Wildnis vor der Haustür

Sehen Sie das kleine, wilde Pferd? Wie können Bäume nur so kreuz und quer wachsen? Wo ist dieser Ort? Ich gebe das Geheimnis preis. Einige Meter hinter dem Tier befindet sich die Stadtautobahn Ifflandstraße. Meist gibt es hier Stau wegen der Zufahrt zum Mittleren Ring. Auf der östlichen Seite ist die Isar. Zwischen Ifflandstraße und Isar wäre auch ein Titel – aber nur halb so wild.

Vor Jahren sammelte ich dort Bilder mit einem Makro-Objektiv und Stativ. Jetzt fahre ich fast täglich wieder mit dem Fahrrad vorbei. Sicher ist es verständlich, dass man bei so einer Ansicht halten und fotografieren muss. Da mache ich doch einen neuen Beitrag bei Tivolifoto.

Wegen des großen Erfolgs könnte man auch formulieren, dass ich einen zweiten Teil der Wilden Tiere am Tivoli präsentiere. Die Tiere sind aber noch wilder und sensationeller als im ersten Teil. Wenn das angeberisch wirkt, dann stimmt es. Man kann an der Wildnis vorbei gehen oder fahren, ohne etwas Besonderes zu erkennen, entdecken oder empfinden.

Mein Problem ist, dass ich anhalten muss, um nach den wilden Tieren zu sehen oder ein besonderes Licht festzuhalten. Die stinkenden Fahrzeuge sind hörbar und riechbar. Trotzdem freue ich mich über diesen Ort. Genauso wie das ältere Ehepaar, das mir vor Jahren die Freude über dieses Grundstück im Wechsel der Jahreszeiten mitteilte. Die Frage, ob ich Biologe wäre, musste ich verneinen. Es sah aber bestimmt so aus, als ob ein Fachmann für Natur und Fotografie am Werk wäre. Diesen Anspruch kann ich nicht erfüllen. Ich habe lediglich eine Freude damit.

Dann schaute ich nach, was mir das Internet an Informationen bietet. Meine Wildnis am Tivoli ist auf den Seiten des Landesbunds für Vogelschutz gelistet. Hier heißt es bei den Münchner Biotopen Magerrasen Ifflandstraße 40. Das Grundstück liegt östlich der Ifflandstraße und südlich der Kennedy-Brücke. Vom Charakter ist es ein Magerrasen unter hainartigem Altbaumbestand, eine magere Ruralflur und eine magere Grasflur mit Weidenaufwuchs. Zur Flora gehören Aufrechte Trespe, Bunte Kronwicke, Hornklee, Hufeisenklee, Karthäuser-Nelke, Königskerze, Natternkopf, Purpur-Weide, Hornklee, Tauben-Skabiose, Weidenblättriges Ochsenauge, Weißer Steinklee, Wiesen-Flockenblume, Wiesen-Salbei, Wilde Möhre, Wundklee. Die Fauna wird mit Zauneidechse, Hauhechel-Bläuling, Idas-Silberfleck-Bläuling angegeben. Das Gebiet fällt unter den Schutz von Art. 13d BayNatSchG. In der Stadtbiotopkartierung wird es 1981-84 nicht erfasst.

Dieses Wissen ist wichtig und notwendig, aber das Erleben der Naturschönheiten gefällt mir und erfreut hoffentlich Sie.

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So ein frecher Bläuling! Ich musste die Kamera vom Stativ nehmen, und er schaut mir neugierig zu.

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26 Kommentare

  1. Liebe Gäste in der Originalversion des Beitrags befanden sich Links in dem Satz: „Hier heißt es bei den Münchner Biotopen Magerrasen Ifflandstraße 40.“ Diese Seiten werden aktuell nicht mehr gefunden. Ich habe die Links entfernt. Herzliche Grüße von Tivoli in München, Josef

    • …intensiver, das geht nicht. Bemerkenswert ist aber, dass ich gerade heute diesen Beitrag wieder sehr intensiv betrachtet habe. Danke für den freundlichen Kommentar und herzliche Grüße aus München, Josef

  2. Lieber Josef, eine fabelhaft Tierstudie. Schärfe und Nähe sind beeindruckend. Und wieder Vivaldi dazu. Hier könnte ich mir auch Musik von Chopin vorstellen. Ich glaube zwei Bilder über dem Weiher auch die Mutter des kleinen Pferdes entdeckt zu haben, zwischen den beiden Bäumen, nahe dem rechten.

    • Liebe Elisabet, Du hast Recht. Die Mutter des kleinen Pferds ist deutlich zu sehen. Gut, dass ich nicht zu nahe rangegangen bin, weil sie wahrscheinlich wild geworden wäre. Der Weiher ist übrigens unser Wildfluss Isar. Mit tierischen Grüßen vom Tivoli, Josef

  3. So eine umfangreiche Naturdokumentation habe ich ja lange nicht mehr gesehen! Wenn der WDR hier mal zumindest die Hälfte davon zeigen würde, hätte der seinen Sendeauftrag zehnmal erfüllt! 😀

    Übertreibe ich jetzt?

    Der Hammer ist ja eh, wenn man weiter runterscrollt und dann die ganzen Insekten-Makros kommen…

    • Danke für den übertriebenen Hammer. Ich habe bei Dir so wie bei Colognelia die URL von Gravatar auf WordPress geändert, damit Dein hervorragendes Angebot direkt aufgerufen kann. Am besten gefällt mir, dass man auf Deinen Seiten nicht nur einen Meister der Fotos, sondern auch einen der Worte und Geschichten erlebt.

    • Am Anfang meines Angebots versuchte ich mich zu beschränken, heute erreicht die Bilderzahl schon mal fast 200 für einen Beitrag. Die Kommentare zeigen mir aber, dass ich nicht langweile oder übertreibe. Ich hoffe, es geht Dir gut. Dankeschön und liebe Grüße, Josef

  4. Was für eine Expedition, auf die Du uns hier mitgenommen hast. Das haut einen ja fast um. Wunderbar, wenn man Natur so sehen, empfinden, entdecken, bestimmen und fotografisch festhalten kann! Mich freuen natürlich besonders die Libellen, aber auch der Bläuling ist ganz entzückend, auch die anderen Insekten und Spinnen sind super getroffen, das Heupferdchen ist wunderschön. Nach dem Pony hatte ich einen Moment Ausschau halten müssen. 🙂 Ein super Artikel ist das, so viel Leben auf kleinem Raum, mitten in der Stadt sozusagen.

    • Herzlichen Dank für den lobenden Kommentar. Er freut mich besonders, weil er von einer hervorragenden Naturfotografin kommt. Ich habe mir erlaubt, Deine URL von gravatar.com auf wordpress.com zu ändern, damit Dein großartiger Fotoschatz direkt aufgerufen werden kann. Herzliche Grüße vom Münchner Tivoli nach Köln, Josef

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