Altbayerische Onlineschau zwischen Gaudi und Grant

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Ein Winterbeitrag mit Schnee ist etwas Besonderes, weil er immer seltener wird. In der Großstadt bleibt der Schnee meist nicht lange weiß und wird zum Verkehrshindernis. Bei der Wortzusammensetzung von Sonne und Schnee denkt man mehr an einen Urlaub in den Bergen als an einen Spaziergang in der Stadt. Dennoch erlebte ich die Sonne auf dem Schnee am Sonntagvormittag, dem 3. Dezember 2023, bei einem Fotorundgang in der Vorstadt des nördlichen Lehels und im südlichen Englischen Garten. Vorher war ich mir allerdings nicht sicher, ob sie ganz herauskommt. Ich hatte Glück, weil 156 vorwiegend sonnige Fotos entstanden sind.
Nach einem Jahr, im Dezember 2024, fiel mir das Zusammentreffen der ungewöhnlichen Umstände wieder ein. Für mein Vorhaben, ein Fotobuch und eine Fotostrecke im Internet zu gestalten, wählte ich 80 Fotos und den Titel Sonnenschnee aus. Entlang des Eisbachs und der Tivolistraße bis zum Chinaturm und zum Monopteros war er aber mehr ein Wolken- oder Schattenschnee. Nach dem künstlichen Hügel hat er sich in seiner ganzen Pracht gezeigt.
Eigentlich erwartet man beim „Sonnenschnee“ unberührte Landschaften, die in der Großstadt nach Schneefall und bei Sonnenschein nicht vorkommen. Schon während des Schneiens wird die weiße Fläche von zahlreichen Spuren durchzogen. Bei „Vorstadt und Park“ denkt man nicht gleich an das Münchner Lehel und den Englischen Garten. Trotzdem ließ ich den Titel wegen seiner Gegensätze.
Zum Titel fiel mir noch der Winterzauber ein. Der wird aber nahezu inflationär mit allen möglichen Zielrichtungen verwendet. Spektakuläre Medienformulierungen mit Übertreibungen wie Schneechaos oder Schneewalze vermied ich. Solches dient nur der Verkaufsförderung und widerspricht der Natürlichkeit der Ereignisse.
Fotos vom Sonnenschnee mit blauem Postkartenhimmel werden oft als Kitsch oder Übertreibungen mit der Bildbearbeitung angesehen. Deshalb zeige ich auch die weniger attraktive Vorgeschichte mit dem schmutzigen Schnee am Tivoli und Chinaturm. Die darauffolgende Natürlichkeit mit dem strahlenden Weiß des Schnees und dem tiefen Blau des Himmels muss man mir einfach glauben. Sie kommt allerdings selten vor.
Nach dem Monopteros beginnt das Wintermärchen, bei dem mir das Isarmärchen einfällt. Darin fragt Bally Prell: „Wer kennt sie nicht, die schöne Stadt?“. Beim Titelbild hätte ich natürlich den Monopteros oder den Chinesischen Turm nehmen können. Mir war aber die gewählte, unbekannte Ansicht lieber, weil sie die Verbindung aller vier Wörter im Titel beinhaltet: Sonne, Schnee, Vorstadt und Park.
Das Titelbild ist keine typische Stadtansicht und selbst für Kenner nur schwer zu lokalisieren. Es handelt sich um den Blick aus dem Englischen Garten auf die Häuser der Himmelreichstraße in der Sankt Anna Vorstadt, dem später so benannten Lehel – oder genauer – auf den etwas abseits gelegenen nördlichen Teil davon. Die Straßennamen Himmelreich und Paradies verweisen auf göttliche Zusammenhänge, die es für Münchner Ausflügler im 19. Jahrhundert gegeben hat, z. B. die Gaststätten Paradiesgarten, Zum Himmelreich, Chinesisches Wirtshaus und Zum Tivoli.
Zurück in der Gegenwart nehme ich die Gäste von Tivolifoto auf einen fotografischen Rundgang vor der Haustür mit. Dabei ist aber Vorsicht geboten. Der Beitrag enthält auch Kritik an der Stadtverwaltung und an habgieriger Geschäftemacherei. Eigentlich sollte man den Englischen Garten im Winter in Ruhe lassen, aber aus dem Biergarten ist ein Winterbiergarten geworden, der vor und nach Weihnachten zu fragwürdigem Konsum anregen soll.
Der Schnee hat die Trambahnen für eine Woche stillgelegt, trotzdem beharrt die Stadtverwaltung auf den Ausbau dieses Verkehrsmittels. Für mich hingegen wird etwas falsch gemacht, wenn die Trambahnen nicht fahren, es bei den Bussen aber kaum Probleme gibt. Ich frage mich, wann die Verwaltung kapiert, dass ein schienengebundenes Verkehrsmittel in Zeiten der Individualisierung und Flexibilisierung der Mobilität unsinnig ist. Ein angenehmer Nebeneffekt war allerdings, dass die Anwohner von dem Lärm der zwei Schienenkurven eine Woche verschont blieben.
In erster Linie soll die Fotostrecke aber Natürlichkeit und Schönheit vermitteln. Dabei ist mir wichtig, dass beim Lesen der Texte und Betrachten der Fotos der Eindruck des Dabeiseins entsteht. Dieser soll sich aus meiner Vorgehensweise mit der Erarbeitung als Fotobuch ergeben. Ich fotografiere nämlich immer zweimal: zuerst das Motiv, dann mit dem Ausschnitt und der Anordnung meine Sicht auf das Motiv. Meist entsteht eine Fotogeschichte.
Hoffentlich gelingt es mir auch dieses Mal, den Eindruck des Erzählens und Dabeiseins bei meinem einstündigen Spaziergang zu vermitteln. Häufig bin ich wegen der Fotomotive stehen geblieben und habe mich natürlich auch umgedreht. Die Rückblicke auf den Weg dienen der Abwechslung bei den Ansichten.
Wenn sich jemand nicht nur für die Fotos, sondern auch für die Geschichte der Motive interessiert, dann biete ich Links zu den entsprechenden Kapiteln in meiner Geschichte des Tivoli in München und zu weiteren Beiträgen von Tivolifoto an. Ich wünsche gute Unterhaltung mit meinem Sonnenschnee vor der Haustür im Lehel und Englischen Garten.



Fensterblicke lassen am Samstag, dem 2. Dezember 2023, ein trübes, verschneites Winterwochenende erwarten.


Vom Balkon sind die Wochenendaussichten auf die Universitätsgebäude am Tivoli auch nicht besser.

Am Sonntagvormittag, dem 3. Dezember 2023, zeigt sich am Himmel über dem Tivoli die Sonne.

Die Tivoliskandale verstecken sich im Schatten. Sonnenhimmel und Schnee laden zu einem Spaziergang ein.

Alle Wege und die Brücken über den Eisbach in der Oettingenstraße und Tivolistraße sind geräumt.

An der Haltestelle Tivolistraße fahren die Busse. Die Trambahnen sind tot und bleiben es eine Woche lang.

Sankt Georg grüßt die Tivolistraße. Das Mauerdenkmal ist ein Schandfleck für die Tucherparkinvestoren.

An der Orangerie weist der verschneite Gartengestalter Sckell zum Parkplatz am Chinesischen Turm.

Durch Tore kommt man praktisch in den Himmel oder zumindest in ein Himmelsdorf mit einem großen Plan.

Der nach Aussage der Habgier-Gastronomie „stimmungsvollste Weihnachtsmarkt“ hat noch nicht geöffnet.

Am Sonntagvormittag sieht man Spaziergänger, Jogger und Schneeräumer für den späteren Marktbetrieb.


Hinter dem Marktplan versteckt sich die seit langem geschlossene Gaststätte, weil sie Geschäfte nur behindert.

Der umgestürzte Baum versperrt einen Zugang zum Markt und steht ebenfalls den Geschäften im Weg.


Naturgewalten beeinflussen die Ökonomie am Chinaturm und die ökologische Mobilität gleichermaßen.


Blick auf die niedrigen Ökonomiegebäude von 1793 mit der heutigen Verwaltung des Englischen Gartens


Niemand sitzt am Entenvolierebach auf der Steinernen Bank – 1838 von Leo von Klenze entworfen.

Der Monopteros, 1833–1837 durch Leo von Klenze erbaut, zeigt sich auf der Nordseite im Schatten.

Bemerkenswert: Er steht auf einem Backsteinfundament und dem Aushub des Kleinhesseloher Sees.


Jetzt beginnt der Sonnenschnee im Postkartenhimmel. Die Park-Erde zeigt viele menschliche Spuren.



Auf den beliebten Sonnenbänken am Schwabinger Bach sitzt nur der Schnee. Vorsicht Rutschgefahr!




Weil man nur die Oberkörper sieht, scheinen die Sonntagsspaziergänger im Schnee zu baden.

Die Vormittags-Schatten sind lang. Sankt Ludwig und die Frauentürme grüßen vom sonnigen Himmel.

Seit 1724 steht hier die Burgfriedensäule und markiert die damalige Grenze von Stadt und Gerichtsbarkeit.

Am Burgfriedenweg unter dem Monopteroshügel konnten Äste die Schneelasten nicht mehr tragen.

Auf der Eisbachbrücke richtet sich der Blick nach Osten zur Himmelreichstraße und zur Vormittagssonne.

Der Eisbach fließt zur Mündung in die Isar nach Norden und dabei so schnell, dass er kein Eis bilden kann.


Südlich der Brücke erkennt man den Eisbach als Kanal. Nördlich scheint er natürlich zu sein, was täuscht.

Mit dieser Baumgruppe verabschiedet sich der Englische Garten in die Vorstadt des nördlichen Lehels.


Die Litfaßsäule kündigt die Vorstadt mit der eine Woche verwaisten Trambahnhaltestelle Paradiesstraße an.

„München leuchtet“ wäre ein schöner Titel gewesen, ist aber schon vergeben und nicht vorstadttauglich.

Die neubarocke Vorstadt-Villa, Ecke Himmelreichstraße und Oettingenstraße, leuchtet seit 1910.

Das 1903 bis 1908 erbaute Eckhaus, Lerchenfeldstraße und Oettingenstraße, strahlt ebenfalls im Neubarock.

Als Nachfolgerin des Wirtshauses Zum Himmelreich verdient die stattliche Villa noch einen Rückblick.

Die Trambahnhaltestelle Paradiesstraße teilt die Lerchenfeldstraße in einen südlichen und nördlichen Abschnitt.

Zurück in der Vorstadt-Wohnung wird nochmal auf Olympiaturm, Chinaturm und Zwillingstürme geblickt.

Blätterreste erinnern noch an den Herbst. Das Wintergastspiel Anfang Dezember 2023 dauert nur eine Woche.

Letzter sonntäglicher Fensterblick in der Vorstadt: Die Trambahngleise und parkenden Autos sind zugeschneit, aber der Radler fährt zum Surfen auf einer der zwei Eisbachwellen im Park.

Vorstadt und Park im Sonnenschnee
Vielen herzlichen Dank für das wieder gelungene Buch. Schnee wird ja immer mehr zur Besonderheit. Besonders in der Stadt. Insofern ist es auch ein bißchen wehmütig und fast schon Erinnerungskultur. Das Foto vom Surfer finde ich großartig. Ein Moment, ein Lebensgefühl.
Ich danke für das Lob und die treffenden Bemerkungen.