Grundstücke, Gebäude, Gärten, Dämme und Brücken

Für die Entwicklung der Gegend war die Verbindung der Dörfer Schwabing und Bogenhausen bedeutend. Die frühere Bogenhauser Brücke ist die heutige Max-Josef-Brücke von 1901/02 und wird im Volksmund Tivolibrücke genannt. Amtlich hat aber die Brücke mit der Tivolistraße über den Eisbach diesen Namen. Beide Brücken waren aus Holz und entstanden 1804. Die Isarbrücke musste 1811 wegen technischer Mängel und Hochwasser als Holzbrücke mit zwei gemauerten Pfeilern neu errichtet werden. 1826 kam es zu einer Behelfsbrücke und 1876 zu einer Eisenfachwerkbrücke, die am 13. September 1899 durch ein Hochwasser zerstört wurde. Im November 1901 wurde mit dem Bau der heute noch bestehenden Brücke aus Stein begonnen.

Der kurfürstliche Wasser- und Straßenbaudirektor Adrian von Riedl (1746–1809) baute auf Weisung des Kurfürsten Karl Theodor (1724–1799) im Jahr 1790 den Riedl-Damm, der ursprünglich vom Paradiesgarten zur Bogenhauser Brücke, später sogar bis zur Eisbachmündung führte. Der Paradiesgarten war eine Ausflugsgaststätte südwestlich des Grundstücks der gegenwärtigen Gaststätte Leib und Seele an der Ecke Emil-Riedl-Straße und Oettingenstraße.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Riedl-Dämme beidseitig zwischen dem Lehel und Ismaning ausgebaut. Zur Landgewinnung und zum Hochwasserschutz errichtete man schwerpunktmäßig ab 1839 weitere Dämme, legte Sümpfe trocken und schüttete Wasserarme auf. Die Isar wurde an das östliche Hochufer zurückgedrängt.

Adrian von Riedl
Adrian von Riedl
Wirtshaus zum Paradiesgarten an der Oettingenstraße um 1820
Wirtshaus zum Paradiesgarten an der Oettingenstraße um 1820

Aus dem Ödland nördlich der Stadtgrenze, zwischen der Isar und dem Englischen Garten, waren hochwasserfreies Neuland und Grundstücke zum Bewirtschaften entstanden.

Das Gelände gehörte dem Staat. Hohe adelige Beamte meldeten beim Kurfürsten Ansprüche an. Der Erbauer der Dämme, Adrian von Riedl, erwarb zunächst einen Teil des Ödlandes für ein Palais an der Burgfriedensäule Nummer 14, zwischen Hammerschmiedbach und dem Ur-Eisbach mit Nebenarmen.

Das Gebäude umgab er mit einem kleinen englischen Garten. Darin befanden sich ein Vogelhaus, eine Brunnenquelle, eine Gloriette und ein kleiner chinesischer Turm. Neben einem Lustgartenteil gab es auch eine Pflanzenschule, einen Obstgarten und einen Wiesengarten. Aus der gesamten Anlage entwickelte sich der schon erwähnte Paradiesgarten, eine Ausflugswirtschaft mit Tanzpalast am Anfang des Riedl-Damms.

Zwei Lithografien aus der Bildersammlung des Historischen Vereins von Oberbayern entstanden um 1820 mit unbekannter Urheberschaft und veranschaulichen das ehemalige Wirtshaus zum Paradiesgarten.

Paradiesgarten um 1820
Paradiesgarten um 1820

Der zweite Grundstückserwerb galt dem Neubau einer Mühle auf den Wiesen zwischen Isardamm und Schwabinger Bach. Mit einer Kanalableitung eignete sich der am Riedl-Grundstück schnell vorbeifließende Eisbach für eine Mahlmühle, die von den Bauernhöfen der nahen Dörfer Schwabing, Bogenhausen und Föhring genutzt wurde. Der Neubau begann im September 1808. Bereits im März 1809 verkaufte Adrian von Riedl einige Tage vor seinem Tod die erst zur Hälfte gebaute Neumühle mit Kanal.

Der Münchner Bäcker und Müller Johann Jakob Schöttl wurde zum neuen Eigentümer. Schöttl erweiterte die Neumühle und übergab sie 1821 seinem gleichnamigen Sohn. 1826 ging die Anlage in den Besitz von Johann Grad oder Gradl, einem Wirt in Schwabing, über.

Neben Adrian von Riedl hatten sich andere hohe Hofbeamte Grundstücke im Ödland westlich der Isar gesichert. Dem Vizekanzler Johann Adam Freiherr von Aretin (1769–1822) wurde Land für einen Sommersitz mit zwei kleinen Häusern und einem französischen Lustgarten zugesprochen. Die Fläche lag zwischen der Ostseite des damaligen Karl-Theodor-Parks und dem Eisbach.

Johann Adam Freiherr von Aretin
Johann Adam Freiherr von Aretin
Joseph Karl Stieler – Nanette Kaula
Joseph Karl Stieler – Nanette Kaula

1810 kaufte Raphael Kaula (1763–1828), ein jüdischer Hoflieferant und Hof-Handelsagent, dieses Grundstück und ließ die Aretin-Bauten abreißen.

Kaula wurde Bankier und als Baron de Murat in den Adelsstand erhoben. Der Stadtbaumeister Joseph Höchl (1777–1838) erbaute 1810 für ihn ein Sommerhaus im klassizistischen Stil, das Kaula-Schlößl oder Murat-Schlößl genannt wurde. Für die Kinder von Kaula entstand um das Gebäude des Adeligen ein Spielgarten mit hölzernem Pavillon und einfachem Karussell.

Kaulas 17-jährige Tochter Nannette (1812–1876) wurde von Joseph Karl Stieler 1829 für die Schönheitengalerie König Ludwig I. gemalt. Nanette Kaula galt als Münchens schönste Jüdin.

(Schreibweise des Namens bei Wikipedia: Kaulla)

Das Grundstück mit dem Gebäude hatte einen großen Garten. Am Schlößl entstanden Anbauten. Der Garten bekam immer neue Attraktionen. Die gesamte Anlage wurde für die Öffentlichkeit zugänglich und von Ausflugsgästen aus München besucht.

Im Volksmund ergab sich der Name Tivoli. Wirtin war 1827 die Witwe Linder, geborene Kirchmaier (1788–1862).

Um 1830 kaufte der Schwabinger Wirt Georg Ferstl das Murat-Schlößl und nannte es Zum Tivoli.

Eine einfache Badeanstalt wurde im Sommer genutzt. Im Winter betrieb man eine Schlittschuhbahn auf dem Grundstück. Dazu kamen Kaffeepavillon und Kinderkarussell.

Carl Seitz - Teil des Plans Monumental von München - 1870
Carl Seitz – Teil des Plans Monumental von München – 1870
Poppel - Stahlstich-Souvenirblatt I mit der Umgebung Münchens um 1850
Poppel – Stahlstich-Souvenirblatt I mit der Umgebung Münchens um 1850

Johann Gabriel Friedrich Poppel (1807–1882) fertigte um 1850 zwei Stahlstich-Souvenirblätter mit der Umgebung Münchens.

Auf dem Blatt München und Umgebung I befindet sich in der Mitte das Prinz-Carl-Palais und in den kleinen Ansichten:

Monopteros, Paradiesgarten, Rumford-Saal, Chinesischer Turm, Rumford Denkmal, Bogenhausen, Brunnthal, Neuberghausen, Sternwarte, Wasserfall, Ludwigsmühle, Ruhebank.

Auf dem Blatt München und Umgebung II sieht man 13 Außenansichten verschiedener Herrenhäuser und Stadtansichten:

Schwabing mit Kirche, Tivoli, Veterinärschule, Schwabinger Brücke, Skells Denkmal, Dianenbad, Klein Hesselohe, Reibel’s Caféhaus, Milchhäuschen, Wernecks Denkmal, Schwabinger Kaffeehaus, Kleinhesseloher See und in der Mitte das Schloss Biederstein.

Die Stahlstiche wurden um 1850 im Verlag G. Franz München veröffentlicht.

Püppel - Stahlstich-Souvenirblatt II mit der Umgebung Münchens um 1850
Püppel – Stahlstich-Souvenirblatt II mit der Umgebung Münchens um 1850

Bilder zum Wirtshaus und Garten am Tivoli

Bauplan vom Stadtmaurermeister Höchle für das Gartengebäude des Raphael Kaula
Bauplan vom Stadtmaurermeister Höchle für das Gartengebäude des Raphael Kaula

Die 1973er „Jubiläumsschrift aus Anlaß des 100jährigen Bestehens der Aktiengesellschaft Kunstmühle Tivoli und ihrer Rechtsnachfolgerin Tivoli Handels- und Grundstück-Aktiengesellschaft München“ beinhaltet auf Seite 18 die Abbildung 7 mit dem Bauplan vom Stadtmaurermeister Höchle für das Gartengebäude des Raphael Kaula: „ein Mittelsälchen mit Tempelgiebel und beiderseits je zwei kleinen Seitenräumen, einer wohl eine Küche“.

In der verlinkten Vergrößerung der Abbildung kann man die Schrift entziffern: „Über ein neuzuerbauendes Gartengebäude des (?) Herrn Kaula in dessen Garten nächst dem Eisbach an der Bogenhauser Brücke … Fasade … Zu ebener Erde … Seite gegen die Strasse“.

Oberhalb der linken Mitte befindet sich wahrscheinlich die Genehmigung: „(?) München den (?) Jänner 1812 Königl. Bau. Komission J. Stubensnack“ (vermutlich).

Im Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München findet man zum Stichwort Tivoli einen Stahlstich von 1846, der nach einer Zeichnung koloriert wurde.

Künstler war wiederum Johann Gabriel Friedrich Poppel (1807–1882), ein Stahlstecher, Kupferstecher, Zeichner und Maler.

Johann Gabriel Friedrich Poppel, Georg Franz – München Tivoli 1846
Johann Gabriel Friedrich Poppel, Georg Franz – München Tivoli 1846

Über den Tivoli in München schrieb Christoph Oppelt 1904 auf den Seiten 56 und 57 in Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild:

Tivoli war lange Zeit ein Ort der Mode. An schönen Sommerabenden war es mit zahlreichen Menschen angefüllt, die besonders dem Tanzvergnügen huldigten. An Werktagen fanden sich bis in unsere Zeit noch Beamte aus den höchsten Kreisen dort ein.


Das Archiv bietet mit der Stichwortsuche „Tivoli“ in der Bildersuche einige Fotografien an, die ich ebenfalls bearbeitet habe und nachfolgend zeige. Beim Klick auf das jeweilige Foto öffnet sich ein großes Quellbild.

Das Originalfoto kann man mit einem Klick auf eine der Ziffern anschauen: 1, 2, 3, 4. Die vier Originale stammen aus der Sammlung von Karl Valentin.

Eislaufplatz, zwischen Gastwirtschaft Zum Tivoli Eislaufplatz und Tivolimühle im Hintergrund 1895
Eislaufplatz, zwischen Gastwirtschaft Zum Tivoli Eislaufplatz und Tivolimühle im Hintergrund 1895
Gastwirtschaft Zum Tivoli und Eislaufplatz 1900
Gastwirtschaft Zum Tivoli und Eislaufplatz 1900
Gastwirtschaft Zum Tivoli und Eislaufplatz 1910
Gastwirtschaft Zum Tivoli und Eislaufplatz 1900
Gastwirtschaft Zum Tivoli 1910
Gastwirtschaft Zum Tivoli 1910

Auf der nachfolgenden Stadtkarte von 1891 erkennt man die genaue Lage der Gaststätte und der Mühle mit der Bezeichnung Tivoli am Ende des 19. Jahrhunderts.

Die 1898 versandte Ansichtskarte des Tivoli entstammt einer Fotostrecke zum Tucherpark auf den Internetseiten der Sep Ruf Gesellschaft e. V. Die vorherigen Fotos und die Zeichnung der Tivoli-Gebäude zeigen den Neubau von 1883.

Tivoli auf der Stadtkarte von 1891
Tivoli auf der Stadtkarte von 1891
Ansichtskarte Tivoli
Ansichtskarte Tivoli, Verlag Moch & Stern, München 1898, Abriss des Restaurants Tivoli 1923, Abriss der Tivoli-Mühle 1968
Oppelt, Christoph - Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild - 1904
Oppelt, Christoph – Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild – 1904

Zahlreiche weitere Abbildungen findet man bei Oppelt, Christoph: Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild.

Vorträge aus der Geschichte der nordöstlichen Stadtteile Münchens.

Mit einem Anhange: „Die sanitären Verhältnisse des Lehels einst und jetzt“ von M. Hemmer Verlag: München, Parteilose Vereinigung München-Nordost 1904.

Das Werk wird antiquarisch angeboten. Es wurde aber von der Bayerischen Staatsbibliothek vollständig digitalisiert und ist online zur Ansicht verfügbar.

Alle Abbildungen der Veröffentlichung zeigen die hier verlinkte Bildsuche der Bayerischen Staatsbibliothek.

Entwicklungen von 1837 bis 1924

Nördlich des Gartenhauses und späteren Wirtshauses Zum Tivoli lag die Neumühle ab 1806, dann die Königlich privilegierte Ludwig-Walzmühle.

Sie wurde am 15. Oktober 1837 gegründet und von 1872 bis 1969 als Kunstmühle Tivoli benannt.

Firmengebäudeansicht; Lithographie von W. Stähle; Aufschrift: Ludwigs-Walzmühle zu Tivoli bei München. Preismedaille München 1840, Berlin 1844, München 1854
Firmengebäudeansicht; Lithographie von W. Stähle; Aufschrift: Ludwigs-Walzmühle zu Tivoli bei München. Preismedaille München 1840, Berlin 1844, München 1854
Ludwig Walz Mühle bei München - Erinnerung 1848 - Quelle ZVAB
Ludwig Walz Mühle bei München – Erinnerung 1848 – Quelle ZVAB

In der nördlich vom Tivoli gelegenen Hirschau betrieb Hofhammerschmied Georg Lindauer am Eisbach die bayerische Hofhammerschmiede mit einer kleinen Eisengießerei seit 1814. Dabei leistete der Hofgartenintendant und Gestalter des Englischen Gartens Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) erbitterten, aber erfolglosen Widerstand.

1837/38 übernahm Joseph Anton von Maffei (1790–1870) den Lindauer’schen Hammer, führte die Firma als Eisenwerk Hirschau weiter und entwickelte daraus die Lokomotiv- und Maschinenfabrik J. A. Maffei.

Ursprünglich war am Platz des historischen Zum Tivoli beabsichtigt, die Maffei’sche Fabrik zu erbauen. Dafür gab es aber keine polizeiliche Genehmigung. Joseph Anton Ritter von Maffei war Industrieller, Bankier und Politiker. Er gilt als ein Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern. Aus dem einfachen Lindauer’schen Hammer- und Walzwerk mit Gießerei entstand 1841 eine Fabrik für Dampfmaschinen, Lokomotiven und Dampfschiffe. In den folgenden fast einhundert Jahren wurden in der Hirschau etwa 5000 Lokomotiven gebaut. Der Eisbach hatte sich zum Energielieferanten für die Mühle im Tivoli und die Fabrik in der Hirschau entwickelt.

Industrieanlagen, Eisenwerk und Maschinenfabrik Maffei 1910
Industrieanlagen, Eisenwerk und Maschinenfabrik Maffei 1910
Transport der 400. Lokomotive vom Maffei-Werk über die Ludwigsstraße zum Bahnhof
Transport der 400. Lokomotive vom Maffei-Werk über die Ludwigsstraße zum Bahnhof

Die Abbildung zeigt den Transport der 400. Lokomotive vom Maffei-Werk über die Ludwigsstraße zum Bahnhof. Das Werk musste die Lokomotiven lange Zeit mit Pferden und Transportwagen ausliefern. Es bekam erst 1901/02 einen Gleisanschluss. Direkter Konkurrent war ab 1866 die Lokfabrik von Georg Krauss in München. 1931 übernahm Krauss wegen der Wirtschaftskrise und firmierte unter der Bezeichnung Lokomotivfabrik Krauss & Comp. – J.A. Maffei AG. 1937 wurde das Werk in der Hirschau aufgegeben und zog nach München-Allach.

Die Gaststätte in der Hirschau wurde 1839/40 errichtet und 1874 durch Baumeister Josef Wolf auf drei Stockwerke mit schlichter Fassade und mit einem kubischen, zeltförmigen Dach erweitert. Ein Wirt verpflegte die Arbeiter der nahen Maffei-Fabrik unter dem Namen Zum Hasenstall. Danach wurde die Gaststätte neben der Werkskantine zum Ausflugslokal und in einem Reiseführer erwähnt. Sie bezeichnete sich ab 1894 als Schank- und Bierwirtschaft Hirschau nebst Kegelbahnen und Gartenbetrieb. 1902 kam ein ebenerdiger Anbau dazu. 1913 kaufte die Spatenbrauerei – Sedlmayr Grund und Immobilien AG – das gesamte Anwesen. Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Hirschau – Ehemalige Arbeiterkantine der Maffei'schen Fabrik 1900
Hirschau – Ehemalige Arbeiterkantine der Maffei’schen Fabrik 1900
Ausflugslokal Hirschau 1935
Ausflugslokal Hirschau 1935
Johann Gabriel Friedrich Poppel, Georg Franz – Ludwigsmühle 1846
Johann Gabriel Friedrich Poppel, Georg Franz – Ludwigsmühle 1846

Für den südlich gelegenen Tivoli beinhaltet die Jubiläumsschrift von 1973 zum 100-jährigen Bestehen der Aktiengesellschaften mit der Bezeichnung Tivoli, dass die Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft am 13. September 1839 die Gaststätte und die dazugehörigen Wiesen wegen einer Eisbachbegradigung erwarb. Es folgten viele Pächter mit Umbauten und Anbauten, sogar mit einem großen Saalbau.

1883 wurde der von Kaula-Murat stammende Mittelbau des Tivoli aus dem Jahr 1812 abgerissen und zusammen mit einer modernen Erweiterung wiederaufgebaut. Der damalige Neubau ist auf den obigen Fotos des Eislaufplatzes und auf der Ansichtskarte zu sehen. Grundstück und Gebäude des Restaurants und Gastgartens Tivoli verblieben im Besitz der Tivolimühle.

Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die erste Inflationszeit kaufte und verkaufte die Tivolimühle Grundstücke. 1901 erwarb sie einen Streifen Land am Dianabad von der königlichen Civilliste – vom aus der Staatskasse gewährten Eigentum des Monarchen und seiner Angehörigen. Das Bad war aus einem Fischweiher des Tivoli-Anwesens von Aretin und später Kaula entstanden. Hinzu kam die ehemalige Pommersche Tabakfabrik. Gebäude wurden abgerissen, Grundstücke wiederverkauft und Straßen hergestellt.

Kunstmühle Tivoli mit Tivolikraftwerk und Maffei'scher Fabrik im Hintergrund
Kunstmühle Tivoli mit Tivoli-Kraftwerk und Maffei’scher Fabrik im Hintergrund
Tivoli-Mühle
Tivoli-Mühle
Lieferwagen der Kunstmühle Tivoli 1915
Lieferwagen der Kunstmühle Tivoli 1915

Zu den Jahren vor dem 1. Weltkrieg gibt es ein literarisches Zeugnis über die Arbeit in der Tivolimühle. Das Kapitel IX in Oskar Maria Grafs (1894–1967) Wir sind Gefangene heißt In der Mühle. Graf war als 18- oder 19-Jähriger ein Hilfsarbeiter in der Mühle – vermutlich im Frühjahr 1913 vor der Reise nach Locarno.

Der Geschäftsbericht der Mühle von 1912 beinhaltet, dass der Magistrat München ein, an der Oettingen-, Tivoli- und Theodorparkstraße gelegenes, Grundstück zum Zwecke der Erbauung eines Schulhauses kaufte. Ein solches wurde auf dem Grundstück aber nie gebaut. Es gab auch keine Notwendigkeit für die Bevölkerung im Viertel. Danach überlebte die Gastwirtschaft den Ersten Weltkrieg, verfiel jedoch zunehmend, lag seit 1922 still, wurde 1923 ein Opfer der Inflation und wurde schließlich 1924 abgerissen.

Jubiläumsschrift zum 100jährigen Bestehen der Aktiengesellschaften mit der Bezeichnung Tivoli
Jubiläumsschrift zum 100jährigen Bestehen der Aktiengesellschaften mit der Bezeichnung Tivoli

In diesem Jahr sind wahrscheinlich die Tennisplätze angelegt worden, wobei nach dem Grundstückskauf die nördlichen zwei Drittel der Fläche im Besitz der Stadt waren. Das südliche Drittel gehörte weiterhin der Aktiengesellschaft Tivolimühle. Dort entstand die zur Tennisanlage gehörende Betriebs-, Sanitär- und Bewirtungsbaracke.

Diese Eigentumsverhältnisse haben sich in den folgenden 100 Jahren nicht verändert. Die Nutzung der Tennisanlage wechselte ab 2014 mit einer Containeranlage für Schulen und ab 2022 mit einer Gaststätte in der ehemaligen Betriebsbaracke des Tennisplatzes.

Beides erfolgte mit fragwürdigen Genehmigungen und zum Nachteil der Anwohner wegen rücksichtslosen Lärms.

Chinesischer Turm, Chinesisches Wirtshaus und Ökonomie

Gaststätte Chinesischer Turm 1900
Gaststätte Chinesischer Turm 1900

Im 19. Jahrhundert hatte die ganze Gegend um die Mühle und den dortigen Teil des Eisbachs im Volksmund den Namen der Gastwirtschaft Tivoli angenommen. Vorher erbaute die kurfürstliche Verwaltung 1789/90 den benachbarten Chinesischen Turm, die Chinesische Wirtschaft mit Kegelbahn, Tanzboden und vier kleinen Holzpavillons sowie die Gebäude für den landwirtschaftlichen Betrieb.

Die drei Bauwerke liegen nahe der uralten Straßenverbindung zwischen den früheren Dörfern und heutigen Stadtteilen Schwabing und Bogenhausen. Das Foto aus dem Jahr 1900 zeigt die südlich des Turms gelegene Gaststätte, die am 1. April 1792 eröffnet wurde. Der Architekt des Turms, Johann Baptist Lechner (1758–1809), errichtete sie 1790 aus Holz. Das heutige, 1912 gemauerte Gaststättengebäude ist die Nachbildung des Vorgängerbaus an derselben Stelle mit Gastraum unten und Festsaal im Obergeschoss. Es gehört zum staatlichen Eigentum und wird seit 1974 von der Haberl Gastronomie bewirtschaftet.

Südlich befinden sich Ökonomiegebäude, die 1793 fertiggestellt wurden. Anfänglich hießen die denkmalgeschützten Bauwerke Ökonomiegebäude bei der Schwaige. Johann Baptist Lechner plante sie so wie den Chinesischen Turm und das Wirtshaus. Der heutige Name in der Bayerischen Denkmalliste ist Ökonomie- und Verwaltungsgebäude. Die niedrigen Gebäude umgeben einen offenen und dahinter einen geschlossenen Hof mit vielfach erneuerten Nebengebäuden. Im Gebäudekomplex befindet sich heute die Verwaltung des Englischen Gartens. Diese ist eine Außenverwaltung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, die zum Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat gehört – kurz: Gartenverwaltung und Schlösserverwaltung sind dem Finanzministerium unmittelbar nachgeordnete Verwaltungsbehörden.

Ökonomie- und Verwaltungsgebäude.im Englischen Garten 1910
Ökonomie- und Verwaltungsgebäude.im Englischen Garten 1910
Originalbau des Chinesischen Turms von 1789/90 um das Jahr 1895
Originalbau des Chinesischen Turms von 1789/90 um das Jahr 1895

1792 wurden der Turm und die Gaststätte im damals modernen chinesischen Baustil in Betrieb genommen. Der 25 Meter hohe Turm diente der Aussicht, weil er damals die umfliegenden Bäume überragte. Bereits im 19. Jahrhundert, mit dem Schwerpunkt Biedermeierzeit, also etwa 1825 bis 1848, schenkte man im und am Turm Bier aus. Dreimal die Woche gab es Tanzmusik, Konzerte oder Militärkapellen. 1944 wurde der Turm von einer Fliegerbombe zerstört, 1951/52 originalgetreu wieder aufgebaut. Aus Sicherheitsgründen kann man ihn seit den 1970er-Jahren nicht mehr besteigen. Jeden Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag spielen Blasmusikanten vom ersten Stockwerk des Turms. Die Angebote am Chinesischen Turm, im Chinesischen Wirtshaus und am Tivoli hatten freilich nichts mit der Tradition der Münchner Biergärten zu tun, die über den Bierkellern von Brauereien entstanden waren.

Neben dem bekannten Biergarten werden weitere Nachbarn des Tivoli hier nicht ausgeführt, weil sie thematisch zum Englischen Garten gehören, z. B. Orangerie, Steinerne Bank, Monopteros, Rumfordhaus, das rekonstruierte Karussell aus dem Biedermeier und der Kleinhesseloher See. Eine Vielzahl von geschichtlichen Abbildungen findet man mit der Volltextsuchsuche des Stadtarchivs beim Wechsel in die Bildliste. Auch das Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) in München bietet historische Fotos zum Englischen Garten an.

Wer die heutigen Zustände mit der Zeit von 1998 bis 2004 vergleichen möchte, findet 1263 Tivolifotos im hier verlinkten Album bei Google Fotos.

Missachtung der mehr als 200-jährigen Tradition

Die Haberl Gastronomie entwickelte den Biergarten am Chinesischen Turm zu einem Supermarkt und schloss das Restaurant 2020, vermutlich weil die Gewinne aus dem umliegenden Biergarten ausreichend waren. Auf der Terrasse ist schon seit 2017 nicht mehr bedient worden.

Verantwortlich für die missbräuchliche Schließung ist Antje Haberl, die Tochter des Gründers der Betriebsgesellschaft, Hermann Haberl (1939–2011). Als Gastronomieerbin bricht sie mit einer mehr als 200-jährigen Tradition, wahrscheinlich aus habgierigen, unsozialen und unrechtmäßigen Gründen.

Die zuständige Staatsverwaltung duldet den Leerstand. Ein Schaukasten am Eingang teilt der Allgemeinheit als Eigentümerin „wegen Umbaus geschlossen“ mit. Bauarbeiten waren seit 2020 nicht zu beobachten.

Das Gebäude wird als Warenlager genutzt, anstatt es der Öffentlichkeit bestimmungsgemäß zur Wirtshauseinkehr bei Spaziergängen im Englischen Garten anzubieten. Außerdem könnte es einem anderen Pächter übergeben werden. Mit dieser Gaststättenschließung erfüllen Parkverwaltung und Finanzministerium ihre Pflichten im Auftrag des Volkes nicht. Sie lassen eine verantwortungslose Pächterfirma gewähren.

Der Supermarkt-Biergarten ist mit 7000 Plätzen nach dem Hirschgarten der zweitgrößte Münchner Biergarten und wird hauptsächlich von Touristen besucht. Bei Krügen, Gläsern und Tassen werden die Gäste mit Pfandzwang und Selbstzurücktragen um den Service des Abräumens betrogen. Zudem zeigt die Habgier-Gastronomie für Selbstbedienung überhöhte Preise und unrechtmäßige Einnahmen, die vermutlich nicht versteuert werden. Viele Pfandmünzen werden nämlich nicht eingelöst, und ihr Preis ist 2023 auf zwei Euro verdoppelt worden.

Das Hauptmenü von Tivolifoto bietet in der Kategorie Biergarten etliche Beiträge zur touristischen Gastronomie am Chinesischen Turm an.

Die Kritik bezieht sich nicht nur auf die Schließung des Restaurants, sondern auch auf den Bruch mit zahlreichen weiteren Traditionen aus Habgiergründen.

Straßen

Eine der frühesten Straßenbenennungen im nördlichen Lehel ist die nur 93 Meter lange Karolinenstraße von 1809. Namensgeberin war Karoline von Bayern (1776–1841), die zweite Gemahlin des ersten bayerischen Königs. Bei dieser Erstnennung darf man sich aber keine befestigte und bebaute Straße vorstellen, sondern einen Fußweg, der von Bogenhausen kommend über den sogenannten Wedel-Damm in westlicher Richtung zur Eisbachstraße ging.

Der untere Teil der heutigen Lerchenfeldstraße hieß Eisbachstraße und mündete südlich in die Bogenhauser Straße, die in Oettingenstraße umbenannt wurde.

Das Gelände nördlich der Karolinenstraße wurde von der Tivolimühle beansprucht. Diese errichtete wegen des wachsenden Fuhrwerksverkehrs einen Zaun längs der Karolinenstraße. Es kam zur Auseinandersetzung mit dem Bezirksamt und der Lokalbaukommission. Der Zaun musste bis zum östlichen Teil der Straße von Schwabing nach Bogenhausen, der heutigen Tivolistraße, zurückgesetzt werden. Die Stadt hatte sich bis in die Nähe des Tivoligeländes ausgedehnt (Jubiläumsschrift der Tivolimühle, S. 57).

Ende des 19. Jahrhunderts benannte die Stadtverwaltung viele Straßen neu. Im Straßenverzeichnis München befinden sich die Jahreszahlen und die Ursprünge der Namensgebung.

Die Erstnennung der Tivolistraße für die Verbindung von Schwabing nach Bogenhausen erfolgte 1897 – so wie bei der Hirschauer Straße.

Die frühere Hirschauer Straße hat mit der heutigen nur den Namen und die Richtung gemeinsam. Weiter nördlich mündete sie in die Gyßlingstraße am Maffeiwerk. Deren Benennung erfolgte 1905 nach Walter Gyßling (1836–1903), Direktor des bayerischen Dampfkessel-Revisionsvereins in München. Am Anfang der alten Hirschauer Straße führte eine östliche Straßenabzweigung oder ein Weg direkt zur Gaststätte Tivoli und danach zur Mühle. Die heutige Hirschauer Straße endet am Tucherpark. Einen spannenden Vergleich bekommt man bei Aufruf dieses Links zum BayernAtlas mit der Überlagerung zur Topografischen Karte 1:25000 aus dem Jahr 1900.

1897 kam es auch zur Bezeichnung Oettingenstraße, benannt nach dem bayerischen Staatsmann und Fürst Ludwig zu Oettingen-Wallerstein (1791–1870). Vorher hieß die Oettingenstraße Bogenhauser Straße. Die Straße längs des Eisbaches zwischen Tivoli und Oettingenstraße wurde ab 4.1.1900 Theodorparkstraße genannt. Theodorpark war die erste amtliche Bezeichnung des Englischen Gartens nach dem Auftraggeber Kurfürst Karl Theodor (1724–1799).

Bogenhauser Straße

Den Standort des historischen Tivoli und die heutige Bebauung im nördlichen Lehel zeigt ein Lageplan in der 2018er Ausgabe des NordOstMagazins: Die Bogenhauser Straße / Am »Tivoli« – von Bogenhausen nach Schwabing. Karin Bernst und Dr. Willibald Karl schufen diese umfänglich bebilderten Beiträge. Dort sind auch eine Skizze der Bogenhauser Straße nach einem Plan von 1877 und die Stadtkarte von 1891 mit den Gaststätten Tivoli und Neuberghausen enthalten. In den zwei Abbildungen findet man die Bezeichnungen Bogenhauser Straße, Bogenhauser Fußweg oder Wedel-Damm, Karolinenstraße, Eisbachstraße, Dianastraße, Riedlstraße und Paradiesstraße.

Bemerkenswert ist, dass nach den weiteren Abbildungen im NordOstMagazin zwischen der heutigen Lerchenfeldstraße und der Oettingenstraße ein Arm des Eisbachs verlief, der 1877 bis zur Paradiesstraße nicht an der Oberfläche war. Ein weiterer Eisbacharm wurde 1891 nach dem Dianabad in Richtung Dianastraße abgeleitet. Bei der Karolinenstraße mündete er wieder in den gegenwärtigen Eisbach zurück. Die Skizze von 1877 zeigt außerdem den anstelle der derzeitigen Reitmorstraße fließenden Hammerschmiedbach, der östlich des Wedel-Damms verlief und auf Höhe der Karolinenstraße wieder in die Isar zurückfloss.

Der Lageplan der Bogenhauser Straße beinhaltet von Norden nach Süden die historischen Zollhäuser von 1844, 1847 und 1887, die den Stadtzoll für den Warenverkehr von und zur Mühle regelten und insgesamt der Kontrolle der städtischen Zoll- und Aufschlagsgefälle dienten. Beschreibungen hierzu finden sich im NordOstMagazin. An der Stelle des ersten Zollhauses befand sich der ehemalige Kiosk Oettingenstraße. Beim 1887er-Zollhaus liegt die Trambahnhaltestelle Paradiesstraße.

Bogenhauser Straße Lageplan 2017. Der Besuch des hier verlinkten Beitrags im NordOstMagazin ist sehr empfehlenswert.

Baudenkmäler

Villa von 1923 in der Hirschauer Straße 6
Villa von 1923 in der Hirschauer Straße 6

Nördlich der Ecke Hirschauer und Tivolistraße wurde 1923 die herrenhausartige, neuklassizistische Villa für Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen errichtet. Heute ist das Gebäude der Altbau der Frauenklinik Dr. Geisenhofer an der Hirschauer Straße 6. Die benachbarte, neoklassizistische Villa aus dem Jahr 1924 von Paul Bücklers hat die Hausnummer 8.

Beim Stichwort Tivolistraße im Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München zeigt sich ein Foto von 1926 mit der 1923 errichteten Villa. Die Straße hieß aber nicht Tivolistraße, sondern bereits seit 1897 Hirschauer Straße. Der Standort des Gebäudes mit der heutigen Nummer 6 und den vielen neuen Anbauten kommt vermutlich der Lage des historischen Tivoli sehr nahe.

Es ergibt sich jedoch die Besonderheit, dass die Gaststätte 1924 abgerissen und die Villa bereits 1923 erbaut sein soll. Das Hauptgebäude der Gaststätte Tivoli von 1812 und 1883 lag somit östlich der Villa. Beim bereits erwähnten Vergleich von historischen und aktuellen Karten passt der Umriss der Villa genau in eine Lücke der damals umliegenden Gebäude des Tivoli.

Bedeutende Baudenkmäler am Nordrand des Lehels sind die in den Jahren 1911 und 1912 errichteten Jugendstil-Mietshäuser Karolinenstraße 4 und das Ensemble Widenmayerstraße 46–50 mit den Rückfassaden am Eisbach. Zur Baugruppe gehört auch der Jugendstil-Eckbau mit dem Mietshaus Tivolistraße 1 um 1910. Schon 1899 war das Mietshaus Widenmayerstraße 52 an der Ecke zur Tivolistraße entstanden. Der Architekt Wilhelm Spannagel verwirklichte den Eckbau im Stil der deutschen Renaissance mit reich dekorierten Erkern. Im Gebäude befinden sich schon lange Restaurants mit wechselnden Pächtern und internationaler Orientierung.

Karolinenstraße 4 – 1913
Karolinenstraße 4 –1913
Neubarocke Villa – Himmelreichstraße 4 – 1910
Neubarocke Villa – Himmelreichstraße 4 – 1910

1910 wurde an der Himmelreichstraße 4 eine stattliche, neubarocke Villa von den Architektenbrüdern Alois und Gustav Ludwig errichtet. Diese bauten zur selben Zeit auch den benachbarten, neoklassizistischen, viergeschossigen und freistehenden Putzbau mit Seitenrisalit und gewölbten Erkern in der Oettingenstraße 35. Ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein neoklassizistisches, hölzernes Landhaus mit einem Torbau in der Oettingenstraße 39 angelegt.

Das denkmalgeschützte Mietshaus Oettingenstraße 36 mit dem derzeitigen Restaurant Leib und Seele ist Neubarock von 1894/95. Nummer 46 und 48 sind barockisierender Jugendstil aus den Jahren 1905–08 und um 1900. Die heutigen Mietshäuser und Baudenkmäler in der Lerchenfeldstraße 11, 13 und 15 entstanden auch zwischen 1905 und 1908 und wurden von Anton Wörz geplant. Der neubarocke viergeschossige Eckbau mit zwei turmbekrönten Eckerkern, seitlichem Kastenerkern und Zwerchhäusern beherbergt heute das Café-Restaurant Paradiso. Nummer 13 und 15 sind dreigeschossige Putzbauten mit Stuckgliederung in barockisierendem Jugendstil. Das Gebäude der Lerchenfeldstraße 16 ist ein dreigeschossiger Mansarddachbau von 1895 mit Fassadengliederung in Formen der Neurenaissance.

Oettingenstraße 36 und Lerchenfeldstraße 11 im Hintergrund – 1911
Oettingenstraße 36 und Lerchenfeldstraße 11 im Hintergrund – 1911

Ansonsten haben die Riedlstraße ein, die Paradiesstraße zwei und die Emil-Riedl-Straße neun Baudenkmäler.

Der weitere Umkreis in nördlicher Richtung zur Prinzregentenstraße und in östlicher zur Isar verfügt ebenfalls über denkmalgeschützte Bauten des nördlichen Lehels, die in der hier verlinkten Liste der Baudenkmäler im Lehel mit Fotos und Beschreibungen vorgestellt werden.

Ehemalige Bauwerke

Johann Gabriel Friedrich Poppel – Dianenbad oder Dianabad 1846
Johann Gabriel Friedrich Poppel – Dianenbad oder Dianabad 1846

Das Dianabad (1818–1909) und das Wirtshaus Zum Himmelreich lagen am Eisbach und wurden von der Aktiengesellschaft Kunstmühle Tivoli abgebrochen. Zum Dianabad oder Dianenbad im Jahr 1846 beinhaltet das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München einen Stahlstich von Johann Gabriel Friedrich Poppel (1807–1882), der nach einer Zeichnung koloriert wurde.

Die Lithografie Dianabad des J. G. Frey im Englischen Garten beinhaltet neun Ansichten von 1858. Sie zeigen Detailbilder der Anwendungsräume, Wintergärten mit Springbrunnen und einen überdachten Kaffeesaal.

Bildunterschrift: „Bade- und Curanstalt für Wasserheilverfahren, Gymnastik und Galvanismus“ in deutscher, englischer und französischer Sprache.

Dianabad des J. G. Frey im Englischen Garten 1858
Dianabad des J. G. Frey im Englischen Garten 1858
Dianabad – Oettingenstraße 1905
Dianabad – Oettingenstraße 1905
Dianabad – Oettingenstraße 1900
Dianabad – Oettingenstraße 1900

Die Teilansichten des Dianabads aus den Jahren 1900 und 1905 sind von der Oettingenstraße aus fotografiert.

Alex Vell stellte in der Facebook-Gruppe „München historisch“ am 01.04.2024 zwei Beiträge zum Dianabad vor:

  • Fritz Zink: „Das Dianabad in München“ im Monatsmagazin 1/97 der Digitalen Bibliothek der Universität Heidelberg
  • Sabine Ludyga in ihrer Doktorarbeit 2004 „Geschichte der Naturheilkunde in Bayern im 19. Jahrhundert“

In Oppelt: Das alte Lehel, 1904, befinden sich Abbildungen vom Paradiesgarten vor dem Abriss 1894

Die Kgl. priv. Ludwigs-Walzmühle und spätere Kunstmühle Tivoli sind ebenfalls beinhaltet.

Paradiesgarten vor dem Abriss 1894
Paradiesgarten vor dem Abriss 1894
Kgl. priv. Ludwigs-Walzmühle, jetzt Kunstmühle Tivoli
Kgl. priv. Ludwigs-Walzmühle, jetzt Kunstmühle Tivoli

Die Gaststätte zum Himmelreich wird einmal bei Oppelt abgebildet.

Im Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München findet man sogar fünf Bilder von der 1901 abgebrochenen Gastwirtschaft zum Himmelreich.

Gastwirtschaft zum Himmelreich 1901
1901
Gastwirtschaft zum Himmelreich 1880
1880
Gastwirtschaft zum Himmelreich 1895
1895
Gastwirtschaft zum Himmelreich 1895
1895
Gastwirtschaft zum Himmelreich 1899
1899
Gastwirtschaft zum Himmelreich 1895
1895

Nordöstlich zwischen Isar und Widenmayerstraße hatte der Turn- und Sportverein Jahn München bereits 1904 eine Turnhalle errichtet. Das Gebäude wurde 1944 zerstört und konnte nicht mehr genutzt werden. Mit Eigenleistung wurden an der Widenmayerstraße eine neue Vereinsanlage mit kleiner Gymnastikhalle und großer Sporthalle wiederaufgebaut. Später musste aber ein neues Baugelände gesucht werden, weil für das Grundstück nur ein befristetes Erbbaurecht bestand. Weltkriegsruine und Nachfolgebauten wurden 1962/63 für die Straßenverbreiterung abgerissen.

Für das erste Foto beinhaltet Wikipedia die Jahreszahlen 1906, 1907 und 1911. Der Nutzungsrechtsinhaber ist Ottmar Zieher in München. Die Abbildung befindet sich auch auf einer Internetseite des Vereins NordOstKultur München. Im Vereinsangebot findet man weitere Informationen zur Max-Joseph-Brücke, Bogenhauser Brücke oder Tivolibrücke. Die drei anderen Fotos von 1905, 1908 und 1909 sind aus dem Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München.

München, Isar mit Turnhalle an der Widenmayerstraße und Max-Joseph-Brücke
München, Isar mit Turnhalle an der Widenmayerstraße und Max-Joseph-Brücke
Turnverein Jahn – Widenmayerstraße 40 – 1905
Turnverein Jahn – Widenmayerstraße 40 – 1905
Turnverein Jahn – Widenmayerstraße 40  – 1908
Turnverein Jahn – Widenmayerstraße 40 – 1908
Turnverein Jahn – Widenmayerstraße 40 – 1909
Turnverein Jahn – Widenmayerstraße 40 – 1909

Zwischen 1970 und 1985 bestand anstelle des Restaurants und Biergartens am Kleinhesseloher See nur ein Kiosk. Vorher gab es aber schon zwei Seehäuser. Die nächsten Bilder zeigen das Seehaus von 1905 und eine Luftaufnahme von Schwabing am See mit dem Hintergrund der Fabrik in der Hirschau aus dem Jahr 1910.

Die Ansicht der Lokomotivenfabrik Maffei ist von 1905. Bei der Draufsicht von 1927 erkennt man Isar, Eisbach, Tivoli-Kraftwerk und die gesamten Werksanlagen. Kleinhesselohe und Hirschau gehören nicht zum Tivoli, sind jedoch benachbarte Ortsbezeichnungen, die deshalb hier aufgeführt werden.

Kleinhesseloher See 1905
Kleinhesseloher See 1905
Luftaufnahme von Schwabing am See mit dem Hintergrund der Fabrik in der Hirschau aus dem Jahr 1910
Luftaufnahme von Schwabing am See mit dem Hintergrund der Fabrik in der Hirschau aus dem Jahr 1910
Ansicht der Lokomotivenfabrik Maffei von 1905
Ansicht der Lokomotivenfabrik Maffei von 1905
Draufsicht von 1927 mit Isar, Eisbach, Tivoli-Kraftwerk und den gesamten Werksanlagen
Draufsicht von 1927 mit Isar, Eisbach, Tivoli-Kraftwerk und den gesamten Werksanlagen
Luftbild von 1917 mit St. Sylvester, altem Seehaus und Maffei-Fabrik in der Hirschau nach https://www.trambahn.de/losttracks-maffeigleis
Luftbild von 1917 mit St. Sylvester, altem Seehaus und Maffei-Fabrik
nach https://www.trambahn.de/losttracks-maffeigleis
Machinenfabrik Maffei 1911 nach https://www.trambahn.de/losttracks-maffeigleis
Machinenfabrik Maffei 1911
nach https://www.trambahn.de/losttracks-maffeigleis

Weitere Abbildungen, Fotos, Ortsblätter und Zeitungsinhalte

So wie bei den obigen historischen Fotos vom Tivoli findet man bei der Bildersuche im Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München zahlreiche Fotos aus dem nördlichen Lehel. Eine aktuelle Aufnahme dieser Bilder würde dem Titel dieses Beitrags und einer künftigen Aktualisierung nicht gerecht.

Stichwörter mit einem Suchergebnis sind beispielsweise Dianastraße, Dianabad, Karolinenstraße, Himmelreich, Paradiesgarten, Paradiesstraße, Oettingenstraße und Tivolistraße.

Meine Bildersuche und Bildersammlung wurden im Verlauf der Zeit immer umfangreicher. Dabei war es nicht immer möglich, die früheren Quellen nachzuvollziehen. Außerdem verändern Onlinequellen ihre Angebote. Neben dem Stadtarchiv bestehen natürlich weitere Informationsquellen.

Das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München beinhaltet zum Stichwort Tivoli München nur drei Ergebnisse, die bereits in diesem Beitrag enthalten sind. Bilder der Staatsbibliothek befinden sich auch in bavarikon, dem Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus Einrichtungen in Bayern.

Die Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek werden vom Münchener DigitalisierungsZentrum ins Internet gebracht. Das Zeitungsportal mit dem Namen digiPress bietet Zugriff auf digitalisierte historische Zeitungen. Die Volltextsuche mit „zum Tivoli“ ergibt 166 Treffer. Grenzt man Erscheinungsort und Verbreitungsort auf München ein, bekommt man die überschaubare Anzahl von 38 Zeitungsausschnitten im 19. Jahrhundert. Meist sind es Anzeigen der Wirte, aber auch die Suche nach Verlorenem und sogar die Verkaufsanzeige vom Montag, den 17. Januar 1870 in der Abendausgabe der Bayerischen Landeszeitung.


Mit der Suche in der Bayerischen Landesbibliothek Online (BLO) finden sich zwölf Ortsblätter mit dem Stadtviertel der Ortsbezeichnung Tivoli des 19. Jahrhunderts:

Tivoli, Stadtviertel (o. J.), (ca. 1809), (1810), (ca. 1816), (1830), (1833), (1833), (1853), (1853), (1858), (1858), (1859).

Man wird nicht auf jedem Ortsblatt fündig, aber einige geben eine Vorstellung von der Lage und den Gebäuden.

Hier wird nur ein Beispiel von 1833 gezeigt, weil es informativer und unterhaltsamer ist, sich selbst durchzuarbeiten, um Eindrücke und Überblicke zu bekommen.

Kartenausschnitt Ortsblatt Tivoli 1833
Kartenausschnitt Ortsblatt Tivoli 1833

Bei Delcampe, dem größten Marktplatz für Sammler im Internet, findet man 12.370 Artikel bei der Suche nach Tivoli in der Kategorie Ansichtskarten. Für München ist jedoch nichts dabei. Wird nach Ansichtskarten gesucht, entdeckt man eine Postkarte mit einer Ansicht der Klinik Dr. Geisenhofer aus der Zeit vor 1940 und die Gasträume der Gaststätte zum Paradiesgarten in der Oettingenstraße mit unbekanntem Jahr.

Die umfangreichste Bildquelle zur Gegenwart ist natürlich das gesamte Fotoangebot von Tivolifoto München, auf dessen Verlinkung ich in diesem Beitrag weitgehend verzichte. Der Betrachter oder Leser dieser Geschichte des Tivoli kann sich aber hier ein umfassendes Bild über das nördliche Lehel, den Englischen Garten, den Tucherpark und den Münchner Tivoli seit 2004 machen.

Eisbach

Die Benennung und Entwicklung des Tivoli in München sind mit der Entstehung des Englischen Gartens und der Kanalisierung des Eisbachs verbunden. Der Gestalter des Englischen Gartens, Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823), nutzte ab 1789 die Überschwemmungsräume der Isar für das Bachsystem im Park.

Als linke Ableitung der Isar bildet der 2,8 Kilometer lange Eisbach eine Grundlage für die Gewässer im Park. Er durchfließt unterirdisch das südliche und mittlere Lehel und dann den südlichen Englischen Garten. Zwischen Oettingenstraße und Tivolistraße strömt er neben dem Wohngebiet des nördlichen Lehels entlang der Theodorparkstraße. Danach tritt er in den Tucherpark ein und kehrt in den nördlichen Englischen Garten und die Isar zurück.


Wasserfall mit der Ableitung des Schwabinger Bachs vom Eisbach im Jahr 1885
Wasserfall mit der Ableitung des Schwabinger Bachs vom Eisbach im Jahr 1885

In seiner Nutzungszeit als Industriekanal grenzte der Eisbach nach der Tivolistraße direkt an das Grundstück der Gaststätte Zum Tivoli (1827–1923) und durchfloss danach eine Getreidemühle mit den folgenden Bezeichnungen: Neumühle ab 1808, Königlich privilegierte Ludwig-Walzmühle ab 1837 und Kunstmühle Tivoli von 1872 bis 1969. Ab 1814 errichtete der Hofhammerschmied Lindauer gegen den Widerstand des Hofgartenintendanten Sckell eine Stahlfabrik am nördlichen Eisbach. Aus dem Lindauer’schen Hammer entstand die Maffei-Fabrik. Die Energie für Mühle und Fabrik lieferte ab 1896 das Tivoli-Kraftwerk am Eisbach.

Am Anfang des 21. Jahrhunderts entwickelte sich der Eisbach zu einem fragwürdigen Gewässer mit Schwimmenden trotz Verboten, gesundheitsschädlichem Lärm, zahlreichen Gefahren, Unfällen und Todesfällen. Die Stadtverwaltung lehnt Verantwortung, Haftung, Gefahrenschutz und Verbotskontrolle im städtischen Teil des Eisbachs ab. Als Anwohner berichte ich in diesem Internetangebot mit mehreren Beiträgen, z. B. Die Schreischwimmer vom Eisbach, Die Schlangen im Eisbach.


Am Münchner Eisbach entstanden zwei Surfwellen und damit auch Beiträge zum fragwürdigen Lebensstil oder Lebensgefühl des Surfens im Sinne von Leichtigkeit. So ist es beispielsweise nicht mehr notwendig, Texte zu lesen oder Abbildungen anzuschauen, weil man ja darüber hinweg oder weiter surfen kann.

Eisbach und Surfen verstehen sich als aktueller Trend und Kult, den die Immobilienbranche natürlich aufgreift. Deshalb soll der Tucherpark von 1969, der aus geschichtlicher Sicht zum Stadtbereich Tivoli gehört, ab 2024 als Eisbachviertel benannt werden. Damit lassen Investoren den einfachen Industriekanal Eisbach in den Münchner Immobilienhimmel auffahren.

Tennisanlage 1924 bis 2014

Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Jahres 1924 denkt man nicht gleich an die Anlage von Tennisplätzen. Das nördliche Lehel war mit seiner Lage zwischen Isar und Englischem Garten wie ein Dorf in der Großstadt. Im Süden gab es bereits die herrschaftliche Prinzregentenstraße mit repräsentativen Bauten. Die luxuriösen Mietshäuser der Gründerzeit hatten sich bis zum Tivoli vorgeschoben. Die meisten Menschen lebten aber in einfachen Herbergshäusern und besaßen nur Lebenswichtiges.

Warum in dieser Zeit eine Tennisanlage gebaut wurde, ist nur schwer verständlich – ebenso die Hintergründe oder Auftraggeber und die Finanzierung. Aus der Geschichte des Tennissports ist nichts erfahrbar. Bei der Stadtgeschichte müsste man dafür Originalquellen sichten, z. B. Grundbucheinträge, Kaufverträge, Firmenrechnungen und Zeitungsartikel. Dabei ist nicht einmal gesichert, ob 1924 das Erbauungsjahr war. Im Internet und in meinen Tivolibüchern sind keine Informationen zu finden.


Das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München beinhaltet zum Stichwort Tennisplatz Tivoli ein Foto vom Sommer 1951. Es zeigt ein Gruppenbild mit unbekannten Personen auf dem Tennisplatz gegenüber den Häusern an der Theodorparkstraße. Fotografin war Felicitas Timpe (1923–2006).

Die Tennisanlage am Tivoli wurde vermutlich ab den 1980er oder 1990er Jahren bis 2006 vom Ehepaar Hahn gepachtet und betrieben. Der Name stand in Verbindung mit der Kette von Weinlokalen und Restaurants bis etwa 1980. Legendär waren die Hahnhöfe im München der 1970er Jahre, besonders der Hahnhof in der Leopoldstraße.

Felicitas Timpe (1923–2006) – Gruppenbild mit unbekannten Personen auf dem Tennisplatz gegenüber den Häusern an der Theodorparkstraße – 1951
Felicitas Timpe (1923–2006) – Gruppenbild mit unbekannten Personen auf dem Tennisplatz gegenüber den Häusern an der Theodorparkstraße – 1951

Tennisspieler haben mir mitgeteilt, dass Teile der Einrichtung im gastronomischen Bereich des Betriebsgebäudes der Tennisanlage aus diesem Lokal stammen sollen. In der Schublade eines Jockeltisches soll sich ein Album mit Fotos aus der Geschichte der Tennisanlage befunden haben. Diese Information kam von Otto Zelger (1921–2013). Otto war als Kind Balljunge auf dem Tennisplatz und Tennisspieler bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren. Das Fotoalbum ist verschollen und wäre eine wichtige Geschichtsquelle. Bei Kenntnis über den Verbleib bitte ich um Mitteilung.

Von 2004 bis 2007 hatte das Café-Restaurant verschiedene Pächter und Namen. Es bestand die wetter- und personalbedingte Schwierigkeit, Tennis- und Gastronomiebetrieb gleichzeitig anzubieten. 2007 übernahm der Tennislehrer Alexandros Chatzistamou den Platz und 2008 seine Ehefrau Violetta das Lokal. Die weitere Entwicklung ist in meinem Internetangebot umfangreich dokumentiert.


Tivoli Tennis vor 2014
Tivoli Tennis vor 2014

Berichte aus den 1970er Jahren in der Lerchenfeldstraße und Umgebung gibt es von Gisela Welzenbach, die ihre Jugenderinnerungen in der Abendzeitung München veröffentlicht hat. Ihr Vater war über viele Jahre Tennislehrer und brachte seiner Familie das Tennisspielen bei. Sie schrieb, dass es auf dem Platz zahlreiche Turniere gab und im Lokal oft gefeiert wurde.

Balljunge und langjähriger, begeisterter Tennisspieler war Sigi Sommer (1914–1996). Es wird berichtet, dass er sehr unzufrieden und aufbrausend mit der eigenen und der Leistung anderer war und nicht gut verlieren konnte. Frau Welzenbach nimmt an, dass Sigi Sommer die Zerstörung der Tennisanlage mit allen Mitteln verhindert hätte. Und diese Mittel wären durch seine journalistischen und schriftstellerischen Erfolge als Münchner Original gewaltig gewesen. In der Münchner Abendzeitung hätte er wahrscheinlich mit seiner fast 40-jährigen Lokalkolumne Blasius der Spaziergänger jedes einzelne rote Sandkorn verteidigt.

Neben Sigi Sommer spielten am Tivoli zahlreiche Prominente aus vielen Bereichen, z. B. der frühere Polizeipräsident Manfred Schreiber (1926–2015), der Musikmanager Monti Lüfter (1931–2009) und der Fußballer Philipp Lahm. Viel wichtiger als die Nennung solcher Personen war aber das sehr erfolgreiche Angebot von ganztägigen Ferienkursen für Kinder in den letzten Jahren der Tennisanlage bis 2013. Tennis hatte vielleicht in früheren Jahrzehnten als modisch oder elitär gegolten. Am Tivoli konnten jedoch schon immer alle Gäste ohne Vereinszwang die Anlage bespielen und das Lokal besuchen. Hier bildeten Anwohner und Prominente, Erwachsene und Kinder eine typische Münchner Sportgemeinschaft in einer zentrumsnahen und trotzdem idyllischen Lage.

Ferienkurs für Kinder am Tivoli 2013
Ferienkurs für Kinder am Tivoli 2013

Interimscontainer 2014–2021–2034

Ungenehmigte Nutzung bis 2022 und Verlängerung bis 2034

Containerschule mit Erweiterungsbau und Socceranlage
Containerschule mit Erweiterungsbau und Socceranlage

Nach der Tennisanlage eroberten Blech, Beton, Kunststoff und Lärm das Gelände. Ende 2014 und ab dem Schuljahr 2015/16 zerstörte ein unfähiger Teil der Münchner Stadtpolitik und Stadtverwaltung die 90 Jahre alten Tennisplätze. Das Grundstück der Stadt mit dem Zwei-Drittel-Anteil an der Gesamtanlage wurde zum Ausweichquartier mit Containern für die dreijährige Schulrenovierung des Wilhelmsgymnasiums im mittleren Lehel.

Danach zog das Maximiliansgymnasium aus Schwabing für weitere vier Jahre trotz Genehmigung für nur drei zusätzliche Schuljahre in die Container ein.

Das Schulreferat teilte Mitte 2021 den Anwohnern die Verlängerung des Interims um zwölf Jahre mit, obwohl der zugrunde liegende Stadtratsbeschluss nur sechs Jahre vorgesehen hatte. Nach dem Baurecht liegen die Grundstücke im sogenannten Außenbereich. Hier sind nur Nutzungen wie Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Energie- und Wasserversorgung möglich, aber keine baurechtliche Zulässigkeit für Schulen.

Als betroffener Anwohner schreibe ich nur sehr ungern über dieses Kapitel und bezeichne diese Vorgänge wegen des Politik- und Verwaltungsversagens als Tivoliskandal. In meinem Internetangebot befinden sich etliche Beiträge mit ausführlichen Informationen und Fotos, z. B. Skandal am Tivoli. Skandal am Tivoli – Erweiterungen, Skandal am Tivoli – Die Klage und Skandal am Tivoli – Verlängerung.

Anliegerinformationen zur Standzeitverlängerung der Interimsalage in der Oettingenstraße 78
Anliegerinformationen zur Standzeitverlängerung der Interimsalage in der Oettingenstraße 78

Diese Ungeheuerlichkeiten sind kaum vorstellbar: Erst versagten Politik und Verwaltung der Stadt beim Unterhalt von Schulen, dann zerstörten sie eine langjährige, traditionelle Sportanlage gegen den Willen der Anwohner und der Sportler. Schließlich wurde das Ausweichquartier für Schulen aus anderen Stadtteilen langfristig etabliert. Erweiterungen wurden gebaut – sogar ohne Genehmigung.

Kartendienste im Internet bezeichnen die Containeranlage als Ausweichgymnasium. Dieser Name wurde vermutlich von städtischen Stellen so weitergegeben, obwohl es sich nur um eine Interimsanlage handelte, befristet bis 9/2021. Der Zeitraum wurde ohne Genehmigung bis 2022 überschritten und dann um zwölf Jahre bis 2034 verlängert.

Ab dem Schuljahr 2022/23 nutzte die Helen-Keller Realschule aus Johanneskirchen die Container. Wenigstens wurde der Außengong abgeschafft und die lärmintensiven Zeiten verringert.

Seit 2015 bestimmen Geschrei, Ballknallen, Lichtverschmutzung und hässliche Containerbauten den Tivoli. Rücksichtsloser Schullärm schädigt die Gesundheit der Anwohner. Die Münchner Stadt benimmt sich am Tivoli wie ein selbstherrlicher Immobilienhai, der sich sein Recht selbst bestimmt, und der Freistaat Bayern lässt das zu. Anwohner ohne Grundbesitz können nicht dagegen vorgehen. Eigentümer von Grundstücken und Wohnungen leben meist andernorts und sind vom Lärm nicht betroffen.

Schwarzbau der Socceranlage ab 2019

Das städtische Referat für Bildung und Sport mietete 2019 das Grundstück auf dem südlichen Teil der abgetragenen Tennisanlage und errichtete für die Schule einen umweltschädlichen Soccer-Five-Platz als Schwarzbau. Dabei wurde nicht bedacht, dass eine ganztägige schulische Nutzung die Anwohner erheblich stört und sich außerhalb der Schulzeiten andere Jugendliche einfinden. Auf mein Betreiben hin entstanden Zäune, Hinweisschilder und auf die Pausen beschränkte Nutzungszeiten.

Ebenfalls von mir veranlasst, musste die Stadtverwaltung nachträglich einen Bauantrag stellen und sich selbst genehmigen. Dieser beinhaltete das Nutzungsende 9/2021 und wurde von mir ab Dezember 2020 vor dem Verwaltungsgericht beklagt. Seitdem hat die jeweilige Schule die Socceranlage ohne Baugenehmigung genutzt und die zuständige Lokalbaukommission des Referats für Stadtplanung und Bauordnung hat diesen Verstoß gegen die Bayerische Bauordnung geduldet.

Erst am 28.02.2023 genehmigte die Lokalbaukommission den Bau unter Auflagen und befristet auf zwölf Jahre mit dem Nutzungsende September 2034. Die Auflagen sind aber so geheim, dass sie nur benachbarte Grundstückseigner und keine Anwohner einsehen dürfen.

Deshalb ergaben sich uneingeschränkte Handlungs- und Lärmspielräume für die schulische Nutzung, mit teilweise großer Rücksichtslosigkeit gegenüber den Nachbarn. Die Narrenfreiheit wurde vom Maximiliansgymnasium rücksichtslos und von der Helen-Keller-Realschule einigermaßen erträglich genutzt.

Lärmschädigende Socceranlage mit dem Knallen des Balls von der Umrandung
Lärmschädigende Socceranlage mit dem Knallen des Balls von der Umrandung

Am 14. August 2025 wurde die gesundheitsschädliche, unselige Socceranlage abgebaut. Der geplante Bau von neuen Wohnungen beendete alle Interimsgenehmigungen der Oettingenstraße 74. Seit dem Schwarzbau von 2019 habe ich umfassende Erfahrungen gegen das vermeintlich fortschrittliche, rot-grüne Lärm-Ungeheuer gewonnen. Die Internetbeiträge zu erfolgreichen Anwohnerprotesten gegen Socceranlagen sind erheblich gewachsen.

Typisch für München ist, dass Stadtbewohner gegen die Stadtverwaltung und Stadtpolitik vorgehen müssen. Beide hatten die Bevölkerung 2014 mit der Interimsnutzung von sechs Jahren belogen. Das Gelände liegt im Außenbereich, der keine schulische Nutzung und keine Wohnbebauung gestattet. Die Stadt genehmigte sich aber das Recht selbst. Mit Demokratie hatte das nichts zu tun.

Gaststätte Tivo ab 2022

Im Innen- und Außenbereich der Betriebsbaracke der Tennisanlage an der Oettingenstraße 74 genehmigte die Lokalbaukommission 2022 den Gastronomiebetrieb Tivo mit einem einzelnen Tennisplatz und mit fragwürdiger Rechtsgrundlage. Es folgte für die Anwohner gesundheitsschädlicher Lärm vom Wirtschaftsgarten der Gaststätte, vom Tennisplatz und von der unberechtigt genutzten, benachbarten Socceranlage.

Die Betreiber hatten mich aufgrund meines Internetangebots kontaktiert und mir mitgeteilt, nur einen Tennisplatz ohne Gastronomie zu beabsichtigen. Die Verbindung zur sogenannten Szenegastronomie war aber im Internet leicht zu finden. Das Verhalten im Vorfeld ließ Absichten wie Terrassenpartys mit Lärm im Freien und Ruhestörungen für Anwohner vermuten.

Nach der Genehmigung von Gastronomie und Tennisplatz nutzten Gäste des Tivo unberechtigt die benachbarte Socceranlage der Schule. Ab Herbst 2022 wurde sogar eine umweltschädliche, lärmintensive Plastik-Eisstockbahn im Wirtschaftsgarten vor dem Gebäude angeboten. Insgesamt kam es zu den folgenden Ordnungswidrigkeiten und Lärmbelästigungen:

  • Betrieb von Musikanlagen und Livemusik mit Beschallung des Wirtschaftsgartens und der ganzen Umgebung
  • Nicht genehmigte Veranstaltungen für Privatpartys und Firmenfeiern mit Livemusik
  • Geschrei, Lärm und Lichtverschmutzung im Wirtschaftsgarten der Gaststätte
  • Nutzung der Socceranlage der Schule trotz Untersagung
  • Unsportliches Schreien auf dem Tennisplatz
  • Betrieb einer lärmintensiven Eisstockbahn im Wirtschaftsgarten
  • Lautstarker Gaststättenbetrieb im Wirtschaftsgarten ohne Genehmigung nach 22:00 Uhr
Gaststättenbaracke Tivo mit Eisstockbahn und einem Tennisplatz 1922
Gaststättenbaracke Tivo mit Eisstockbahn und einem Tennisplatz 1922

Als betroffener Anwohner wurde ich veranlasst, die zahlreichen Unrechtmäßigkeiten auf der Internetseite https://tivolifoto.com/gaststaette-tivo-in-der-oettingenstrasse-74/ zusammenzufassen. Die für Lärmbelästigungen, Ruhestörungen und Gaststätten zuständige Bezirksinspektion des Kreisverwaltungsreferats empfahl den Anwohnern polizeiliche Notrufe und Anzeigen, die ab 2023 vielfach notwendig wurden.

Mit den Anzeigen wurde die Ausrichtung der Gaststätte Tivo als lärmende, störende Eventlocation für Terrassenpartys zum Nachteil der Anwohner teilweise verhindert. Damit verringerten sich die Geschäfts- und Verdienstmöglichkeiten für die Betreiber. Die Zahl der Anwohnerproteste und Zeugen gegen den Lärm wuchs. 14 Anzeigen der Nachbarn wegen Auflagenverstößen wurden auf die Empfehlung der Ordnungsbehörde notwendig.

Die Stadtverwaltung musste gegen die eigenen Genehmigungen vorgehen, weil sie von rücksichtslosen privaten Betreibern missbraucht wurden.

Allgemeine Grünanlage im Regionalen Grünzug

Tor in der Mauer an der Ecke Hirschauer und Tivolistraße
Tor in der Mauer an der Ecke Hirschauer und Tivolistraße

An der Ecke Hirschauer und Tivolistraße steht in beiden Straßen eine Mauer mit einem unzugänglichen Pfeilertor und einem Pavillon am östlichen Ende in der Tivolistraße. Dort befand sich vor Jahren noch ein Schild mit der Hausnummer Tivolistraße 4. Vieles weist auf das 19. Jahrhundert als Entstehungszeit der Bauten hin. In der Hirschauer Straße wird die Mauer durch ein Fundament mit Säulen und durch einen Lattenzaun fortgesetzt, sodass der Blick auf das nicht genutzte Grundstück möglich ist. Von Osten, also von der Eisbachseite her, kann man das verwilderte Gelände über Pfade und leicht überwindbare Drahtzäune sogar betreten.

Die Mauer in der Tivolistraße, der Zaun in der Hirschauer Straße und ein Drahtzaun zum Gelände der Frauenklinik Dr. Geisenhofer umgeben ein Grundstück, das in dieser Lage wie ein Kuriosum oder ein Spekulationsobjekt wirkt. Vermutlich hat es zur Gaststätte Tivoli, danach zur Tivolimühle und zur HypoVereinsbank gehört. Durch den 2019er-Verkauf des Tucherparks gehört es heute den Unternehmen Commerz Real und Hines Immobilien.

Denkmalgeschützte Mauer in der Tivolistraße
Denkmalgeschützte Mauer in der Tivolistraße
Tivolimauer
Tivolimauer: Die Verschmutzungen der denkmalgeschützen Mauer werden von den sogenannten Investoren des Tucherparks nicht beseitigt.

Hinter der Mauer befindet sich ein Gelände mit einem großen Bestand an hohen, alten Bäumen. Das Grundstück wird aber nicht gepflegt und verkommt zunehmend. Etliche Bäume sind besonders stark mit Efeu überwuchert. Die Fläche wird nicht gemäht, weil die Verbuschung bereits eingetreten ist. Leidende Kastanienbäume zeigen Anzeichen für das Absterben, indem sie im Herbst blühen. Immerhin wurde die ebenfalls vernachlässigte, denkmalgeschützte Mauer gelegentlich vom Sprayer-Schwachsinn gereinigt.


Das erachteten die neuen Eigentümer des Tucherparks nicht mehr als notwendig. Sie rechtfertigten sich mit dem Argument des Biotops. Zunehmend entstand hier ein Münchner Schandfleck in Innenstadtnähe. Vernachlässigung und Verwilderung sind bei Tivolifoto ab 2012 in drei Fotoalben dokumentiert.

Tatsächlich gehört das Grundstück mit der denkmalgeschützten Mauer zum Biotop Südlicher Englischer Garten:

„TF 06 – Kleiner Park mit Bürogebäude an der Ecke Tivolistraße / Hirschauer Straße. Schöner alter Baumbestand aus vielen Kastanien (bis 90 cm Stammdurchmesser), Buchen (bis 70 cm) und jüngeren Spitz-Ahorn-Bäumen. Im schattigen Unterwuchs v.a. Jungwuchs der Bäume, Ziersträucher und Efeu. Über der Hirschauer Straße kein Kronenschluß zu den Baumbeständen im Englischen Garten. Jedoch funktioneller Zusammenhang.“

Das im Zitat erwähnte Bürogebäude war vermutlich ein Baubüro der Firmen Ingenieurbüro Konrad und Hau-Bauunternehmen, die heute noch mit der Suche nach Tivolistraße 4 im Internet zu finden sind. Daneben befanden sich ein Parkplatz und ein chaotischer Lagerplatz mit zwei Briefkästen und mehreren Firmenschildern: Hau-Bauunternehmen, Axima Gebäudetechnik, Schmid GmbH und Lindner Isoliertechnik. 2009 war das Bürogebäude abgerissen und der Parkplatz beseitigt. Die Hinweise auf die Firmen konnte ich aber am Zaun des Lagerplatzes lesen und fotografieren.

Lage des ehemaligen Baubüros und Lagerplatzes
Lage des ehemaligen Baubüros und Lagerplatzes

Die umzäunte Fläche umfasste mehrere Schuppen und Container sowie Baumaterial und Gerümpel im Freien. Der Zaun hatte Lücken, durch die man das Gelände betreten konnte. Es gab jedoch Anzeichen, dass sich hier gelegentlich Menschen aufhielten. Weiß-rote Kunststoffteile, wie sie bei Absperrungen wegen Bauarbeiten verwendet werden, sollten wohl vor dem Zutritt abschrecken. Beim Blick auf die Fläche bekam man den Eindruck, dass es sich bei etlichen Gegenständen um Diebesgut von Baustellen handeln könnte. Das Grundstück wurde nach meiner öffentlichen Fotodokumentation Mitte 2021 geräumt.

Für die neuen Eigentümer sind das Biotop-Grundstück und der ehemalige Lagerplatz vermutlich wertlos. Vielleicht wird mit der Vernachlässigung langfristig auf Verkauf, Tausch oder Baurecht hingearbeitet. Das Gelände befindet sich aber im Außenbereich in einer Allgemeinen Grünanlage, die als Regionaler Grünzug in Zusammenhang mit den Isarauen und dem Englischen Garten steht. In meinen Augen ist die Verwilderung des Grundstücks in dieser innerstädtischen Lage eine unverantwortliche, vielleicht sogar unrechtmäßige Handlung, weil die Eigentümer ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Städtische und staatliche Behörden, die für Flächennutzung und Naturschutz verantwortlich sind, drücken wohl beide Augen zu.


Zwischen diesem ehemaligen Mülllager und der Tivolistraße liegt heute eine Rasenfläche, die vor Jahren noch als ein geteerter Parkplatz für die HypoVereinsbank gedient hatte. In der Folgezeit wurde eine Grünfläche mit Weg und in einem gekiesten Teilstück ein bereits wieder entfernter Kinderspielplatz errichtet. Seit dem Bau des Tucherparks wird der Weg durch das Grundstück als Verbindung mit den Bus- und Trambahnhaltestellen Tivolistraße genutzt. Heute weisen Vermüllung, Glasscherben und Lärmstörungen darauf hin, dass sich hier regelmäßig Jugendliche treffen. Am Weg befinden sich vier Parkbänke, ein Mülleimer und sechs undefinierbare Skulpturen. Ein Zaun mit zwei dauerhaft geöffneten Toren umgibt das Gelände.

Zu den bislang beschriebenen drei Flächen kommt östlich des Eisbachs eine vierte hinzu, die von der HypoVereinsbank als Parkplatz, Tiefgarageneinfahrt, Tankstelle und Lagerplatz für alles Mögliche genutzt wird. Das stellt sozusagen der Höhepunkt dieser Allgemeinen Grünanlage im Regionalen Grünzug Englischer Garten und Isarauen dar.

Allgemeine Grünanlage im regionalen Grünzug Isarauen und Englischer Garten
Allgemeine Grünanlage im regionalen Grünzug Isarauen und Englischer Garten

Die verantwortliche städtische Naturschutzbehörde weiß offensichtlich nichts von dieser Nutzung, die dem Flächennutzungsplan der Landeshauptstadt München und dem Bayerischen Baugesetz für Grundstücke im Außenbereich in besonderem Maße widerspricht. Die beschriebenen Grundstücke gehören seit 2019 den Investoren des Tucherparks, die keine wesentlichen Veränderungen vornehmen und sich nicht um die Teilflächen kümmern.

Auf dem städtischen Grund der benachbarten Tennisanlage Tivoli an der Oettingenstraße 74–78 stehen Containerbauten für schulische Nutzung in dieser Allgemeinen Grünanlage und im Außenbereich. Südlich davon befindet sich ein privater Grundstücksteil mit dem Schwarzbau einer lärmintensiven Socceranlage. Das Grundstück umfasst auch das Betriebsgebäude der abgetragenen, aber flächenrechtlich noch bestehenden Tennisanlage und gehört den Investoren des Tucherparks.

Die Rechtmäßigkeit von neuen Sportanlagen und die Betriebsartenänderung der Gaststätte im Außenbereich und in einer „Allgemeinen Grünanlage“ mit „Übergeordnetem Grünbezug“ sind fragwürdig. Hinzu kommen die Verstöße gegen neue Verordnungen zum Sportanlagenlärmschutz in der Umgebung von Wohnungen.

Vernachlässigung, Rechtsbrüche und Unwahrheiten waren zu Kennzeichen dieser gesamten, sogenannten Grünanlage geworden. Städtebaulicher Unsinn wurde mit der weiter östlich gelegenen Kreuzung Ifflandstraße und Tivolistraße fortgesetzt. Hier hat die Ifflandstraße sieben Fahrspuren, die Tivolistraße eine aus heutiger Sicht gänzlich überflüssige Unterführung. Statt dieses überdimensionierte Bauwerk zurückzubauen, wurde es 2019/20 kostenaufwendig renoviert, obwohl der autogerechte, kreuzungsfreie Ausbau der sogenannten Isarparallele wegen Bürgerprotesten bereits nach 1963 eingestellt worden war.

Wer meine Beschreibung in diesem Bereich für eine Übertreibung hält, dem empfehle ich, den Digitalen Flächennutzungsplan des Geoportals München mit seiner Legende und in der Vergrößerung auf den Tivoli sowie meine 254 Fotos bei meinem Tivoli-Rundgang im Februar 2021 aufzurufen. Ich nehme kein weiteres Bereichsfoto in diesem Beitrag auf, weil es sich nicht um historische Angelegenheiten, sondern um gegenwärtiges Versagen von Eigentümern, Stadtverwaltung und Stadtpolitik handelt. Die Landeshauptstadt München ist hier seit Langem für einen schmuddeligen, spekulativen Schandfleck verantwortlich, der nur zwei Kilometer vom zentralen Rathaus entfernt ist.

Trambahn durch den Englischen Garten

Trambahn-Wendeschleife Tivoli
Trambahn-Wendeschleife Tivoli

Die Durchquerung des Englischen Gartens mit einer Straßenbahnlinie hat seit dem Ende des 1. Weltkriegs in der Inflationszeit der Zwanzigerjahre eine über hundertjährige Planungsgeschichte. Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen hat sogar unter dem Druck der Nationalsozialisten die Streckenführung der Trambahn verhindert. Allerdings musste damals die Omnibuslinie genehmigt werden. Bis in die Gegenwart hatte der Schutz des Englischen Gartens Vorrang.

Ende 2017 griffen Politik und Presse dieses alte Dauerthema zum wiederholten Mal auf. Das wird hier erwähnt, weil es in den Gesamtzusammenhang der Zerstörungen am Tivoli passt. Für mich wusste und weiß jeder Anwohner und Nutzer der bestehenden Busverbindungen durch den Englischen Garten, dass eine Trambahn vom Tivoli durch den Volkspark keinen Sinn ergibt und reine Geldverschwendung wäre. Die bestehende Busdurchfahrt ist praktisch, weil sie in drei Richtungen verzweigt, wobei eine Ringlinie angeboten wird. Mit einer Trambahn würde man zum Umsteigen gezwungen.

Wer so wie ich zwischen zwei Kurven einer Trambahnlinie wohnt, weiß um die Nachteile, z. B. nerviges, lautes Quietschen und Pfeifen, ständige langfristige Unterbrechungen wegen Gleisarbeiten, kurzfristige Störungen bei Veranstaltungen, Unfällen oder Falschparken.

2017 vermutete ich, dass die Schreibtischtäter von der SPD und die durch Wahlverluste verunsicherten CSUler aber wohl wieder gegen den Bürgerwillen entscheiden werden. Um es ihnen nicht ganz so einfach zu machen, empfahl ich in meinem Internetangebot Unterschriften bei https://www.openpetition.de/petition/online/keine-tram-durch-den-englischen-garten.

Ich warnte: Wer diese Stadtzerstörer wählt, hinterlässt seinen Nachkommen Unsinn und noch mehr Schulden. Meine Sorge war: Stadträte haben in der Regel keine Ahnung über die Verhältnisse vor Ort und gehen mit Fraktionszwängen gegen die Einwohner dieser noch schönen Stadt vor. Verwaltungsmitarbeiter werden gezwungen, Stadtratsbeschlüsse umzusetzen. In der Folgezeit ab 2018 war das Streitthema erfreulicherweise wieder aus der öffentlichen Diskussion verschwunden.

2022 hieß es bei den MVG-Internetseiten unter Bauprojekte U-Bahn/Tram:

„Die MVG plant, die Tram Nordtangente ab 2025/2026 in Betrieb [sic] nehmen. 2022 soll der Stadtrat über die Realisierung der Neubaustrecke entscheiden.“

Animation – Tram-Wendeschleife Tivolistraße

Der Stadtrat hat natürlich gegen den Bürgerwillen beschlossen. Die Termine wurden verschoben. Ende 2023 sind die Planungen so weit fortgeschritten, dass die fragwürdigen Segnungen der Nordtangente mit mehreren teuren, animierten Videos im Internet zu sehen sind. Bei YouTube gibt es eine Visualisierung der Tram-Nordtangente an der Wendeschleife in der Tivolistraße.

Ich beurteilte die Vorhaben folgendermaßen: Sollte diese Planung verwirklicht werden, würden am Tivoli zahlreiche Parkplätze und Bäume wegfallen. Die Anwohner hätten Nachteile gegenüber den bisherigen Verkehrsanbindungen. Zusätzliche Trambahnkurven wären lautstark quietschende Lärmbelästigungen. Gelder würden in hohem Maße verschwendet. Zudem enthält die Animation unrealistische Fahrradwege. Deren Fortführung und der automobile Gegenverkehr in der Oettingenstraße zwischen Eisbachbrücke und Paradiesstraße wären nur möglich, wenn die bisherige Parkspur vollständig beseitigt würde. Mit solchen Animationen wirft die grün-rote Stadtverwaltung das Geld zum Fenster raus.

Am 13. Dezember 2023 beschloss der Stadtrat wieder einmal die Trambahn durch den Englischen Garten und erwartete gute Chancen für die Zustimmung des Freistaats Bayern als Grundeigentümer. Dieses Mal ist der Baubeginn für 2025 und die Inbetriebnahme für 2028 vorgesehen. Der Stadtratsbeschluss erfolgte mit der grün-roten Mehrheit und richtet sich gegen den Willen der Bürger und vieler Fachleute. Werner Nohl, ein Landschaftsarchitekt, fasste viele Argumente gegen eine Tramstrecke durch den Englischen Garten zusammen.

Kurioserweise kam der Trambahnverkehr am Tivoli kurz vor dem neuen Beschluss für fast eine Woche schneebedingt zum Erliegen. Mit den drei Buslinien durch den Park blieb die Anbindung an das Gesamtnetz erhalten. Diese sollen aber gänzlich abgeschafft werden, auch die beliebte, erfolgreiche Ringlinie mit dem Bus.

Am 13. März 2024 gab die Staatsregierung als Eigentümerin des Englischen Gartens das Aus für den rot-grünen städtischen Unsinn bekannt. Begründung:

„Die dem Freistaat Bayern bislang vorgelegten Planungsunterlagen zeigen, dass eine Realisierung der Trambahnstrecke nicht ohne massive, nicht denkmalverträgliche Eingriffe erfolgen kann.“

Stadtpolitik und Stadtverwaltung hatten 5,4 Millionen Euro für die bereits abgeschlossenen Planungen verschwendet. Damit war wohl auch der Plan für die Trambahn-Wendeschleife Tivoli vom Tisch.

Lärmverschmutzung

In der sich ausweitenden warmen Jahreszeit gleicht der Eisbach einem unbeaufsichtigten staatlichen und entlang der Theodorparkstraße städtischen Freibad. Die Stadtverwaltung nimmt die Unfall- und Todesgefahren in Kauf. Sie duldet den gesundheitsschädlichen Lärm in den Wohnungen über dem Eisbach, obwohl das Schwimmen im Eisbach eigentlich verboten ist. Tote oder Verletzte sind vielfach bekannt geworden. Die Lärmschädigung der Anwohner nimmt nach meiner Wahrnehmung seit 2004 ständig zu.

2025 können die Eisbachschwimmer wegen Gleisarbeiten nicht mit der Tram zurückfahren. Ohne den Trambahn-Lärm ist das Wohnen am Tivoli deutlich angenehmer. Der Schienenersatzverkehr funktioniert zuverlässig. Viele Anwohner sehen in den Bussen nur Vorteile gegenüber dem lauten Schienenverkehr und wünschen sich den dauerhaften Ersatz.

Leider haben das Schwimmen und Surfen im Eisbach sowie die Tram den Status einer heiligen Kuh in München. Die geschädigten Anwohner würden sie sofort schlachten. Den Berechnungen, dass Busse mit Anschaffung, Unterhalt und Betrieb teurer sind als Trambahnen, ist nicht zu glauben. Verursacht doch der Unterhalt des Schienennetzes zusätzliche Kosten.

Vermutlich werden die Stadtbewohner genauso belogen, wie beim Tivoliskandal. Die Trambahn ist rot-grüne Ideologie in München und ein veraltetes Verkehrsmittel im Blick auf Individualisierung und Digitalisierung, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit der städtischen Mobilität.

Ich wohne zwischen den Trambahnkurven Oettingenstraße zur Theodorparkstraße und danach zur Tivolistraße. Durch zu schnelle Kurvenfahrten mit Übertreibungen beim Bremsen und Anfahren entstehen nervige, laute Quietsch- und Pfeifgeräusche.

Die Fensteröffnung und Balkonnutzung sind für die Anwohner nur eingeschränkt möglich. Besonders betroffen sind die oberen Stockwerke, weil die Bodendämpfung des Schalls fehlt und die Wohnungen in der Hauptwindrichtung liegen. Schallschutzfenster der Klasse II reichen nicht aus. Die Busse sind dagegen nicht zu hören.

Der Mietspiegel beinhaltet eine gute Wohnlage. In Wirklichkeit ist die Lärmverschmutzung hoch. Zum Eisbach- und Trambahnlärm, kommen nämlich der Gaststätten-, Tennisplatz-, Socceranlagen- und Schullärm des Tivoliskandals hinzu.

Luxussanierung und Baumkiller

Als langjähriger Bewohner des nördlichen Lehels erlebte ich schon zahlreiche übertriebene Sanierungen, überflüssige Abrisse und luxuriöse Neubauten. Die angestammte, einheimische Bevölkerung veränderte sich in wohlhabende Zugezogene. Gewerbeangebote und Einkaufsmöglichkeiten entwickelten sich in Richtungen, die für die ursprünglichen Bewohner überflüssig waren. Der Stadtbereich wurde vom Einfache-Leute-Viertel zum besseren Wohngebiet mit den höchsten Mieten in Deutschland.

Gebäude müssen regelmäßig modernisiert werden, im nördlichen Lehel geht aber das Gespenst der Luxussanierung um. Besonders extremes Beispiel ist die Widenmayerstraße 51 mit dem Stadtpalais Widenmayer. Etliche Jahre werden die Anwohner mit Baulärm sogar an Samstagen geschädigt, weil dort vermutlich keine Firmen mit ausreichenden Kapazitäten beschäftigt sind, sondern solche, die nur gelegentlich und mit wenig Personal arbeiten.

Soweit entspricht vieles den üblichen Vorgehensweisen. Die rückwärtige Lage des Palais am Eisbach hatte jedoch die Besonderheit einer geschlossenen Baumreihe. Das war aber den neuen Eigentümern nicht zuzumuten. Deshalb wurde die Fällung von drei Bäumen mit der Begründung einer Sanierung der Eisbachwanne beantragt.

Stadtpalais Widenmayer mit Baumfrevel
Stadtpalais Widenmayer mit Baumfrevel

Der Bezirksausschuss sprach sich dagegen aus. Über den weiteren Verlauf bin ich nicht informiert. Jedenfalls sind die drei Bäume verschwunden.

Entweder hat sich die Stadtverwaltung kaufen lassen oder die Eigentümer dieser schändlichen Luxusimmobilie haben eine Strafzahlung in Kauf genommen.

Radio Freies Europa und Universitätsgebäude

Gebäude in der Oettingenstraße 67 mit Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität
Gebäude in der Oettingenstraße 67 mit Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität

Zwischen dem nördlichen Teil der Oettingenstraße und dem Oberstjägermeisterbach befindet sich heute ein langgestrecktes Gebäude, das ursprünglich als Krankenhaus bestimmt war. Der kammartige, zweigeschossige Bau steht auf dem Gelände der ehemaligen Hofgärtnerei am östlichen Rand des Englischen Gartens.

Dort nahm der amerikanische Sender Radio Free Europe 1951 den Betrieb auf. 1976 kam der ebenfalls in München ansässige Sender Radio Liberty hinzu. RFE/RL hatte antikommunistische Ziele und wurde bis Anfang der 1970er Jahre vom US-Auslandsgeheimdienst CIA finanziert.

Mit den grenzüberschreitenden Radiowellen sollten die Menschen in Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien im Sinne des Westens beeinflusst werden. Die Sendungen in den damaligen Ostblock wurden nach dem Zusammenbruch der UdSSR eingestellt, der Sender 1995 nach Prag verlegt. Das Historische Lexikon Bayerns beinhaltet einen umfangreichen Beitrag aus dem Jahr 2018.

Nach dem Auszug der Sender übernahm der Freistaat Bayern das Gebäude in der Oettingenstraße 67 und brachte dort die folgenden Institute der Ludwig-Maximilians-Universität unter.

  • Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft
  • Institute für Kommunikationswissenschaft
  • Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie
  • Japan-Zentrum
  • Informatik als Hauptstandort
  • Fachabteilung der Universitätsbibliothek

2010 wurde ein neuer Hörsaalbau der LMU im nördlichen Hof des langen Gebäudes errichtet. Der Neubau umfasste zwei übereinanderliegende Hörsäle und zwei Anbauten für Büroflächen.

Tucherpark

Luftbild Englischer Garten und Tivolimühle 1956
Luftbild Englischer Garten und Tivolimühle 1956

Nördlich des historischen Tivoli wurde Ende der 1960er-Jahre der Tucherpark errichtet. Heute befindet sich auf dem Grundstück der 1969 abgerissenen Tivolimühle das Hilton Munich Park Hotel. Dieses ist umgeben von den Gebäuden der ehemaligen Bayerischen Vereinsbank. Die Aktiengesellschaft Tivoli wurde Teil der Bayerischen Vereinsbank, später der Hypovereinsbank und dann der Unicredit Bank AG, die seit 2005 ein Tochterunternehmen der italienischen Großbank und Holding Unicredit ist.

Der Tucherpark wurde Ende 2019 von Unicredit an den internationalen Immobilienkonzern Hines und den Vermögensverwalter Commerz Real AG für ungefähr 1,1 Mrd. Euro verkauft. Diese Summe sah man als überhöht an, weil nicht abzusehen war, ob die Stadtverwaltung eine Bauverdichtung für den Profit der Investoren oder eine Parkrückführung nach dem Willen der Bürger genehmigte. 2024 zeichnete sich ab, dass die Stadtverwaltung zum vielfach wiederholten Mal gegen die Einwohner entscheidet.

Die notwendige Weiterentwicklung des Tucherparks soll mit Bürgerbeteiligung Platz für Leben, Wohnen und Arbeiten schaffen. Auf dem Gelände der ehemaligen Büroanlage sollen Mietwohnungen, Geschäfte, Gastronomie sowie Kultur- und Freizeitangebote entstehen, wobei das Hotel und die Grünflächen erhalten werden. Vertreter der Eigentümer beschränkten sich anfänglich auf die Bürgerbeteiligung mit geführten Rundgängen. Dabei wurden Beschreibungen vorgetragen, die alle Möglichkeiten offenließen und versicherten, dass Natur- und Denkmalschutz sowie Bürgerwohl umfängliche Beachtung finden. Dies stand allerdings im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen der Investoren. Es folgten Pläne, die vom Stadtrat zunächst abgelehnt wurden. Vermutlich wird sich aber das Geld durchsetzen.

Kennt man die Geschichte des Tivoli in München, war die Bezeichnung Tucherpark mehr als fragwürdig. Sie erfolgte nur, weil jemand mit diesem Namen zehn Jahre Vorstandssprecher der Bayerischen Vereinsbank war. Die historische Ortsbezeichnung Tivoli hatte aber eine Tradition seit 1808.

Tucherpark 2022 – Google
Tucherpark 2022 – Google

Die neuen Eigentümer wären als Zeichen für die Veränderung gut beraten gewesen, den historisch begründeten Namen Tivoli zu verwenden. Sie entschieden sich aber nicht dafür, obwohl zwei, außerhalb des Grundbesitzes der Investoren gelegene, Gebäude im Park, bereits als Tivoli Garden und Tivoli Office benannt worden waren. Im Hilton Munich Park Hotel hatte schon vorher das Restaurant den Namen Tivoli.

Für kommerzielle und architektonische Aspekte des Tucherparks bieten die Internetseiten der Sep Ruf Gesellschaft e. V. ein umfangreiches Informationsmaterial mit vielen Fotos zum Park an. Dort findet sich auch Kritik zur widerrechtlichen Entstehung des Tucherparks in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 1. Juni 1992. Der Tucherpark wurde als eine der größten Münchner Bausünden bezeichnet.

2024 beobachtete der Bund Münchner Bürgerinitiativen e.V. das Bauleitplanverfahren „Tucherpark“ besorgt, weil wieder ein Stück München nachverdichtet werden soll. Als sinnvoll wird die Entsiegelung und Zurückführung auf einen naturnahen Parkcharakter angesehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit entscheidet aber die Stadtverwaltung erneut gegen den Willen der Bürger.

Die neuen Eigentümer, hausInvest, die Commerz Real und Hines, beabsichtigen, den Tucherpark zu einem „Eisbachviertel“ weiterzuentwickeln. Die Benennung mit „Tucher“ von 1969 bezog sich auf einen Bankvorstand, der Nachfahre der erfolgreichen Kaufmannsfamilie Tucher war. Gegenwärtige Nebenbedeutungen von „Eisbach“ sind hingegen Lifestyle, Surfen, Kult und modernes Lebensgefühl. Die einfache, historisch richtige Bezeichnung „Tivoli“ aus dem Jahr 1808 wird vermutlich als antiquiert angesehen und von den Investoren nicht erwähnt, wie die folgenden Zitate belegen. Andernorts ist man dagegen stolz auf die Bezeichnung Tivoli.

https://commerzreal.com/de/expo-real

„Ein Stück Stadtentwicklung im Gepäck…
Tucherpark im Eisbachviertel
Münchens erstes Innenstadtquartier im Grünen
Aus dem Tucherpark entsteht auf 14 Hektar Gesamtfläche ein holistisches Stadt- und Lebenskonzept. Eine Symbiose aus Stadt, Land und Fluss – in der sich Architektur und Nachhaltigkeit, Natur und Innovation sowie Arbeit und Freizeit ergänzen.
Heute nennen wir es Green Urban Living. Morgen Normalität – im Eisbachviertel.“

https://www.eisbachviertel.de

„Willkommen in der Zukunft. Willkommen im Eisbachviertel.
Für hausInvest, die Commerz Real und Hines ist der Tucherpark eine gemeinsame Herzensangelegenheit. Für dieses besondere Areal verfolgen wir eine langfristige Entwicklungsstrategie – gedacht von Menschen für Menschen. Dabei legen wir viel Wert auf Dialog und Beteiligung. Melden Sie sich bei uns mit Anregungen und Fragen und besuchen Sie uns im neuen Tucherpark im Eisbachviertel. Wir freuen uns auf Sie.“

Die Fragwürdigkeit der Benennung „Eisbachviertel“ ergibt sich auch, weil der Eisbach mit seinen 2,8 Kilometern Länge nur etwa 850 Meter durch den Tucherpark verläuft. Er durchfließt unterirdisch das südliche und mittlere Lehel, oberirdisch den südlichen Englischen Garten, das nördliche Lehel, den Tucherpark und dann den nördlichen Englischen Garten. In der fantastischen, lächerlichen Welt der Immobilien- oder Maklersprache wird das allerdings vernachlässigt.

Das offizielle Stadtportal hat zur Weiterentwicklung des Tucherparks eine Internetseite gestaltet:

https://stadt.muenchen.de/infos/tucherpark.html.

Dort befindet sich seit Februar 2025 der Entwurf eines Masterplans.

Kleinhesselohe

Der Schwabinger Ortsteil Kleinhesselohe mit den ehemaligen Seehäusern und dem heutigen Restaurant ist umfassend im Stadtarchiv dokumentiert. Die Bildersuche mit dem in den Link einzutragenden Suchwort „Seehaus“ liefert 23 Ergebnisse und ist ebenso sehenswert wie die Ansichtskartensammlung zu den Seehäusern bei ansichtskartenversand.com.

Zu den anderen Gebäuden in Kleinhesselohe finden sich kaum Informationen. Vermutlich gehören sie zur Verwaltung des Englischen Gartens und haben eine lange Geschichte, die im Gegensatz zu den benachbarten Schwabinger Ortsteilen Tivoli und Hirschau nicht bekannt ist.

Die Bezeichnung Hesselohe geht wahrscheinlich auf „Haselloch“ zurück und weist auf eine frühere Ansammlung von Haselnussstauden hin.

„Kleines Hesselohe“ wurde erstmalig 1791 erwähnt. Zitat aus einer Quelle im Jahr 1940: „Damals – während der Anlage des Englischen Gartens – wurde an der Stelle des heutigen Kleinhesselohe eine Meierei mit einem Ausschank für die im Englischen Garten beschäftigten Arbeiter er richtet, der dann bald dem sich zeigenden Bedürfnis der Ausflügler entsprechend zu einer öffentlichen Wirtschaft erweitert wurde. Diese Meierei mit Wirtschaft erhielt die Bezeichnung „Kleines Hesselohe“.

Detaillierte, aber widersprechende Angaben finden sich in einer zweiten Quelle zur Straßenbenennung: „Der nachmalige Kleinhesseloher See bestand damals noch nicht. Er hat also seinen Namen von dem Vergnügungsplatz „Klein- Heselloh” (zwei Holzhäuser und Tanzplatz).“

Kleinhesselohe
Kleinhesselohe bei Google Maps 2025
Mehrteiliges Gebäude mit unbekannter Nutzung, Straßenbennung: Kleinhesselohe 2
Mehrteiliges Gebäude mit unbekannter Nutzung, Straßenbennung: Kleinhesselohe 2

Lodenfrey-Park

Lodenfrey-Park 1953
Lodenfrey-Park 1953
Lodenfrey-Park 1956
Lodenfrey-Park 1956
Lodenfrey-Park bei Google Maps 2025 mit dem Link zur Lodenfrey-Park GmbH
Lodenfrey-Park bei Google Maps 2025 mit dem Link zur Lodenfrey-Park GmbH
Schild für die Feuerwehrzufahrt zum Lodenfrey-Park 2014
Schild für die Feuerwehrzufahrt zum Lodenfrey-Park 2014

Isarring

Zwischen dem nördlichen Ende des Tucherparks und dem südlichen der Hirschau befindet sich mit dem Isarring eine weitere Bausünde aus heutiger Sicht.

Er wurde bereits 1958 benannt und 1966 erbaut. Der spätere Aufwand und die Kosten für den Unterhalt und die Sanierung waren beim aufwendigen Bauwerk nicht bedacht worden.

Heute bedauert eine große öffentliche Mehrheit, dass der Isarring den Englischen Garten in einen nördlichen und einen südlichen Teil zerschneidet. Für Einheimische ist die Trennung allerdings auch vorteilhaft, weil Touristen meist nur den südlichen Teil besuchen.

Fußgänger und Radfahrer können den Isarring mit vier Unterführungen und einer Brücke queren. Täglich wird dieses Teilstück des Mittleren Rings von 110 000 Autos befahren.

Isarring Mitte der 1960er Jahre
Isarring Mitte der 1960er Jahre
Isarring im Englischen Garten bei Wikipedia 2019
Isarring im Englischen Garten bei Wikipedia 2019
Isarring bei Google Maps 2024
Isarring bei Google Maps 2024

Die Initiative M-ein Englischer Garten beabsichtigt, den Isarring auf 380 Metern in einen Tunnel zu verlegen, um die beiden Teile des fünf Kilometer langen Parks wiederzuvereinigen.

Der Isarring ist aber ein weiteres Beispiel für die Unfähigkeit des Münchner Stadtrats. 2017 beschloss er das Tunnel-Projekt einstimmig. Ab 2022 beerdigte er es gegen den Bürgerwillen, weil angeblich zu viele Bäume gefällt werden müssten.

Mein Englischer Garten

Hirschau

Kleine Erhebungen mit Resten der Maffei-Fabrik-Grundmauern in der Hirschau
Kleine Erhebungen mit Resten der Maffei-Fabrik-Grundmauern in der Hirschau

An den Tucherpark und Isarring schließt sich Richtung Norden die Hirschau an.

Dort befand sich bis 1938 der ehemalige Standort der Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei. Dann wurde das Industriegelände an den Englischen Garten zurückgegeben.

Reste mit Grundmauern ruhen unter kleinen Erhebungen in der Hirschau.

Geblieben sind das Tivoli-Kraftwerk, die ehemalige Arbeiterkantine im Hauptgebäude des heutigen Restaurants und die Gebäude in der Gyßlingstraße.

Dort befanden sich eine Krankenstation und ehemalige Werkswohnungen für Führungskräfte der Lokomotivenfabrik.

Vor dem Bau des Tucherparks und Isarrings ging die ehemalige Bogenhauser Straße – heutige Oettingenstraße – in die Hirschauer Straße über, verband die historischen Schwabinger Ortsteile Tivoli, Hesellohe und Hirschau mit der Mündung in die Gyßlingstraße.

Häuser am nördlichen Ende der Gyßlingstraße
Häuser am nördlichen Ende der Gyßlingstraße 2008

Restaurant, Biergarten, Spiel- und Sportanlagen in der südlichen Hirschau
Restaurant, Biergarten, Spiel- und Sportanlagen in der südlichen Hirschau

Das Restaurant, der Biergarten, die Spiel- und Sportanlagen in der Hirschau haben eine wechselvolle Geschichte mit Schwarzbauten, Tanzvergnügungen und vielen unterschiedlichen Gästen und Betreibern. Grundstücks- und Gebäude-Eigentümer der gesamten Anlage war ab 1913 die Immobiliengesellschaft von Spatenbräu und danach Löwenbräu. Die Gebäude wurden 2001 umfangreich saniert, die Gaststätte danach bis 2005 von Wiesnwirt Peter Schottenhamel betrieben. Von 2006 bis 2012 pachteten die Wirte Thomas Böhm vom Grasbrunner Hof und Christian Hoyer vom Kloster Bräustüberl Reutberg zusätzlich diesen Betrieb.


Ende 2012 erwarb der Wiesnwirt Ludwig Hagn die gesamte Immobilie von der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA. Die Hirschau wird seit 2013 von seiner Tochter Stephanie Spendler und ab 2021 vom Enkel Lukas Spendler mit Geschäftspartner Daniel Egger geführt. Der heutige Biergartenbetrieb zeigt hohe münchnerische Lebensart und Qualität, wie bei Tivolifoto München für die Jahre 2013 und 2014 dokumentiert ist. Besonderheiten sind das traditionelle, abwechslungsreiche Musikangebot, die Steckerlfische und der Kinderspielplatz. Die Gaststätte versteht sich ab 2021 mit dem Namen 1804 Restaurant als Angebot für Feinschmecker. Damit werden Gäste ausgeschlossen, die ein bürgerliches Angebot mit einem Wirtshaus für alle bevorzugen.

Nach dem 2012er-Verkauf des gesamten Anwesens sollten die 1962 errichteten Tennisplätze in der Hirschau vertraglich festgelegt renaturiert werden, weil sie Schwarzbauten waren.

Wegen der Zerstörung der Tennisanlage Tivoli durch rot-grüne Stadträte und Stadtverwaltung verzichteten diese auf die Beseitigung der nicht genehmigten Hirschauer Tennisplätze. Um die Verärgerung der Tennisspieler am Tivoli zu vermindern, legalisierte die Stadt die Tennisplätze in der Hirschau und genehmigte sogar den Neubau eines Betriebsgebäudes und zweier Beachvolleyball-Plätze im Naturschutzgebiet.Vereinsfreie Tennisspieler bekamen damit dem Tivoli nahe liegende Spielmöglichkeiten als Ersatz für dessen Zerstörung.

Der Ausbau in der Hirschau mit dem Gebäude für den Tennisbetrieb und mit Beachvolleyball-Plätzen sowie die Zerstörung der Tennisanlage Tivoli sind Beispiele, wie die gegenwärtige Stadtverwaltung in München geltendes Recht für Natur- und Landschaftsschutzgebiete bricht und nach anderen Interessen vorgeht.


Das in der Hirschau benachbarte Tivoli-Kraftwerk ist ein ehemaliges Wasser- und Dampfkraftwerk der Maffei-Eisenwerke. Es wurde 1896 errichtet und um 1900 ausgebaut. Der Blankziegelbau mit der zweigiebligen Turbinenhalle überbrückt den Eisbach. Eine eingieblige Kesselhalle ist angebaut. Die ursprüngliche Maschineneinrichtung von 1901 ist teilweise erhalten und funktionstüchtig. Die Tivoli-Kunstmühle AG nahm das Kraftwerk 1949 wieder in Betrieb und nutzte den Strom bis 1969 für die Tivolimühle. Das Kraftwerk steht seit 1985 unter Denkmalschutz, bekam aber ein Jahr später zwei neue leistungsfähige Turbinen.

Tivoli Kraftwerk 2008
Tivoli-Kraftwerk 2008

Tivoli Pavillon 2003 mit der Bezeichnung Cafe-Garten
Tivoli Pavillon 2003 mit der Bezeichnung Cafe-Garten

Am Anfang der Gyßlingstraße bietet der Tivoli Pavillon Imbiss und Getränke zur Selbstbedienung an. Er wurde 1983 für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) im Westpark erbaut und danach mit der Bezeichnung Cafe-Garten im Englischen Garten wiedereröffnet. Pächter war Rudi Horwarth – bekannt unter dem Namen Zigeuner-Rudi.

Auf Anregung der Parkverwaltung erfolgte die Umbenennung des Kiosks beim Pächterwechsel zu Margot Schunk, die auch den südlich beim Kleinhesseloher See gelegenen Kiosk am See Einlauf betrieb. Der Tivoli Pavillon entwickelte sich in den 1990er Jahren zu einem Treffpunkt der Drogenszene. Beide Kioske wurden im Oktober 2022 von Konstantin Bichlmeier, dem vorherigen Betriebsleiter des Biergartens am Chinesischen Turm, gepachtet.

Seitdem trifft die Bezeichnung Tivoli für den Pavillon wieder mehr zu, weil sie eigentlich für besonders schöne Orte gedacht ist. Zum Tivoli Pavillon gehören zwei kleine Biergartenbereiche mit passenden Tischen und Stühlen. Neben dem Weg vom Pavillon zum Tivoli-Kraftwerk liegt eine ungenutzte Stockschützenanlage, die zum Biergarten und Kinderspielplatz umfunktioniert wurde.

Die Gyßlingstraße wird zunehmend als Parkplatz für Reisemobile missbraucht, obwohl die Straße dafür nicht geeignet ist. Schilder lassen nur Pkws zu, mit denen viele Hundehalter für ihre Runden kurzzeitig in das Naturschutzgebiet kommen. Berechtigterweise vertreiben die Parkverwaltung und Pkw-Fahrer die kurzzeitig und besonders die langfristig parkenden Wohnmobile.

Tivoli Pavillon 2008
Tivoli Pavillon 2008
Mini-Hofbräuhaus in der Hirschau
Mini-Hofbräuhaus in der Hirschau 2003

Westlich vom Ende der Gyßlingstraße führt der Ernst-Penzoldt-Weg zum Mini-Hofbräuhaus, dessen Baujahr und Baugrund vor Ort nicht erfahrbar sind. Seit 1998 hat Michael Geyer, der ehemalige Betreiber der Bayernhütte am Brauneck, den Kiosk mit Garten gepachtet. Vorher hatte seine Mutter nur einen Straßenverkauf.

Heute ist die Einkehr nicht nur bei Hundehaltern beliebt, wobei die Leinenpflicht nicht immer beachtet wird. Eine Besonderheit des Kiosks ist die tägliche Öffnung um 8:00 Uhr an 365 Tagen im Jahr.

Tivolifoto bietet mit Zwoate Hoamat Mini-Hofbräuhaus einen illustrierten Beitrag an.


Der Weg am Kiosk hieß früher Gleisweg und wurde bis 1935 als Anschluss der ehemaligen Maffei-Lokomotivenfabrik an das allgemeine Gleisnetz genutzt. 1949/50 baute man die Gleise ab. Alle Wege im Englischen Garten haben geschwungene Formen, dieser verläuft aber von der Gyßlingstraße aus gerade nach Schwabing. Grund hierfür war die Verbindung der Lokomotivfabrik J. A. Maffei über ein drei Kilometer langes Anschlussgleis mit dem Bahnhof Schwabing seit dem 4. März 1902.

Das Maffei-Gleis kam aus dem südlich gelegenen Eisenwerk und wurde mit Rücksicht auf Fuhrwerke und Spaziergänger nur im Schritttempo bis zum ehemaligen Bahnhof München-Schwabing befahren. Die Lokomotiven mussten dann nicht mehr auf Straßenfahrzeuge, die von vielen Pferden gezogen wurden, verladen oder mit Straßenlokomotiven durch die Stadt transportiert werden. Fuhrwerke von und zur Fabrik wurden durch Waggons abgelöst. Das bewirkte einen Anstieg des Güterverkehrs.

Am nordöstlichen Ende der Gyßlingstraße befindet sich seit 1930/31 das ehemalige Umspannwerk Hirschau der damaligen Städtischen Elektrizitätswerke. Es wurde zur Stromversorgung der Maffei Lokomotivwerke Hirschau errichtet. Der mehrteilige kubische Baukomplex in Sichtziegelmauerwerk mit Flachdächern zeigt sich im Stil der Neuen Sachlichkeit. Zur Gesamtanlage gehören ein 25-kilovolt-Haus, eine Werkstatt, ein Steuerhaus und eine Freiluft-Schaltanlage mit technischer Ausstattung. Gelände und Bauwerke sind heute vermutlich im Besitz der Stadtwerke München und stehen unter Denkmalschutz. Die Nutzung erfolgt derzeit für künstlerische und weitere Zwecke. In nördlicher Richtung folgen eine Kleingartenanlage und ein großflächiges Betriebsgelände der Verwaltung des Englischen Gartens.

Umspannwerk Hirschau
Umspannwerk Hirschau 2008

Am südwestlichen Anfang der Gyßlingstraße liegt der Bauhof der Residenz München. Es folgt der Privatgrund mit Gastronomie und Sportanlagen in der Hirschau. Danach betreibt das Diakoniewerk München Maxvorstadt eine Gartenanlage, an die sich der Waldkindergarten Naturkind anschließt.

Unter einer Wiesenfläche befindet sich westlich der Gyßlingstraße und südlich des Mini-Hofbräuhauses eines von vier Münchner Regenüberlaufbecken mit einem Fassungsvermögen von 60 000 Kubikmetern. Nach der Wiese bilden eine Kleingartenanlage und die Häuser mit den 1920er-Arbeiterwohnungen den Abschluss der Gyßlingstraße im Westen.

Umgebung des Tivoli bei Google Maps

Eine aktuelle Möglichkeit, den gegenwärtigen Tivoli, den Tucherpark, den Isarring, die Hirschau und den Englischen Garten im Internet zu erkunden, bietet Google Maps. Auf der Seite Lage des Tivoli in München wird die Umgebung des Tivoli ausführlich dargestellt. Dort und nachfolgend werden die Probleme mit der Abgrenzung des Stadtbereichs Tivoli in der Geschichte in Ansätzen erörtert.

Eingrenzungsprobleme gibt es in den Darstellungen bei Google Maps und bei Wikipedia. Um die Begriffsverwirrung mit Tivoli und Tucherpark zu erweitern, benennen die neuen Eigentümer des Tucherparks den Stadtbereich in fragwürdiger Weise, aber dem Anschein nach modern und kultig, als Eisbachviertel.

Benennung des Stadtbereichs Tivoli

Der Begriff Stadtbereich bezieht sich im vorliegenden Beitragsteil nicht auf naturräumliche oder verwaltungstechnische Inhalte. Er betrifft nur einen abgrenzbaren Bereich aufgrund seiner geschichtlichen Entwicklung. Bei der erstmaligen Nennung 1808 beschränkte sich der Bereich auf ein Grundstück oder Gebiet am Eisbach mit einfachen Bauten, das nördlich der alten Straßenverbindung zwischen den Dörfern Schwabing und Bogenhausen lag.

Die Umgebung war ein Überschwemmungsgebiet der Isar mit Büschen, Wäldern und Wiesen. Das Grundstück gehörte nicht zum bereits 1789 gegründeten, heutigen Englischen Garten. Nördlich des Gebiets entstand ebenfalls 1808 mit einer Ableitung vom Eisbach die Neumühle für die Bauernhöfe in den nahen Dörfern. Wiederum nördlich betrieb ab 1814 der Hofhammerschmied Georg Lindauer am Eisbach eine Schmiede mit einer Eisengießerei. 

1810 bekam das Grundstück ein Sommerhaus, aus dem sich die Gaststätte Zum Tivoli entwickelte. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der Stadtbereich Tivoli auf das Grundstück westlich des Eisbachs begrenzt. Die Erweiterung auf das östliche Eisbachgebiet erfolgte ab 1872/73 mit der Umbenennung der Mühle in Kunstmühle Tivoli. 1886 bekam das Tivoli-Kraftwerk den Namen, 1897 die Tivolistraße. Der Stadtbereich Tivoli war auf das gesamte Gebiet zwischen Tivolistraße und Tivoli-Kraftwerk gewachsen.

Südlich der Tivolistraße erwarb die Stadt 1912 ein Grundstück für eine Schule, die nicht gebaut wurde. Noch weiter südlich blieb das Gelände im Besitz der Tivolimühle. Auf beiden Grundstücken wurde ab 1924 die Tennisanlage Tivoli mit neun Plätzen und einer Betriebsbaracke errichtet. Diese dreieckige Fläche zwischen Tivolistraße, Theodorparkstraße und Oettingenstraße war seit 1924 dem Stadtbereich Tivoli aufgrund der Benennung zuzuordnen.

Verwaltungsmäßig gehörten die Grundstücke des Stadtbereichs Tivoli nördlich der Tivolistraße zu Schwabing und südlich zum Lehel. Der Besitz verteilte sich auf die Tivolimühle, den Freistaat Bayern mit dem Englischen Garten im Norden, die Stadt München mit dem Grundstück südlich der Tivolistraße und einige private Eigentümer nördlich davon.

Aus den Grundstücken der Tivolimühle nördlich der Tivolistraße entstand Ende der 1960er Jahre der Tucherpark, mit Ausnahme einiger Grundstücke an der Hirschauer Straße. Somit befand und befindet sich der gesamte Tucherpark im Stadtbereich Tivoli. Die ehemalige Bayerische Vereinsbank als Eigentümerin bestand aber auf den Namen Tucher wegen des Vorstandssprechers, Freiherr von Tucher.

2019 kauften Investoren den Tucherpark. Nach deren Willen soll ihr Grundbesitz im Stadtbereich Tivoli als Eisbachviertel benannt werden, obwohl der Eisbach nur mit einem Viertel seiner Länge durch den ehemaligen Tucherpark fließt.

Benennungen mit Tivoli in München

Gründe für die Benennungen

Weltweit wurden und werden schöne Orte mit Tivoli bezeichnet. Der Name der östlich von Rom gelegenen Stadt wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts zum Synonym für Vergnügungsparks.

In München wird das Folgende mit Tivoli benannt. Zahlreiche weitere, hier nicht wiederholte Abbildungen zu den Benennungen befinden sich im gesamten Beitrag. Sie sind auch mit der Kategorie Tivoli und mit dem Kopfzeilen-Menü Tivoli abrufbar.

Ehemalige Benennungen

  • Tivoli, Ortsteil der Gemeinde Schwabing ab 1808 und Stadtteil der Stadt Schwabing von 1886 bis 1890
  • Zum Tivoli, Gartenwirtschaft von 1839 bis 1924
  • Tivoli Tennis, Tennisanlage in der Oettingenstraße von 1924 bis 2014
  • Kunstmühle Tivoli von 1872 bis 1968, vorher ab 1808 Neumühle und ab 1839 Ludwigs-Walzmühle
  • Tivoli Kiosk bis 2023 in der Oettingenstraße 80 an der Kreuzung mit der Tivolistraße
  • Tivoli Antiquitäten, Geschäft in der Montgelasstraße
  • Tivoli Filmtheater, Kino in der Neuhauser Straße
  • Tivoli-Blog, 2006–2010
Tivoli Antiquitäten,  Montgelasstraße 6, 2008
Ehemalige Tivoli Antiquitäten, Montgelasstraße 6, 2008
Kiosk am Tivoli, Oettingenstraße 80, 2008
Ehemaliger Kiosk am Tivoli, Oettingenstraße 80, 2008

Gegenwärtige Benennungen

  • Tivoli, Stadtbereich in Schwabing ab 1890 nach der Eingemeindung des ehemaligen Dorfes
  • Stadtbereich im Münchner Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann ab 1992
  • Tivolistraße, Straße im nördlichen Lehel ab 1897
  • Tivolistraße, Bushaltestelle in der Tivolistraße
  • Tivolistraße, Trambahnhaltestelle in der Theodorparkstraße
  • Tivolibrücke, Brücke über den Eisbach mit der Tivolistraße ab 1897
  • Tivolibrücke, umgangssprachlich so benannte Brücke anstelle der Max-Joseph-Brücke
  • Tivoli Garden, Wohnhaus mit Terrassen im Tucherpark ab 2014
  • Tivoli Office, Bürogebäude von Roland Berger im Tucherpark ab 2014
  • Tivoli Restaurant im Hotel Hilton Munich Park im Tucherpark
  • Tivoli Pavillon, Kiosk und Biergarten in der Hirschau, vermutlich ab 1984
  • Tivoli Kraftwerk, ab 1896 am Eisbach in der Hirschau
  • Tivoli Grundstücks-Aktiengesellschaft, München
  • Ortsverband München-Tivoli e. V. der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft
  • Nuovo Tivoli GmbH, Zweck: Eröffnung und Führung von Gastronomie- und Cateringbetrieben in der Widenmayerstraße 52 ab September 2025

Persönliche Benennungen

Tivolifoto München
Internetangebot des Autors, Josef Maria Wagner, ab 2011

Tivolibücher
Private Sammlung des Autors mit Literatur zum Tivoli in München

Tivoligeschichten
Persönliche Geschichten im Internetangebot des Autors

Tivoliweiher
Fotostrecke, Fotobuch und Album mit 1095 Fotos 2012–2020 zum Ziergartenteich auf dem Dach einer Tiefgarage im Tucherpark

Tivolimauer
Beschreibung und zwei Fotoalben der denkmalgeschützten Mauer an der Tivolistraße innen und außen

Tivoligarten
Beschreibung und Fotoalbum des verwilderten Grundstücks hinter der Tivolimauer

Tivoliskandal
Lügen der Stadtpolitik und Stadtverwaltung zur Nutzung der ehemaligen Tennisablage in der Oettingenstraße 74–78

Wem gehört der Tivoli?

Persönliche Ansichten zum Grundbesitz in den Stadtbereichen Tivoli, nördliches Lehel, Tucherpark, Hirschau und Englischer Garten

Wer versucht, sich die Geschichte seiner Wohnumgebung zu ergründen, stellt Überlegungen an, die spekulativ sind. Dieses Wort hat im Wesentlichen zwei Bedeutungen: das Nichtwissen und das Geschäftemachen. Sein Ursprung ist im lateinischen Wort speculor: erspähen, auskundschaften, beobachten, belauern.

Bei der Titelfrage dieses Kapitels innerhalb der Geschichte des Tivoli muss man vorher erkunden, was der Tivoli in München überhaupt ist. Dann könnte man auf die Klarheit der Besitzverhältnisse mit dem Grundbuch verweisen. Es schließen sich die Fragen an, wer mit dem Tivoli einen Nutzen hat und wer einen Gewinn oder ein Geschäft damit machen kann.

Nach meiner Wahrnehmung ist der Tivoli in München eine Fiktion, weil vieles nicht mehr oder nur in der Vorstellung existiert. Im 19. Jahrhundert war Tivoli ein Ort der Freude, der Mode, der Unterhaltung und des Vergnügens. Heute verkommt der Tivoli teilweise zu einem Schandfleck, z. B. mit vernachlässigten Grundstücken, Müllplatz, Containerbauten und Lärm.

Vorweg behaupte ich gleich einmal, dass der Tivoli mir gehört. Leider kann ich mit Ausnahme von Schreiben und Fotografieren nichts gegen das Verkommen unternehmen. Ich besitze den Tivoli in Form von Fotoalben, Fotobüchern und Internetbeiträgen mit Fotostrecken. Selbstverständlich ist er in München ein Grundbesitz der Stadt und von Investoren. Es handelt sich somit um privates, kommunales, also öffentliches Eigentum. Die Sportler und Anwohner mit Tivoliblicken waren jedoch zu Miteigentümern geworden, bis ihnen die Stadtpolitik und Stadtverwaltung den Besitz geraubt hatten.

Ich verstehe nichts vom Bodenrecht, Wirtschaftstheorien oder Ideologien, sehe aber die folgenden positiven und negativen Auswirkungen von privatem, städtischem und staatlichem Grundbesitz in meiner Wohnumgebung:

  • Im „Allgemeinen Wohngebiet“ des nördlichen Lehels werden Gebäude und Grundstücke zum Spekulationsobjekt für private und gewerbliche Eigentümer.
  • Der Tucherpark wird zum Anlage- und Renditeobjekt – zuerst für Banken und dann für internationale Konzerne in den Bereichen Immobilien und Vermögensverwaltung.
  • Stadtpolitik und Stadtverwaltung in München nehmen der Bevölkerung eine Sportanlage weg und errichten ohne Rechtsgrundlage eine Containerschule für die Bedürfnisse in anderen Stadtvierteln.
  • Der Freistaat Bayern verwaltet und schützt den Englischen Garten und die Isarauen in geeigneter Weise.

Wer sich als Grundbesitzer am besten eignet, bleibt persönlichen Einschätzungen und politischen Mehrheitsverhältnissen überlassen. Die Frage steht in ideologischem Zusammenhang mit Privatbesitz und Volkseigentum. Beides hat Vor- und Nachteile, wobei eine Antwort nicht unbedingt allgemeingültig sein muss.

Erster Grundbesitzer war der Gebirgsfluss Isar mit einem Wildwasserbett. Die umliegende Wildnis hatte Bäche, Sümpfe, Auen, Kies- und Sandbänke, Altwässer und Gebüsche. Dann verstand sich der Kurfürst als Eigentümer. Es entstand ein kurfürstliches Jagdrevier. Am Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Volkspark Englischer Garten.

Mit der Kanalisierung von Isar und Eisbach wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts Energie für einen Eisenhammer und eine Getreidemühle möglich. Die Ortsbezeichnung Tivoli verwies auf ein Gasthaus (1827–1923) und eine Mühle (1837–1968). Danach kam das Interesse von Banken, Stadtverwaltung und schließlich von internationalen Konzernen für Immobilien und Investitionen.

Die Kommerzialisierung war nur außerhalb des Englischen Gartens möglich. Trotzdem musste der Volkspark einige Verluste hinnehmen. Heute gefällt es mir, dass Menschen den Englischen Garten so benutzen, als ob er ihnen gehört – leider mit der Folge von zunehmendem Müll. Jede kultivierte Fläche macht aber Arbeit. Genauso wichtig wie die Einrichtung der Anlage ist der ständige Erhalt durch Kultivierung. Ohne diese würde sich der Englische Garten verbuschen und zum Waldgebiet innerhalb der Schotterebene entwickeln. Die gegenwärtige Rechtslage mit dem Grundbuch und der zuständigen Verwaltungsbehörde ermöglicht aber trotzdem ein Naturparadies und verhindert Immobiliengeschäfte, wie sie in der Vergangenheit an Randlagen des Volksparks betrieben wurden.

Ein öffentlich abgesegneter Raub am Englischen Garten und somit am ursprünglich vorgesehenen Volkseigentum waren die folgenden Grundstücke, wobei einige aber im Staatsbesitz geblieben sind:

  • Haus der Kunst
  • Städtische Grundstücke an der Eisbachwelle
  • Straßenbahntrasse an der Lerchenfeldstraße
  • Städtische Sportanlage Himmelreichstraße 5
  • ehemaliges Gelände für den Sender Radio Freies Europa und heutiges Grundstück für die Ludwig-Maximilians-Universität an der Oettingenstraße 67
  • Grundstücke an der Hirschauer Straße
  • Tucherpark mit Grundstücken und Gebäuden im heutigen Eigentum von internationalen Konzernen
  • Verkehrsflächen für Isarring und Ifflandstraße
  • Grundstücke an der Gyßlingstraße
  • Lodenfrey-Park
  • Gastronomie und Sportanlagen in der Hirschau
  • Sportanlagen für Landesbank, Allianz und Tennisclub Iphitos

Diese Entwicklungen waren in der Vergangenheit möglich, wären heute nicht mehr durchsetzbar, sind aber vermutlich für künftige Generationen festgeschrieben.

Grundstücksgeschenke und -geschäfte des Wittelsbacher Königshauses an oder mit Adrian von Riedl, Joseph Anton von Maffei oder Johann Baptist Frey waren der Anfang. Nationalsozialisten stahlen das Grundstück für das Haus der Kunst, gaben hingegen das Maffei-Gelände an den Volkspark zurück. Mit dem Gelände der Tivoli-Mühle konnte ein solches Vorhaben nicht mehr verwirklicht werden.

Dann kamen Banken und Versicherungen. Sie bedienten sich mit ihrer Kapitalkraft an den Rändern des Volksparks. Die damals entstandenen Sportanlagen sind durch öffentliche Mitgliedschaften für die Allgemeinheit nutzbar.

Der Isarring durch den Englischen Garten stellt aus heutiger Sicht eine Fehlentwicklung dar, die aber von der automobilisierten Bevölkerung mit täglich mehr als 110 000 Autos ausgiebig genutzt wird. Die mehrspurige Stadtautobahn wurde 1966 von der Stadt gebaut und trennt den historischen Park in einen Nord- und Südteil. Mehr als 50 Jahre später wird um die Untertunnelung und Wiedervereinigung des Volksparks gestritten, wobei die Stadt dagegen ist.

Insgesamt ist eine Veränderung bestehender Besitzverhältnisse nicht wünschenswert, in einigen Fällen wäre sie aber gerechtfertigt. Nicht alle Eigentümer kümmern sich nämlich verantwortungsvoll um die Grundstücke, insbesondere nicht die rot-grünen Stadtzerstörer in Politik und Verwaltung sowie deren Komplizen, z. B. Immobilienhaie, Luxussanierer und Spekulanten.

Wohnen im nördlichen Lehel ist für Familien mit Kindern und ältere Menschen kaum noch bezahlbar, Platz für Neubauten ist nicht vorhanden. Deshalb werden solide 1950er-Jahre-Bauten mit Mietwohnungen zu Luxus-Eigentumswohnungen saniert oder durch Neubauten in dieser Kategorie ersetzt. Klangvolle Namen wie Lehel Belvedere, Park Avenue oder Palais Widenmayer locken zahlungskräftige, auswärtige Käufer zu Kapitalanlagen. Die letzten Quadratmeter mit Grünfläche am Eisbach werden bebaut. Die Grundstücke der Tennisanlage wären natürlich ein Schmankerl für Neubauten im Luxussegment.

Mit diesem Beitrag möchte ich Entstehungsgeschichten für die interessierte Öffentlichkeit aufzeigen. Eigentum an Grund und Boden ist nicht natürlich gegeben. Es gibt immer einen geschichtlichen Hintergrund, der nachgefragt werden kann. Bestehender Grundstücksbesitz am Rand des Englischen Gartens hat einen hohen Wert. Da ist es doch bemerkenswert, dass dieses öffentliche Eigentum im 19. Jahrhundert an Adelige und frühe Unternehmer wahrscheinlich verschenkt wurde. Gegenleistungen waren vermutlich besondere Aktivitäten, Unterwürfigkeit und Treue, die schon lange verjährt sind – also ein Nichts aus heutiger Sicht.

Ich verfasse diese Aussagen ohne wissenschaftlichen Hintergrund und ohne belegbare Nachforschungen in Archiven und Bibliotheken, sondern nur nach meinem persönlichen Erkenntnisstand. Diese Freiheit nehme ich mir und hoffe, dass weitere Entwicklungen der Idee des Volksparks Englischer Garten und den einheimischen Bewohnern zwischen Park und Isar dienen. Kurioserweise war der Englische Garten kein Geschenk an die Bevölkerung. Er entstand vielmehr aus der Angst des ungeliebten, auswärtigen Kurfürsten Carl Theodor vor einer in Bayern ebenfalls möglichen Entwicklung wie in der Französischen Revolution.

Literatur, Quellen, Freiheiten

Als Anwohner mit Blick über den Münchner Tivoli und als Internetanbieter von Texten und Fotos aus meiner nahen Wohnumgebung verfolge ich geschichtliche und aktuelle Entwicklungen zum Stadtbereich Tivoli in München mit besonderem Interesse. Dieses hatte mich zur Namensgebung von Tivolifoto im Internet angeleitet. 2011, am Anfang des Internetvorhabens, erarbeitete ich mit meinem damals geringen Kenntnisstand die Fotobücher und Internetbeiträge Tivoli in München und Nördliches Lehel.

In der Zwischenzeit erweiterte ich mein Wissen über den Tivoli und sammelte Literatur, die auf den Seiten Tivolibücher und Das Lehel – die Sankt Anna Vorstadt beinhaltet ist. Die dortigen Übersichten können als Literaturverzeichnisse und Quellenangaben zum vorliegenden Beitrag verstanden werden. Ich habe keine historischen Quellen ausgewertet, sondern nur Internetseiten, Wikipedia und meine Tivolibücher.

Als Einführung zu diesem Beitrag dienten die Abbildung einer historischen Biergartenszene und die Umgebungsbeschreibung aus der Geschichte. Möglich und sinnvoll wären auch Aussagen und Karten zur genauen Lage des Tivoli in Vergangenheit und Gegenwart gewesen. Diese befanden sich aber bereits auf der Seite Lage des Tivoli in meinem Gesamtangebot. Die Wiederholung sollte vermieden werden.

Eine Besonderheit dieses Beitrags ist, dass die historischen Abbildungen urheberrechtsfrei und keine digitalisierten Originale sind, sondern meistens von mir bearbeitet wurden. Durch Hinweise und Links sind die Originale aber leicht auffindbar. Außerdem ist jede Abbildung mit dem großen Quellbild verlinkt, das sich beim Klicken in einem neuen Tab öffnet.

Meine Tivoligeschichte ist nicht vollständig und keine wissenschaftliche Arbeit. Ich bin jedoch überzeugt von der sachlichen Richtigkeit beim Zusammenschreiben. Dabei mussten einige Unklarheiten in Büchern und Internetangeboten ausgeräumt werden. Zudem bestand die Schwierigkeit, mich auf die historische Gaststätte Tivoli zu beschränken, weil diese zur Namensgeberin für viele Orte und Bauwerke in der Umgebung geworden war. Die Eingrenzung gelang mir anfänglich, ich gab sie aber in der Folgezeit auf.

Zuerst wollte ich nur sachlich berichten, dann legte ich diese selbst gewählte Beschränkung ab und ließ persönliche Wertungen einfließen. Das Internet bietet eine sachliche Kommentierung oder Diskussion an, zu der alle Gäste von Tivolifoto freundlich eingeladen sind. Bei Ungenauigkeiten oder vermuteten Fehlern bitte ich um private Mitteilungen oder öffentliche Kommentare.

Persönliche Bezüge

Mich interessieren die vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungen meiner nahen Wohnumgebung, in der ich lange und gerne lebe. Dabei möchte ich kein seelenlos zugezogener und austauschbarer Bewohner sein, sondern mit angemessenem Aufwand möglichst viel wissen. Die Suche in Büchern und im Internet sowie das Zusammenschreiben meiner Ergebnisse sind für mich eine geistig anregende Beschäftigung. Das Angebot im Internet soll der öffentlichen Unterhaltung dienen.

Insgesamt möchte ich frühere Gegebenheiten ergründen, Bestehendes dokumentieren und dazu beitragen, künftige kommerzielle Missbräuche zu verhindern. Besonders muss ich die Zerstörung der Tennisanlage, die schulische Dauernutzung und die gesamte Stadtzerstörung in meinem Lebensumfeld kritisieren. Verantwortlich und schuldig sind rote und grüne Bürgermeister, Stadträte und Teile der Stadtverwaltung, die alle gegen den Willen der Anwohner vorgehen, um anderweitige Interessen durchzusetzen.

Meine Münchner Mietwohnung war von 1976 bis 1995 im nördlichen Teil des Lehels. Das mittlerweile abgerissene Wohngebäude befand sich in der Riedlstraße 3, die nach Adrian von Riedl benannt worden war. Nach einer Unterbrechung in Schwabing wohne ich seit 2004 in der Karolinenstraße 6 mit Blick auf das Gelände des historischen Tivoli. Ich war zeitweiliger Gast im Nachfolgelokal des Paradiesgartens, in der ehemaligen Gastronomie der Tennisanlage sowie in den Biergärten und Restaurants Chinesischer Turm, Seehaus, Hirschau und Aumeister.

Tivoli ist mein Ausgangspunkt für die meist täglichen Genuss- und Fitness-Radfahrten über die Reste der früheren Hirschau zum Aumeister, zurück zum Haus der Kunst und zur Wohnung. Dabei ist meine Gedankenwelt unter anderem in der Geschichte dieser Gegend. Das eigene Internetangebot mit Tivolifoto München und die Internetsuche dazu sind für mich ganz einfach interessant und unterhaltsam.

Weiterentwicklung

Natürlich ist die Geschichte des Tivoli in München mit diesem Text und den beinhalteten Bildern nicht zu Ende. Besitz, Nutzung und Preise von Grundstücken und Bauwerken haben sich verändert und werden es weiterhin tun.

Einzigartig ist die Lage dieser früheren Isarwildnis zwischen Eisbach und Englischem Garten. Von den Vergnügungen am Tivoli ist nur noch die Ortsbezeichnung geblieben. Ich werde Entwicklungen, Erkenntnisse und Ergänzungen in diesem Beitrag aktualisieren und erweitern.

4 Kommentare

  1. Ich kann mich über Ihren ausführlichen und informativen Bericht nur bedanken. Ich war selbst Balljunge und habe mir mein Taschengeld dort verdient und war Mitglied beim Jahn Turnverein.
    Ihren Bericht zu lesen war für mich eine Erinnerung an meine Jugendzeit. Herzlichen Dank

    • Ein herzliches Dankeschön auch von mir für die lobenden Worte. Selber bin ich ja 1976 aus Niederbayern zugezogen. Umso mehr freut es mich, wenn ich bei jemandem Erinnerungen an die Jugendzeit am Münchner Tivoli wecken kann.

  2. Vielen, vielen Dank für den ausführlichen und sehr informativen Bericht über Entwicklung des Stadtbereiches Tivoli.

    • Ebenfalls vielen Dank für den lobenden Kommentar. Die Ausführlichkeit musste sein und wird durch Ergänzungen noch gesteigert. Dieser Kommentar freut mich besonders, weil mir schon mehrfach mitgeteilt worden ist, dass ich zu umfangreich schreibe.

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