Geschichte des Tivoli in München

Gartenwirtschaft Zum Tivoli in München um 1830

Aktualisiert am 29. September 2021

Die biedermeierliche Biergartenszene ist eine anonyme Lithographie um 1830 in meiner digitalen Bearbeitung. Wahrscheinlich handelt es sich beim Original um die älteste Darstellung eines Biergartens in München. Kennt jemand frühere Bilder mit dem Hauptmotiv Gartenwirtschaft in München, bitte ich um Mitteilung.

Die Quelle für den Entstehungshinweis ist: Theodor Dombart, Der Englische Garten zu München, 1972, S. 195. Das digitalisierte, öffentlich zugängliche und uneingeschränkt nutzbare Original kann man im Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München downloaden.

Das in der Abbildung rechte Gebäude von 1812 zeigt die frühere Gaststätte Zum Tivoli (1830–1923). Historische Karten und Pläne sind nachfolgend beinhaltet und verlinkt. Ausführungen zur heutigen Lage der Grundstücke mit der Ortsbezeichnung Tivoli in München findet man in der hier verlinkten Seite.

Anfänge von 1724 bis 1836

Tivoli in München wurde 1808 erstmalig in einem provisorischen Kataster des früheren Dorfes und heutigen Stadtteils Schwabing erwähnt. Der Name kam von der italienischen Stadt Tivoli in der Nähe von Rom, welche im 19. Jahrhundert als Bezeichnung für Vergnügungsparks verwendet wurde. Das Münchner Gelände mit dem späteren Ortsnamen Tivoli war eine Sumpf- und Auenwildnis sowie ein Wildwasserbett mit Kies- und Sandbänken, Altwässern und Gebüschen. Bäche durchzogen dieses Hochwassergebiet westlich der Isar. Damals sollten solche unproduktiven Flächen für Wasserkraft, Land- und Forstwirtschaft beseitigt werden, gegenwärtig wären sie wertvolle Biotope. Große Wiesen im späteren Englischen Garten waren bereits landwirtschaftlich genutzt worden.

Burgfrieden von München bis 1854Vor der Anlage des Volksparks war der südlich gelegene königliche Holzgarten ein Teilgebiet der Stadt, das erst 1897 als Hirschanger benannt wurde. Das nördliche, kurfürstliche Jagdrevier Hirschau gehörte zum Dorf Schwabing und unterlag der Dachauer Gerichtsbarkeit. Die Grenze bildete der Burgfriedenweg mit Burgfriedensäule Nummer 13, der Jahreszahl 1724 und einem eingemeißelten Münchner Kindl. Nach einer Verschiebung wurde die Nummer 13 auf 12 geändert. Noch heute kann man die Bearbeitung deutlich erkennen. Von den 24 Burgfriedensäulen sind vier im Original erhalten.

Burgfriedensäule Nummer 13Die Originalsäule mit der Nummer 13 befindet sich etwa 150 Meter südwestlich des Monopteros. Sie ist ein 2,50 Meter hoher Tuffsteinpfeiler mit Sockel, Gesims und Oberteil. Vorne befindet sich das Stadtwappen, hinten die bayerischen Rauten. 1728 wurde die Säule aufgestellt und 1981 restauriert. Im Osten ist die nächste Säule nicht erhalten. Sie stand zwischen früherem Hammerschmiedbach und Eisbach ungefähr am Anfang der heutigen Paradiesstraße.

Das Gelände südlich der Linie Burgfriedenweg und Paradiesstraße lag ab 1724 im Zuständigkeitsbereich der städtischen Gerichtsbarkeit. Dies wird als Eingemeindung des Lehels nach München im Sinne einer ersten Vorstadt bezeichnet. Analog zu anderen Vorstädten wollte die Verwaltung den Stadtteil 1812 mit Sankt Anna Vorstadt benennen. Das setzte sich in der Bevölkerung aber nicht durch.

Auf dem nördlichen Gebietsteil wurde die kurfürstliche Jagd betrieben. Der Forstmeister hatte seinen Dienstsitz im Lehel und ab 1810 im Aumeister. Die Bezeichnung Hirschau ergab sich aus dem früheren Wildreichtum der Isarauen im Norden von München. Der südliche Teil des heutigen Englischen Gartens war stark besucht. Wiesen wurden landwirtschaftlich genutzt. Große Teile der nördlich gelegenen Hirschau hatten den Charakter eines ruhigen, stadtnahen Walds. Tivoli, Hirschau und Kleinhesselohe, welche früher kleine Hesellohe hieß, waren Ortsbezeichnungen im Dorf Schwabing, im ehemaligen Jagdrevier und im späteren Englischen Garten. Schwabing wurde 1886 zur Stadt erhoben und 1890 nach München eingemeindet.

Steinerne Bank von 1838Die Isar im Münchner Stadtgebiet muss man sich Anfang des 19. Jahrhunderts als wilden Gebirgsfluss mit vielen Wasserarmen, Inseln und Sümpfen vorstellen. Ein Beleg für die damalige Situation ist die Steinerne Bank von 1838. Die halbrunde Ruhebank liegt etwa 150 Meter nordöstlich des Monopteros und entstand nach einem Entwurf von Leo von Klenze.

Hier wo ihr wallet da war sonst Wald nur und SumpfDie Inschrift lautet: „Hier wo ihr wallet da war sonst Wald nur und Sumpf.“ Die Steinbank steht an der Stelle eines hölzernen, nicht erhaltenen Monopteros von 1789. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts gestaltete man die Auenlandschaft oder das Ödland zum Landschaftspark nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten. Die Ödgründe der Isarauen wurden zum Volkspark Englischen Garten.

Grundstücke, Gebäude, Gärten, Dämme und Brücken

 Adrian von RiedlDer kurfürstliche Wasser- und Straßenbaudirektor Adrian von Riedl (1746–1809) baute auf Weisung des Kurfürsten Karl Theodor (1724–1799) im Jahr 1790 den Riedl-Damm, der ursprünglich vom Paradiesgarten zur Bogenhauser Brücke, später sogar bis zur Eisbachmündung führte. Der Paradiesgarten war eine Ausflugsgaststätte südwestlich des Grundstücks der gegenwärtigen Gaststätte Leib und Seele an der Ecke Emil-Riedl-Straße und Oettingenstraße.

Die frühere Bogenhauser Brücke ist die heutige Max-Josef-Brücke von 1901/02 und wird im Volksmund Tivolibrücke genannt. Amtlich hat aber die Brücke mit der Tivolistraße über den Eisbach diesen Namen. Beide Brücken waren aus Holz und entstanden 1804. Die Isarbrücke musste 1811 wegen technischer Mängel und Hochwasser als Holzbrücke mit zwei gemauerten Pfeilern neu errichtet werden. 1826 kam es zu einer Behelfsbrücke und 1876 zu einer Eisenfachwerkbrücke, die am 13. September 1899 durch ein Hochwasser zerstört wurde.

Mitte des 19. Jahrhunderte wurden die Riedl-Dämme beidseitig zwischen dem Lehel und Ismaning ausgebaut. Zur Landgewinnung und zum Hochwasserschutz errichtete man schwerpunktmäßig ab 1839 weitere Dämme, legte Sümpfe trocken und schüttete Wasserarme auf. Die Isar wurde an das östliche Hochufer zurückgedrängt.

Gaststätte zum Paradiesgarten an der Oettingenstraße um 1820Aus dem Ödland nördlich der Stadtgrenze, zwischen der Isar und dem Englischen Garten waren hochwasserfreies Neuland und Grundstücke zum Bewirtschaften entstanden. Das Gelände gehörte dem Staat. Hohe adelige Beamte meldeten beim Kurfürsten Ansprüche an. Der Erbauer der Dämme, Adrian von Riedl, erwarb zunächst einen Teil des Ödlandes für ein Palais an der Burgfriedensäule Nummer 14, zwischen Hammerschmiedbach und dem Ur-Eisbach mit Nebenarmen.

Wirtschaft zum Paradiesgarten an der Oettingenstraße um 1820Das Gebäude umgab er mit einem kleinen Englischen Garten. Darin befanden sich ein Vogelhaus, eine Brunnenquelle, eine Gloriette und ein kleiner Chinesischer Turm. Neben einem Lustgartenteil gab es auch Pflanzenschule, Obst- und Wiesengarten. Aus der gesamten Anlage entstand der schon erwähnte Paradiesgarten, eine Ausflugswirtschaft mit Tanzpalast am Anfang des Riedl-Damms. Zwei Lithographien aus der Bildersammlung des Historischen Vereins von Oberbayern sind um 1820 mit unbekannter Urheberschaft entstanden und veranschaulichen das ehemalige Wirtshaus zum Paradiesgarten.

Der zweite Grundstückserwerb galt dem Neubau einer Mühle auf den Wiesen zwischen Isardamm und Schwabinger Bach. Der am Riedl-Grundstück schnell vorbeifließende Eisbach eignete sich mit einer Kanalableitung für eine Mahlmühle, welche von den Bauernhöfen der nahen Dörfer Schwabing, Bogenhausen und Föhring genutzt werden konnte. Der Neubau begann im September 1808. Bereits im März 1809 verkaufte Adrian von Riedl einige Tage vor seinem Tod die erst zur Hälfte gebaute Neumühle mit Kanal. Der Münchner Bäcker und Müller Johann Jakob Schöttl wurde zum neuen Eigentümer. Schöttl erweiterte die Neumühle und übergab sie 1821 seinem gleichnamigen Sohn. 1826 ging die Anlage in den Besitz von Johann Grad oder Gradl, einem Wirt in Schwabing, über.

Johann Adam Freiherr von AretinNeben Adrian von Riedl hatten sich andere hohe Hofbeamte Grundstücke im Ödland westlich der Isar gesichert. Dem Vizekanzler Johann Adam Freiherr von Aretin (1769–1822) wurde Land für einen Sommersitz mit zwei kleinen Häusern und einem französischen Lustgarten zugesprochen. Die Fläche lag zwischen der Ostseite des damaligen Karl-Theodor-Parks und dem Eisbach. 1810 kaufte Raphael Kaula (1763–1828), ein jüdischer Hoflieferant und Hof-Handelsagent, dieses Grundstück und lies die Aretin-Bauten abreißen.

Joseph Karl Stieler - Nanette KaulaKaula wurde Bankier und als Baron de Murat in den Adelsstand erhoben. Der Stadtbaumeister Joseph Höchl (1777–1838) erbaute 1810 für ihn ein Sommerhaus im klassizistischen Stil, welches Kaula-Schlößl oder Murat-Schlößl genannt wurde. Für die Kinder von Kaula entstand um das Gebäude des Adeligen ein Spielgarten mit hölzernem Pavillon und einfachem Karussell. Kaulas 17-jährige Tochter Nannette (1812–1876) wurde von Joseph Karl Stieler 1829 für die Schönheitengalerie König Ludwig I. gemalt. Nanette Kaula galt als Münchens schönste Jüdin. (Schreibweise des Namens bei Wikipedia: Kaulla)

Carl Seitz - Teil des Plans Monumental von München - 1870Das Grundstück mit dem Gebäude hatte einen großen Garten. Am Schlößl entstanden Anbauten. Der Garten bekam immer neue Attraktionen. Die Anlage wurde für die Öffentlichkeit zugänglich und von Ausflugsgästen aus München besucht. Im Volksmund entstand der Name Tivoli. Wirtin war 1827 die Witwe Linder, geborene Kirchmaier (1788–1862). Um 1830 kaufte der Schwabinger Wirt Georg Ferstl das Murat-Schlößl und nannte es Zum Tivoli. Im Sommer nutzte man eine einfache Badeanstalt, im Winter eine Schlittschuhbahn auf dem Grundstück. Dazu kamen Kaffeepavillon und Kinderkarussell.

Poppel - Stahlstich-Souvenirblatt mit der Umgebung Münchens um 1850Johann Gabriel Friedrich Poppel (1807–1882) fertigte um 1850 zwei Stahlstich-Souvenirblätter mit der Umgebung Münchens. Auf dem Blatt München und Umgebung I befindet sich in der Mitte das Prinz-Carl-Palais und in den kleinen Ansichten Monopteros, Paradiesgarten, Rumford-Saal, Chinesischer Turm, Rumford Denkmal, Bogenhausen, Brunnthal, Neuberghausen, Sternwarte, Wasserfall, Ludwigsmühle, Ruhebank.

Poppel - Stahlstich-Souvenirblatt mit der Umgebung Münchens um 1850Auf dem Blatt München und Umgebung II sieht man 13 Außenansichten verschiedener Herrenhäuser und Stadtansichten: Schwabing mit Kirche, Tivoli, Veterinärschule, Schwabinger Brücke, Skells Denkmal, Dianenbad, Klein Hesselohe, Reibel’s Caféhaus, Milchhäuschen, Wernecks Denkmal, Schwabinger Kaffeehaus, Kleinhesseloher See und in der Mitte das Schloss Biederstein. Die Stahlstiche wurden um 1850 im Verlag G. Franz München veröffentlicht.

Bilder zu Wirtshaus und Garten am Tivoli in München

Bauplan vom Stadtmaurermeister Höchle für das Gartengebäude des Raphael KaulaDie 1973er “Jubiläumsschrift aus Anlaß des 100jährigen Bestehens der Aktiengesellschaft Kunstmühle Tivoli und ihrer Rechtsnachfolgerin Tivoli Handels- und Grundstück-Aktiengesellschaft München” beinhaltet auf Seite 18 die Abbildung 7 mit dem Bauplan vom Stadtmaurermeister Höchle für das Gartengebäude des Raphael Kaula: “ein Mittelsälchen mit Tempelgiebel und beiderseits je zwei kleinen Seitenräumen, einer wohl eine Küche”.
In der verlinkten Vergrößerung der Abbildung kann man die Schrift entziffern: “Über ein neuzuerbauendes Gartengebäude des (?) Herrn Kaula in dessen Garten nächst dem Eisbach an der Bogenhauser Brücke … Fasade … Zu ebener Erde … Seite gegen die Strasse”.
Oberhalb der linken Mitte befindet sich wahrscheinlich die Genehmigung:
”(?) München den (?) Jänner 1812
Königl. Bau. Komission
J. Stubensnack”
(vermutlich).

Johann Gabriel Friedrich Poppel, Georg Franz - München Tivoli - 1846Im Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München findet man zum Stichwort Tivoli einen Stahlstich von 1846, der nach einer Zeichnung koloriert wurde. Künstler war wiederum Johann Gabriel Friedrich Poppel (1807–1882), ein Stahlstecher, Kupferstecher, Zeichner und Maler.

Über den Tivoli in München schrieb Christoph Oppelt 1904 auf den Seiten 56 und 57 in Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild:

„Tivoli war lange Zeit ein Ort der Mode. An schönen Sommerabenden war es mit zahlreichen Menschen angefüllt, die besonders dem Tanzvergnügen huldigten. An Werktagen fanden sich bis in unsere Zeit noch Beamte aus den höchsten Kreisen dort ein.“

Original-Litographie der Gartenwirtschaft Zum Tivoli in München um 1830Zu diesen höchsten Kreisen gibt es eine historische Darstellung. Ich habe die digitalisierte Original-Lithographie mit Mitteln der digitalen Bildbearbeitung verändert, zeige das Ergebnis mit dem Titelbild dieses Beitrags und verlinke auf das Original mit der nebenstehenden Abbildung. Der Steindruck ist 187 x 237 Millimeter groß, befindet sich im Bestand der Bildersammlung des Historischen Vereins von Oberbayern und wird im Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München zum freien Download angeboten.

Das Archiv bietet mit der Stichwortsuche “Tivoli” in der Bildersuche einige Fotografien an, die ich ebenfalls bearbeitet habe und nachfolgend zeige. Beim Klick auf das jeweilige Foto öffnet sich ein großes Quellbild. Das Originalfoto kann man mit Klick auf eine der Ziffern anschauen: 1, 2, 3, 4. Die vier Originale stammen aus der Sammlung von Karl Valentin.

Eislaufplatz zwischen Gastwirtschaft Zum Tivoli, Eislaufplatz und Tivolimühle im Hintergrund 1895 Gastwirtschaft Zum Tivoli und Eislaufplatz 1900
Gastwirtschaft Zum Tivoli und Eislaufplatz 1910 Gastwirtschaft Zum Tivoli 1910

Auf der nachfolgenden Stadtkarte von 1891 erkennt man die genaue Lage der Gaststätte und der Mühle mit der Bezeichnung Tivoli am Ende des 19. Jahrhunderts. Die nebenstehende, 1898 versandte Ansichtskarte des Tivoli entstammt einer Fotostrecke zum Tucherpark in den Internetseiten der Sep Ruf Gesellschaft e. V. Die Fotos und die Zeichnung der Tivoli-Gebäude zeigen den Neubau von 1883.

Tivoli auf der Stadtkarte von 1891 Ansichtskarte Tivoli

Oppelt, Christoph - Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild - 1904Zahlreiche weitere Abbildungen findet man bei Oppelt, Christoph: Das alte Lehel nebst Bogenhausen, Brunnthal, Tivoli und Hirschau in Wort und Bild. Vorträge aus der Geschichte der nordöstlichen Stadtteile Münchens. Mit einem Anhange: „Die sanitären Verhältnisse des Lehels einst und jetzt“ von M. Hemmer.Verlag: München, Parteilose Vereinigung München-Nordost 1904.

Das Werk wird antiquarisch angeboten. Es wurde aber von der Bayerischen Staatsbibliothek vollständig digitalisiert und ist online zur Ansicht verfügbar. Alle Abbildungen der Veröffentlichung zeigt die hier verlinkte Bildsuche der Bayerischen Staatsbibliothek.

Entwicklungen von 1837 bis 1924

Nördlich des Gartenhauses und späteren Wirthauses Zum Tivoli lag die am 15. Oktober 1837 gegründete Königlich privilegierte Ludwig-Walzmühle, die spätere Kunstmühle Tivoli.

Ludwig Walz Mühle bei München - Erinnerung 1848 - Quelle: https://www.zvab.com/kunst-grafik-poster/M%C3%9CNCHEN-Walzm%C3%BChle-Ansicht-Ludwig-Walz-M%C3%BChle/15108996901/bd Firmengebäudeansicht; Lithographie von W. Stähle; Aufschrift: Ludwigs-Walzmühle zu Tivoli bei München. Preismedaille München 1840, Berlin 1844, München 1854

Industrieanlagen, Eisenwerk und Maschinenfabrik Maffei - 1910

In der noch weiter im Norden vom Tivoli gelegenen Hirschau bestand am Eisbach die bayerische Hofhammerschmiede. Das Werk wurde vom Hofhammerschmied Lindauer im Jahr 1814 errichtet. Dabei leistete der Hofgartenintendant und Gestalter des Englischen Gartens Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) erbitterten, aber erfolglosen Widerstand. 1837/38 übernahm Joseph Anton von Maffei (1790– 1870) den Lindauer’schen Hammer, führte die Firma als Eisenwerk Hirschau weiter und entwickelte daraus die Lokomotiv- und Maschinenfabrik J. A. Maffei.

Ursprünglich war am Platz des historischen Zum Tivoli beabsichtigt, die Maffei’sche Fabrik zu erbauen. Dafür gab es aber keine polizeiliche Genehmigung. Joseph Anton Ritter von Maffei war Industrieller, Bankier und Politiker. Er gilt als ein Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern. Aus dem einfachen Lindauer’schen Hammer- und Walzwerk mit Gießerei entstand 1841 eine Fabrik für Dampfmaschinen, Lokomotiven und Dampfschiffe. In den folgenden fast einhundert Jahren wurden in der Hirschau etwa 5000 Lokomotiven gebaut. Der Eisbach hatte sich zum Energielieferanten für Mühle und Fabrik entwickelt.

Das Werk musste die Lokomotiven lange Zeit mit Transportwagen ausliefern und bekam erst 1901/02 einen Gleisanschluss. Direkter Konkurrent war ab 1866 die Lokfabrik von Georg Krauss in München. 1931 übernahm Krauss wegen der Wirtschaftskrise und firmierte unter der Bezeichnung Lokomotivfabrik Krauss & Comp. – J.A. Maffei AG. 1937 wurde das Werk in der Hirschau aufgegeben und zog nach München-Allach.

Hirschau - Ehemalige Arbeiterkantine der Maffei'schen Fabrik - 1900

Die Gaststätte in der Hirschau wurde 1839/40 errichtet und 1874 durch Baumeister Josef Wolf auf drei Stockwerke mit schlichter Fassade und mit einem kubischen, zeltförmigen Dach erweitert. Ein Wirt verpflegte die Arbeiter der nahen Maffei-Fabrik unter dem Namen Zum Hasenstall. Danach wurde die Gaststätte neben der Werkskantine zum Ausflugslokal und in einem Reiseführer erwähnt. Sie bezeichnete sich ab 1894 als Schank- und Bierwirtschaft Hirschau nebst Kegelbahnen und Gartenbetrieb. 1902 kam ein ebenerdiger Anbau dazu. 1913 kaufte die Spatenbrauerei – Sedlmayr Grund und Immobilien AG – das gesamte Anwesen. Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Johann Gabriel Friedrich Poppel, Georg Franz - Ludwigsmühle - 1846Die Jubiläumsschrift von 1973 zum 100jährigen Bestehen der Aktiengesellschaften mit der Bezeichnung Tivoli beinhaltet, dass die Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft am 13. September 1839 die Gaststätte und die dazugehörigen Wiesen wegen einer Eisbachbegradigung erwarb. Es folgten viele Pächter mit Umbauten und Anbauten, sogar mit einem großen Saalbau.

1883 wurde der von Kaula-Murat stammende Mittelbau des Tivoli aus dem Jahr 1812 abgerissen und zusammen mit einer modernen Erweiterung wiederaufgebaut. Der damalige Neubau ist auf den obigen Fotos des Eislaufplatzes und auf der Ansichtskarte zu sehen. Grundstück und Gebäude des Restaurants und Gastgartens Tivoli verblieben im Besitz der Tivolimühle.

Kunstmühle Tivoli mit Tivolikraftwerk und Maffei'scher Fabrik im HintergrundAnfang des 20. Jahrhunderts bis in die erste Inflationszeit kaufte und verkaufte die Tivolimühle Grundstücke. 1901 erwarb sie einen Streifen Land am Dianabad von der königlichen Civilliste – vom aus der Staatskasse gewährten Eigentum des Monarchen und seiner Angehörigen. Das Bad war aus einem Fischweiher des Tivoli-Anwesens von Aretin und später Kaula entstanden. Hinzu kam die ehemalige Pommersche Tabakfabrik. Gebäude wurden abgerissen, Grundstücke wiederverkauft und Straßen hergestellt.

Tivoli-MühleIn den Jahren vor dem 1. Weltkrieg entstand ein literarisches Zeugnis über die Arbeit in der Tivolimühle. Das Kapitel IX in Oskar Maria Grafs (1894–1967) Wir sind Gefangene heißt In der Mühle. Graf war als 18- oder 19-Jähriger ein Hilfsarbeiter in der Mühle – vermutlich im Frühjahr 1913 vor der Reise nach Locarno.

Jubiläumsschrift zum 100jährigen Bestehen der Aktiengesellschaften mit der Bezeichnung Tivoli Der Geschäftsbericht der Mühle von 1912 beinhaltet, dass der Magistrat München ein, an der Oettingen-, Tivoli- und Theodorparkstraße gelegenes, Grundstück zum Zwecke der Erbauung eines Schulhauses kaufte. Ein solches wurde auf dem Grundstück aber nie gebaut. Es gab auch keine Notwendigkeit für die Bevölkerung im Viertel. Danach überlebte die Gastwirtschaft den ersten Weltkrieg, verfiel jedoch zunehmend, lag seit 1922 still, wurde 1923 ein Opfer der Inflation und schließlich 1924 abgerissen.

In diesem Jahr ist wahrscheinlich der Tennisplatz angelegt worden, wobei nach dem Grundstückskauf die nördlichen zwei Drittel der Fläche im Besitz der Stadt waren. Das südliche Drittel mit Betriebs-, Sanitär- und Bewirtungsgebäude gehörte weiterhin der Aktiengesellschaft Tivolimühle. Diese Eigentumsverhältnisse hatten sich im Lauf der Zeit nicht grundlegend verändert.

Nachbarschaft und Straßen

Im 19. Jahrhundert hatte die ganze Gegend um den Eisbach so wie die Mühle im Volksmund den Namen der Gastwirtschaft Tivoli angenommen. Der benachbarte Chinesische Turm hatte zwar während der Biedermeierzeit, also etwa 1825 bis 1848, auch eine Gastronomie, Bilder sind mir aber mit Ausnahme des Turms nicht bekannt.

Gaststätte Chinesischer Turm - 1900Südlich des Chinesischen Turms befand sich die Chinesische Wirtschaft mit Kegelbahn, Tanzboden und vier kleinen Holzpavillons. Im und am Turm wurde Bier ausgeschenkt. Dreimal die Woche gab es Tanzmusik, Konzerte oder Militärkapellen. Die neue Gaststätte wurde 1912 errichtet. Diese Gastronomie am Chinesischen Turm und am Tivoli hatte freilich nichts mit der Tradition der Münchner Biergärten zu tun, die über den Bierkellern von Brauereien entstanden waren.

Eine der frühesten Straßenbenennungen im nördlichen Lehel ist die nur 93 Meter lange Karolinenstraße von 1809. Namensgeberin war Karoline von Bayern (1776–1841), die zweite Gemahlin des ersten bayerischen Königs. Bei dieser Erstnennung darf man sich aber keine befestigte und bebaute Straße vorstellen, sondern einen Fußweg, der von Bogenhausen kommend über den sogenannten Wedel-Damm in westlicher Richtung zur Eisbachstraße ging. Der untere Teil der heutigen Lerchenfeldstraße hieß Eisbachstraße und mündete südlich in die Bogenhauser Straße, die in Oettingenstraße umbenannt wurde.

Das Gelände nördlich der Karolinenstraße wurde von der Mühle beansprucht. Diese errichtete wegen des wachsenden Fuhrwerksverkehrs einen Zaun längs der Karolinenstraße. Es kam zur Auseinandersetzung mit dem Bezirksamt und der Lokalbaukommission. Der Zaun musste bis zur uralten Straßenverbindung von Schwabing nach Bogenhausen, der heutigen Tivolistraße, zurückgesetzt werden. Die Stadt hatte sich bis in die Nähe des Tivoligeländes ausgedehnt (Jubiläumsschrift S. 57).

Ende des 19. Jahrhunderts benannte die Stadtverwaltung viele Straßen neu. Im Straßenverzeichnis München befinden sich die Jahreszahlen und die Ursprünge der Namensgebung. Die Erstnennung der Tivolistraße für die Verbindung von Schwabing nach Bogenhausen erfolgte 1897 – so wie bei der Hirschauer Straße.

Die frühere Hirschauer Straße hat mit der heutigen nur den Namen und die anfängliche Richtung gemeinsam. Weiter nördlich mündete sie in die Gyßlingstraße am Maffeiwerk. Deren Benennung erfolgte 1905 nach Walter Gyßling (1836–1903), Direktor des bayerischen Dampfkessel-Revisionsvereins in München. Neben der alten Hirschauer Straße führte eine etwas östlich gelegene Straße oder ein Weg direkt zur Gaststätte Tivoli und danach zur Mühle. Die heutige Hirschauer Straße verläuft zwischen diesen beiden Straßen, wie dieser Link zum BayernAtlas mit der Überlagerung zur Topografischen Karte 1:25000 aus dem Jahr 1900 nachweist.

1897 kam es auch zur Bezeichnung Oettingenstraße, benannt nach dem bayerischen Staatsmann und Fürst Ludwig zu Oettingen-Wallerstein (1791–1870). Vorher hieß die Oettingenstraße Bogenhauser Straße. Die Straße längs des Eisbaches zwischen Tivoli und Oettingenstraße wurde ab 4.1.1900 Theodorparkstraße genannt. Theodorpark war die erste amtliche Bezeichnung des Englischen Gartens nach dem Auftraggeber Kurfürst Karl Theodor (1724–1799).

Bogenhauser Straße

Bogenhauser Straße Lageplan 2017. Der Besuch des hier verlinkten Beitrags im NordOstMagazin ist sehr empfehlenswert.Den Standort des historischen Tivoli und die heutige Bebauung im nördlichen Lehel zeigt eine Lageplan in der 2018er Ausgabe des NordOstMagazins: Die Bogenhauser Straße / Am »Tivoli« – von Bogenhausen nach Schwabing. Karin Bernst und Dr. Willibald Karl schufen diese umfänglich bebilderten Beiträge. Dort sind auch eine Skizze der Bogenhauser Straße nach einem Plan von 1877 und die Stadtkarte 1891 mit den Gaststätten Tivoli und Neuberghausen beinhaltet. In den zwei Abbildungen findet man die Bezeichnungen Bogenhauser Straße, Bogenhauser Fußweg oder Wedel-Damm, Karolinenstraße, Eisbachstraße, Dianastraße, Riedlstraße und Paradiesstraße.

Bemerkenswert ist, dass nach den weiteren Abbildungen im NordOstMagazin zwischen der heutigen Lerchenfeldstraße und der Oettingenstraße ein Arm des Eisbachs verlief, der 1877 bis zur Paradiesstraße nicht an der Oberfläche war. Noch ein Eisbacharm wurde 1891 nach dem Dianabad in Richtung Dianastraße abgeleitet. Bei der Karolinenstraße mündete er wieder in den gegenwärtigen Eisbach zurück. Die Skizze von 1877 zeigt außerdem den anstelle der derzeitigen Reitmorstraße fließenden Hammerschmiedbach, der östlich des Wedel-Damms verlief und auf Höhe der Karolinenstraße wieder in die Isar zurückfloss.

Der Lageplan der Bogenhauser Straße beinhaltet von Norden nach Süden die historischen Zollhäuser von 1844, 1847 und 1887, welche den Stadtzoll für den Warenverkehr von und zur Mühle regelten und insgesamt der Kontrolle der städtischen Zoll- und Aufschlagsgefälle dienten. Beschreibungen hierzu finden sich im NordOstMagazin. An der Stelle des ersten Zollhauses befindet sich heute der Kiosk Oettingenstraße. Beim 1887er Zollhaus liegt die Trambahnhaltestelle Paradiesstraße.

Baudenkmäler

Nördlich der Ecke Hirschauer und Tivolistraße wurde 1923 die herrenhausartige, neuklassizistische Villa für Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen errichtet. Heute ist das Gebäude der Altbau der Frauenklinik Dr. Geisenhofer an der Hirschauer Straße 6. Die benachbarte, neoklassizistische Villa aus dem Jahr 1924 von Paul Bücklers hat die Hausnummer 8.

Villa von 1923 in der Hirschauer Straße 6Beim Stichwort Tivolistraße im Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München zeigt sich ein Foto von 1926 mit der 1923 errichteten Villa. Die Straße hieß aber nicht Tivolistraße, sondern bereits seit 1897 Hirschauer Straße. Der Standort des Gebäudes mit der heutigen Nummer 6 und den vielen neuen Anbauten kommt vermutlich der Lage des historischen Tivoli sehr nahe. Es ergibt sich jedoch die Besonderheit, dass die Gaststätte 1924 abgerissen und die Villa bereits 1923 erbaut sein soll. Das Hauptgebäude der Gaststätte Tivoli von 1812 und 1883 lag somit östlich der Villa. Beim bereits erwähnten Vergleich von historischen und aktuellen Karten passt der Umriss der Villa genau in eine Lücke der damals umliegenden Gebäude des Tivoli.

Karolinenstraße 4 - 1913Bedeutende Baudenkmäler am Nordrand des Lehels sind die in den Jahren 1911 und 1912 entstandenen Jugendstil-Mietshäuser Karolinenstraße 4 und das Ensemble Widenmayerstraße 46-50 mit den Rückfassaden am Eisbach. Zur Baugruppe gehört auch der Jugendstil-Eckbau mit dem Mietshaus Tivolistraße 1 um 1910. Schon 1899 war das Mietshaus Widenmayerstraße 52 an der Ecke zur Tivolistraße entstanden. Der Architekt Wilhelm Spannagel verwirklichte den Eckbau im Stil der deutschen Renaissance mit reich dekorierten Erkern. Im Gebäude befinden sich schon lange Restaurants mit wechselnden Pächtern und internationalen Orientierungen.

Neubarocke Villa - Himmelreichstraße 4 -19101910 entstand an der Himmelreichstraße 4 eine stattliche, neubarocke Villa der Architektenbrüder Alois und Gustav Ludwig. Diese bauten zur selben Zeit auch den benachbarten, neuklassizistischen, viergeschossigen und freistehenden Putzbau mit Seitenrisalit und gewölbten Erkern in der Oettingenstraße 35. Ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein neoklassizistisches, hölzernes Landhaus in der Oettingenstraße 39 errichtet.

Oettingenstraße 36 und Lerchenfeldstraße 11 im Hintergrund - 1911Die denkmalgeschützten Mietshäuser Oettingenstraße 36, 46 und 48 sind Neubarock und barockisierender Jugendstil aus den Jahren 1894 bis 1908. Zwischen 1905 und 1908 plante Anton Wörz die heutigen Mietshäuser und Baudenkmäler in der Lerchenfeldstraße 11, 13 und 15. Der neubarocke viergeschossiger Eckbau mit zwei turmbekrönten Eckerkern, seitlichem Kastenerkern und Zwerchhäusern beherbergt heute das Cafe-Restaurant Paradiso. Nummer 13 und 15 sind dreigeschossige Putzbauten mit Stuckgliederung in barockisierendem Jugendstil. Das Gebäude der Lerchenfeldstraße 16 ist ein dreigeschossiger Mansarddachbau von 1895 mit Fassadengliederung in Formen der Neurenaissance.

Darüber hinaus haben die Riedlstraße ein, die Paradiesstraße zwei und die Emil-Riedl-Straße neun Baudenkmäler. Der weitere Umkreis in nördlicher Richtung zur Prinzregentenstraße und in östlicher zur Isar verfügt ebenfalls über denkmalgeschützte Bauten des nördlichen Lehels, die in der hier verlinkten Liste der Baudenkmäler im Lehel mit Fotos und Beschreibungen vorgestellt werden.

Ehemalige Bauwerke

Das Dianabad und das Wirtshaus Zum Himmelreich lagen am Eisbach und wurden von der Aktiengesellschaft Kunstmühle Tivoli abgebrochen.

Dianabad des J. G. Frey im Englischen Garten - 1858 Dianabad - Oettingenstraße - 1905

In Oppelt: Das alte Lehel, 1904 befinden sich Abbildungen vom Paradiesgarten vor dem Abriss 1894, von der Kgl. priv. Ludwigs-Walzmühle, dann Kunstmühle Tivoli, und von der 1901 abgebrochenen Gastwirtschaft zum Himmelreich

Paradiesgarten vor dem Abriss 1894 Kgl. priv. Ludwigs-Walzmühle, jetzt Kunstmühle Tivoli

Die Gaststätte zum Himmelreich wird einmal bei Oppelt abgebildet. Im Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München findet man sogar fünf Bilder.

Gastwirtschaft zum Himmelreich, abgebrochen 1901 Himmelreich - 1880 Gaststätte zum Himmelreich - 1895
Gaststätte zum Himmelreich - 1895 Gaststätte zum Himmelreich - 1899 Gaststätte zum Himmelreich - 1895

Nordöstlich zwischen Isar und Widenmayerstraße hatte der Turn- und Sportvereins Jahn München bereits 1904 eine Turnhalle errichtet. Das Gebäude wurde 1944 zerstört und konnte nicht mehr genutzt werden. Mit Eigenleistung wurden an der Widenmayerstraße eine neue Vereinsanlage mit kleiner Gymnastikhalle und großer Sporthalle wiederaufgebaut. Später musste aber ein neues Baugelände gesucht werden, weil für das Grundstück nur ein befristetes Erbbaurecht bestand. Weltkriegsruine und Nachfolgebauten wurden 1962/63 für die Straßenverbreiterung abgerissen.

Zum ersten Foto beinhaltet Wikipedia die Jahreszahlen 1906, 1907 und 1911. Der Nutzungsrechtinhaber ist Ottmar Zieher in München. Die Abbildung befindet sich auch auf einer Internetseite des Vereins NordOstKultur München. Im Vereinsangebot findet man weitere Informationen zur Max-Joseph-Brücke, Bogenhauser Brücke oder Tivolibrücke. Die drei anderen Fotos von 1905, 1908 und 1909 sind aus dem Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München.

München, Isar mit Turnhalle an der Widenmayerstraße und Max-Joseph-Brücke Turnverein Jahn - Widenmayerstraße 40 - 1905
Turnverein Jahn - Widenmayerstraße 40 - 1908 Turnverein Jahn - Widenmayerstraße 40 - 1909

Zwischen 1970 und 1985 bestand anstelle des Restaurants und Biergartens am Kleinhesseloher See nur ein Kiosk. Vorher gab es aber schon zwei Seehäuser. Die nächsten Bilder zeigen das Seehaus von 1905 und eine Luftaufnahme von Schwabing am See mit dem Hintergrund der Fabrik in der Hirschau aus dem Jahr 1910. Die Ansicht der Lokomotivenfabrik Maffei ist von 1905. Bei der Draufsicht von 1927 erkennt man Isar, Eisbach, Tivoli-Kraftwerk und die gesamten Werksanlagen. Kleinhesselohe und Hirschau gehören nicht zum Tivoli, sind jedoch benachbarte Ortsbezeichnungen, die deshalb hier aufgeführt werden.

Kleinhesseloher See - 1905 Luftaufnahme von Schwabing am See mit dem Hintergrund der Fabrik in der Hirschau aus dem Jahr 1910
Ansicht der Lokomotivenfabrik Maffei von 1905 Draufsicht von 1927 mit Isar, Eisbach, Tivoli-Kraftwerk und den gesamten Werksanlagen

Weitere Abbildungen, Fotos, Ortsblätter und Zeitungsinhalte zum Münchner Tivoli

So wie bei den obigen historischen Fotos vom Tivoli findet man bei der Bildersuche im Online-Archivkatalog des Stadtarchivs München zahlreiche Fotos aus dem nördlichen Lehel. Eine aktuelle Aufnahme dieser Bilder würde dem Titel dieses Beitrags und einer künftigen Aktualisierung nicht gerecht. Stichwörter mit einem Suchergebnis sind beispielsweise Dianastraße, Dianabad, Karolinenstraße, Himmelreich, Paradiesgarten, Paradiesstraße, Oettingenstraße und Tivolistraße. Meine Bildersuche und Bildersammlung wurde im Lauf der Zeit immer umfangreicher. Dabei war es nicht immer möglich, die früheren Quellen nachzuvollziehen. Außerdem verändern Onlinequellen ihre Angebote. Neben dem Stadtarchiv bestehen natürlich weitere Informationsquellen.

Das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München beinhaltet zum Stichwort Tivoli München nur drei Ergebnisse, die bereits in diesem Beitrag enthalten sind. Bilder der Staatsbibliothek befinden sich auch in bavarikon, dem Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus Einrichtungen in Bayern.

Die Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek werden vom Münchener DigitalisierungsZentrum ins Internet gebracht. Das Zeitungsportal mit dem Namen digiPress bietet Zugriff auf digitalisierte historische Zeitungen. Die Volltextsuche mit „zum Tivoli“ ergibt 166 Treffer. Grenzt man Erscheinungsort und Verbreitungsort auf München ein, bekommt man die überschaubare Anzahl von 38 Zeitungsausschnitten im 19. Jahrhundert. Meist sind es Anzeigen der Wirte, aber auch die Suche nach Verlorenem und sogar die Verkaufsanzeige vom Montag, den 17. Januar 1870 in der Abendausgabe der Bayerischen Landeszeitung.

Kartenausschnitt Ortsblatt Tivoli 1833Mit der Suche in der Bayerischen Landesbibliothek Online (BLO) finden sich zwölf Ortsblätter mit dem Stadtviertel der Ortsbezeichnung Tivoli des 19. Jahrhunderts: Tivoli, Stadtviertel (o. J.), (ca. 1809), (1810), (ca. 1816), (1830), (1833), (1833), (1853), (1853), (1858), (1858), (1859). Man wird nicht auf jedem Ortsblatt fündig, aber einige geben eine Vorstellung von der Lage und den Gebäuden. Hier wird nur ein Beispiel von 1833 gezeigt, weil es informativer und unterhaltsamer ist, sich selbst durchzuarbeiten, um Eindrücke und Überblicke zu bekommen.

Bei Delcampe, dem größten Marktplatz für Sammler im Internet, findet man 12.370 Artikel bei der Suche nach Tivoli in der Kategorie Ansichtskarten. Für München ist jedoch nichts dabei. Das Ansichtskarten-Center enthält eine Postkarte mit einer Ansicht der Klinik Dr. Geisenhofer aus der Zeit vor 1940 und mit unbekanntem Jahr die Gasträume der Gaststätte zum Paradiesgarten in der Oettingenstraße.

Die umfangreichste Bildquelle zur Gegenwart ist natürlich das gesamte Fotoangebot von Tivolifoto München, auf dessen Verlinkung ich in diesem Beitrag weitgehend verzichte. Der Betrachter oder Leser dieser Geschichte des Tivoli kann sich aber hier ein umfassendes Bild über das nördliche Lehel, den Englischen Garten, den Tucherpark und den Münchner Tivoli seit 2004 machen.

Tennisplatz 1924 bis 2013

Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Jahres 1924 denkt man nicht gleich an die Anlage eines Tennisplatzes. Das nördliche Lehel war mit seiner Lage zwischen Isar und Englischem Garten wie ein Dorf in der Großstadt. Im Süden gab es bereits die herrschaftliche Prinzregentenstraße mit repräsentativen Bauten. Die luxuriösen Mietshäuser der Gründerzeit hatten sich bis zum Tivoli vorgeschoben. Die meisten Menschen lebten aber in einfachen Herbergshäusern und besaßen nur Lebenswichtiges.

Warum in dieser Zeit ein Tennisplatz gebaut wurde, ist nur schwer verständlich – ebenso die Hintergründe des oder der Auftraggeber und die Finanzierung. Aus der Geschichte des Tennissports ist nichts erfahrbar. Bei der Stadtgeschichte müsste man dafür Originalquellen sichten, z. B. Grundbucheinträge, Kaufverträge, Firmenrechnungen und Zeitungsartikel. Dabei ist nicht einmal gesichert, ob 1924 das Erbauungsjahr war. Im Internet und in meinen Tivolibüchern sind keine Informationen zu finden.

Felicitas Timpe (1923–2006) - Gruppenbild mit unbekannten Personen auf dem Tennisplatz gegenüber den Häusern an der Theodorparkstraße - 1951Das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München beinhaltet zum Stichwort Tennisplatz Tivoli ein Foto vom Sommer 1951. Es zeigt ein Gruppenbild mit unbekannten Personen auf dem Tennisplatz gegenüber den Häusern an der Theodorparkstraße. Fotografin war Felicitas Timpe (1923–2006).

Die Tennisanlage am Tivoli wurde vermutlich ab der 1980er oder 1990er Jahre bis 2006 vom Ehepaar Hahn gepachtet und betrieben. Der Name stand in Verbindung mit der Kette von Weinlokalen und Restaurants bis etwa 1980. Legendär waren die Hahnhöfe im München der 1970er Jahre, besonders der Hahnhof in der Leopoldstraße.

Tennisspieler haben mir mitgeteilt, dass Teile der Einrichtung im Tennisstüberl aus diesem Lokal stammen sollen. In der Schublade eines Jockeltisches soll sich ein Album mit Fotos aus der Geschichte des Tennisplatzes befunden haben. Diese Information kam von Otto Zelger (1921–2013). Otto war als Kind Balljunge auf dem Tennisplatz und Tennisspieler bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren. Das Fotoalbum ist verschollen und wäre eine wichtige Geschichtsquelle. Bei Kenntnis über den Verbleib bitte ich um Mitteilung.

2004 bis 2007 hatte das Cafe-Restaurant verschiedene Pächter und Namen. Es bestand die wetter- und personalbedingte Schwierigkeit, Tennis- und Gastronomiebetrieb gleichzeitig anzubieten. 2007 übernahm der Tennislehrer Alexandros Chatzistamou den Platz und 2008 seine Ehefrau Violetta das Lokal. Die weitere Entwicklung ist in meinem Internetangebot umfangreich dokumentiert.

Tivoli TennisBerichte aus den 1970er Jahren in der Lerchenfeldstraße und Umgebung gibt es von Gisela Welzenbach, die ihre Jugenderinnerungen in der Abendzeitung München veröffentlicht hat. Ihr Vater war über viele Jahre Tennislehrer und brachte seiner Familie das Tennisspielen bei. Sie schrieb, dass es auf dem Platz zahlreiche Turniere gab und im Lokal oft gefeiert wurde.

Balljunge und langjähriger, begeisterter Tennisspieler war Sigi Sommer (1914–1996). Es wird berichtet, dass er sehr unzufrieden und aufbrausend mit der eigenen und der Leistung anderer war und nicht gut verlieren konnte. Frau Welzenbach nimmt an, dass Sigi Sommer die Zerstörung des Tennisplatzes mit allen Mitteln verhindert hätte. Und diese Mittel wären durch seine journalistischen und schriftstellerischen Erfolge als Münchner Original gewaltig gewesen. In der Münchner Abendzeitung hätte er wahrscheinlich mit seiner fast 40jährigen Lokalkolumne Blasius der Spaziergänger jedes einzelne rote Sandkorn verteidigt.

Neben Sigi Sommer spielten am Tivoli zahlreiche Prominente aus vielen Bereichen, z. B. der frühere Polizeipräsident Manfred Schreiber (1926–2015), der Musikmanager Monti Lüfter (1931–2009) und der Fußballer Philipp Lahm. Viel wichtiger als die Nennung solcher Personen war aber das sehr erfolgreiche Angebot von ganztägigen Ferienkursen für Kinder in den letzten Jahren der Tennisanlage bis 2013. Tennis hatte vielleicht in früheren Jahrzehnten als modisch oder elitär gegolten. Am Tivoli konnten jedoch schon immer alle Gäste ohne Vereinszwang die Anlage bespielen und das Lokal besuchen. Hier waren Anwohner und Prominente, Erwachsene und Kinder eine typisch münchnerische Sportgemeinschaft in einer zentrumsnahen und trotzdem idyllischen Lage.

Interimscontainer 2014 bis 2021

Containerschule mit Erweiterungbau und illegalem FußballfeldNach der Tennisanlage eroberten Blech, Beton, Kunststoff und Lärm das Gelände. Ende 2014 und ab dem Schuljahr 2015/16 zerstörten die unfähige Münchner Stadtpolitik und Stadtverwaltung die 90 Jahre alten Tennisplätze. Das Grundstück der Stadt mit dem Zwei-Drittel-Anteil an der Gesamtanlage wurde zum Ausweichquartier mit Containern für die dreijährige Schulrenovierung des Wilhelmsgymnasium im mittleren Lehel.

Danach zog das Maximiliansgymnasium aus Schwabing für weitere vier Jahre trotz Genehmigung für nur drei zusätzliche Schuljahre in die Container ein. Das Schulreferat teilte Mitte 2021 den Anwohner die Verlängerung des Interims um zwölf Jahre mit, obwohl Stadtrat, Lokalbaukommission und Landbauamt nur sechs Jahre genehmigt hatten. Nach dem Baurecht liegen die Grundstücke im sogenannten Außenbereich. Hier sind nur Nutzungen wie Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Energie- und Wasserversorgung möglich, aber keine baurechtliche Zulässigkeit für Schulen.

Als betroffener Anwohner schreibe ich nur sehr ungern über dieses Kapitel und bezeichne diese Vorgänge wegen des Politik- und Verwaltungsversagens als Tivoliskandal. In meinem Internetangebot befinden sich etliche Beiträge mit ausführlichen Informationen und Fotos, z. B. Skandal am Tivoli. Skandal am Tivoli – Erweiterungen, Skandal am Tivoli – Die Klage und Skandal am Tivoli – Verlängerung.

Diese Ungeheuerlichkeiten sind kaum vorstellbar: Erst versagen Politik und Verwaltung der Stadt beim Unterhalt von Schulen, dann zerstören sie eine langjährige, traditionelle Sportanlage gegen den Willen der Anwohner und der Sportler. Schließlich wird versucht, das Ausweichquartier für Schulen aus anderen Stadtteilen langfristig zu etablieren. Erweiterungen werden gebaut – sogar ohne Genehmigung. Kartendienste im Internet bezeichnen die Containeranlage als Ausweichgymnasium. Dieser Name ist vermutlich von städtischen Stellen so weitergegeben worden, obwohl es sich nur um eine Interimsanlage befristet bis 9/2021 handelt.

Gegenwärtig bestimmen Außengong, Geschrei, Ballknallen, Lichtverschmutzung und hässliche Containerbauten den Tivoli. Rücksichtsloser Schullärm stört die Anwohner. Die Münchner Stadt benimmt sich am Tivoli wie ein selbstherrlicher Immobilienhai, der sich sein Recht selbst bestimmt, und der Freistaat Bayern lässt das zu. Pfui Deife!

Allgemeine Grünanlage im Regionalen Grünzug

Tor in der Mauer an der Ecke Hirschauer und TivolistraßeEcke Hirschauer und Tivolistraße steht in beiden Straßen eine Mauer mit einem unzugänglichen Pfeilertor und einem Pavillon am östlichen Ende in der Tivolistraße. Dort befand sich vor Jahren noch ein Schild mit der Hausnummer Tivolistraße 4. Vieles weist auf das 19. Jahrhundert als Entstehungszeit der Bauten hin. In der Hirschauer Straße wird die Mauer durch ein Fundament mit Säulen und durch einen Lattenzaun fortgesetzt, so dass der Blick auf das nicht genutzte Grundstück möglich ist. Von Osten, also von der Eisbachseite her, kann man das verwilderte Gelände über Pfade und leicht überwindbare Drahtzäune sogar betreten.

tivolirundgang-164a-3Die Mauer in der Tivolistraße, der Zaun in der Hirschauer Straße und ein Drahtzaun zum Gelände der Frauenklinik Dr. Geisenhofer umgeben ein Grundstück, das in dieser Lage wie ein Kuriosum oder ein Spekulationsobjekt wirkt. Vermutlich hat es zur Gaststätte Tivoli, danach zur Tivolimühle und zur Hypovereinsbank gehört. Durch den 2019er Verkauf des Tucherparks befindet es sich heute im Besitz der Unternehmen Commerz Real und Hines Immobilien.

Hinter der Mauer befindet sich ein Gelände mit einem großen Bestand an hohen, alten Bäumen. Das Grundstück wird aber nicht gepflegt und verkommt zunehmend. Etliche Bäume sind besonders stark mit Efeu überwuchert. Die Fläche wird nicht gemäht, weil die Verbuschung bereits eingetreten ist. Leidende Kastanienbäume zeigen Anzeichen für das Absterben, indem sie im Herbst blühen. Immerhin wird die ebenfalls vernachlässigte Mauer gelegentlich vom Sprayer-Schwachsinn gereinigt.

Dieses Grundstück gehört zum Biotop Südlicher Englischer Garten: „TF 06 – Kleiner Park mit Bürogebäude an der Ecke Tivolistraße / Hirschauer Straße. Schöner alter Baumbestand aus vielen Kastanien (bis 90 cm Stammdurchmesser), Buchen (bis 70 cm) und jüngeren Spitz-Ahorn-Bäumen. Im schattigen Unterwuchs v.a. Jungwuchs der Bäume, Ziersträucher und Efeu. Über der Hirschauer Straße kein Kronenschluß zu den Baumbeständen im Englischen Garten. Jedoch funktioneller Zusammenhang.“

Lage des ehemaligen Baubüros und LagerplatzesDas im Zitat erwähnte Bürogebäude war vermutlich ein Baubüro der Firmen Ingenieurbüro Konrad und Hau-Bauunternehmen, die heute noch mit der Suche nach Tivolistraße 4 im Internet zu finden sind. Daneben befanden sich ein Parkplatz und ein Lagerplatz mit zwei Briefkästen und mehreren Firmenschildern: Hau-Bauunternehmen, Axima Gebäudetechnik, Schmid GmbH und Lindner Isoliertechnik. 2009 war das Bürogebäude abgerissen und der Parkplatz beseitigt. Die Hinweise auf die Firmen konnte ich aber am Zaun des chaotischen Lagerplatzes lesen und fotografieren.

Die umzäunte Fläche umfasste mehrere Schuppen und Container sowie Baumaterial und Gerümpel im Freien. Der Zaun hatte Lücken, durch die man das Gelände betreten konnte. Es gab jedoch Anzeichen, dass sich hier gelegentlich Menschen aufhielten. Weiß-rote Kunststoffteile, wie sie bei Absperrungen wegen Bauarbeiten verwendet werden, sollten wohl vor dem Zutritt abschrecken. Beim Blick auf die Fläche bekam man den Eindruck, dass es sich bei etlichen Gegenständen um Diebesgut von Baustellen handeln könnte. Das Grundstück wurde nach meiner öffentlichen Fotodokumentation Mitte 2021 geräumt.

Für die neuen Eigentümer sind das Biotop-Grundstück und der ehemalige Lagerplatz vermutlich wertlos. Vielleicht wird mit der Vernachlässigung langfristig auf Verkauf, Tausch oder Baurecht hingearbeitet. Das Gelände befindet sich aber im Außenbereich in einer Allgemeinen Grünanlage, die als Regionaler Grünzug in Zusammenhang mit den Isarauen und dem Englischen Garten steht. In meinen Augen ist die Verwilderung des Grundstücks in dieser innerstädtischen Lage eine unverantwortliche, vielleicht sogar unrechtmäßige Handlung, weil die Eigentümer ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Städtische und staatliche Behörden, die für Flächennutzung und Naturschutz verantwortlich sind, drücken wohl beide Augen zu.

Zwischen diesem ehemaligen Mülllager und der Tivolistraße liegt heute eine Rasenfläche, die vor Jahren noch als ein geteerter Parkplatz für die Hypovereinsbank gedient hatte. In der Folgezeit wurde eine Grünfläche mit Weg und in einem gekiesten Teilstück ein bereits wieder entfernter Kinderspielplatz errichtet. Seit dem Bau des Tucherparks wird der Weg durch das Grundstück als Verbindung mit den Bus- und Trambahnhaltestellen Tivolistraße genutzt. Heute weisen Vermüllung, Glasscherben und Lärmstörungen darauf hin, dass sich hier regelmäßig Jugendliche treffen. Am Weg befinden sich vier Parkbänke, ein Mülleimer und sechs undefinierbare Skulpturen. Ein Zaun mit zwei dauerhaft geöffneten Toren umgibt das Gelände.

Allgemeine Grünalage im regionalen Grünzug Isarauen und Englischer GartenZu den bislang beschriebenen drei Flächen kommt östlich des Eisbachs eine Vierte hinzu, die von der Hypovereinsbank als Parkplatz, Tiefgarageneinfahrt, Tankstelle und Lagerplatz für alles Mögliche genutzt wird. Das stellt sozusagen der Höhepunkt dieser Allgemeinen Grünanlage im Regionalen Grünzug Englischer Garten und Isarauen dar.

Die verantwortliche städtische Naturschutzbehörde weiß offensichtlich nichts von dieser Nutzung, die dem Flächennutzungsplan der Landeshauptstadt München und dem Bayerischen Baugesetz für Grundstücke im Außenbereich in besonderem Maße widerspricht. Die beschriebenen Grundstücke gehören seit 2019 den Investoren des Tucherparks, die bislang keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen haben und die Teilflächen weiterhin vernachlässigen.

Auf dem städtischen Grund der benachbarten Tennisanlage Tivoli stehen Containerbauten für schulischer Nutzung in dieser Allgemeinen Grünanlage und im Außenbereich. Südlich davon befindet sich ein privater Grundstücksteil mit dem Schwarzbau einer lärmintensiven Socceranlage, deren Genehmigung von mir beklagt wird. Das Grundstück umfasst auch das Betriebsgebäude der abgetragenen, aber flächenrechtlich noch bestehenden Tennisanlage und gehört den Investoren des Tucherparks.

Im Innen- und Außenbereich des Anlagengebäudes sollen ein Gastronomiebetrieb und davor ein einzelner unrentabler, aber für die Genehmigung vorgeschobener Tennisplatz entstehen. Mitwirkende für den künftigen Betrieb haben mich aufgrund meines Internetangebots kontaktiert und über die tatsächlich beabsichtigte Nutzung belogen, obwohl die Verbindung zur Szenegastronomie im Internet leicht zu finden war. Lügen und Verhalten im Vorfeld lassen Absichten wie Partys und Events mit Lärm vermuten, was zu verhindern ist.

Vernachlässigung, Rechtsbrüche und Unwahrheiten waren zu Kennzeichen dieser gesamten, sogenannten Grünanlage geworden. Städtebaulicher Unsinn wurde mit der weiter östlich gelegenen Kreuzung Ifflandstraße und Tivolistraße fortgesetzt. Hier hat die Ifflandstraße sieben Fahrspuren, die Tivolistraße eine aus heutiger Sicht völlig überflüssige Unterführung. Statt dieses überdimensionierte Bauwerk zurückzubauen, wurde es 2019/20 kostenaufwendig renoviert, obwohl der autogerechte, kreuzungsfreie Ausbau der sogenannten Isarparallele wegen Bürgerprotesten bereits nach 1963 eingestellt worden war.

Wer meine Beschreibung in diesem Bereich für eine Übertreibung hält, dem empfehle ich den Digitalen Flächennutzungsplan der Landeshauptstadt München mit seiner Legende und in der Vergrößerung auf den Tivoli sowie meine 254 Fotos bei meinem Tivoli-Rundgang im Februar 2021 aufzurufen. Ich nehme kein weiteres Bereichsfoto in diesen Beitrag auf, weil es sich nicht um historische Angelegenheiten, sondern um gegenwärtiges Versagen von Eigentümern, Stadtverwaltung und Stadtpolitik handelt. Die Landeshauptstadt München ist hier seit langem für einen schmuddeligen, spekulativen Schandfleck verantwortlich, der nur zwei Kilometer vom zentralen Rathaus entfernt ist. Pfui Deife!

Radio Freies Europa und Universitätsgebäude

Gebäude in der Oettingenstraße 67 mit Instituten der Ludwig-Maximilians-UniversitätZwischen dem nördlichen Teil der Oettingenstraße und dem Oberstjägermeisterbach befindet sich heute ein langgestrecktes Gebäude, das ursprünglich als Krankenhaus bestimmt war. Der kammartige zweigeschossige Bau steht auf dem Gelände der ehemaligen Hofgärtnerei am östlichen Rand des Englischen Gartens.

Dort nahm der amerikanische Sender Radio Free Europe 1951 den Betrieb auf. 1976 kam der ebenfalls in München ansässige Sender Radio Liberty hinzu. RFE/RL hatte antikommunistische Ziele und wurde bis Anfang der 1970er Jahre vom US-Auslandsgeheimdienst CIA finanziert. Mit den grenzüberschreitenden Radiowellen sollten die Menschen in Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien im Sinne des Westens beeinflusst werden. Die Sendungen in den damaligen Ostblock wurden nach dem Zusammenbruch der UdSSR eingestellt, der Sender 1995 nach Prag verlegt. Das Historische Lexikon Bayerns beinhaltet einen umfangreichen Beitrag aus dem Jahr 2018.

Nach dem Auszug der Sender übernahm der Freistaat Bayern das Gebäude in der Oettingenstraße 67 und brachte dort Institute der Ludwig-Maximilians-Universität unter: Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft, Institute für Kommunikationswissenschaft, Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Japan-Zentrum, Informatik als Hauptstandort und eine Fachabteilung der Universitätsbibliothek. 2010 wurde ein neuer Hörsaalbau der LMU im nördlichen Hof des langen Gebäudes errichtet. Der Neubau umfasste zwei übereinanderliegende Hörsäle und zwei Anbauten für Büroflächen.

Tucherpark

Tucherpark - GoogleNördlich des historischen Tivoli wurde Ende der 1960er Jahre der Tucherpark errichtet. Heute befindet sich auf dem Grundstück der 1969 abgerissenen Tivolimühle das Hilton Munich Park Hotel. Dieses ist umgeben von den Gebäuden der ehemaligen Bayerischen Vereinsbank. Die Aktiengesellschaft Tivoli wurde Teil der Bayerischen Vereinsbank, später der Hypovereinsbank und dann der Unicredit Bank AG, die seit 2005 ein Tochterunternehmen der italienischen Großbank und Holding Unicredit ist. Der Tucherpark wurde Ende 2019 von der Hypovereinsbank für bis zu eine Milliarde Euro an die Investoren Commerz Real und das US-amerikanische Unternehmen Hines Immobilien verkauft.

Die notwendige Weiterentwicklung des Tucherparks soll mit Bürgerbeteiligung Platz für Leben, Wohnen und Arbeiten schaffen. Auf dem Gelände der ehemaligen Büroanlage sollen Mietwohnungen, Geschäfte, Gastronomie sowie Kultur- und Freizeitangebote entstehen, wobei das Hotel und die Grünflächen erhalten werden. Vertreter der Eigentümer haben aber bislang keine Pläne für die künftige Nutzung vorgelegt, so dass sich die Bürgerbeteiligung auf geführte Rundgänge beschränkt. Dabei werden Beschreibungen vorgetragen, die alle Möglichkeiten offen lassen und versichern, das Natur- und Denkmalschutz sowie Bürgerwohl umfängliche Beachtung finden. Dies steht allerdings im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen der Investoren.

Kennt man die Geschichte des Tivoli in München, ist die Bezeichnung Tucherpark mehr als fragwürdig. Sie erfolgte nur, weil jemand mit diesem Namen zehn Jahre Vorstandsprecher der Bayerischen Vereinsbank war. Die historische Ortsbezeichnung Tivoli hatte aber eine Tradition seit 1808. Die neuen Eigentümer wären als Zeichen für die Veränderung gut beraten, die historisch begründeten Namen Tivoligarten oder Tivolipark zu verwenden. Zwei Gebäude im Park, die außerhalb des Grundbesitzes der Investoren liegen, sind bereits als Tivoli Garden und Tivoli Office benannt. Im Hilton Munich Park Hotel befindet sich das Tivoli Restaurant. Für kommerzielle und architektonische Aspekte bieten die Internetseiten der Sep Ruf Gesellschaft e.V. ein umfangreiches Informationsmaterial mit vielen Fotos zum Park an.

Hirschau

Der Standort der Maffeifabrik wurde bereits 1938 aufgegeben. Reste mit Grundmauern ruhen unter kleinen Erhebungen in der Hirschau. Geblieben sind das Tivoli Kraftwerk, die ehemalige Arbeiterkantine im Hauptgebäude des heutigen Restaurants und die Gebäude in der Gyßlingstraße. Dort befanden sich eine Krankenstation und ehemalige Werkswohnungen für Führungskräfte der Lokomotivenfabrik.

Restaurant, Biergarten, Spiel- und Sportanlagen in der Hirschau haben eine wechselvolle Geschichte mit Schwarzbauten, Tanzvergnügungen und vielen unterschiedlichen Gästen und Betreibern. Grundstücks- und Gebäude-Eigentümer der gesamten Anlage war ab 1913 die Immobiliengesellschaft von Spatenbräu und danach Löwenbräu. Die Gebäude wurden 2001 umfangreich saniert, die Gaststätte danach bis 2005 von Wiesnwirt Peter Schottenhamel betrieben. Von 2006 bis 2012 pachteten die Wirte Thomas Böhm vom Grasbrunner Hof und Christian Hoyer vom Kloster Bräustüberl Reutberg zusätzlich diesen Betrieb.

Restaurant, Biergarten, Spiel- und Sportanlagen in der HirschauEnde 2012 erwarb der Wiesnwirt Ludwig Hagn die gesamte Immobilie von der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA. Die Hirschau wird seit 2013 von seiner Tochter Stephanie Spendler und ab 2021 vom Enkel Lukas Spendler mit Geschäftspartner Daniel Egger geführt. Der heutige Biergartenbetrieb zeigt hohe münchnerische Lebensart und Qualität, wie bei Tivolifoto München für die Jahre 2013 und 2014 dokumentiert ist. Besonderheiten sind das traditionelle, abwechslungsreiche Musikangebot, die Steckerlfische und der Kinderspielplatz. Die Gaststätte versteht sich ab 2021 mit dem Namen 1804 Restaurant als Angebot für Feinschmecker.

Nach dem 2012er Verkauf des gesamten Anwesens sollten die 1962 errichteten Tennisplätze in der Hirschau vertraglich festgelegt renaturiert werden, weil sie Schwarzbauten waren. Wegen der Zerstörung der Tennisanlage Tivoli durch rot-grüne Stadträte und Stadtverwaltung verzichtete man auf die Beseitigung der nicht genehmigten Hirschauer Tennisplätze. Um die Verärgerung der Tennisspieler am Tivoli zu vermindern, legalisierte die Stadt die Tennisplätze in der Hirschau und genehmigte sogar den Neubau eines Betriebsgebäudes und zweier Beachvolleyball-Plätze im Naturschutzgebiet.

Vereinsfreie Tennisspieler bekamen damit dem Tivoli nahe liegende Spielmöglichkeiten als Ersatz für dessen Zerstörung. Der Ausbau in der Hirschau mit dem Gebäude für den Tennisbetrieb und mit Beachvolleyball-Plätzen sowie die Zerstörung der Tennisanlage Tivoli sind Beispiele, wie die gegenwärtige Stadtverwaltung in München geltendes Recht für Natur- und Landschaftsschutzgebiete bricht und nach anderen Interessen vorgeht.

Tivoli Kraftwerk 2008Das in der Hirschau benachbarte Tivoli-Kraftwerk ist ein ehemaliges Wasser- und Dampfkraftwerk der Maffei-Eisenwerke. Es wurde 1896 errichtet und um 1900 ausgebaut. Der Blankziegelbau mit der zweigiebligen Turbinenhalle überbrückt den Eisbach. Eine eingieblige Kesselhalle ist angebaut. Die ursprüngliche Maschineneinrichtung von 1901 ist teilweise erhalten und funktionstüchtig. Die Tivoli-Kunstmühle AG nahm das Kraftwerk 1949 wieder in Betrieb und nutze den Strom bis 1969 für die Tivolimühle. Das Kraftwerk steht seit 1985 unter Denkmalschutz, bekam aber ein Jahr später zwei neue leistungsfähige Turbinen.

Tivoli Pavillon 2003 mit der Bezeichnung Cafe-GartenAm Anfang der Gyßlingstraße bietet der Tivoli Pavillon in der Hirschau Speisen und Getränke zum Verkauf an. Er wurde 1983 für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) im Westpark erbaut und danach mit der Bezeichnung Cafe-Garten im Englischen Garten wieder eröffnet. Pächter war Rudi Horwarth – bekannt mit dem Namen Zigeuner-Rudi. Auf Anregung der Parkverwaltung erfolgte die Umbenennung des Kiosks beim Pächterwechsel zu Margot Schunk, die auch den Kiosk am Seeeinlauf betreibt. Zum Tivoli Pavillon gehört ein kleiner Biergarten ohne Service. Neben dem Weg vom Pavillon zum Tivoli-Kraftwerk liegt eine Stockschützenanlage.

Mini-Hofbräuhaus in der HirschauWestlich vom Ende der Gyßlingstraße führt der Ernst-Penzoldt-Weg zum Mini-Hofbräuhaus. Dieser Kiosk mit Biergarten ist vor allem bei Hundehaltern beliebt – leider ohne Beachtung der Leinenpflicht im Englischen Garten. Der Weg hieß früher Gleisweg und wurde als Anschluss der ehemaligen Maffei-Lokomotivenfabrik an das allgemeine Gleisnetz genutzt. Alle Wege im Englischen Garten haben geschwungene Formen, dieser verläuft aber von der Gyßlingstraße aus gerade nach Schwabing.

Grund hierfür war die Verbindung der Lokomotivfabrik J. A. Maffei über ein drei Kilometer langes Anschlussgleis mit dem Bahnhof Schwabing seit dem 4. März 1902. Das Maffei-Gleis kam aus dem südlich gelegenen Eisenwerk und wurde mit Rücksicht auf Fuhrwerke und Spaziergänger nur im Schritttempo befahren. Die Lokomotiven mussten dann nicht mehr auf Straßenfahrzeuge, die von vielen Pferden gezogen wurden, verladen oder mit Straßenlokomotiven durch die Stadt transportiert werden. Fuhrwerke von und zur Fabrik wurden durch Waggons abgelöst, was einen Anstieg des Güterverkehrs bewirkte.

Umspannwerk HirschauAm nordöstlichen Ende der Gyßlingstraße befindet sich das ehemalige Umspannwerk Hirschau der damaligen Städtischen Elektrizitätswerke. Der mehrteilige kubischer Baukomplex in Sichtziegelmauerwerk mit Flachdächern wurde 1930/31 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Zur Gesamtanlage gehören ein 25-Kilovolt-Haus, Werkstatt, Steuerhaus und Freiluft-Schaltanlage mit technischer Ausstattung. Gelände und Bauwerke sind heute vermutlich im Besitz der Stadtwerke München und stehen unter Denkmalschutz. Die Nutzung erfolgt derzeit für künstlerische und weitere Zwecke. In nördlicher Richtung folgt eine Kleingartenanlage und ein sehr großes Betriebsgelände der Verwaltung des Englischen Gartens.

Am südwestlichen Anfang der Gyßlingstraße liegt der Bauhof der Residenz München. Es folgt der Privatgrund mit Gastronomie und Sportanlagen in der Hirschau. Danach betreibt das Diakoniewerk München Maxvorstadt eine Gartenanlage, an die sich der Waldkindergarten Naturkind anschließt. Nach einer freien Wiesenfläche bilden eine Kleingartenanlage und die Häuser mit den 1920er Arbeiterwohnungen den Abschluss der Gyßlingstraße im Westen.

Literatur, Quellen, Freiheiten

Als Anwohner mit Blick über den Münchner Tivoli und als Internetanbieter von Texten und Fotos aus meiner nahen Wohnumgebung verfolge ich geschichtliche und aktuelle Entwicklungen zum Tivoli mit besonderem Interesse. Dieses hatte mich zur Namensgebung von Tivolifoto im Internet angeleitet. 2011 am Anfang des Internetvorhabens erarbeitete ich mit meinem damalig geringen Kenntnisstand die Fotobücher und Internetbeiträge Tivoli in München und Nördliches Lehel.

In der Zwischenzeit erweiterte ich mein Wissen über den Tivoli und sammelte Literatur, die auf der Seite Tivolibücher beinhaltet ist. Diese Zusammenfassung kann als Literaturverzeichnis und Quellenangabe zum vorliegenden Beitrag verstanden werden. Ich habe keine historischen Quellen ausgewertet, sondern nur Internetseiten, Wikipedia und meine Tivolibücher.

Als Einführung zu diesem Beitrag dienten die Abbildung einer historische Biergartenszene und die Umgebungsbeschreibung aus der Geschichte. Möglich und sinnvoll wären auch Aussagen und Karten zur genauen Lage des Tivoli in Vergangenheit und Gegenwart gewesen. Diese befanden sich aber bereits auf der Seite Lage des Tivoli in meinem Gesamtangebot. Die Wiederholung sollte vermieden werden.

Eine Besonderheit dieses Beitrags ist, dass die historischen Abbildungen urheberrechtsfrei und keine digitalisierten Originale sind, sondern meistens von mir bearbeitet wurden. Durch Hinweise und Links sind die Originale aber leicht auffindbar. Außerdem ist jede Abbildung mit dem großen Quellbild verlinkt, das sich beim Klicken in einem neuen Tab öffnet.

Meine Tivoligeschichte ist nicht vollständig und keine wissenschaftliche Arbeit. Ich vertraue jedoch auf die sachliche Richtigkeit beim Zusammenschreiben. Dabei mussten einige Unklarheiten in Büchern und Internetangeboten ausgeräumt werden. Zudem bestand die Schwierigkeit, mich auf die historische Gaststätte Tivoli zu beschränken, weil diese zur Namensgeberin für viele Orte und Bauwerke in der Umgebung geworden war. Die Eingrenzung gelang mir anfänglich, ich gab sie aber in der Folgezeit auf. Zuerst wollte ich nur sachlich berichten, dann legte ich diese selbst gewählte Beschränkung ab und ließ persönliche Wertungen einfließen.

Persönliche Bezüge

Mich interessieren die vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungen meiner nahen Wohnumgebung, in der ich lange und gerne lebe. Dabei möchte ich kein seelenlos zugezogener und austauschbarer Bewohner sein, sondern mit angemessenem Aufwand möglichst viel wissen. Die Suche in Büchern und im Internet sowie das Zusammenschreiben meiner Ergebnisse sind für mich eine geistig anregende Beschäftigung. Das Angebot im Internet soll der öffentlichen Unterhaltung dienen.

Insgesamt möchte ich frühere Gegebenheiten ergründen, Bestehendes dokumentieren und dazu beitragen, künftige kommerzielle Missbräuche zu verhindern. Besonders muss ich die Zerstörung des Tennisplatzes, die schulische Zwischennutzung und die gesamte Stadtzerstörung in meinem Lebensumfeld kritisieren. Verantwortlich und schuldig sind rote und grüne Bürgermeister, Stadträte und eine Stadtverwaltung, die gegen den Willen der Anwohner vorgehen, um anderweitige Interessen durchzusetzen.

Meine Münchner Mietwohnung war von 1975 bis 1995 im nördlichen Teil des Lehels. Das mittlerweile abgerissene Wohngebäude befand sich in der Riedlstraße 3, die nach Adrian von Riedl benannt worden war. Nach einer Schwabinger Unterbrechung wohne ich seit 2004 in der Karolinenstraße 6 mit Blick auf das Gelände des historischen Tivoli. Ich war zeitweiliger Gast im Nachfolgelokal des Paradiesgartens, in der ehemaligen Gastronomie des Tennisplatzes sowie in den Biergärten und Restaurants Chinesischer Turm, Seehaus, Hirschau und Aumeister.

Tivoli ist für mich Ausgangspunkt für tägliche Genuss- und Fitness-Radfahrten über die Reste der früheren Hirschau zum Aumeister, zurück zum Haus der Kunst und zur Wohnung. Dabei ist meine Gedankenwelt unter anderem in der Geschichte dieser Gegend. Das eigene Internetangebot mit Tivolifoto München und die Internetsuche dazu sind für mich ganz einfach interessant und unterhaltsam.

Weiterentwicklung

Natürlich ist die Geschichte des Tivoli in München mit diesem Text und den beinhalteten Bildern nicht zu Ende. Besitz, Nutzung und Preise von Grundstücken und Bauwerken haben sich verändert und werden es weiterhin tun. Einzigartig ist die Lage dieser früheren Isarwildnis zwischen Eisbach und Englischem Garten. Von den Vergnügungen am Tivoli sind nur die Ortsbezeichnungen geblieben. Ich werde Erkenntnisse, Ergänzungen und Entwicklungen in diesem Beitrag aktualisieren.

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